{"id":26,"date":"2024-08-19T21:19:02","date_gmt":"2024-08-19T19:19:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/elcin\/?p=26"},"modified":"2024-08-19T21:19:02","modified_gmt":"2024-08-19T19:19:02","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/elcin\/2024\/08\/19\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p><b>Aufgabe 1, a und b)<\/b><\/p>\n<p>Die Teilnahme an der Ringvorlesung erm\u00f6glichte mir eine kontinuierliche Erweiterung meiner Perspektive sowie die Gewinnung verschiedener theoretischer Erkenntnisse. In diesem Kontext sind insbesondere zwei Erkenntnisse hervorzuheben. Ein Thema war die Fragestellung, ob Lehrkr\u00e4fte ihre Meinung \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen. \u00dcber viele Jahre hinweg war ich der festen \u00dcberzeugung, dass ich als Lehrkraft so neutral wie m\u00f6glich sein muss und meine Meinung nicht mit den Lernenden teilen darf, um sie nicht zu beeinflussen. Die Vorlesungen und die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses, welche dort behandelt wurden, erm\u00f6glichten mir die Aneignung einer neuen Perspektive. Unter Ber\u00fccksichtigung der genannten Prinzipien erscheint es durchaus m\u00f6glich, die eigene Meinung zu \u00e4u\u00dfern. Zu den Prinzipien des Beutelsbacher Konsens geh\u00f6rt beispielsweise die Forderung, im Unterricht kontroverse Themen zu behandeln. Zudem sollte der Unterricht die Sch\u00fcler:innen dazu bef\u00e4higen, politische Situationen und ihre eigenen Interessenlagen zu analysieren (vgl. Wehling, 1977, S. 197f.). Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass ich meine Meinung zwar teilen darf, sie aber nicht als einzig richtige vermittelt werden sollte (Giesinger, 2021, S. 19).<\/p>\n<p>Im Rahmen des Studiums der Religionswissenschaften ist es von besonderer Bedeutung, eine ausgewogene Darstellung der verschiedenen Positionen zu gew\u00e4hrleisten. In Bremen gilt der bekenntnisfreie Unterricht, was bedeutet, dass ich Religionen unterrichten darf, ohne selbst einem Bekenntnis anzugeh\u00f6ren. Dennoch ist insbesondere darauf zu achten, dass die Ausf\u00fchrung in einem respektvollen Rahmen erfolgt. Auch, wenn ich keiner Religion angeh\u00f6re, ist es mir nicht gestattet, den Sch\u00fclerInnen meine Ansichten aufzuzwingen und sie zu \u00fcberzeugen, dass meine Ansicht die einzig richtige ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Eine weitere Vorlesung, die mir in besonders positiver Erinnerung geblieben ist, ist diejenige mit dem Titel &#8222;(Un-)Gleiche Chancen f\u00fcr alle&#8220;. Im Rahmen der Vorlesung wurde bereits zu Beginn die Thematik der Diskriminierung er\u00f6rtert. Dabei wurde festgestellt, dass Diskriminierung nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf struktureller Ebene stattfindet (vgl. Gomolla 2016, S. 73). Dies verdeutlicht, dass Diskriminierung ein tief verwurzeltes Ph\u00e4nomen in der Gesellschaft ist. In diesem Kontext erfolgt eine Unterteilung der Diskriminierung in direkte und indirekte, institutionelle Diskriminierung. Die direkte institutionelle Diskriminierung richtet sich offen gegen bestimmte Menschengruppen, wobei der Fokus der indirekten Diskriminierung eher auf fairen Regelungen liegt, bei denen jedoch unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen ungleich betroffen sind. Auch im schulischen Kontext kann es zu einer Benachteiligung von Sch\u00fcler:innen kommen, obwohl sie die gleichen Leistungen erbringen wie ihre Mitsch\u00fcler:innen (Bonefeld &amp; Dickh\u00e4user, 2018). Daher obliegt es den Lehrkr\u00e4ften, sich kontinuierlich mit der Thematik auseinanderzusetzen und aktiv Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um derartige Situationen zu vermeiden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Aufgabe 2<\/b><\/p>\n<p>Zu Beginn meiner Schulzeit wurde dem Thema Mehrsprachigkeit im Unterricht nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, denn wahrscheinlich stellt dieser Themenbereich eines der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte dar.