{"id":59,"date":"2023-05-05T14:27:30","date_gmt":"2023-05-05T12:27:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emilvondendetektiven\/?p=59"},"modified":"2023-05-05T14:36:57","modified_gmt":"2023-05-05T12:36:57","slug":"nicht-ueber-uns-ohne-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/emilvondendetektiven\/2023\/05\/05\/nicht-ueber-uns-ohne-uns\/","title":{"rendered":"Nicht \u00fcber uns ohne uns!"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Was bedeutet der Slogan:\u00a0<em>\u201eNicht \u00fcber uns ohne uns!\u201c<\/em>\u00a0hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung?<\/strong><\/p>\n<p>1983 geben DeLoach, Wlkins und Walker eine Definition von Selbstbestimmung, die hier gek\u00fcrzt Erw\u00e4hnung finden soll:<\/p>\n<blockquote><p><em>Selbstbestimmt Leben hei\u00dft, Kontrolle \u00fcber das eigene Leben zu haben, basierend auf der Wahlm\u00f6glichkeit zwischen akzeptablen Alternativen [&#8230;]. Das schlie\u00dft das Recht ein [&#8230;] Entscheidungen selbst f\u00e4llen zu k\u00f6nnen, ohne dabei in die psychologische oder k\u00f6rperliche Abh\u00e4ngigkeit anderer zu geraten.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Slogan <em>\u201eNicht \u00fcber uns ohne uns!\u201c<\/em>, der Anfang der 80er Jahre im Zuge der Behindertenrechtsbewegung Popularit\u00e4t gewann, zielt auf die Verwirklichung der Selbstbestimmung ab. Es geht darum, dass nicht \u00fcber die K\u00f6pfe behinderter Menschen hinweg, sondern mit ihnen und durch sie entschieden werden soll. Besonders bei Entscheidungen, die die beeintr\u00e4chtigten selbst betreffen, wird gefordert, dass eine Entscheidungsfindung nur unter Ber\u00fccksichtigung der Personen(gruppen) selbst stattfindet.<\/p>\n<p>In leicht abgewandelter Form findet sich die Forderung wortw\u00f6rtlich auf der ersten Seite der UN-BRK wieder. Der <span id=\"page7R_mcid68\" class=\"markedContent\"><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen richtet sich pers\u00f6nlich an die Leser:innen und bezieht sich dabei auf den Slogan &#8222;Nicht<strong>s<\/strong> \u00fcber uns ohne uns&#8220; (Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen 2018, H.d.V). Er ist somit zentral bei der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Besonders f\u00fcr Jugendliche mit Behinderungen ist die Umsetzung des Geforderten besonders wichtig, denn zu oft werden ihre eigenen Anliegen und Meinungen durch Menschen in ihrem Umfeld, seien es die Lehrer, die Sonderp\u00e4dagogen, die \u00c4rzte oder auch die eigenen Eltern, \u00fcbergangen, mit dem Argument man wisse was &#8222;das Richtige f\u00fcr das Kind&#8220; sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Bitte reflektieren Sie die Erfahrungen der beiden G\u00e4ste, Amelie Gerdes und Silas Palkowski, vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen: Welche Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren (u.a. r\u00e4umlich, personell, materiell) sind in der Schule und im \u00dcbergang in den Beruf \/ das Studium bezogen auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung f\u00f6rderlich und welche hinderlich?<\/strong><\/p>\n<p>Amelie hat erz\u00e4hlt, dass sie seit ihrer fr\u00fchen Kindheit Gl\u00fcck damit hatte, immer auf verst\u00e4ndnisvolle Menschen getroffen zu sein, die sie unterst\u00fctzt und sie auf ihrem Weg begleitet haben. So ist es ihr m\u00f6glich gewesen, die Schule erfolgreich abzuschlie\u00dfen und ein Studium zu beginnen. Im Gegensatz dazu stehen Silas Erfahrungen. Ein Beispiel f\u00fchrt er weiter aus: nach seinem Sturz war es ihm nicht mehr m\u00f6glich, effizient handschriftliche Texte zu verfassen. Dennoch bestand einer seiner Lehrer darauf, dass eine zu schreibende Arbeit nicht am Computer oder m\u00fcndlich stattfinden solle. Somit war es Silas nicht m\u00f6glich die Arbeit erfolgreich abzuschlie\u00dfen. Nicht etwa wegen seinen kognitiven F\u00e4higkeiten, sondern aufgrund \u00e4u\u00dferer Faktoren.