CN: Medikamentenmissbrauch (Codein), Einstieg in den Konsum, Drogenverherrlichung
Teil 2: Interview mit Emmy*
*der Name ist fiktiv und wurde zur Sicherheit der Befragten anonymisiert
Im 2. Teil der Interviewreihe mit Emmy geht es im Fokus von dem Eindruck von Medien. Unter anderem reden wir über die Serie Skins, welche in ihrer Jugend ihre Hochphase hatte. Ich wollte sie, um auch aktuellen Bezug herzustellen, auch zu der Serie Euphoria befragen, welche ähnliche Themen und Lebensrealitäten, sowie auch Drogenkonsum, behandelt – allerdings hat Emmy sie nie gesehen, aus Angst davor, getriggert zu werden.
In Skins UK geht es um eine Generation Jugendlicher (welche jede 2. Staffel wechseln) und ihre Probleme. Die Charaktere bekommen jede Staffel eine Folge, in welcher der Fokus auf ihnen liegt. Drogenkonsum ist ein omnipräsentes Thema in der Serie und war früher sehr stark repräsentiert auf Tumblr. Viele instabile Teenager haben aus meiner Erfahrung Tumblr benutzt um mit ihren Problemen und Gefühlen zu copen, daher die Verbindung zwischen den beiden Medien. In gewisser Weise ist Tumblr eine Mischung aus Instagram und Pinterest, allerdings etwas ,,dunkler“, vor allem bevor auf Tumblr zensiert wurde – was damals auch der Fall war.
Euphoria behandelt sehr ähnliche Themen, ist allerdings mehr an dem heutigen Zeitgeist angepasst und ich habe von unverhältnismäßig vielen ehemaligen instabilen Teenagern (also nun jungen Erwachsenen) gehört, dass sie sich nicht zutrauen diese Serie zu gucken, aus Angst davor, getriggert zu werden. Bei Emmy ging es viel um den Drogenkonsum, jedoch auch Gewalt und psychische Ausnahmezustände und so ähnlich habe ich es zumindest auch bei den anderen Personen wahrgenommen, mit denen ich gesprochen habe, oftmals wurde es mir auch konkret so kommuniziert.
Nach dem Interview gebe ich auch nochmal kleine Einblicke in Euphoria.
Wie auch beim letzten Mal bitte ich um einen respektvollen Umgang!
___________________________________________________________________________________________
,,Kennst du die Serie „Skins“?”
Emmy: ,,Ja, die kenn ich.”
,,Okay. Und welchen Eindruck hattest du bei der Serie gehabt als eine Person, die selber konsumiert? Beziehungsweise zu welchem Zeitpunkt hattest du sie gesehen? Vor deinem Konsum, während deines Konsums oder als du clean geworden bist?”
Emmy: ,,Ich habe „Skins“ in meiner Jugend das allererste Mal geschaut. Es lief damals schön am Abend und ich fand die Serie irgendwie ziemlich toll, nicht unbedingt wegen den Drogen, sondern weil psychische Krankheiten auch dargestellt worden sind. Ich habe mich verstanden gefühlt dadurch und weniger allein, weil ich in meinem Umfeld mich schon ziemlich allein gelassen gefühlt hab, was psychische Krankheiten und Probleme und so angeht.
Ich habe die Serie auch sehr oft rewatched. Auch habe ich sie erneut angeschaut, als ich schon im Konsum drin war. Ich finde das schon relativ realistisch dargestellt. Ich meine, es ist ja auch dem einen oder anderen passiert, dass er tiefer in die Sucht reingerutscht ist, aber halt nicht alle (Charaktere).
Man hat halt auch bei der einen Figur, also Effy war das, meine ich, gesehen, dass sie in eine psychotische Depression abgerutscht ist aufgrund der Drogen.
Und ich finde die Darstellung schon echt ziemlich gut. Es setzt sich irgendwie kritisch damit auseinander, aber an manchen Stellen wird es auch verherrlicht.
Nicht unbedingt von den Leuten, die die Serie gemacht haben, sondern ich finde eher von Menschen online, also vor allem in Social Media und so. Da wird sehr viel verherrlicht, vor allen Dingen halt auch der Charakter Effy.
Und ich weiß nicht, ob die Macher, die das beabsichtigt haben, sich so kritisch damit auseinanderzusetzen. Ich habe eher das Gefühl, dass die Serie einem mehr so vermitteln soll: Du bist nicht allein.
Soweit ich weiß, ist es auch eine sehr realistische Darstellung von britischer Jugend, weil es bei denen, meine ich, auch noch viel schlimmer ist als hier in Deutschland.”
___________________________________________________________________________________________
CN: Emetophobie, Drogenkonsum, Alkoholkonsum, Kontrollverlust, Gewalt.
___________________________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________________________
,,Wie hat sich diese mediale Repräsentation auf dich ausgewählt, generell Social Media und die Darstellung von Drogenkonsum?”
Emmy: ,,Es kam sehr darauf an, in welchem Mindset ich halt selbst war. In der Zeit, wo ich Drogen gegenüber sehr positiv eingestellt war, war halt auch der Content, den ich gesehen habe, eher Sachen, die mich interessiert haben. Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen, dass da viel war, wo ich gedacht habe, ey, das möchte ich jetzt ausprobieren. Also ich glaube, es gab so ein, zwei Momente, aber nicht so viele.
