Für den letzten Artikel dieser Reihe wagte ich mich in eine ausklingende Einführungsvorlesung für Mathematik in der Keksdose. Frau Piotrowska-Kurczewski hatte zum Ende der Veranstaltung sämtliche Tafeln (mehrmals) vollgeschrieben – mit mathematischen Grundlagen, wie der „Punkt-vor-Strich-Regel“, die sogar ich noch verstehen konnte, aber man muss ja schließlich irgendwo anfangen. Die größtenteils männliche Zuhörerschaft schien das alles allerdings schon zu wissen, jedenfalls herrschte im Vorlesungssaal ein allgemeiner Geräuschpegel aus halblauten Unterhaltungen wie in einem summenden Bienenstock. Ich frage mich, ob die Teilnehmer nun, einen knappen Monat nach Vorlesungsbeginn, die Inhalte immer noch so locker aus dem Ärmel schütteln oder inzwischen erschlagen und mit rauchenden Köpfen hinter den Hörsaalklapptischchen sitzen. Ich für meinen Teil werde jedenfalls nicht da sein, um es herauszufinden, ich bin sehr glücklich mit meinem Leben abseits der höheren Mathematik. Glücklicherweise hatte Frau Piotrowska aber zwischen zwei Veranstaltungen noch kurz Zeit für mich, wodurch sich die Exkursion trotzdem gelohnt hat.

 

Frau Piotrowska-Kurczewski, welches persönliche Erlebnis aus Ihrer Studienzeit würden Sie Ihren jetzigen Studierenden gerne mit auf den Weg geben?  


Dr. Iwona Piotrowska-Kurczewski

Früher: Studium der Mathematik in Poznań (Polen) und Jena

Heute: Lehrende im Fachbereich 3 (Mathematik / Informatik), u.a. Mathematik  für Produktionstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen

Ich glaube, für die Studienanfänger liegt die Schwierigkeit zunächst vor allem  darin, sich an das neue Lernumfeld und das neue System anzupassen. Da heißt es schnell organisieren und von selbst regelmäßig arbeiten. Ich denke, das ist für manche am Anfang eine ziemliche Herausforderung. Aber wenn man sich das Fach schon selbst aussuchen kann, findet man bestimmt schnell die richtige Motivation und Strategie.

Wie erleben Sie das im Moment bei Ihren Studierenden?

Die angehenden Ingenieure sehen oft nicht die Notwendigkeit, sich für Mathematik besonders zu engagieren. Das kann ich nicht nachvollziehen, gerade sie sollten Mathe beherrschen oder das Fach wenigstens im Kern verstanden haben. Ich finde es wichtig, zu hinterfragen, wozu man die Inhalte brauchen kann, dann stellt man schnell fest: Auch die einfachen Sachen und Grundlagen können wichtig sein.

Haben Sie sich denn auch von Anfang an voll reingehängt?

Ich braucht auch meine Probezeit. Ich weiß noch, als ich im ersten Semester studierte, noch in Polen, gab es im Laufe des Semesters kleinere Klausuren, mit denen man sich für die Semesterabschlussklausur qualifizieren musste. Ich hab das am Anfang auf die leichte Schulter genommen und durch die eine Klausur bin ich prompt durchgefallen. Meine Dozentin sagte damals zu mir: „Sie sind sehr gut, aber Sie sind faul!“ Ich verstehe das schon, ich hatte auch nicht gut geübt und musste etwas verändern. Am Ende hab ich es aber geschafft. Sogar meinem Mann habe ich später dabei geholfen, Ingenieur zu werden, indem ich ihm eine Menge in Mathematik beigebracht habe. Darauf bin ich stolz.

→ Für mehr Geschichten aus dem Leben der Lehrenden klick hier für Folge 1 und hier für Folge zwei der Reihe.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/yoda-starwars-actionfiguren-667955/, Foto: Fernando Ribas

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