CN: Drogenmissbrauch, Medikamentenmissbrauch, Horrortrip, Manipulation, Halluzinogene, Amphetamine, Alkohol, Suizidalität, Trauma, Gewalt, Egotod.
Vorab möchte ich mich für mögliche Störgeräusche entschuldigen, leider konnte ich diese trotz verschiedener Herangehensweisen nicht gänzlich entfernen, sie sollten das Hörerlebnis aber nicht beeinträchtigen. Weiterhin möchte ich vor allem um einen respektvollen Umgang bitten. Dieses Interview und das gesamte Projekt zielt auf Entstigmatisierung ab, dazu gehört den Menschen als Menschen zu sehen und die Sucht als Krankheit zu erkennen.
In jedem Part werden mögliche unbekannte Begriffe zum Schluss erläutert und bei Bedarf findet sich auch Hintergrundwissen, um sich auf Wunsch nach eigenem ermessen zu informieren. Die Info-Lexika sind (schriftlich) jeweils am Ende des Interviews zu finden.
An der Stelle wünschen wir euch viel Spaß beim zuhören und hoffen, neue Perspektiven geben zu können!
TRANSKRIPT FÜR PART 1: PODCAST
Interview mit der ehemaligen Drogenkonsumentin Emmy*
*der Name, sowie die Stimme der befragten Person wurden zu ihrem Schutz verändert (ohne den Einsatz von KI)
,,Wie alt bist du?”
Emmy: ,,26.”
,,Wie lange hast du Drogen konsumiert oder wie alt warst du zu dem Zeitpunkt?”
Emmy: ,,Also angefangen wirklich zu trinken habe ich mit 19. Ich habe mit 20 angefangen zu kiffen und mit 21 habe ich angefangen halt chemische Sachen, Medikamente und so weiter.“[sic!]
,,Okay, welche Drogen hast du konsumiert beziehungsweise von welchen warst du abhängig, wenn ich dich fragen darf?”
Emmy: ,,Das ist schwer zu beantworten. Es war halt ultra, ultra viel.
Ich habe unter anderem auch Legal Highs aus dem Internet bestellt. Ich habe tatsächlich Liste geführt. Es waren am Ende, ich glaube, 82 oder 83 verschiedene Drogensubstanzen, die ich genommen habe.
Am problematischsten waren für mich auf jeden Fall Amphetamine*, Alkohol* halt auch, Cannabis* definitiv, Benzos*. und Pregabalin* so. Ich hab’ auch sehr, sehr viele Psychedelika* und Dissoziativa* genommen, aber da seh ich eher nicht so, dass das ein problematischer Konsum war für mich.” [sic!]
,,Weißt du, wie lange du schon clean bist?”
Emmy: ,,Also, komplett clean bin ich jetzt über 20 Monate. Ich hatte halt mit Cannabis sehr viele Rückfälle und ich habe halt alles außer Cannabis jetzt seit über zweieinhalb Jahren jetzt nicht mehr.
Ich hatte nur alle paar Monate halt dann nochmal gekifft und Rückfalle gehabt.” (ebenda)
,,Gibt es bestimmte Orte, die du mit deinem Konsum assoziierst?”
Emmy: ,,Ja, gibt es. Tatsächlich habe ich am allermeisten zu Hause konsumiert. Ich habe aber auch viel beim Feiern gehen, – also vor allem Alkohol habe ich beim Feiern gehen getrunken. Am allermeisten war ich hier im Hyde Park*.
Ich habe auch Amphetamine zwischendurch genommen, aber tatsächlich habe ich am allermeisten alles zu Hause genommen. Ich war auch auf Festivals zwischendurch, aber ich bin auch sehr viel durch die Stadt und durch verschiedene Wohnviertel hier gelaufen. Vor allem dann, wenn wir irgendwie Bewegungsdrang hatten oder so. Wir waren auch relativ viel im Schlossgarten*, wo wir dann viel konsumiert haben.
Also ich glaube, am meisten habe ich Alkohol und Cannabis irgendwie draußen konsumiert, den Rest eher dann zu Hause.” (ebenda)
,,Hattest du auch Bad-Trips gehabt?”
