{"id":26,"date":"2022-01-06T15:55:18","date_gmt":"2022-01-06T14:55:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emti\/?p=26"},"modified":"2022-01-06T15:57:43","modified_gmt":"2022-01-06T14:57:43","slug":"26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emti\/2022\/01\/06\/26\/","title":{"rendered":"Auf einer Bank im Weser Park (Beobachtungsaufgabe)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emti\/files\/Beobachtung-Timo-Juettner-1.pdf\">Beobachtung, Timo J\u00fcttner<\/a><\/p>\n<p>Es ist 16:00 Uhr am 10.12.21 und ich sitze auf einer Bank im Weser Park Bremen, umkreist von Einkaufsl\u00e4den der verschiedensten Art. Es ist windig drau\u00dfen und man h\u00f6rt den Regen \u00fcber mir auf das Glasdach tr\u00f6pfeln. Es liegt ein leichter Fast-Food Geruch in der Luft, da sich zu meiner rechten eine gro\u00dfe Rolltreppe befindet, welche auf eine Gastronomie Etage f\u00fchrt. Zu meiner linken eine lange belebte und beleuchtete Passage, welches Licht sich in dem gl\u00e4nzenden wei\u00dfen Boden widerspiegelt. Es sind unz\u00e4hlige Menschen unterwegs, sodass man gar nicht mehr erkennen kann, welche L\u00e4den sich am Ende des Ganges befinden. Anders gesagt: Es ist schon fast unbequem voll. Gegen\u00fcber von mir befindet sich \u201eDepot\u201c ein Franchise Unternehmen f\u00fcr Wohnaccessoires, welchem ich den Gro\u00dfteil meiner Aufmerksamkeit schenke. Auf den ersten Blick vermitteln mir der Laden einen \u00e4u\u00dferst schlichten Eindruck. Es gibt viele Beige Stoff Elemente, welche durch die starke Beleuchtung vor und im Laden hervorgehoben werden. Der schiefergraue Paketboden auf welchem sich sowohl wei\u00dfe Kunststoff, als auch h\u00f6lzerne Verkaufstische mit Artikeln befinden, verliert durch die erw\u00e4hnte Helligkeit seinen Kontrast, wodurch alles ein wenig Farblos wirkt. Streckt man seinen Kopf in den Laden und h\u00f6rt die poppige fr\u00f6hliche Musik, welche den L\u00e4rm des Menschen Geschehens im Center \u00fcberdeckt, f\u00e4llt einem jedoch auf, dass deutlich mehr Farben durch die unterschiedlichsten Produkte durchdringen, als ich von meiner metallischen ungem\u00fctlichen Bank beobachten konnte. Der Laden hat eine gesch\u00e4tzte Verkaufsfl\u00e4che von ca. 120 Quadratmeter und besitzt zwei lineare Eing\u00e4nge, welche in einem 45 Grad Winkel aufeinander treffen. Der linke Eingang wurde durch mehrere massive Glasplatten, welche aneinander geschoben werden konnten, abgesperrt. Auf der rechten Seite wurde ein kleiner Durchgang er\u00f6ffnet, womit eine strukturierte Einlasskontrolle, im Sinne der im Weser Park f\u00fcr Gesch\u00e4fte geltende 2G-Regel, stattfinden kann. Vor dem Eingang befindet sich eine zierliche, h\u00fcbsche junge Frau. Sie wirkt genervt und st\u00fctzt ihr Gewicht im Minutentakt von einem Bein auf das andere, so als w\u00fcrde ihr langsam die Kraft entschwinden. Bis auf eine d\u00fcnne graue Strickjacke ist sie komplett schwarz gekleidet. In ihren H\u00e4nden h\u00e4lt sie ein eingeh\u00fclltes Tablet mit einem gro\u00dfen gr\u00fcnen \u201eDepot\u201c Schriftzug, mit welchem sie digitale Impfausweise der Kunden scannt und pr\u00fcft. Vor ihr ist eine relativ lange Schlange zu beobachten, welche sich nicht zu k\u00fcrzen scheint. Auf jede Person, welche hereingelassen wird, scheinen sich zwei neue anzustellen.<br \/>\nIn der Warteschlange, welche ich intensiv beobachte, lassen sich zwischenmenschliche Beziehungen erahnen. Ohne auch nur ein Wort \u00fcber die Unterhaltungen zu h\u00f6ren, welche Mundbewegungen und Gesichtsz\u00fcge ich aus der Ferne erkennen kann, ist das H\u00e4ndchen halten f\u00fcr mich pers\u00f6nlich als individueller Beobachter einer der eindeutigsten Anzeichen f\u00fcr eine Lebenspartnerschaftliche Beziehung, welche man als Paar in der \u00d6ffentlichkeit bewusst, sowie unbewusst preisgibt. Ebenso wie bei einer besonderen K\u00f6rpern\u00e4he zweier Individuen zueinander, wie ich es bei einer jungen blonden Frau auf der Bank ein paar Meter links von mir beobachten kann, welche ihren Kopf an die Schulter und ihren rechten Arm \u00fcber den R\u00fccken auf die untere Bauchseite ihres m\u00e4nnlichen Begleiters ablehnt, l\u00e4sst mich intuitiv merken, dass es sich dabei nicht nur um eine freundschaftliche Beziehung handelt. Was mir zudem ins Auge gefallen ist, ist das \u00fcberdurchschnittliche Interesse von Paaren den Laden zu besuchen, was sich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich jedoch ziemlich schnell als Illusion entpuppt und sich f\u00fcr mich durch den allgemeinen Interessenunterschied zwischen Mann und Frau erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Sobald ein Paar den Laden betritt, konnte man als Beobachter merken, wie der erw\u00e4hnte K\u00f6rperkontakt nachgelassen hat. Die M\u00e4nner zeigen wenig Eigeninteresse und Initiative und schlendert der Frau mehr oder weniger nach. Viele zucken ihr Handy und stehen unaufmerksam herum. Ein Mann hat den Laden nach der Kontrolle wieder verlassen und hat sich auf einen roten Tresenhocker einer kleinen Smoothiebar gesetzt, welcher sich unter der Rolltreppe unmittelbar vor dem Gesch\u00e4ft befindet.<br \/>\nIch denke, dass die Beobachtung eine deutliche Wendung nimmt, wenn ich z.B einen GameStop beobachten w\u00fcrde. Auch wenn man das nicht verallgemeinern kann denke ich ich aus pers\u00f6nlicher Erfahrung, dass in einer Beziehung der Mann im Bezug auf &#8222;Shopping&#8220; sein Desinteresse offensichtlicher durch sein Verhalten preisgibt, als es eine Frau tut, welche zumindest aus meinen Erfahrungen mehr Initiative zeigt einen Interessenspunkt zu teilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Beobachtung, Timo J\u00fcttner Es ist 16:00 Uhr am 10.12.21 und ich sitze auf einer Bank im Weser Park Bremen, umkreist von Einkaufsl\u00e4den der verschiedensten Art. Es ist windig drau\u00dfen und man h\u00f6rt den Regen \u00fcber mir auf das Glasdach tr\u00f6pfeln. 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