{"id":29,"date":"2023-06-09T23:57:21","date_gmt":"2023-06-09T21:57:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/dsouzafe\/?p=29"},"modified":"2023-06-09T23:57:21","modified_gmt":"2023-06-09T21:57:21","slug":"mehrsprachigkeit-als-ausgangspunkt-und-ziel-schulischer-bildung-in-der-gymnasialen-oberstufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/dsouzafe\/2023\/06\/09\/mehrsprachigkeit-als-ausgangspunkt-und-ziel-schulischer-bildung-in-der-gymnasialen-oberstufe\/","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Gymnasialen Oberstufe."},"content":{"rendered":"<p>An Ihrem Gymnasium gibt es einen \u2013 wie \u00fcblich sehr heterogen besetzte \u2013 Vorkurs, in welchem sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. F\u00fcr einige wird nun der endg\u00fcltige \u00dcbergang in die Regelklasse diskutiert. Ein Gro\u00dfteil der Lehrpersonen pl\u00e4diert \u2013 mit Verweis auf die noch nicht vollst\u00e4ndig ausreichenden (bildungssprachlichen) Deutschkenntnisse \u2013 die Sch\u00fcler*innen an eine Oberschule zu \u00fcberweisen, obwohl die Sch\u00fcler*innen hinsichtlich ihrer Lernf\u00e4higkeit und ihrer Vorbildung eigentlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Gymnasium mitbringen und gerne an der Schule bleiben w\u00fcrden, da sie dort durch die Teilintegration in die Regelklassen auch schon Kontakte zu anderen Sch\u00fcler*innen gekn\u00fcpft haben. Nehmen Sie auf Basis der Vorlesung Stellung dazu.<\/p>\n<p>Im folgenden werde ich auf Basis der Vorlesung Stellung dazu beziehen, ob es sinnvoll ist Sch\u00fcler*innen einer Oberschule zuzuweisen, aufgrund von Sprachbarrieren, welche vorab an einem Gymnasium in einem Vorkurs m\u00f6glichst \u00fcberbr\u00fcckt werden und die Deutschkenntnisse bestm\u00f6glich f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen. Hintergrund ist des Weiteren, dass die Sch\u00fcler*innen die Voraussetzungen f\u00fcr den Besuch eines Gymnasiums erf\u00fcllen und bereits Kontakt zu den Sch\u00fcler*innen des Regelklassen des Gymnasiums hatten, lediglich noch nicht auf dem entsprechenden Sprachniveau sind.<br \/>\nLaut Grosjean erwerben und nutezn mehrsprachige Menschen ihre Sprachen f\u00fcr unterschiedliche Zwecke und in unterschiedlichen Dom\u00e4nen und Umgebungen (Grosjean, 1997). In diesem Falle w\u00fcrde Deutsch als Sprache neu erworben werden, um in der Gesellschaft bestm\u00f6glich Fu\u00df fassen zu k\u00f6nnen und somit aktives Mitglied von dieser werden zu k\u00f6nnen. Durch eine sichere und bekannte Umgebung kann dies weiter erleichtert werden. Jedoch wird aus meiner Sicht gewisserm\u00dfen die Teilhabe erschwert, da die Sch\u00fcler*innen aus einem bereits bekannten Umfeld entzogen werden sollen und sich so erneut in eine neue Situation einf\u00fcgen m\u00fcssen. Des Weiteren ist aus meier\u00a0 Sicht die Chancengleichheit nicht unbedingt gegeben. Chancengleichheit beschreibe den sozialpolitischen Leitgedanken, dass alle B\u00fcrger*innen einer Gesellschaft unabh\u00e4ngig von Faktoren wie etwa ihrer sozialen Herkunft, Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit, ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit, Behinderung oder \u00e4hnlichen Faktoren die selben Zugangsbedingungen haben, wie in etwa zu Bildungsinstitutionen, so Hopf und Edelstein in Ihrem Artikel &#8222;Chancengleichehit, zwischen Anspruch und Wirklichkeit&#8220;, ver\u00f6ffentlicht auf der Website der Bundeszentrale f\u00fcr poltiische Bildung im Jahre 2018. Aufgrund einer sp\u00e4teren Zuwanderung in etwa, m\u00fcssen die Sch\u00fcler*innen Deutsch als neue Sprache erlernen und haben damit &#8222;schwierigere Startbedingungen&#8220; als Kinder, welche mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen. Obwohl die Sch\u00fcler*innen die &#8222;F\u00e4higkeiten&#8220; f\u00fcr den Besuch des Gymnasiums aufweisen, soll Ihnen dies verwert werden. Das w\u00e4re jedoch unfair und w\u00fcrde, wie bereits betont, gegen die Chancengleichheit sprechen. Der derzeitige &#8222;Sprachstand&#8220; der Sch\u00fcler*innen ist vermutlich keineswegs deren entg\u00fcltiger &#8211; eine deutliche Verbesserung, durch eine feste Konstante durch qualifiertes Lehrpersonal und die Einbindung in den Klassenverband, w\u00e4re daher zu erwarten. Durch den Aspekt, dass bereits Ber\u00fchrungspunkte mit anderen Sch\u00fcler*innen der Regelklassen am Gmynasium vorhanden war, ist ebenfalls davon auszugehen, dass ein Austausch und das Einf\u00fcgen in den Klassenverband weitaus schneller von statten gehen, als wenn diese an eine neue Schule mit unbekannten Gesichtern und Lehrpersonal gehen w\u00fcrden. Durch den direkten Besuch des Gymnasiums wird des Weiteren aus meiner Sicht der Weg zum Abitur erleichtert. Meine Behauptung l\u00e4sst sich darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass Oberschulen lediglich bis zur zehnten Klasse gehen und die Sch\u00fcler*innen in Kurse je nach Leistung eingeteilt werden, am Ende wird jedoch ein bestimmter Notendurchschnitt ben\u00f6tigt, um an einer anderen Schule das Abitur machen zu k\u00f6nnen. Wenn die Sch\u00fcler*innen jedoch direkt ein Gymnasium besuchen, ist dies nicht mehr notwendig. In anbetracht dessen, dass die Sch\u00fcler*innen, abgesehen vom &#8222;Sprachstand&#8220; alle Voraussetzungen f\u00fcr das Gymnasium erf\u00fcllen, haben diese aus meiner Sicht und mit Einbeziehung der anderen genannenten Aspekte ein Recht darauf die F\u00f6rderung zu erhalten, welche Ihnen zusteht.<\/p>\n<p>Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit \u2013 in der hier verstandenen breiten Sicht \u2013 in Schule und Unterricht (selbst als Sch\u00fcler*in\u00a0 und\/oder Praxiserfahrungen als unterrichtende Person) haben Sie bislang gemacht? Reflektieren Sie diese Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung.<\/p>\n<p>In meiner Schullaufbahn hatten viele Sch\u00fcler*innnen die F\u00e4higkeit mehr als nur eine Sprache flie\u00dfend Sprechen zu k\u00f6nnen. Oftmals hatten diese jene Sprachen vom Kleinkindalter auf erlernt, einige erlernten diese aber auch erst in der Schule wie klassischerweise Franz\u00f6sisch oder Spanisch, aber auch Deutsch. Beispielsweise hatte die weiterf\u00fchrende Schule, welche ich besuchte, eine Klasse mit Sch\u00fcler*innen welche vor kurzem erst zugewandert waren und so vorab innerhalb ihres Klassenverbandes Deutsch lernten. Hierbei achtete unsere Lehrerin, welche deren Klasse als auch meine Klasse als Klassenlehrerin beaufsichtigte, dass wir ebenfalls in Kontakt mtieinander kamen um so im Austausch zu stehen. Diesen Ansatz finde ich pers\u00f6nlich sehr gut, da so auch bereits Kontakte mit m\u00f6glichen sp\u00e4teren Klassenkameraden \/ Klassenkameradinnen entstehen konnte.<br \/>\n&lt;span;&gt;Ein negativ Beispiel als Gegenpol ist jedoch beispielsweise folgender:\u00a0 Eine Sch\u00fclerin wechselte von einer Oberschule auf eine Wieterf\u00fchrende Schule f\u00fcr das Abitur. Dort wollte sie Spanisch belegen, was Sie vorab an der Oberschule als Unterrichtsfach hatte. Da die anderen Sch\u00fcler*innen Spanisch jedoch neu erlernten ab der 10 wurde Ihr dies vergweigert und Sie sollte am Chinesischunterricht einer anderen Schule teilnhemen, w\u00e4hrenddessen eine Muttersprachlerin in Spanisch ohne Probleme am Kurs teilnehmen konnte. Sp\u00e4ter durfte Sie dann doch noch am Spanischunterrich teilnehmen, jedoch erst sehr versp\u00e4tet. Ich denke daher, dass Lehrkr\u00e4fte versuchen sollten, m\u00f6glichst auf die W\u00fcnsche und F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler*innen einzugehen, sofern diese nicht den Unterricht stark einschr\u00e4nken, um die Interessen dieser bestm\u00f6glich zu f\u00f6rdern und zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Was m\u00f6chten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zuk\u00fcnftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche F\u00e4higkeiten fehlen Ihnen daf\u00fcr noch? Was wollen Sie daf\u00fcr tun?