Emmy: ,,Ja, definitiv. Also ich muss sagen, so mein erster, wir haben uns Hustenstiller geholt. Das war so… Mein erster Egotod und auch mein erster so richtiger psychedelischer Trip.
Würde ich jetzt nicht unbedingt das immer noch als so krassen Horror- oder Badtrip einstufen, aber es war auf jeden Fall, ich habe lange gebraucht, um darauf klarzukommen, weil es hat so ein bisschen Trauma hervorgerufen, muss ich sagen. Ich wusste nicht, wie ich das einzuordnen konnte. Ich wusste nicht, was da passiert ist, obwohl ich halt wusste, was ein Egotod war, weil ich habe mir das ehrlich gesagt ganz anders vorgestellt.
Und tatsächlich haben ich und meine Freunde halt auch ziemlich lange gebraucht, um irgendwie herauszukristallisieren, dass es ein Egotod war.
Nachdem ich das wusste, bin ich auch besser darauf klargekommen. Ich glaube, das, was mich am meisten irgendwie mitgenommen hat, da habe ich mit meinem besten Freund und meinem Ex-Freund bzw. zu der Zeit mein Freund haben wir Salvia geraucht und wir haben so ein bisschen herumexperimentiert, wie wir das am besten machen können, wie das am besten wirkt.
Ich war dann halt wieder diejenige, die es leider hinbekommen hat einen Ego-Tod zu bekommen.” (ebda.)
,,Du hattest gerade so ein bisschen von deinem damaligen Partner und Freunden erzählt. Hattest du je den Eindruck, dass Gruppenzwang eine Rolle gespielt hätte an dem einen oder anderen Punkt?”
Emmy: ,,Tatsächlich nicht. Also bei uns war das eher so, dass wir uns gegenseitig gesagt haben, mach das nicht, nimm das nicht, sei vorsichtig und obwohl viele von uns selber scheiß Entscheidungen getroffen haben, waren wir halt auch dann eher beschützerisch uns gegenüber.
Ich hatte aber durchaus schon Situationen, wo ich mich gezwungen gefühlt habe, Drogen nehmen zu müssen.
Also zum einen von meinem damaligen Partner halt. Er hat mich da ziemlich rein manipuliert, hat mir Dinge schön gerät. Es war jetzt nicht so, dass er gesagt hat, ey, du musst das jetzt nehmen. Aber er hat mich halt so lange kleingeredet, bis ich gedacht habe, ey, das ist ja gar nicht so schlimm und eigentlich ist das toll und lass das mal nehmen. Obwohl ich das eigentlich nicht wollte.
Und ich hatte auch mal eine Freundin und sie war sehr oft so: ,,ey komm, ich will nicht alleine konsumieren. Hier, nimm das, du kannst das nehmen.“
Die hat mich auch ziemlich oft abgefüllt und mir Drogen gegeben, obwohl ich gar nicht wollte. Es war nicht unbedingt ein Zwang, aber es war schon so ein bisschen Manipulation. Bei ihr war das schon sehr… (heftig)
Aber ansonsten war das echt so bei uns in den Kreisen, dass wir uns meist gesagt haben: „Hör auf mit der Scheiße, mach die Kacke nicht.“
Tatsächlich habe ich nur Unterstützung erfahren, auch wenn ich Kontakte abgebrochen habe, von allen Leuten, wenn ich die mal wieder treffe, höre ich, dass die stolz auf mich sind und dass sie das krass finden, dass ich clean geworden bin.” (ebda.)
Transcribed by https://www.uniscribe.co & mir.
INFO-LEXIKON:
AMPHETAMINE
Substanz
,,Die synthetische Droge Amphetamin gehört zur Gruppe der Stimulanzien, zu denen unter anderem auch Methamphetamin oder Kokain zu zählen sind. Illegal gehandeltes Amphetamin wird auch als „Speed“ oder „Pep“ bezeichnet. Das weiße bis gelbliche Pulver ist in der Regel eine Mixtur aus verschiedenen psychoaktiven Wirkstoffen. Meist werden noch psychoaktiv nicht wirksame Verschnittstoffen beigemengt, um das Volumen zu erhöhen. Der Anteil an Amphetamin kann extrem schwanken. Der Reinhaltsgehalt liegt zwischen 10 und 80 Prozent, kann im Einzelfall aber auch darunter oder darüber liegen. Proben von beschlagnahmtem Speed enthalten neben Amphetamin unter anderem auch Methamphetamin, Ephedrin, Koffein und Schmerzmittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (Aspirin®). Unter den Verschnittstoffen finden sich häufig Lactose (Milchzucker) und Glucose. Aufgrund der Illegalität ist die Zusammensetzung von auf dem Schwarzmarkt gehandeltem „Speed“ aber stets ungewiss.
