„Ganz großes Kino!“ – Das heißt oft: Denen hat er’s so richtig gezeigt – und am Ende legt er das Mädel endlich flach. Hollywood halt. Die Traumfabrik prägt, was wir als romantisch, was als heldenhaft und somit natürlich auch als „großes Kino“ verstehen. Abseits von diesen Normen bewegt sich oftmals der queere Film. Egal ob einfühlsam, unterhaltsam, oder gleich beides, eines haben sie alle gemeinsam. Die Protagonist*innen weichen von den Rollenbildern ab. Frei nach dem Motto: Sie hat’s allen so richtig gezeigt und am Ende ist sie ein Er und legt seinen Kerl endlich flach. Oder so… Nein, so vielfältig schwule, lesbische, bi-, inter-, trans- und asexuelle Menschen sein können, so unterschiedlich können auch die Rollen in queeren Filmen und die Filme an sich sein.

Es wundert also nicht, dass man eine ganze Woche eben dieser Kategorie von Filmen widmen kann. Ich sage bewusst Kategorie, denn ein Genre ist der queere Film an sich ja nicht. Den queeren Film an sich gibt es schließlich nicht. Manche Filme sind animiert, in anderen werden die Rollen von Schauspieler*innen verkörpert. Manche erzählen Liebesgeschichten, andere vom erschwerlichen Weg zur eigenen Identität, und so weiter und so fort. In der Woche vom 13. Bis zum 18. Oktober versuchen die Veranstalter*innen des 22. Bremer Queerfilmfestivals eine möglichst große Bandbreite dieser verschiedenen Geschichten an das Publikum heranzutragen. Seit den Neunziger Jahren sind diese Filmfestspiele schon ein fester Bestandteil der deutschen Festivallandschaft. Das somit unter den ältesten der queeren Filmfestivals Deutschlands rangierende Event findet seit eh und je in dem sympathischen Kommunalkino „City 46“ am Herdentor statt.

Am letzten Abend dieses einwöchigen Programms (klick hier für den Download als PDF) gibt es die geballte Vielfalt quasi noch einmal im Schnelldurchlauf. Acht ganz unterschiedliche Kurzfilme, mit großer Sorgfalt erlesen und anmoderiert von Studierenden der Uni Bremen, stellen den krönenden Abschluss des Festivals dar und für die 15 mitwirkenden Studis auch den Abschluss ihres Seminars zu Theorie und Praxis des queeren Films. An diesem hatten Bachelor- und Masterstudierende vor allem aus den Fächern Germanistik und Kunst- und Kulturvermittlung teilgenommen. „Das Schöne bei diesem Seminar war, dass sie mal den engen Unikreis verlassen und einen Schritt in die Praxis setzen konnten“, erklärt Christian Schmitt den besonderen Reiz dieser Synergie aus ehrnamtlicher und akademischer Arbeit. Der Dozent ist einer von zwölf regelmäßig Aktiven im Orgateam des Filmfestivals – beziehungsweise derzeitig einer der permanent Aktiven, denn das Team ist in der heißesten Vorbereitungsphase. Zur Zeit werden fast täglich Filmrollen oder Festplatten von den Verleihfilmen angeliefert, letzte Untertitel müssen noch erstellt und (nicht nur für die EULe) Interviews gegeben werden…

An dem Kurzfilmabend wird auch die Regisseurin eines der gezeigten Werke anwesend sein, um Rede und Antwort zu stehen. Der titelgebende Film des Abends ist „No Bikini“ in der es um die Rebellion einer anatomisch weiblichen Person gegen Rollenbilder geht, die sich darin äußert, dass sich die Protagonist*in gegen das Tragen geschlechterspezifischer Badebekleidung wehrt. Wer „No Bikini“ sehen und „No Ticket“ kaufen will (Sorry für den!), kann noch bis zum 11. Oktober an der Verlosung der EULe auf Facebook teilnehmen und zwei Gästelistenplätze gewinnen.

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  1. […] So wurden kürzlich wieder diverse Filme jenseits von Heteronormativität im Rahmen des Bremer Queerfilmfestivals gezeigt, welches wir euch im vergangenen Jahr vorgestellt haben. Dieses Jahr hingegen prangert auf […]

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