{"id":88,"date":"2023-08-14T18:54:29","date_gmt":"2023-08-14T16:54:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emilvondendetektiven\/?p=88"},"modified":"2023-08-14T18:54:29","modified_gmt":"2023-08-14T16:54:29","slug":"abschlussreflektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emilvondendetektiven\/2023\/08\/14\/abschlussreflektion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflektion"},"content":{"rendered":"<p><strong>Benennen Sie die f\u00fcr Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene, gerne auch mehr) theoretischen Erkenntnisse (auf allgemeine Konzepte oder empirische Studien aufbauend), die Sie aus den Vortr\u00e4gen der Ringvorlesung mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei Bezug auf:<\/strong><\/p>\n<p><strong>a.) unterschiedliche fachdidaktische Aspekte. \u00dcbertragen Sie, wenn m\u00f6glich, die in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten F\u00e4cher.<br \/>\nb.) generelle Erkenntnisse zur Beziehungsarbeit in Schule und Unterricht.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich war von zentraler Bedeutung, zu erkennen, wie wenig das deutsche Schulsystem bisher auf Sch\u00fcler:innen eingestellt ist, die Familie in anderen L\u00e4ndern haben oder Deutsch als Fremdsprache lernen m\u00fcssen. Ich dachte immer, dass schon viel daf\u00fcr getan wird, auch solche Kinder einzugliedern und dass diese Eingliederung ziemlich gut gelingt. W\u00e4hrend der Vorlesung hat sich f\u00fcr mich allerdings immer weiter herauskristallisiert, dass diese Annahme falsch ist und nur darauf beruhte, dass ich in meiner Schullaufbahn nicht mit gegens\u00e4tzlichen Beispielen konfrontiert war. W\u00e4hrend der Ringvorlesung, vor allem im Zuge der Nacharbeitung von Vorlesung 2, ist mir klar geworden, dass Sch\u00fcler:innen mit Migrationshintergrund in unserem aktuellen Schulsystem benachteiligt sind oder aktiv benachteiligt werden. Am deutlichsten habe ich das f\u00fcr mich anhand der Grafik (Folie 27, RV02) festgestellt, die festh\u00e4lt, dass Sch\u00fcler:innen mit Migrationshintergrund in\u00a0 Bremen weniger qualifizierende Abschl\u00fcsse erlangen. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Benachteiligung liefern Schroeder und Seukwa, die argumentieren, dass durch die nationalstaatliche Konzeption des Bildungssystems dieses nicht an die Umst\u00e4nde von Sch\u00fcler:innen aus dem Ausland angepasst ist. So werden nicht-deutsche Schulabschl\u00fcsse nur nach eingehender Pr\u00fcfung und nicht selten gar nicht anerkannt, wodurch die einzelnen Etappen des Bildungssystems h\u00e4ufig nicht ohne Unterbrechung durchlaufen werden k\u00f6nnen und eine Diskontinuit\u00e4t in den Lebensl\u00e4ufen der Sch\u00fcler:innen auftritt (Schroeder, Seukwa 2018: 142-143). Gerade dieser Aspekt der (Dis)kontinuit\u00e4t ist ein Konzept, das ich vorher noch nicht gekannt habe und f\u00fcr mich auch die Erkenntnis gebracht hat, dass, wenn schon das System den Sch\u00fcler:innen nicht in die H\u00e4nde spielt, ich als Lehrer immer noch einen Einfluss habe und es Migrationskindern in meinen Klassen so leicht es geht machen kann. Allem voran, indem ich auf ihre W\u00fcnsche eingehe und sie nicht blo\u00df als Mitglieder einer Klasse, sondern als Individuen behandle.<\/p>\n<p>Weiterhin war f\u00fcr mich die Erkenntnis von Bedeutung, dass Intelligenz und Vorwissen wechselseitigen Einfluss auf erfolgreiches Lernen haben, wie Gruber (2020: 39) meint. F\u00fcr mich als Lehrkraft der F\u00e4cher Mathematik und Politik bedeutet das, dass ich darauf achten muss, nicht nur die Heterogenit\u00e4t einer Klasse in Bezug auf die Intelligenz, sondern auch in Bezug auf die heterogenen Wissensst\u00e4nde bei der Erarbeitung von Unterrichtseinheiten und differenzierenden Aufgabenbl\u00e4ttern zu ber\u00fccksichtigen. \u00a0Von besonderem Interesse ist dabei f\u00fcr mich als Mathematik, aber gleichzeitig Politiklehrer, dass die Korrelation der Intelligenz in jungen Jahren und den Abschlussnoten je nach F\u00e4chergruppe variiert. Darauf m\u00f6chte ich in meinem sp\u00e4teren Berufsleben achten und nachvollziehen, ob sich diese empirische Untersuchung auch bei meinen Sch\u00fcler:innen zeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenit\u00e4t (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen\/-strukturen, schulkulturelle Aspekte, Handeln von Lehrkr\u00e4ften), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, pr\u00e4gen im R\u00fcckblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark \u2013 und warum? Hier k\u00f6nnen Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele reflektieren. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einsch\u00e4tzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie jetzt kennengelernt haben.