Seit heute Nachmittag hängt in der Glashalle am Zentralbereich der Uni ein großes Banner mit der Aufschrift „Ärger mit dem Prüfungsamt“. Darunter ist die Kinderbuchheldin Pippi Langstrumpf abgebildet, die folgende Rechnung anstellt: „1 x 3 = 5“. Problematisiert wird hiermit die Tatsache, dass eine bloße Prüfungsanmeldung bei Nichterscheinen nicht nur zur automatischen Eintragung der Note 5 durch das Zentrale Prüfungsamt (ZPA), sondern im dritten Folgesemester auch zur Exmatrikulation durch deren Manifestierung als endgültiges Nichtbestehen führt. Laut Prüfungsordnung sollte erst das Ablegen einer Prüfung und nicht die Anmeldung zu eben jener als erster Prüfungsversuch gewertet werden. Somit vergibt das ZPA eigenmächtig Noten, konkreter Fünfen, wenn es von den Modulverantwortlichen keine Ergebnisse für einen Studi erhalten hat, der zu einer Prüfung aber angemeldet war. Bisher erfolgte die Weitergabe der Noten an das ZPA in der Regel über Listen. Seit dem 1.2.2016 gelten für das Prüfungsamt, welches für alle Studierenden der Fachbereiche 6 bis 12 zuständig ist, neue Regularien. Diese sehen unter anderem vor, dass die Modulverantwortlichen die Noten direkt in PABO, das Online-System des ZPA eintragen. Wenn dieses aus technischen Gründen in Einzelfällen scheitert, oder ein*e Dozent*in bis sechs Wochen nach Semesterende für einzelne Studierende noch keine Note vergeben hat, nimmt nun auch hier das ZPA die Entscheidung der dozierenden Person ab. Wie das Ergebnis dann lautet, könnt ihr euch sicher denken. Richtig. Der Studi erhält eine 5.

Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) verteilt seit Beginn dieser Woche blaue DIN-A4-Zettel auf dem Campus, auf dem er seine Forderungen an das Rektorat formuliert, um die für Studis mitunter verhängnisvollen Praktiken des Prüfungsamtes zu unterbinden. Seit Beginn des Jahres gingen schon 5 AStA-Mails an alle Studierenden raus, die diese Praktiken zum Inhalt hatten. Ausgelöst worden war seine Aufregung vor allem durch Briefe, in denen das ZPA diversen Studis aufgrund von vermeintlich „endgültig nicht-bestandenen Prüfungen“ mit Zwangsexmatrikulation gedroht hatte. Die ausgesprochene Kulanzzeit zur nachträglichen Erbringung drohte denjenigen Studierenden genommen zu werden, die hiergegen Widerspruch einlegten. Wie man sich bei Erhalt eines solchen Briefes und einer entsprechenden Drohung fühlt, kann sich vielleicht jeder selbst ausmalen. Ich selbst hatte bereits zu Beginn des letzten Semesters eine lange Auseinandersetzung mit dem ZPA, bei der es in den meisten Punkten für mich um weniger ging – unglaublich genervt hat mich diese Auseinandersetzung trotzdem.

