Editorial – Das Schweigen des AStA

Lang ist’s her, dass wir auf der EULe über den Allgemeinen Studierendenausschuss, kurz AStA, berichteten. Zuletzt wurde es auf unserem Blog hochschulpolitisch, als wir mehr denn je über die Wahlen der studentischen Vertrter*innen in den verschiedenen Gremien schrieben. Es gab Posten in den Fachbereichsräten, im Akademischen Senat und im Studierendenrat (SR) zu ergattern und (fast) alle hochschulpolitischen Listen und Einzelkandidat*innen, die in letzteren einziehen wollten, nahmen unser Angebot dankend an, sich den Leser*innen der EULe vorzustellen. Nach den Wahlen ging das Interesse der Listen, die in den SR eingezogen sind, an medialer Präsenz dann aber scheinbar drastisch zurück. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. Die Listen, die sich im SR zusammentaten, um den AStA zu bilden, lassen jetzt nichts mehr von sich hören. Seit Beginn diesen Semesters ist der neue AStA im Amt, das Semester nun fast vorbei und unsere Fragen, die wir der studentischen Vertretung im Rahmen unseres jährlichen Antrittsinterviews gestellt haben, bleiben weiterhin unbeantwortet. Auf den zweiten Blick stellt sich jedoch die Frage, ob die Listen, die den derzeitigen AStA stellen schlichtweg so uneinig sind, dass schon ein Konsens über die Beantwortung von Interviewfragen unmöglich ist. Dafür spräche, dass schon die Koalitionsverhandlungen Ende letzten Semesters, beziehungsweise in den vergangenen Semesterferien, länger als üblich gedauert hatten. Verschiedene Teilnehmer*innen der Verhandlungen berichteten uns außerdem  von ihrem Unmut über deren Verlauf beziehungsweise Ausgang.

Bereits Anfang des Semesters saß ich mit dem AStA-Vorstand Jan-Eric Hahn zusammen, um über seine Person zu reden. Antworten zu Fragen bezüglich des AstAs wollte er jedoch nicht beantworten. Dieser Umgang mit Medien seitens des AstAs ist der EULe jedoch bereits bekannt. Die im AStA vertetenen Listen stehen zumeist für Delegiertentum statt Repräsentantentum. Niemand will als Einzelperson für die Studierendenschaft und deren Vertretung sprechen. Das ist löblich. Zuweilen jedoch umständlich für uns, die wir als studentisches Medium Ansprechpartner*innen brauchen.

Wir fanden uns damit ab, dass Interviewfragen vorab schriftlich eingereicht werden müssen, bevor uns diese durch eine*n oder mehrere Deligierte*n beantwortet werden. Auch damit, dass wir teilweise Interviews mit Deligierten vor der Veröffentlichung noch einmal dem AStA vorlegen müssen, oder uns nach dem Ausstieg aus der Hochschulpolitik Anfragen ehemaliger Deligierter erreichen, ihre Namen aus unseren Archivartikeln zu entfernen und Fotos von ihnen unkenntlich zu machen. Dass jedoch Fragen, die wir nach vorab mündlicher Absprache schriftlich einreichen, über Monate unbeantwortet bleiben und man uns bei mehrfacher Nachfrage immer wieder versichert, man diskutiere bald, bereits oder noch über die Antworten, das ist ein Novum.

Natürlich könnte man sich dann einfach zurücklehnen und sagen: Dann halt nicht. Themen gibt es genug, auf den Seiten des AstAs können wir uns zur Not auch über deren Treiben informieren. Aber wir finden, es sollte einen regen oder zumindest irgendwie existenten Austausch zwischen Unimedien und Hochschulpolitik geben, um Transparenz zu gewährleisten. Wir geben ihnen eine Bühne vor der Wahl und sie uns Informationen nach der Wahl. So funktionierte unsere Berichterstattung über Hochschulpolitik bisher. Es gab sogar einen AStA der mehr oder weniger regelmäßige Treffen mit Vertreter*innen der Unimedien anberaumte. Es gab immer wieder Themen, die von Einzelpersonen im AStA an uns herangetragen wurden. Seit diesem Semester hören wir aus der AStA-Etage nur noch eins: Schweigen.

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