<\/p>\n<p>Bei meiner k\u00fcnftigen Unterrichtsgestaltung m\u00f6chte ich beachten, dass ich keine Sch\u00fcler*innen benachteilige in irgendeiner Form. Stattdessen m\u00f6chte ich m\u00f6glichst individuell deren St\u00e4rken f\u00f6rdern und ebenso wichtig neue Interessenfelder er\u00f6ffnen. Durch die Vorlesung habe ich mitgenommen, dass zwischen allgemeinsprachlicher Kompetenzen und Bildungssprachlichen Kompetenzen unterschieden werden muss (vgl. PP: 30). IN anbetracht dessen sollte den Sch\u00fcler*innen Gedult und Unterst\u00fctzung entgegengebracht werden, als auch eine individuelle F\u00f6rderung. Individuelle F\u00f6rderung ist aus meiner Sicht besonders wichtig, da verschiedenste Faktoren das (Lern)-verhalten von Sch\u00fcler*innen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen k\u00f6nnen. Um jene F\u00f6rderung bietenzu k\u00f6nnen w\u00fcrde ich auf Fachliteratur und Fortbildungen zur\u00fcckgreifen, dabei w\u00fcrde ich jedoch niemals au\u00dfer acht lassen auch vermeintlich wissenschaftliches zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein? Welche Rahmenbedingungen m\u00fcssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit Ihrer Sch\u00fcler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht sollte Schule offener und individueller gestaltet werden, in anbetracht dessen, dass wir in einer mehrsprachigen Gesellschaft leben. Dabei sollte bereits vorhandenes WIssen weiter gef\u00f6rdert werden, zeitgleich neues jedoch vermittelt werden. Auch muss stark Differenziert und nicht verallgemeinert werden. Des Weiteren sollte mehr auf die &#8222;lebensweltliche Mehrsprachigkeit&#8220; von Sch\u00fcler*innen eingegangen werden, da dies derzeit kaum gemacht werde (vgl. Wlossek &amp; Rost-Roth 2016: 105). Um m\u00f6glichst effektiv Unterrichten zu k\u00f6nnen, ist es ebenfalls wichtig stehts das Lernkonzept zu hinterfragen, gutes beizubehalten, aber auch individuell anzupassen, um bestm\u00f6glichen Unterricht bieten und gestalten zu k\u00f6nnen (vgl. Wlossek &amp; Rost-Roth 2016: 105). Zuletzt sollten meiner Meinung nach Erstsprachen mehr einbezogen werden, da diese ebenfalls sehr hilfreich f\u00fcr die Vermittlung von Lerninhalten sein k\u00f6nnen und den Sch\u00fcler*innen zeitgleich erm\u00f6glicht mehr individuelle Inhalte mit einbringen zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<!--\/data\/user\/0\/com.samsung.android.app.notes\/files\/clipdata\/clipdata_bodytext_230609_235155_612.sdocx--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Hopf, Wulf und Edelstein, Benjamin (2018): Chancengleichheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zentrum f\u00fcr politische Bildung. Zuletzt aufgerufen am: 9. Juni. 2023, 23:54 Uhr; https:\/\/www.bpb.de\/themen\/bildung\/dossier-bildung\/174634\/chancengleichheit-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit\/<\/p>\n<p>Grosjean, Francois (1997): The Bilingual Individual. In: Interpreting2. 163-187.<\/p>\n<p>Wlossek &amp; Rost-Roth 2016: 105 (leider sind keine n\u00e4heren Quellenangaben Verf\u00fcgbar)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Ihrem Gymnasium gibt es einen \u2013 wie \u00fcblich sehr heterogen besetzte \u2013 Vorkurs, in welchem sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. F\u00fcr einige wird nun der endg\u00fcltige \u00dcbergang in die Regelklasse diskutiert. 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