Prüfungsversuche – Akademischer Senat bleibt ergebnislos

Im Laufe des letzten Jahres empörte sich die Studierendenschaft zunehmend über die Handhabung von eingetragenen und vermeintlich endgültig nicht bestandenen Prüfungsversuchen durch das Zentrale Prüfungsamt (ZPA). Wer sich an der Uni Bremen über das Onlineportal PABO zu einer Prüfungsleistung anmeldet, für die oder den tickt die Uhr. Wird im laufenden Semester nicht die angemeldete Leistung im entsprechenden Modul erbracht, verbleiben drei Folgesemester, um dies nachzuholen. Ohne eine erneute Anmeldung im Folgesemester kann eine dann erbrachte Leistung jedoch nicht gewertet werden, obwohl eine nicht erbrachte Leistung in jedem Folgesemester als nicht bestandener Prüfungsversuch gilt. Das klingt nicht nur widersinnig, sondern führt auch zu dem Umstand, dass Studierende zwangsexmatrikuliert werden aufgrund einer Eintragung in PABO, die ihnen eine „endgültig nicht bestandene“ Prüfung unterstellt. Und das obwohl sie womöglich nicht ein einziges Mal zu einer Klausur in dem jeweiligen Modul gegangen sind, beziehungsweise noch keinen Versuch unternommen haben, mit einem Essay, einer Hausarbeit oder ähnlichem Credit Points in diesem Modul zu erwerben.

Popcorn zum Protest, verteilt durch den AStA.

Jedes Anliegen braucht einen Button.

Konter gegen die Prüfungsordnung vor dem Konterfei des Rektors.

Kritische Wortmeldungen von Studierenden dominierten die Sitzung.

Wie viele Gründe es haben kann, dass Studierende in diese Situation geraten, ob durch finanziellen Druck, der Arbeit neben dem Studium erforderlich und das universitäre Pensum nahezu unerfüllbar macht, ob durch familiäre, psychologische oder gesundheitliche Umstände – das wurde dem Akademischen Senat (AS) spätestens vergangene Woche klar. Ein Antrag auf Änderung des allgemeinen Teils der Prüfungsordnung rief eine große Zahl unzufriedener Studierender auf den Plan. Sie nutzten die Gelegenheit, als Gäste der AS-Sitzung ihren Unmut kund zu tun. Auf Antrag der studierenden Vertreter*innen im Senat wurde für den Tagesordnungspunkt zur Wiederholungsregelung in der Prüfungsordnung das Wort auch den Gästen der Sitzung erteilt. Sie berichteten von Leistungsdruck, Prüfungsangst, dem Hinterhereifern nach Credit Points zwecks BAföG-Berechtigung, dem Abarbeiten von bereits in vergangenen Semestern angemeldeten Prüfungen bei gleichzeitiger Einhaltung des Studienverlfausplanes zwecks Verbleib in bestehenden Lerngruppen. Doppel-, Dreifach-, Vielfachbelastungen aus der Lebensrealität Studierender fanden so das Gehör der übrigen AS-Mitglieder. Auch unter diesen bestand nahezu ein Konsens über die Notwendigkeit der Änderung der Prüfungsordnung.

Die Menge an Härtefallanträgen, die Zahlen der psychologisch-therapeutischen Beratungsstelle am Campus, die Unflexibilität in Bezug auf individuelle fächerspezifische Regelungen durch den Allgemeinen Teil der Prüfungsordnung, der jedes Semester im ZPA entstehende Stress und viele weitere Gründe veranlassten nicht nur die Studis, über die geforderte Änderung der Prüfungsordnung zu diskutieren. Die Meinungen über die zielführendste Lösung des Problems gingen jedoch weit auseinander. Während der Vorschlag der Studierenden im AS auf die ersatzlose Aufhebung der Begrenzung der Anzahl an Prüfungswiederholungen abzielte, sehen alternative Lösungsansätze vor, Prüfungen zweimal innerhalb eines beliebig langen Zeitraumes nachholen zu können oder das bestehende Modell lediglich dahingehend zu ändern, dass eine erneute Anmeldung zu Prüfungswiederholungen innerhalb der drei Folgesemester nach dem vermeintlichen Erstversuch überflüssig wird.

Obwohl das Thema nun schon seit längerem auf der Agenda des AS steht, wurde die Abstimmung hierüber letztlich doch vertagt, mit der Begründung, man brauche konkrete Zahlen über Studienabbrecher*innen auf Grund von ausstehenden Prüfungsleistungen, Studienfachwechsel, et cetera. Was jedoch die nun von der AS-Kommission für das Studium zu erhebenen Zahlen darüber aussagen, welche Alternative zur gängigen Praxis die beste ist, bleibt jedoch fraglich. Letztlich können sie alle nur belegen, dass der Status Quo inakzeptabel ist.

Als die Rednerliste für die Gäste bereits geschlossen war, fielen dann noch ein paar Argumente seitens der AS-Mitglieder, die leider dahingestellt blieben. Man müsse einzelne Veranstaltungen theoretisch über Jahrzehnte weiter anbieten, um die unbegrenzte Wiederholung von Prüfungsversuchen zu ermöglichen, es gäbe keine andere Uni, die so liberale Regelungen hätte und es würden sich zunehmend Langzeitstudierende häuslich an der Uni einrichten, um von studentischen Privilegien zu profitieren. Dass man nur nach Hamburg schauen muss, um eine Uni aufzuzeigen, an der für einzelne Prüfungsleistung keine vergleichbare Frist besteht, dass Studierende sicherlich lieber den Aufwand betreiben, sich in einer neuen Veranstaltung auf ein anderes Thema einzulassen, um eine Hausarbeit nachzureichen oder sich gar auf ein neues Modul einlassen, anstatt exmatrikuliert zu werden, bleiben also Argumente für die nächste Sitzung des Akademischen Senats. Diese wird voraussichtlich in drei Monaten stattfinden.

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