{"id":61,"date":"2020-06-03T22:19:00","date_gmt":"2020-06-03T20:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/elinaunddieheterogenitaetinschulen2020\/?p=61"},"modified":"2020-06-03T23:17:00","modified_gmt":"2020-06-03T21:17:00","slug":"rv-07-doing-it-wrong-doesnt-make-it-wrong-inklusive-paedagogik-und-ihre-umsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/elinaunddieheterogenitaetinschulen2020\/2020\/06\/03\/rv-07-doing-it-wrong-doesnt-make-it-wrong-inklusive-paedagogik-und-ihre-umsetzung\/","title":{"rendered":"RV 07 Doing it wrong, doesn\u2019t make it wrong. Inklusive P\u00e4dagogik und ihre Umsetzung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\"><strong>1. Reflektieren Sie die Konsequenzen der Aussonderung von Sch\u00fcler_innen mit F\u00f6rderbedarf?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">Der oben gezeigte Comic (auch in der Vorlesung zu sehen) zeigt die Art der Aussonderung, welcher Sch\u00fcler*innen mit festgestelltem F\u00f6rderbedarf ausgesetzt sind &#8211; \u00a0sie sitzen zwar rein physisch mit den anderen Sch\u00fcler*innen in der Klasse, werden aber h\u00e4ufig separiert;<\/span><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">\u00a0der Sonderp\u00e4dagoge der Klasse wird als Aufpasser eingesetzt, manchmal bekommen sie Parallelunterricht oder Therapie parallel zum Klassengeschehen. Es kann schnell passieren, dass Sch\u00fcler*innen mit F\u00f6rderbedarf als &#8222;Extra-Belastung&#8220; angesehen werden, da das Labeln durch den F\u00f6rderschwerpunkt die Kinder als jemanden outet, der einer umfangreicheren F\u00f6rderung bedarf, auch trotz Co-Teaching. So stellen Baglieri et al. fest:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><em><span style=\"font-size: 12pt\"><span style=\"font-size: 10pt\"><span style=\"font-size: 12pt\">&#8222;In addition, the essentially static baseline from which we begin to imagine instruction too often creates a situation in which working with diverse students appears to be extra work for the general educator in the inclusive setting. Conventional wisdom suggests that this kind of work is best left up to those specifically \u201ctrained\u201d to teach these students (i.e., the special educator). Problematic is the division of labor that can emerge in the co-teaching relationship \u2014most often recommended for inclusion\u2014that positions the consideration of particular students as marginal to the \u201cregular\u201d work of teach<\/span><\/span><\/span><\/em><\/span><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><em><span style=\"font-size: 12pt\"><span style=\"font-size: 10pt\"><span style=\"font-size: 12pt\">ing. In turn, a synthetic, detrimental division is created between special and general educators just as it is between special and general education students. Thus, the supposed solution to the problem leads to newer and more intractable problems, which are well captured in research on co-teaching arrangements.&#8220; \u00a0 (Baglieri et al 2010: 272)<\/span><br \/>\n<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: 12pt\">Dies ist aber meiner Meinung nur deshalb der Fall, da die Klasse nicht von vornherein als heterogene Gruppe angesehen wird, in der jede*r Sch\u00fcler*in, unabh\u00e4ngig vom F\u00f6rderbedarf, einzeln betrachtet wird. W\u00e4re dies der Fall, w\u00fcrde diese Sichtweise nicht so stark hervortreten &#8211; es liegt also am System Schule sich dahingehend zu \u00e4ndern, dass Lehrkr\u00e4fte die Mittel und Zeit an die Hand bekommen, um effizient und zieldifferent f\u00fcr alle Sch\u00fcler*innen unterrichten zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem kann das Labeln durch den F\u00f6rderschwerpunkt auch bei den Sch\u00fcler*innen selber zu Problemen f\u00fchren. Beispielsweise kann das Selbstwertgef\u00fchl darunter leiden, oder andere Klassenkameraden grenzen den\/die Sch\u00fcler*in aufgrund des F\u00f6rderbedarfs aus.