<\/p>\n<p>Es gibt eine Vielzahl von Themen, die von den Sch\u00fclern nicht angesprochen werden. Dadurch besteht das Risiko, dass sie den Inhalt des Unterrichts nicht vollst\u00e4ndig aufnehmen k\u00f6nnen, wodurch eine faire Bewertung ihrer Leistungen nicht erfolgen kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als L\u00f6sungsansatz f\u00fcr die dargestellten Problematiken kann der integrative Ansatz dienen, welcher individualisierte Lernmaterialien bereitstellt. Dadurch kann eine Adaptierung der Aufgaben an die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler:innen erfolgen, wodurch sich deren pers\u00f6nlicher Lernprozess optimiert. Eine weitere L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit w\u00e4re die Pr\u00e4senz mehrerer Lehrkr\u00e4fte im Klassenraum. Um eine optimierte Unterst\u00fctzung zu gew\u00e4hrleisten und eine Balance zwischen p\u00e4dagogischem und fachlichem Wissen zu etablieren, kann das Engagement einer sonderp\u00e4dagogischen Fachkraft sowie einer regul\u00e4ren Lehrkraft als Option in Erw\u00e4gung gezogen werden (vgl. Vygotskij 1987: 85). Sch\u00fcler:innen k\u00f6nnen von diesem L\u00f6sungsansatz profitieren, indem sich ihre Konzentration bessert, sie besser auf ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse eingehen und sie individuell gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Aus eigener Erfahrung kann ich keine Einsch\u00e4tzung zu dieser Thematik beitragen, allerdings berichten mir Bekannte und Freunde durchweg von positiven Erfahrungen. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wurden in ihrem Handeln zunehmend selbstbewusster und erhielten Unterst\u00fctzung, die sie andernorts m\u00f6glicherweise nicht erhalten h\u00e4tten. Dennoch l\u00e4sst sich anmerken, dass auch die Lehrkr\u00e4fte eine Art Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen k\u00f6nnten, da die Umsetzung in die Praxis sich m\u00f6glicherweise schwieriger gestalten k\u00f6nnte als angenommen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Aufgabe 3)<\/b><\/p>\n<p>Ein Thema, das mein besonderes Interesse weckte, war die Frage der Meinungs\u00e4u\u00dferung von Lehrkr\u00e4ften und der dazugeh\u00f6rige Beutelsbacher Konsens. Als Sch\u00fclerin war ich stets der \u00dcberzeugung, dass Lehrkr\u00e4fte ihre Meinung nicht \u00e4u\u00dfern sollten und eine neutrale Haltung einnehmen m\u00fcssen. Der Beutelsbacher Konsens er\u00f6ffnet eine neue Perspektive, in der die M\u00f6glichkeit besteht, die eigene Meinung zu \u00e4u\u00dfern, w\u00e4hrend gleichzeitig die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dazu angeregt werden, sich mit ihrer eigenen Position auseinanderzusetzen. Im Rahmen meines Studiums habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich (vor allem in der Religionswissenschaft) meine Meinung \u00e4u\u00dfern kann, ohne sie anderen aufzuzwingen. Ob die von mir gew\u00e4hlte Vorgehensweise letztlich als korrekt zu bewerten ist, wird sich erst in der Praxis zeigen. Dennoch hat die Vorlesung aufgezeigt, dass bestimmte Themenbereiche mit einer gewissen Zur\u00fcckhaltung behandelt werden k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zudem ist auch die Mehrsprachigkeit im Unterricht ein interessantes Thema. Leider war es hierbei schwierig, den praktischen Aspekt intensiv zu bearbeiten. Dennoch war der theoretische Part sehr lehrreich. Es gab viele Handlungsweisen, welche uns Studierenden helfen k\u00f6nnen, die Theorie sp\u00e4ter in einen praktischen Ansatz umzuwandeln und die Mehrsprachigkeit konstanter einzubinden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wehling, Hans-Georg (1977): Konsens \u00e0 la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespr\u00e4ch. In: Siegfried Schiele und Herbert Schneider (Hg.): Das Konsensproblem in der politischen Bildung. Stuttgart, S. 173-184.<\/li>\n<li>Giesinger, Johannes (2021): Vermitteln und Mitteilen: Die Meinung der Lehrperson in der Diskussion kontroverser Themen. In: Johannes Drerup, Miguel Zulaica y Mugica und Douglas Yacek (Hg.): D\u00fcrfen Lehrer ihre Meinung sagen? Demokratische Bildung und die Kontroverse \u00fcber Kontroversit\u00e4tsgebote. Stuttgart: Kohlhammer, S. 19-30.<\/li>\n<li>Gomolla, Mechtild (2016): Diskriminierung. In: Paul Mecheril (Hg.): Handbuch Migrationsp\u00e4dagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 73-89.<\/li>\n<li>Bonefeld, Meike; Dickh\u00e4user, Oliver (2018): (Biased) Grading of Students\u2019 Performance: Students\u2019 Names, Performance Level, and Implicit Attitudes. In: Front. Psychol. 9 (481).<\/li>\n<li>Vygotskij, Lev S. (1987): Ausgew\u00e4hlte Schriften. Band 2. Arbeiten zur psychischen Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit. K\u00f6ln: Pahl-Rugenstein.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgabe 1, a und b) Die Teilnahme an der Ringvorlesung erm\u00f6glichte mir eine kontinuierliche Erweiterung meiner Perspektive sowie die Gewinnung verschiedener theoretischer Erkenntnisse. In diesem Kontext sind insbesondere zwei Erkenntnisse hervorzuheben. 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