Geschichte
Amphetamin wurde 1887 erstmals von dem Chemiker Edeleano synthetisiert. Die stimulierende Wirkung wurde jedoch erst in den 1930er Jahren wissenschaftlich erforscht. Man war auf der Suche nach einem Mittel gegen Asthma. Amphetamin wurde schließlich unter dem Markennamen „Benzedrin“ auf den Markt gebracht und war so leicht zugänglich wie Aspirin. Auch das später synthetisierte noch stärker wirkende Methamphetamin war als „Pervitin“ frei erhältlich. Im zweiten Weltkrieg wurden große Mengen von Amphetaminen hergestellt und vorwiegend von Soldaten konsumiert, um länger wach bleiben zu können. Erst als offensichtlich wurde, dass Amphetamine ein hohes Abhängigkeitspotential besitzen, wurden Verkauf und Verordnung von Amphetaminen weltweit beschränkt.
Medizinische Anwendung
Verschiedene chemische Abwandlungen (Derivate) von Amphetamin werden derzeit noch als Medikament verschrieben, beispielsweise Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Dieses Medikament wird zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizits-und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) und bei der Narkolepsie eingesetzt. Der Konsum von Amphetaminen ohne medizinische Indikation ist heute illegal.“
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-a/amphetamin/
ALKOHOL
,,Chemisch betrachtet gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Alkohole, doch nur Ethanol (älter: Äthylalkohol) mit der chemischen Formel C2H5OH ist für den Menschen in kleinen Mengen verträglich. Andere Alkohole wie Methanol oder Glycol sind schon in geringen Mengen hochgiftig.
Der Trinkalkohol wird durch Vergärung von Zucker aus verschiedenen Grundstoffen gewonnen. Unter anderem werden Getreide, Früchte und Zuckerrohr zu seiner Herstellung verwendet. Der Alkoholanteil der daraus entstehenden Getränke ist unterschiedlich: Bier enthält je nach Sorte 4-8 Volumenprozent (Vol.-%) und Wein liegt bei 10-13 Vol.-%. Bei hochprozentigen Alkoholsorten wie Wodka oder Whiskey wird der Alkoholgehalt durch Destillation teils deutlich erhöht. Alkoholsorten mit 50 Vol.-% und höher werden hierdurch gewonnen.
Alkohol ist leichter als Wasser.
Geschichte
Der Genuss alkoholischer Getränke hat eine lange Geschichte. Schon vor 6000 Jahren sollen die Sumerer Bier gebraut haben. In altägyptischen Verzeichnissen wurden die Arbeitslöhne in Brot- und Biermengen angegeben. Alkohol diente in vielen Kulturen als Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass es bereits zu einer weiten Verbreitung von Abhängigkeiten gekommen ist, da Alkohol nicht zuverlässig verfügbar und haltbar war.
Im Mittelalter änderte sich das. Es wird davon ausgegangen, dass die Araber als erste entdeckten, dass Wein destilliert und der berauschende Stoff konzentriert werden kann. Der Begriff Alkohol soll daher auch auf das arabische Wort „al-kuhl“ zurückgehen, womit „das Feinste von etwas“ bezeichnet wurde. Es gibt allerdings auch Vermutungen, dass in China bereits 1000 Jahre früher hochprozentiger Alkohol hergestellt wurde.
Mit Beginn des industriellen Zeitalters nahm die Verbreitung destillierter alkoholischer Getränke deutlich zu. Die gesundheitlichen Folgen des zunehmenden Alkoholkonsums traten allerdings ebenfalls immer stärker hervor, so dass einige Länder staatliche Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen. Die Prohibition in den USA, die zum Verbot von Alkohol in den Jahren 1919 bis 1933 führte, ist wohl das bekannteste Beispiel.
