Wer dekolonisiert hier wen? – Ein Themensemester des IfEK

Das Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft (IfEK) präsentierte vergangenen Dienstag sein inzwischen drittes Themensemester, diesmal unter dem Titel „Dekolonisierung der Stadt – Dekolonisierung des Wissens“. Das Programm des aktuellen Sommersemesters wird daher ganz im Zeichen der teilweise erzählten und teilweise verschwiegenen, in jedem Fall aber noch wirkungsvollen Geschichten des Kolonialismus stehen. Dessen Spuren in der Stadt Bremen, in Wissenschaft und Alltag soll nachgegangen und eine „dekoloniale Praxis“ entwickelt werden.

Martina Grimmig und Michi Knecht lauschen dem Vortrag von…

Wie emotional und sensibel dieses Thema nach wie vor ist und wie verschieden auch die Perspektiven darauf, was „dekoloniale Praxis“ genau bedeuten soll, zeigte schon die Auftaktveranstaltung am Dienstagabend. Geladen waren Julian Warner (Universität Göttingen), Noa Ha (TU Berlin), Anna Greve (Referentin Senat für Kultur, Stadt Bremen/Universität Bremen) und ein diskussionsfreudiges (überwiegend weißes) Publikum aus Lehrenden, Aktivisten, Partnern, Studis und Interessierten.

… Julian Warner über’s „Blackness unterrichten“.

Gesprochen wurde darüber, wer Zugang zu Wissen an Universitäten hat und wie auch sie ein Teil des Rassismus darstellen. Über „koloniale Amnesie“ und Museums- sammlungen, die Europa zur Schau stellen sollen, nicht aber die Art, wie die Objekte beschafft wurden. Darüber, woher der (ehemalige) Reichtum der Stadt Bremen eigentlich kommt, über Asylpakete, die kriminalisieren, anstatt Schutz zu gewähren und über Afrika, das wir immer noch wie den „Vorgarten“ Europas behandeln (?).

Bei der Auftaktveranstaltung sind wir uns einig darüber, dass wir von der Dekolonisierung noch sehr, sehr weit entfernt sind, dass wir eigentlich wirtschaftspolitisch immer noch mitten drin stecken in der Kolonialisierung. Uneinig sind wir uns darüber, wie diese Probleme gelöst werden sollen und wer die Frage nach der Dekolonisierung eigentlich stellen darf: Die Kolonisierten oder die Kolonisatoren?

„Dieses Gebiet lässt sich auch im Laufe des Themensemesters natürlich nicht hinreichend abarbeiten“, sagt Martina Grimmig, die zusammen mit Ulrike Flader verantwortlich für das Programm ist, das in Kooperation mit vielen verschiedenen universitären wie städtischen Partnern entstand. Es sollen aber möglichst viele Strömungen angesprochen, sowie die aktuelle Debatte, die die Stadt Bremen und auch das Institut selbst schon länger umtreibt, sichtbar gemacht werden. Man erhofft sich dadurch auch eine „stärkere Verbindung zwischen Forschung, Politik und Alltag“.

Schon aus der Debatte ergibt sich, dass die Thematik Schwarz und Weiß, Ethnologieprofessoren und Fachfremde gleichermaßen betrifft, daher ist auch das Programm nicht explizit nur für Studierende des Fachbereichs konzipiert und es gibt viele öffentliche Veranstaltungen.

Angeboten werden

VORTRÄGE

WORKSHOPS

SEMINARE

AUSSTELLUNGEN

PODIUMSDISKUSSIONEN

FILMVORFÜHRUNGEN

VORLESUNGEN und

EXKURSIONEN

 

im Laufe des Sommersemesters. Beendet wird das Themensemester durch das Sommerfest des Instituts für Ethnologie und Kulturwissenschaft, bei dem unter anderem mit Arbeitspräsentationen und Posterausstellungen einige Ergebnisse gezeigt werden sollen.

-> Wenn ihr teilnehmen und mehr erfahren wollt, findet ihr hier eine Sammlung aller Veranstaltungen für das SoSe 2017.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.