<\/span><em><span style=\"font-size: 12pt\"><span style=\"font-size: 10pt\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><strong>2.\u00a0Welche Informationen sind in der Diagnose \u201eF\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung&amp;Entwicklung\u201c bzw. \u201eF\u00f6rderschwerpunkt Lernen\u201c enthalten? Welche Informationen ben\u00f6tigen Sie von einer Sch\u00fcler_in um Ihren Unterricht ggf. anzupassen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">Die Diagnose &#8222;FS W&amp;E&#8220; besagt, dass eine Beeintr\u00e4chtigung in der Wahrnehmung und Entwicklung festgestellt wurde &#8211; auf welche Art die Sch\u00fcler*innen eingeschr\u00e4nkt sind, geht daraus nicht hervor.<br \/>\nDie Diagnose &#8222;FS Lernen&#8220; besagt, dass der\/die Sch\u00fcler*in Schwierigkeiten im Bereich des Lernens hat &#8211; ob ein Sch\u00fcler langsam lernt oder Probleme mit der Aufmerksamkeit hat und welche Auspr\u00e4gungen und Ursachen bestehen, geht aus der Diagnose nicht hervor. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">Problematisch erscheint mir hierbei auch, dass bei diesen F\u00f6rderschwerpunkten \u00a0auch der IQ-Wert zur Zuweisung der entsprechenden Bedarfe ermittelt wird (Ministerium f\u00fcr Bildung Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern 2015: 16-18.) Den IQ-Wert zu kennen, hilft einer Lehrkraft nicht weiter, um ihr weiteres p\u00e4dagogisches Handeln zu planen.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Genau hierin liegt n\u00e4mlich die Krux: F\u00fcr eine ad\u00e4quate Unterrichtsgestaltung ist die Zuweisung des F\u00f6rderschwerpunkts zweitrangig, wenn nicht sogar obsolet, da zur Unterrichtsgestaltung die individuellen Auspr\u00e4gungen und Auswirkungen von Bedeutung sind. Folgende Fragen k\u00f6nnen bei der Anpassung des Unterrichts eine Rolle spielen:<\/span><\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle\">\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Wie viel Zeit braucht der\/die Sch\u00fcler*in ihm Aufgaben zu l\u00f6sen?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Wie reagiert der\/die Sch\u00fclerin auf Lob\/Kritik?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Ist eigenst\u00e4ndiges Arbeiten n\u00f6tig und braucht der\/die Sch\u00fcler*in hierbei Unterst\u00fctzung?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Wie viel Struktur braucht das Kind, um eigenst\u00e4ndig arbeiten zu k\u00f6nnen?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Welche Modalit\u00e4ten helfen dem Kind besonders gut?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Welche St\u00e4rken kann ich mir als Lehrkraft zunutze machen?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Wie agiert das Kind im Klassenverband?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">Gibt es k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen (z.B. H\u00f6rminderung), welche ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen?<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><strong>3. Wie k\u00f6nnen Sie in Ihrem Unterricht die Zug\u00e4nglichkeit und Anschaulichkeit von Medien\/Materialien verbessern? Welche Verb\u00fcndeten k\u00f6nnen sie dazu gewinnen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Im Unterricht ist es wichtig, die Kinder auf vielen verschiedenen &#8222;Wahrnehmungskan\u00e4len&#8220; zu erreichen. Hierzu ist es sinnvoll, mehrere Sinne anzusprechen &#8211; also visuell, auditiv, wenn m\u00f6glich auch taktil-kin\u00e4sthetisch. Dabei kann man den diversen Lerntypen besser gerecht werden und extra Unterst\u00fctzung anbieten, denn einige lernen besser durch Schauen, andere durch Kommunizieren usw. Zudem ist es sinnvoll, verschiedene Schwierigkeitsgrade bereit zu stellen, wie in den Vorlesungsfolien am Beispiel des Buches &#8222;P\u00fcnktchen und Anton&#8220; deutlich wurde. Au\u00dferdem k\u00f6nnen \u00f6ffentliche Portale mit kostenlosem Material eingesetzt werden.