Heute ist Alkohol in Deutschland und den meisten anderen nicht-islamisch geprägten Ländern frei erhältlich, und der Konsum ist fester Bestandteil vieler gesellschaftlicher Anlässe. Gesetzliche Einschränkungen werden in Deutschland lediglich durch das Jugendschutzgesetz geregelt. An Jugendliche unter 16 Jahren darf generell kein alkoholisches Getränk abgegeben werden, außer sie sind in Begleitung personensorgeberechtigter Personen (z. B. den Eltern). Für Spirituosen gilt das Verbot unter 18 Jahren.
Abhängigkeit
Ob im Supermarkt, an der „Tanke“ oder beim Imbiss um die Ecke: Bier, Wein und Spirituosen sind jederzeit legal verfügbar, sofern das Mindestalter für den Erwerb erfüllt wird. Dadurch ist der Konsum von Alkohol sehr weit verbreitet und fester Bestandteil vieler gesellschaftlicher Anlässe. Dahinter verbirgt sich eine große Gefahr, denn die leichte Verfügbarkeit einer Droge gilt als eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer Abhängigkeit. In Deutschland gelten rund 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig.
Die Verfügbarkeit alleine erklärt aber noch keine Abhängigkeit. Vielmehr spielen immer auch andere Faktoren wie ungünstige soziale Bedingungen eine Rolle. Beispielsweise ist bekannt, dass Kinder alkoholkranker Eltern ein höheres Risiko haben, später selbst eine Abhängigkeit zu entwickeln.
Verfügbarkeit und soziale Faktoren können letztlich aber immer nur im Zusammenspiel mit den individuellen Eigenschaften der Person wirksam werden, die eine gewisse Empfänglichkeit für die Wirkung von Alkohol mit sich bringen. So können psychische Störungen die Empfänglichkeit für die Alkoholwirkung erhöhen oder auch selbst Folge des Alkoholkonsums sein. Bei Angststörungen beispielsweise kann der Alkoholmissbrauch als Selbstheilungsversuch verstanden werden, um Angstgefühle zu lindern. Depressionen hingegen sind eher Folge als Ursache exzessiven Trinkens.
Der manifesten Alkoholabhängigkeit geht in der Regel ein langjähriger schädlicher Konsum voraus. Das heißt, es wird so viel getrunken, dass psychische, körperliche und soziale Schäden die Folge sind. Von einer Abhängigkeit wird gesprochen, wenn mindestens drei von sechs Kriterien erfüllt sind.
Die Folgen der Abhängigkeit sind oft verheerend. Neben den körperlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs machen sich meist psychische Probleme bemerkbar wie Stimmungsschwankungen, Angstzustände und Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken. Vor allem im sozialen Bereich kann es zu nachhaltigen Veränderungen kommen. Oft leiden die Menschen im näheren Umfeld unter den Auswirkungen der Alkoholabhängigkeit. Beziehungen und Ehen zerbrechen, besonders betroffen sind Kinder von alkoholkranken Eltern. Nicht selten verlieren Personen durch langjährigen Alkoholmissbrauch ihren Arbeitsplatz, was weitere Probleme mit sich bringt, die womöglich wieder zum Alkoholkonsum führen.
Entzugserscheinungen
Bei Vorliegen einer körperlichen Abhängigkeit ist nach dem Absetzen des Konsums mit Entzugserscheinungen zu rechnen. Vor allem abruptes Absetzen kann gefährliche körperliche Zustände verursachen wie den Delir. Kennzeichnend ist ein feinschlägiges und schnelles Zittern, auch Tremor genannt. Daher kommt die Bezeichnung „Delirium Tremens“. Zudem treten häufig Verwirrtheitszuständen, Unruhe, Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf. Durch erhebliche vegetative Störungen wie starkes Schwitzen, Fieber und das beschriebene Zittern droht ein Kreislaufkollaps, der potentiell lebensbedrohlich ist und notfallmedizinisch behandelt werden muss.”
