Jessica NuskeEin Artikel von unserer neuen EULe Jan-Niklas: Bomben, Bürgerkriege, humanitäre Notlagen – das alles scheint glücklicherweise ganz weit weg. Doch die Auswirkungen der internationalen Krisen machen sich auch in Bremen bemerkbar. Immer mehr Flüchtlinge erreichen die Bundesrepublik und suchen auch im kleinsten Bundesland nach einer Bleibe. Die Kapazitäten sind derzeitig jedoch ausgeschöpft. Als Notunterkünft dienen daher mittlerweile auch schon Turnhallen. Trauriger als die Unterbringungssituation ist jedoch die Tatsache, dass immer mehr Flüchtlinge Kinder und Jugendliche sind, die ihre Eltern verloren haben beziehungsweise vor oder auf der Flucht von diesen getrennt worden sind. Es sind vor allem diese Schicksale, die Jessica Nuske bewegen. Die Bremer Studentin erzählt uns, wie sie Hilfe leisten will.

EULe: Moin Jessica, stell dich doch mal kurz vor.

Jessica: Okay, also ich bin 21 Jahre alt, studiere Politikwissenschaften im dritten Semester, ich bin seit Beginn meines Studiums Mitglied der Amnesty International-Studentengruppe an der Uni Bremen und seit kurzem auch ein Teil von Campus Grün.

EULe: Der Flüchtlingsandrang scheint die Stadt Bremen ja zur Zeit ein wenig zu überfordern. Woher kommen all diese Menschen?

Jessica: Das stimmt, zurzeit ringen die Verantwortlichen im Bremer Senat, die Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen (SKJF) und der Flüchtlingsrat Bremen um Unterkunftsmöglichkeiten. Es wird eine neue Einrichtung in der Kornstraße in der
Neustadt geschaffen. Die Zahl der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge (UMF) steigt zudem seit 2012 stetig an. Die Mehrheit kommt aus Guinea, Gambia, Syrien, Afghanistan, Mali und Marokko (in absteigender Reihenfolge).

EULe: Mit welchen Problemen außer der Unterbringungssituation sehen sich die Flüchtlinge hier konfrontiert?

Jessica: Ein Problem sind natürlich die Sprachkenntnisse. Neben der Schule werden spezielle Sprachkurse für die UMF eingerichtet um ihnen Deutsch beizubringen. Das größte Problem liegt allerdings darin, dass die meisten der Flüchtinge unter
einem Trauma leiden, es also oft zu Spannungen im sozialen Umfeld kommt. Auch, weil es sein kann, dass Jugendliche zusammengeführt werden, deren ethnische/ religiöse Gruppen sich im Heimatland bekämpfen.

EULe: Wie kann man diesen Menschen helfen? Und wofür genau suchst du Mitstreiter?

Jessica: Meine Vermieterin, die im Senat für SKJF arbeitet, hat mich vor einigen Wochen darauf angesprochen, ob ich eine Art Studentengruppe zusammenstellen könnte, welche ein „Buddy“-Projekt für einige der Flüchtlinge auf die Beine stellen soll, aber
auch um bei der Ausgestaltung zukünftiger Flüchtlingseinrichtungen zu helfen. Ganz grundlegend fehlen dort Sachen wir Rasierer und Seifen bis hin zu Waschmaschinen. Dieses „Buddy“-Projekt sollte wie folgt aussehen: Wichtig ist erst einmal, dass es
langfristig läuft und nicht bei einmaligen Aktionen bleibt, um die UMF nicht direkt wieder „fallen zu lassen“. Hier geht es um das Zusammenkommen unterschiedlichster Jugendlicher bei gemeinsamen Kochabenden in öffentlichen Einrichtungen, Radtouren,
sportliche Tätigkeiten, etc. Außerdem werden wir dem Ausbau der Deutschkenntnisse dienen und eventuell als Hilfe bei Ämtergängen.

EULe: Da hast du ja Großes vor. Hast du schonmal ähnlich umfangreiche Projekte aufgezogen? Oder woher kommen bei dir die nötige Zuversicht und Motivation?

Jessica: Während meiner Schulzeit war ich Teil eines Entwicklungshilfeprojekts namens „Tamiga“. Tamiga ist ein kleines Dorf in Burkina Faso, die nächste Schule und die nächste Krankenstation waren jeweils 1,5 bzw 1 Stunde Fußweg entfernt. Auch einen
Brunnen und eine Getreidebank gab es nicht. Inzwischen, dank diesem Projekt, an dem nur eine geringe Zahl von Schülern und ein aktiver Leherer beteiligt waren, gibt es dort nun eine Schule die von Klasse 1 bis 6 reicht, mehrere Lehrerhäuser, Brunnen und
eine Getreidebank. Auch wenn wir als kleine Schülergruppe auf einem anderen Kontinent gearbeitet haben, haben wir es also unter anderem geschafft, knapp 200 Kindern den Zugang zur Schulbildung zu vereinfachen.

EULe: Dann hoffen wir, dass dein aktuelles Projekt genau so erfolgreich wird. Wie viele Unterstützer hast du denn bislang?

Jessica: Bisher hat sich ein Personenkreis von 15 bis 20 Studierenden interessiert oder auch schon konkret bei unseren Treffen gezeigt. Wir sind allerdings noch in der Planungsphase. Ab der kommenden Woche werden wir nach und nach in kleinen Gruppen
mit den UMF zusammengeführt. Dann erst werden wir richtig aktiv und können weitere Unterstützer für konkrete Aktionen gebrauchen. Bislang kommen die meisten aus meinem Studiengang. Es wäre schön, wenn Studierende aus ganz unterschiedlichen
Fachbereichen unser Projekt bereichern können. Dann werden wir auch dem Status der Hochschulgruppe gerecht, den wir gerade beantragt haben. Noch werden wir nur von der reisenden Werkschule Bremen gefördert.

EULe: Viel Glück bei der Umsetzung eurer Ideen und Pläne und vielen Dank für das Interview.

Jessica: Gerne, ich bedanke mich! Wer Interesse hat, an dem Projekt mitzuwirken, kann mir jederzeit schreiben. Die Mailadresse lautet: fluechtlingshilfe_bremen@yahoo.de

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.