<br \/>\nAuch ist es m\u00f6glich, Mitsch\u00fcler*innen in Aufgaben miteinzubeziehen &#8211; dadurch kann gleichzeitig auch das Gemeinschaftsgef\u00fchl der Klasse gesteigert werden. Aus Problemen, Interaktionen, pers\u00f6nlichen Themen der Sch\u00fcler*innen in der Klasse k\u00f6nnen Themen f\u00fcr Projektwochen und Aufgabenstellungen entwickelt werden, wie beispielsweise im Interview bei Christine Carstens mit ihrer &#8222;Wolfsrudel&#8220;-Klasse\/Foxpack (vgl. path<sup>2<\/sup>in Christina Carstens).<br \/>\nWeiterhin kann man sich mit anderen Lehrkr\u00e4ften oder ehemaligen Kommilitonen austauschen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif\"><strong><span style=\"font-size: 12pt\">4. W\u00e4hlen Sie eines der Lernvideos auf <a href=\"https:\/\/path2in.uni-bremen.de\">path2in.uni-bremen.de<\/a> aus, schauen Sie es sich an und schreiben Sie kurz eine begr\u00fcndete Empfehlung f\u00fcr Ihre Kommiliton_innen, warum es sich ggf. lohnt sich das Video anzusehen.<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">Das Interview mit Ines Boban &amp; Dr. Andreas Hinz zum Thema &#8222;4. Diagnostik&#8220; ist einen Klick wert. Hinz berichtet realit\u00e4tsnah und ohne Euphemismen \u00fcber das Problem beim Dauer-Diagnostizieren und Labeln von Kindern. Auch wird berichtet, wie Schule ohne F\u00f6rderschwerpunkte funktionieren kann. Das Ganze wird beispielhaft an einer Schule in Brunswick, Kanada, diskutiert. Dort kommen alle Kinder der Umgebung auf diese Schule, spezielle Einrichtungen gibt es nicht. Meiner Meinung nach st\u00e4rkt dieses Video das Weiterdenken der Inklusion &#8211; oftmals kritisieren wir das bestehende System, wissen aber nicht immer, wie wir alternativ weiter verfahren sollen. Hier wird ein interessanter, pr\u00e4ventiv gedachter Ansatz pr\u00e4sentiert, der zeigt, dass Inklusion auch ohne die Kopplung von Ressourcen an F\u00f6rderbedarfe funktionieren kann, ganz ohne naiv oder utopisch zu sein. In dem Video wird erl\u00e4utert, wie es m\u00f6glich ist, dass in Brunswick Besprechungen von mehreren Sch\u00fclern in 40 Minuten effektiv m\u00f6glich sind &#8211; wohingegen in Deutschland diese Zeit f\u00fcr die Besprechung eines\/einer einzelnen Sch\u00fclers\/Sch\u00fclerin aufgebracht wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">Weitere Quellen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;font-size: 12pt\">1. Ministerium f\u00fcr Bildung Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern (Hg.) (2015): Standards der Diagnostik f\u00fcr die Schulen Mecklenburg-Vorpommern (2015), S.16-18 aufgerufen von https:\/\/www.bildung-mv.de\/export\/sites\/bildungsserver\/downloads\/Handbuch-Diagnostischer-Dienst-Update08122015.pdf am 03.06.2020<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">2. Interview mit Christina Carstens, aufgerufen unter\u00a0https:\/\/path2in.uni-bremen.de\/themen\/inklusive-paedagogik-in-der-sekundarstufe\/ am 03.06.2020<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">3. Interview mit Ines Boban und Dr.Andreas Hinz, aufgerufen unter\u00a0https:\/\/path2in.uni-bremen.de\/themen\/diagnostik\/ am 03.06.2020<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: helvetica, arial, sans-serif\">4. Baglieri, Susan\/ Valle, Jan W., Connor\/ David J.\/ Gallagher, Deborah J. (2010): \u00a0Disability Studies in Education : The Need for a Plurality of Perspectives on Disability S.272<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Reflektieren Sie die Konsequenzen der Aussonderung von Sch\u00fcler_innen mit F\u00f6rderbedarf? 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