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-a/alkohol/
CANNABIS
,,Die Cannabis-Pflanze
Die Cannabis-Pflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae) mit psychoaktiven Wirkstoffen. Die stärkste Wirksubstanz ist Tetrahydrocannabinol (THC). Die Pflanze enthält mindestens 60 unterschiedliche Cannabinoide, von denen einige psychoaktiv wirken. Es gibt es eine weibliche und eine männliche Form der Pflanze, selten zwittrige Varianten. Nur die weibliche Form der Gattung „Cannabis sativa“ enthält genügend THC, um einen Rausch zu erzeugen.
Geschichte
Cannabis gehört zu den ältesten bekannten Nutz- und Heilpflanzen. In China wurde Hanf bereits im frühen 3. Jahrtausend v. Chr. angebaut und für die Herstellung von Kleidern und Seilen verwendet. Etwa seit 2000 v. Chr. wird es auch als Heilmittel eingesetzt.
Die Hanfpflanze soll über Indien in den Mittleren und Nahen Osten gelangt sein und sich schließlich über Europa bis nach Nord- und Südamerika ausgebreitet haben. Als Rauschmittel hat sich Cannabis zunächst in Indien etabliert, als Bestandteil kultischer Handlungen. In Europa wurde die Rauschwirkung von Cannabis erst im 19. Jahrhundert bekannt. In Deutschland und vielen anderen westlichen Industrienationen hat sich Cannabis seit den 1970er Jahren nach Alkohol zu der am häufigsten konsumierten Rauschdroge entwickelt.
Abhängigkeit
Bei einem dauerhaften Konsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Die Betroffenen haben das Gefühl, nicht mehr ohne Cannabis „zurecht“ zu kommen. Anders als früher angenommen, können sich nach einer Phase dauerhaften Konsums auch Entzugserscheinungen zeigen, wenn der Konsum (zeitweilig) eingestellt oder reduziert wird. Daraus kann geschlossen werden, dass sich auch eine körperliche Komponente der Abhängigkeit entwickeln kann. Diese ist zwar nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise bei einer Alkohol- oder Heroinabhängigkeit, sie kann dennoch sehr unangenehm sein und dazu führen, dass der Konsum wieder aufgenommen wird.
Die Gefahr, abhängig zu werden, ist jedoch nicht für alle Cannabiskonsumierenden gleich. Je nachdem, in welchem Maße psycho-soziale Risikofaktoren vorliegen, kann eine Person mehr oder weniger gefährdet sein, eine Abhängigkeit zu entwickeln. So geht man davon aus, dass psychische Probleme wie beispielsweise Depressionen oder Angstsymptome das Risiko erhöhen, Cannabis im Sinne einer „Selbstmedikation“ zu missbrauchen. Somit liegt das „wahre“ Problem in vielen Fällen nicht in der Abhängigkeit, sondern in der psychischen Grundproblematik begründet. Dann wird das Kiffen zur „Krücke“, um den Alltag zu bewältigen.”
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-c/cannabis/
BENZODIAZEPINE
,,Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Medikamente, die als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Sie werden aufgrund ihrer entspannenden Wirkung auch als Tranquilizer (engl. to tranquillize = beruhigen) bezeichnet. 1957 wurde mit dem Wirkstoff Chlordiazepoxid die erste Substanz aus der Gruppe der Benzodiazepine synthetisiert und 1961 unter dem Handelsnamen Librium in die Medizin eingeführt. Diazepam, besser bekannt unter dem Markennamen Valium®, folgte 1963. Alle weiteren Substanzen aus der Klasse der Benzodiazepine leiten sich von Chlordiazepoxid und Diazepam ab.
Einsatzgebiet und Wirkung
Benzodiazepine haben vor allem eine angstlindernde und beruhigende Wirkung. Bedrohliches wandelt sich in eine leicht verkraftbare Unwichtigkeit, Unruhe verschwindet, Furcht zerrinnt. Hauptsächliche medizinische Anwendungsgebiete von Benzodiazepinen sind daher vor allem Angststörungen, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezustände sowie psychotische Symptome. Benzodiazepine werden auch als Beruhigungsmittel vor operativen Eingriffen, bei epileptischen Anfällen, Tetanus, Fieberkrämpfen und anderen Zuständen mit erhöhtem Muskeltonus (Muskelanspannung) eingesetzt.