Selbst in der Zeit gab es auch sehr viel kritischen Content und ich habe auch sehr viel Aufklärungscontent geschaut, einfach um mich selber zu schützen, auch weil es mich tierisch interessiert hat, weil ich mich einfach sehr viel mit diesem Thema beschäftigt habe und ich das auch unterstützen wollte, dass Leute aufgeklärt werden. Daher habe ich diese Videos so viel geteilt, dass halt mehr Leute das Sehen, weil ich finde Aufklärung ist halt echt superwichtig, damit Leute weniger sterben, weniger in Drogenkonsum reinkommen, eventuell die Neugier geringer ist etc.” [sic!]
,,Hattest du das Gefühl, dass dein damaliger Freundeskreis oder die anderen Konsumenten, auf die du so getroffen bist, dass die auch so ein Interesse an Aufklärung hatten oder selbst aufgeklärt waren?”
Emmy: ,,Also bis zu einem gewissen Grad waren schon die meisten aufgeklärt durch den eigenen Konsum. Da gab es Leute, die die mehr wussten als andere.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass selbst die Leute, die halt mehr aufgeklärt waren als andere, trotzdem relativ wenig wussten.
Also ich habe mich echt ultra viel in dieses ganze Thema reingelesen, auch teilweise Abhandlungen und so darüber gelesen, mir Studien durchgelesen, mir angeschaut, was es mit dem Gehirn macht.
Ich habe mir das wirklich genau angeschaut und ich muss sagen, dass halt auch bei den Leuten, wo ich eigentlich am Anfang dachte, ey, die kennen sich echt richtig gut aus, dass sie halt kaum Ahnung hatten. Ich muss auch sagen, dass das ein ziemlich großer Schlüsselmoment war, so eine Person, von der ich halt dachte, dass sie aufgeklärt sei, kennengelernt zu haben.
Ich glaube, es war sogar der erste Tag, wo ich gesagt habe, ich fange jetzt an mit Drogen. Es kam halt jemand mit einer Codeinflasche* und hat irgendwas erzählt mit: ,,Ja, das ist ein Downer* und das macht dich ruhiger.”
Und ich dachte, hä, was ist Codein*?
Vor allem dachte ich, ich will diese Person sein, die das weiß und ich will die Person sein, die andere aufklären kann. Und irgendwie hat das einen bleibenden Eindruck hinterlassen.” [sic!]
Ttranscribed by https://www.uniscribe.co & me
___________________________________________________________________________________________
,,CODEIN
Wichtiges in 30 sec.
Codein ist ein Opiat, das als Hustenstiller oder (in Kombination mit Paracetamol) als Schmerzmittel verordnet wird.
Der Wirkstoff besitzt eine zentral dämpfende, hustenreizstillende sowie schmerzlindernde Wirkung.
Missbräuchlich wird das Schmerzmittel als Rauschmittel konsumiert.
Potenzielle Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Atemdepression.
Die Substanz besitzt ein Abhängigkeitspotenzial, insbesondere bei Missbrauch droht eine Suchterkrankung.
Was ist Codein?
Codein (auch Kodein) ist ein Opiat mit hustenreizstillender und schmerzlindernder Wirkung. In Deutschland fällt der Wirkstoff unter das Betäubungsmittelgesetz. Aufgrund seiner euphorisierenden Wirkung weist Codein ein hohes Missbrauchspotenzial auf. In diesem Zusammenhang wird der Wirkstoff mit Limonade und Bonbons gemischt und unter dem Namen Lean oder Dirty Sprite konsumiert. In der Folge können gravierende Nebenwirkungen auftreten und eine Abhängigkeit entstehen.“
ANMERKUNG: Emmy hat mich darauf hingewiesen, dass Lean nicht nur bzw. Nicht unbedingt Codein enthält. Lean beinhaltet oftmals codeinhaltigen Hustensaft, ist aber ein Gemisch, welches daraus oder aus Dextromethorphan, Promethazin, Limonade und zerkleinerter Bonbons besteht. Das wird auf derselben Internetseite auch nochmal so erläutert, wenn man explizit nach Lean sucht.
QUELLEN: https://dassuchtportal.de/codein/
https://dassuchtportal.de/suchtstoffe/lean-droge/
DOWNER
,,Als Downer werden in der Szenesprache Substanzen bezeichnet, welche beruhigende, schlaffördernde, schlafanstossende, schmerzstillende, betäubende, entspannende sowie angstlösende Wirkungen hervorheben. Darunter fallen folgende Stoffgruppen: Analgetika, Sedativa, Hypnotika und Narkotika. Zu bekannten Vertretern dieser Sparte gehören Benzodiazepine, Opioide und Opiate.“
Das Gegenstück dazu wäre ,,Upper“, also Aufputschmittel.
,,Als Stimulanzien werden psychoaktive Substanzen bezeichnet, die eine erhöhte körperliche und geistige Aktivitäten hervorheben. Bei einer Einnahme wird die Müdigkeit unterdrückt, Leistungsfähigkeit steigt an und es sorgt für eine Stimmungsaufhellung. Darunter fallen die legalen Substanzen wie zum Beispiel Koffein und Ephedrin sowie illegale wie Kokain, Amphetamin, Cathinone und MDMA. Als sogenannte Wachmacher-Substanzen werden auch Medikamente wie zum Beispiel Ritalin missbraucht.“
QUELLEN: https://www.saferparty.ch/glossary/downer
https://www.saferparty.ch/glossary/upper-stimulanzien
___________________________________________________________________________________________
EUPHORIA
QUELLE: https://www.instagram.com/reel/DNVrepWRv91/?igsh=YnVrYmkycjlrbjdt
___________________________________________________________________________________________
Schreibe einen Kommentar