<\/p>\n<p>In meiner Schulzeit hatte ich nicht viel mit behinderten Sch\u00fcler:innen zu tun, wir hatten lediglich einen Autisten in unserer Klasse. Generell l\u00e4sst sich sagen, dass in unserer Klasse eine starke Gruppenbildung stattgefunden hat, wobei Max (Name ist frei erfunden) wenig Teilhabe hatte. Das lag zum Teil sicherlich daran, dass es schwierig war, mit ihm zu kommunizieren, andererseits aber auch daran, dass er von einer Sonderp\u00e4dagogin begleitet wurde, die ihm quasi auf Schritt und Tritt folgte. Dadurch war es unm\u00f6glich, mit ihm zu reden, ohne von einer Erwachsenen dabei &#8222;belauscht&#8220; zu werden, was dazu f\u00fchrte, dass kein lockerer Kontakt zwischen meinen Mitsch\u00fclern und ihm stattfand. An diesem Beispiel wurde f\u00fcr mich deutlich, dass es nicht nur hilfreich ist, Sch\u00fcler:innen sonderp\u00e4dagogisches Personal zur Seite zu stellen, sondern auch negative Konsequenzen haben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. In der Vorlesung wurde auch die Perspektive der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung angesprochen. Welche Bedeutsamkeit messen Sie der Zusammenarbeit mit Eltern bei und welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus f\u00fcr sich als angehende Lehrkraft ab?<\/strong><\/p>\n<p>Beide Elternteile haben unterstrichen, dass f\u00fcr die erfolgreiche Schulbildung der Kinder die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkr\u00e4ften essentiell ist. Die Eltern \u00f6ffnen den Sch\u00fcler:innen die T\u00fcren zu inklusiver Schulbildung, indem sie den Lehrer:innen Wege aufzeigen, wie ihre behinderten Kinder trotz ihrer unterschiedlichen Einschr\u00e4nkungen am Unterricht teilnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe f\u00fcr mich erkannt, dass es deshalb essenziell ist, dass die Lehrkr\u00e4fte der Zukunft (und damit auch ich) von sich aus nach Inklusionsm\u00f6glichkeiten suchen und kreativ denken. Denn momentan braucht es zur \u00d6ffnung der gedanklichen Schranken der Lehrkraft die Initiative der Eltern. Sollten die Eltern allerdings nicht die Kapazit\u00e4ten haben, um sich konstant um Kontakt zu verschiedensten Lehrkr\u00e4ften zu bem\u00fchen oder (im Extremfall) sollten die Sch\u00fcler:innen vom Jugendamt betreut werden, muss diese Initiative von der Lehrkraft selbst kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). Die UN-Behindertenrechtskonvention \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Stand: November 2018. Bonn.<\/p>\n<p>DeLoach, C.P.; Wilins, R.D.; Walker, G.W. (1983): Independent Living \u2013 Philosophy, Process and Services. Baltimore. S. 64. \u00dcbersetzung hier von: Horst Frehe, URL: http:\/\/www.handbuch-empowerment.de\/index.php\/zum-nachschlagen\/glossar\/86-selbstbestimmung, letzter Abruf: 05.05.2023.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Was bedeutet der Slogan:\u00a0\u201eNicht \u00fcber uns ohne uns!\u201c\u00a0hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? 1983 geben DeLoach, Wlkins und Walker eine Definition von Selbstbestimmung, die hier gek\u00fcrzt Erw\u00e4hnung finden soll: Selbstbestimmt Leben hei\u00dft, Kontrolle \u00fcber das eigene Leben zu haben, basierend auf der Wahlm\u00f6glichkeit zwischen akzeptablen Alternativen [&#8230;]. 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