Benzodiazepine wirken zentral nervös, das heißt sie docken an Rezeptoren im Gehirn und bewirken eine Dämpfung der Reizweiterleitung. Dies geschieht vor allem durch eine erleichterte Bindung des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Hierdurch werden auch nachgeschaltete Neurotransmitter wie Noradrenalin, Acetylcholin und Serotonin beeinflusst. Dies hat Auswirkungen auf das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und Bewegungskoordination sowie auf das Gefühlsleben.
Abhängigkeit
Benzodiazepine sollten stets nur für kurze Zeit angewendet werden, da sich rasch eine Toleranz bildet, mit der Gefahr, dass sich eine psychische und körperliche Abhängigkeit entwickelt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 1,1 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinpräparaten. Die Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung ist vor allem dann gegeben, wenn Benzodiazepine – im Szenejargon auch „Benzos“ genannt – missbräuchlich, also nicht aufgrund einer medizinischen Indikation oder in höheren als den verordneten Dosen eingenommen werden.
Jedoch kann sich auch bei ärztlich verschriebenen niedrigen Dosen eine Abhängigkeit entwickeln. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn bei allzu unkritischer Verschreibungspraxis die Einnahme über Monate oder sogar Jahre erfolgt oder andere Ärzte für zusätzliche Verschreibungen konsultiert werden, weil der Alltag ohne Benzodiazepine nicht mehr zu bewältigen ist. Dieser Prozess kann sich schleichend und unbemerkt vollziehen, da die Abhängigkeit bei niedriger Dosierung im Alltag oft kaum auffällt.
Das Phänomen Medikamentenabhängigkeit ist dabei nicht auf einzelne Ursachen zurückführen, sondern unterliegt einem Geflecht aus individuellen und sozialen Faktoren. Bekannt ist, dass der Abhängigkeitsentwicklung in der Regel psychische Probleme vorausgehen. Frauen scheinen davon stärker betroffen zu sein. 70 Prozent aller Medikamentenabhängigen sind weiblich. Zudem steigt das Risiko einer Medikamentenabhängigkeit mit dem Alter.
Entzugssyndrom
Je schwerer der Konsum war, desto ausgeprägter zeigen sich beim Absetzen Entzugssymptome. Wichtig ist: Benzodiazepine dürfen nicht schlagartig abgesetzt werden! Eine ärztliche Überwachung ist unbedingt angeraten. Die Entzugssymptome ähneln oft den ursprünglichen Beschwerden, die zur Einnahme der Medikamente geführt haben. Dazu zählen Schlafstörungen, Schmerzen, Unruhe, Stimmungsschwankungen und Gereiztheit. Die zuvor durch Benzodiazepine gedämpften Angstgefühle können verstärkt hervortreten bis hin zu Panikattacken. Hinzu kommen Entfremdungserlebnisse, Suizidimpulse und Wahrnehmungsstörungen. In seltenen Fällen können epileptische Anfälle und Wahnvorstellungen auftreten.”
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-b/benzodiazepine/
PREGABALIN
,,Pregabalin ist ein Arzneistoff, der zur Therapie von neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und generalisierten Angststörungen eingesetzt wird. Es handelt sich um ein GABA-Analogon, das zur Gruppe der Antikonvulsiva gehört.
Indikationen
Pregabalin ist indiziert zur Behandlung im Erwachsenenalter, z.B. bei:
- peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen
- partiellen Anfällen, mit und ohne sekundäre Generalisierung (als Zusatztherapie)
- generalisierten Angststörungen
Darüber hinaus wird Pregabalin off-label bei anderen psychiatrischen Erkrankungen, nicht-neuropathischen Schmerzen und somatoformen Störungen angewendet.
Abhängigkeitspotential
Auf der Grundlage von Fallserien und Fallberichten gibt es für Pregabalin Hinweise auf ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko, insbesondere bei Patienten mit einer bereits bestehenden Opioidabhängigkeit. Die Behandlung mit Pregabalin sollte daher bei drogenabhängigen Patienten vermieden werden.
Während der Behandlung mit Pregabalin sollte die Entwicklung einer Abhängigkeit überwacht werden.