Erfahrungsbericht

Nicht selten hatte ich den Eindruck, dass das ZPA eine Institution mit dem Zweck sei, Studierende auch über das eigentliche Studium hinaus möglichst effizient beschäftigt und auf dem Campus zu halten. Viel Zeit musste ich bereits in dem meist brechend vollen Wartesaal des personell anscheinend chronisch unterbesetzten Amtes warten, um beispielsweise nach einem der mittlerweile schon fast traditionsreichen PABO-Serverabstürze kurz vor Prüfungsan- oder Abmeldeschluss einen Antrag auf nachträgliche Anmeldung zu Prüfungsleistungen zu stellen, oder den Vorgang einige Zeit später zu wiederholen, weil am Prüfungstag selbst die Anmeldung noch immer nicht nachgeholt worden war. Die Entschuldigung „in der Hauspost verloren gegangen“ hatte ich schon kurze Zeit zuvor zu hören bekommen, als ein Antrag auf Fristverlängerung für eine Hausarbeit den Weg von der Modulverantwortlichen zum Prüfungsausschuss nicht geschafft hatte. In sofern wäre vor weiteren Schuldzuweisungen an das ZPA vielleicht eine Recherche angebracht, ob in den Abseiten des GW2-Labyrinths ein Monster lebt, was sich von Briefen ernährt, die es auf wundersame Weise auf dem kurzen Weg zwischen zwei Büros verschwinden lässt. Doch wenige Zeit nach meiner Auseinandersetzung mit dem ZPA erreichte mich letztes Semester die Nachricht einer Dozentin, sie habe  eine Prüfungsnote nicht für mich eintragen können, weil meine Anmeldung zu dem Nachschreibetermin, an dem ich diese erlangt hatte, nicht erfolgreich gewesen war. Immer wieder ist man also unterwegs zwischen den Büros von Dozierenden und des Prüfungsamtes, die alle unterschiedliche und recht überschaubare Öffnungszeiten haben, sodass man auf keinen Fall zwei Gespräche an einem Tag abhaken kann, und über Wochen neben seinem Studienalltag nach Verantwortlichen sucht, um einen Prüfungsstatus oder eine Note ändern zu lassen.

Unabhängig davon, ob nun juristisch, wie der AStA kritisiert, das ZPA seine Kompetenz mit der eigenverantwortlichen Eintragung von Noten überschreitet, finde ich bei diesem Amt jede Verantwortlichkeit für studienentscheidende Angelegenheiten aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen bedenklich. Ob dezentrale Prüfungsämter, wie der AStA sie fordert, eine Lösung darstellen könnten, oder den büokratischen Eierlauf für viele Studierende weiter verkomplizieren würden, vermag ich nicht zu urteilen. Ich persönlich hätte lediglich Angst vor fehlgeleiteten Mails von mehr als nur einem Amt. Bislang reichte es aus, das Zentrale Prüfungsamt darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich zwar den selben Nachnamen wie eine (ehemalige) Dozentin dieser Uni trage, ich aber der Aufforderung zur Abgabe einer Liste mit Noten für Studierende nicht nachkommen werde. Wirklich so passiert…

2 Kommentare

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  1. […] Im Laufe des letzten Jahres empörte sich die Studierendenschaft zunehmend über die Handhabung von eingetragenen und vermeintlich endgültig nicht bestandenen Prüfungsversuchen durch das Zentrale Prüfungsamt (ZPA). Wer sich an der Uni Bremen über das Onlineportal PABO zu einer Prüfungsleistung anmeldet, für die oder den tickt die Uhr. Wird im laufenden Semester nicht die angemeldete Leistung im entsprechenden Modul erbracht, verbleiben drei Folgesemester, um dies nachzuholen. Ohne eine erneute Anmeldung im Folgesemester kann eine dann erbrachte Leistung jedoch nicht gewertet werden, obwohl eine nicht erbrachte Leistung in jedem Folgesemester als nicht bestandener Prüfungsversuch gilt. Das klingt nicht nur widersinnig, sondern führt auch zu dem Umstand, dass Studierende zwangsexmatrikuliert werden aufgrund einer Eintragung in PABO, die ihnen eine „endgültig nicht bestandene“ Prüfung unterstellt. Und das obwohl sie womöglich nicht ein einziges Mal zu einer Klausur in dem jeweiligen Modul gegangen sind, beziehungsweise noch keinen Versuch unternommen haben, mit einem Essay, einer Hausarbeit oder ähnlichem Credit Points in diesem Modul zu erwerben. […]

  2. […] Mal abstimmen soll, ob sie sich gemeinschaftlich hinter sie stellen kann, betreffen vor allem die Gebahren des Zentralen Prüfungsamtes und damit einhergehenden Zeitdruck bei der Studienverlaufsplanung. Sie […]

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