<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, wenn ich auf mein bisheriges Schulleben aus Sicht eines Sch\u00fclers zur\u00fcckblicke, dass besonders das Verhalten der Lehrkr\u00e4fte gegen\u00fcber den Sch\u00fcler:innen entscheidend f\u00fcr eine positive Schullaufbahn ist. Bei mir war es bis zum Abitur hin so, dass meine Lieblingsf\u00e4cher mit meinen Lieblingslehrer:innen korrelierten und tats\u00e4chlich studiere ich jetzt auch die beiden F\u00e4cher, die meine Lieblingslehrer in der Abiturphase unterrichtet haben. Ich bin mir dabei bewusst, dass ich durchweg Gl\u00fcck hatte, weil ich ein sehr guter Sch\u00fcler war, meinen Lehrer:innen immer zu Beginn des Schuljahres zeigen konnte, dass ich alles kann und mich anschlie\u00dfend mehr oder weniger entspannt zur\u00fccklehnen konnte. Das ist f\u00fcr mich zwar positiv gewesen, eigentlich aber ein Negativbeispiel daf\u00fcr, dass Lehrkr\u00e4fte nach wie vor in Schubladen denken. Denn genauso wie ich mich nach den ersten Monaten im neuen Schuljahr entspannen konnte und trotzdem gute Noten bekommen habe, weil die Lehrer:innen ein gutes Bild von mir hatten (meine Mathematiklehrerin meinte zu mir irgendwann, ich m\u00fcsse mich nicht mehr melden, sie w\u00fcsste ja, dass ich das kann), standen auf der anderen Seite die, die nicht sofort alles erschlie\u00dfen konnten, von Beginn an in die Schublade \u201eschlechter Sch\u00fcler\u201c sortiert wurden und dort oftmals trotz hoher Mitarbeit und viel Flei\u00df steckenblieben. Im Zuge der Ringvorlesung wurde mir diese Ungerechtigkeit noch einmal vor Augen gef\u00fchrt oder erst richtig bewusst, da es vor allem Sch\u00fcler:innen aus bildungsfernen Familien benachteiligt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu welchen, mindestens zwei, Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, w\u00fcrden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium in Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begr\u00fcnden Sie Ihre Wahl.<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema der Inklusion anderssprachiger und anderskultureller Sch\u00fcler:innen halte ich f\u00fcr ein zentrales, wahrscheinlich das zentralste, da die Frage dieser Inklusion in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten im Zuge der voranschreitenden Klimakatastrophe immer pr\u00e4senter werden wird. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich nach meinem Studium gerne in Berlin als Lehrer t\u00e4tig sein, weshalb gerade f\u00fcr mich dieses Themenfeld von besonderer Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Weiterhin finde ich die Thematik Vorwissen\/Intelligenz und die Frage des Zusammenwirkens besonders spannend, da der Vortrag dazu viele Aspekte von psychologischen Studien auswies und mich diese interessieren, da ich auch erw\u00e4gt habe, Psychologie zu studieren, aber auch, weil ich es pers\u00f6nlich spannend und wichtig finde, als Lehrkraft zu verstehen, wie die Prozesse des Lernens ablaufen.<\/p>\n<p>Ich habe im Rahmen der Ringvorlesung eine Einheit dazu vermisst, wie die Kommunikation unter den Lehrkr\u00e4ften aussieht beziehungsweise wie diese bestm\u00f6glich ablaufen sollte, um die Sch\u00fcler:innen f\u00e4cher\u00fcbergreifend zu unterst\u00fctzen, um f\u00e4cher\u00fcbergreifende Themenfelder zu bearbeiten oder auch nur um im Austausch \u00fcber die Entwicklung einzelner Sch\u00fcler:innen zu bleiben. Ich habe es an meiner Schule so wahrgenommen, als w\u00fcrde jede Lehrkraft gewisserma\u00dfen nur wissen, wie die Sch\u00fcler:innen in ihrem Unterricht arbeiten. Ich denke, dass durch den Austausch zwischen Lehrkr\u00e4ften auch das Schubladendenken gelockert werden k\u00f6nnte, weil Leher:innen sich bewusst werden, dass Sch\u00fcler:innen, die in ihrem Fach schlechte Noten haben, in anderen gl\u00e4nzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Schroeder, Joachim\/Seukwa, Louis Henri (2018): Bildungsbiographien: (Dis-)Kontinuit\u00e4ten im \u00dcbergang, in: von Dewitz, Nora\/Terhart, Henrike\/Massumi, Mona (Hrsg.): Neuzuwanderung und Bildung, Beltz, Juventa, S. 141-157.<\/p>\n<p>Gruber, H., &amp; Stamouli, E. (2020). Intelligenz und Vorwissen. In E. Wild &amp; J. M\u00f6ller (Hrsg.), P\u00e4dagogische Psychologie. Heidelberg: Springer, S. 27-47.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benennen Sie die f\u00fcr Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene, gerne auch mehr) theoretischen Erkenntnisse (auf allgemeine Konzepte oder empirische Studien aufbauend), die Sie aus den Vortr\u00e4gen der Ringvorlesung mitgenommen haben. 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