{"id":413,"date":"2017-02-09T11:41:01","date_gmt":"2017-02-09T10:41:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/?page_id=413"},"modified":"2018-04-23T09:20:56","modified_gmt":"2018-04-23T07:20:56","slug":"studien-zum-kriminalroman","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/promotionsprojekt-3\/studien-zum-kriminalroman\/","title":{"rendered":"Heiter bis t\u00f6dlich"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: 12pt\">Promotionsprojekt mit dem Arbeitstitel:<strong><br \/>\n&#8222;Heiter bis t\u00f6dlich &#8211; Meteorologische Ph\u00e4nomene im franz\u00f6sischen Kriminalroman&#8220;<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-751 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/files\/2017\/02\/man-Br\u00fccke-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"508\" height=\"343\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eLa norme est la pluie, l\u2019anormal est le beau temps\u201c<br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">(Blanc, Jean-No\u00ebl: Polarville, 73)<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Leserinnen und Leser scheint dies eine Maxime des Kriminalromans zu sein. Doch liegt gerade im Kriminalroman die Wahrheit nicht immer hinter dem zun\u00e4chst so scheinbar Offensichtlichen?<\/p>\n<p>Besonders in einem Genre, das mit Spannung arbeitet, werden prim\u00e4r Handlung und Figuren beachtet und das (scheinbare) Hintergrundgeschehen hierzu, das Wetter, meist nur nebenbei zur Kenntnis genommen. Nimmt man einmal das schlechte Wetter bzw. den Dauerregen als Regelfall an und w\u00fcrde jeder literarische Mord bei Regen begangen, h\u00e4tte der Effekt schnell an dramatischer Qualit\u00e4t verloren, w\u00fcrde weder Spannung noch Erregung beim Lesenden effizieren und w\u00e4re ein geradezu sinnloses oder ornamentales Motiv. Vielfach finden sich jedoch gerade l\u00e4ngere Kriminalromane, bei denen das Wetter mit Funktionen versehen ist, die erst auf den zweiten Blick als signifikant oder gar in einer Verbindung zum Plot oder zur Figur erscheinen; gerade hier geht das Spektrum der Meteorologie zwangsl\u00e4ufig \u00fcber das des Regens und des reinen \u201eStimmungsmachers\u201c hinaus. Die Variationsbreite literarischer Wetterlagen in den Fokus zu stellen, \u00f6ffnet den Blick f\u00fcr eine Faktur, die von der Wetterdarstellung dependent sein kann. So finden sich meteorologische Ph\u00e4nomene, die mit spezifischen Funktionen versehen sind und in Verbindung mit dem Plot, der Raumkonstruktion und den Figuren stehen: Sie werden zu Spurentr\u00e4gern, kongenialem Mordwerkzeug und zum Aktionsstimulus f\u00fcr den M\u00f6rder, sie k\u00f6nnen aber auch mordlustige Verbrecher zu Philanthropen werden lassen. Zudem k\u00f6nnen gerade Wettermotive komplexe Textstrukturen ordnen, d. h. dabei verworrene Muster offenlegen und Figuren hier\u00fcber als T\u00e4ter identifizierbar machen. Sie verf\u00fcgen \u00fcber das Potenzial, nicht nur Verbrechen zu markieren, sondern auch Folgetaten mit Ereignissen in der Vergangenheit zu verkn\u00fcpfen, und fungieren so als Verbindungsglied \u00fcber Zeit und Raum hinweg.<\/p>\n<p>Ausgehend von dem &#8222;Verdacht&#8220;, dass im franz\u00f6sischen Kriminalroman nicht nur schlechtes Wetter vorherrscht, und selbiges wohlerwogen und nicht zuf\u00e4llig eingesetzt wird, l\u00e4sst sich fragen, wie seine Zeichenhaftigkeit im jeweiligen Fall formal\u00e4sthetisch konstruiert wird, welche Funktion es besitzt und wie sich Darstellung, Funktion und meteorologische Muster im Verlauf der Genreentwicklung gewandelt und ver\u00e4ndert haben. Denn geht man davon aus, dass der Kriminalroman sich aus dem Schauerroman entwickelte, ist zu fragen, inwiefern es hier zu einer Bedeutungsverschiebung resp. Umcodierung und neuen Konnotation von charakteristischen Wetterlagen wie Nebel und Unwetter kommt. Wo liegen konkret die Urspr\u00fcnge der assoziativen Verbindung von Regen und Kriminalit\u00e4t?<\/p>\n<p>Wenige Naturph\u00e4nomene sind per se so konstant und unterliegen gleichzeitig einer doch so wandelbaren Konnotation und historischen Perspektive, mit der auch gesellschaftsbedingte Aspekte, wie Epidemien, Tod aber auch Kunst, Intertextualit\u00e4t und Medienentwicklung sowie nicht zuletzt Kitsch verbunden sind. Wie wirkt sich der historische Kontext auf die \u00c4sthetik, die Funktion sowie den Bedeutungsgehalt des einzelnen Wetterelementes aus? Diesbez\u00fcglich stellt sich auch die Frage, inwieweit kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung und Tendenzen einen Einfluss auf die Rezeption der Wetterlage und den mit ihr verbundenen Elementen, wie etwa Figurendisposition und r\u00e4umliche Konzepte, \u00fcben. Im Projekt nimmt daher nicht zuletzt die Stadt eine zentrale Stellung ein, da sie nicht nur als Schauplatz krimineller und kriminalistischer Handlungen im Kriminalroman fungiert, sondern sowohl die Paris- als auch die Kriminalliteratur soziokulturell und literar\u00e4sthetisch entschieden pr\u00e4gt, und gerade \u00fcber sie vielf\u00e4ltige meteorologische Bedeutungskontexte generiert werden.<\/p>\n<p>Ziel ist es, die unterschiedlichen Arten und Weisen, wie das Wetter im franz\u00f6sischen Kriminalroman funktioniert, zu untersuchen und analysieren. Um dem Wetter und seinen Auswirkungen im Einzelnen auf die Spur zu kommen und die Verquickung mit einzelnen Textelementen erfassen zu k\u00f6nnen, sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden: Handlungsanalyse, Figurenanalyse, Raumanalyse sowie \u00fcbergeordnet eine Motivanalyse, welche mit der Methode des <em>close readings <\/em>durchgef\u00fchrt werden sollen. Grundlage hierf\u00fcr sind 14 ausgew\u00e4hlten Autoren, die einen Zeitraum vom fr\u00fchen 19. Jahrhundert bis heute abdecken und exemplarisch f\u00fcr eine Entwicklungsstufe des Genres stehen respektive eine individuell herausragende Verwendung des Wetters aufweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Promotionsprojekt mit dem Arbeitstitel: &#8222;Heiter bis t\u00f6dlich &#8211; Meteorologische Ph\u00e4nomene im franz\u00f6sischen Kriminalroman&#8220; \u201eLa norme est la pluie, l\u2019anormal est le beau temps\u201c (Blanc, Jean-No\u00ebl: Polarville, 73) F\u00fcr viele Leserinnen und Leser scheint dies eine Maxime des Kriminalromans zu sein. &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/promotionsprojekt-3\/studien-zum-kriminalroman\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7893,"featured_media":0,"parent":545,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"class_list":["post-413","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7893"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1076,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/413\/revisions\/1076"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/entzaubertestaedte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}