AStA-Plakat in der Glashalle

Wir alle kennen sie: Bilder, auf denen Massen von entschlossen dreinblickenden StudentInnen demonstrierend durch die Straßen ziehen, dabei ihre Parolen rufen. Vielleicht sogar mit einem Pappschild in der Hand, auf dem ein mehr oder weniger kluger oder lustiger Spruch steht. Das Problem: Die meisten dieser Bilder stammen aus längst vergangenen Zeiten. Die letzten großen Bildungsproteste sind fast schon wieder vergessen. Aber ist das wirklich so? Und wenn ja, wäre das wirklich ein Problem? Sind Demonstrationen überhaupt noch zeitgemäß? Ich war in letzter Zeit auf 2 Demos, zu denen u.a. auch der AStA der Uni Bremen aufgerufen hat. Danach habe ich Lena Graser, die AStA-Referentin für Hochschulpolitik, gefragt, was sie zum Thema Demos zu sagen hat und wie ihr euch ihrer Meinung nach einbringen könnt.

Thomi: Moin Lena. In letzter Zeit habt ihr vom AStA zu 2 Demos mit aufgerufen. Zur norddeutschlandweiten Bildungsdemo in Hamburg und zu der Solidaritätsdemo hier in Bremen. Warum?

Lena: Wir fanden beide Demos einfach unterstützenswert. In Hamburg wurde die Demo von den dortigen ASten organisiert, es ging um freie und emanzipatorische Bildung, um die überfällige Abschaffung der dortigen Studiengebühren etc.. Dinge, für die auch wir eintreten.
Bei der Soli-Demo für die Proteste in Ägypten und den arabischen Raum sind die Studis, die die Demo organisiert haben, zu uns gekommen und haben uns um Unterstützung gebeten. Da waren wir natürlich dabei, es ging schließlich um eine gute Sache!

Thomi: Was waren deine Eindrücke oder anders gefragt: Wie zufrieden warst du mit der Beteiligung der Bremer Studis?

Lena: Hm :) Also nach Hamburg sind Studis mitgekommen, da war ich positiv überrascht. Bei der Soli-Demo habe ich kaum Studierende gesehen, aber das lag sicherlich auch an der unglücklichen Uhrzeit (vorletzten Samstag, 9Uhr Anm. d. R.), außerdem ist Mubarak ja auch den Tag davor zurückgetreten, das hat die Motivation von vielen bestimmt auch beeinflusst.

Thomi: Plant ihr vom AStA für die nächste Zeit selbst eine Demo – z.B. zur Rüstungsforschung an der Uni?

Lena: Nein, direkt geplant ist da nichts. Es macht meiner Meinung nach auch nicht viel Sinn, wenn wir das als kleines AStA-Grüppchen einfach planen. Wenn sich unter den Studierenden allerdings etwas regt, wenn sich da Dynamiken entwickeln, würden wir natürlich sofort auf solch einen Zug aufspringen. Ich denke, man kann als AStA immer versuchen, auf bestimmte Sachen hinzuweisen und Studis auf Missstände zu stoßen – eine Großdemo ohne die entsprechende Initiative der Studis selbst würde allerdings für mich keinen Sinn machen…

Thomi: Ganz allgemein: Welchen Stellenwert hat für dich so eine Demo? Ist so etwas überhaupt noch zeitgemäß? Gibt es nicht vielleicht andere bessere Formen?

Lena: Allgemein finde ich, dass man bei politischem Engagement nicht nur darauf achten sollte, was für tatsächliche Auswirkungen bestimmte Aktionen haben. Unter diesem Gesichtspunkt wären Demos genauso wie andere energieaufreibende Anstrengungen nämlich meistens ’sinnlos‘. Es geht vielmehr darum, seinen eigenen Protest auszudrücken, für seine Vorstellungen einzutreten und das auf die unterschiedlichsten Art und Weisen. Außerdem merkt man auf Veranstaltungen wie Demos, dass man nicht alleine dasteht mit seinen Ideen und Forderungen, das kann ungemein motivierend sein. Natürlich sind Demos bloß eine von tausend unterschiedlichen Protest- und Aktionsformen, wie z.B. flashmobs – die vielleicht auch gerade Leute ansprechen, die nicht zu den ‚üblichen Verdächtigen‘ und DemogängerInnen gehören.
Unabhängig davon können Demos natürlich schon zu maßgeblichen Veränderungen beitragen, ich denke, Ägypten und Tunesien sind da die aktuellsten Beispiele!

Thomi: Angenommen eine/r der Studis würde auch gern eine Demo organisieren. Könnte er/sie sich dann an euch vom AStA wenden? Wie könntet ihr ihn/sie dabei unterstützen?

Lena: Ja, absolut! Genau dafür sind wir ja da, um studentische Initiativen zu unterstützen. Wir könnten den Studis einerseits organisatorisch unter die Arme greifen – Tipps und Ratschläge zur Orga geben – und andererseits ggf. auch finanziell, z.B. bei den Druckkosten. Gleiches gilt übrigens natürlich auch für andere studentische Belange und Engagements!

Thomi: Würdest du dir persönlich mehr Initiative von Seiten der Studis wünschen?

Lena: Auf jeden Fall. Ich würde mir vor allem mehr Bewusstsein darüber wünschen, dass man selbst mitwirken und mitgestalten kann. Das muss nicht heißen, an Demonstrationen teilzunehmen. Das ist gewiss nichts für jeden/jede. Das kann auch heißen, in einer Gruppe mitzumachen oder dem/der Professor/in in einem Seminar eine kritische Frage zu stellen – einfach aktiv und kritisch sein Leben an der Universität erleben.

Thomi: Ich danke dir für das Interview.

Findet ihr auch, dass mehr Initiative von Seiten der Studis kommen könnte/müsste? Und wie könnte die aussehen? Schreibt eure Meinung!

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