Missbrauch
Das Abhängigkeits- bzw. Missbrauchspotenzial von Pregabalin ist gut belegt. Die leichte Verfügbarkeit von Pregabalin ist eine Ursache für die missbräuchliche Verwendung. Dazu hat die seit 2013 stetig steigende Verordnungshäufigkeit beigetragen (Verdopplung der verordneten DDD in diesem Zeitraum).
Von den Konsumenten werden Kapseln geöffnet oder zerkaut, aber auch deren Inhalt nasal appliziert. Gründe für den missbräuchlichen Konsum sind unter anderem die entspannende und euphorisierende Wirkung von Pregabalin sowie die Reduktion von Entzugssymptomen. Zudem wird die Wirkung anderer psychotroper Substanzen verstärkt.
Die als Droge konsumierten Mengen von Pregabalin entsprechen meist einem Vielfachen der therapeutischen Dosis. In der Drogenszene werden zum Teil hohe Dosen von bis zu 7.500 mg eingenommen. In einer epidemiologischen Untersuchung in England und Wales wurde zwischen 2018 und 2022 eine Verdopplung der Pregabalin-assoziierten Todesfälle festgestellt.”
QUELLE: https://flexikon.doccheck.com/de/Pregabalin
PSYCHDELIKA/DISSOZIATIVA: HALLUZINOGENE
Substanzen
Unter dem Begriff Halluzinogene werden eine Reihe von psychoaktiven Substanzen mit ähnlicher Wirkung zusammengefasst. Es gibt halluzinogen wirkende Pflanzen wie beispielsweise den Fliegenpilz oder Psilocybin-haltige Pilze. Halluzinogene Wirkungen entfalten sich auch durch den Konsum des mexikanischen Zaubersalbeis Salvia Divinorum oder der Hawaiianischen Holzrose. Ebenfalls halluzinogen wirkt der Peyote-Kaktus mit dem Wirkstoff Meskalin oder das Gebräu Ayahuasca, das den Wirkstoff DMT enthält. Bestimmte Nachtschattengewächse wie Stechapfel, Engelstrompete, Bilsenkraut oder Tollkirsche erzeugen ebenfalls halluzinogene Effekte, können jedoch leicht überdosiert werden und damit tödlich wirken.
Andere Halluzinogene werden künstlich hergestellt. Beispiele hierfür sind der Wirkstoff PCP der auch als „Angel Dust“ bezeichnet wird oder das Narkosemittel Ketamin, das in niedriger Dosis halluzinogene Effekte erzeugt. Eines der bekanntesten künstlich hergestellten Halluzinogene ist LSD. Der Chemiker Albert Hofmann hat LSD erstmals hergestellt und dessen halluzinogene Wirkung zufällig entdeckt. Genau genommen ist LSD eine halbsynthetische Substanz. Die Grundsubstanz stammt aus dem Mutterkorn, einem Pilz, der Getreideähren befällt.
Wirkungen und Risiken
Typisch für die Wirkung von Halluzinogenen sind tiefgreifende Bewusstseinsveränderungen. Dabei werden meist eingefahrene Denkstrukturen durchbrochen und abgelöst von assoziativen Gedankenketten. So kommt ein Forschungsteam nach der Analyse von Trip-Berichten zu der Feststellung, dass der durch Halluzinogene hervorgerufene Rauschzustand am ehesten zu vergleichen sei mit dem Zustand des Träumens.
Auch die Wahrnehmung gerät in Unordnung. Farben erscheinen viel intensiver als sonst. Dinge, die sich normalerweise nicht bewegen, fangen plötzlich an zu fließen oder bilden wabernde Strukturen. Dieser Effekt wurde bereits von Albert Hofmann beschrieben, der LSD an sich selbst ausprobiert hat. Er sprach von bunten, phantastischen Gebilden, die sich vor seinem inneren Auge bildeten und von sprühenden Farbfontänen sowie einem Phänomen, das als Synästhesie bezeichnet wird. Dabei werden zwei oder mehrere eigentlich voneinander getrennte Sinneskanäle miteinander gekoppelt. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise Geräusche optische Empfindungen auslösen können.
Der massivste Eingriff in das Bewusstsein dürfte der Verlust der Ich-Empfindung sein. Dabei geht das im normalen Alltag so selbstverständliche Gefühl der Ich-Begrenztheit verloren. Je nach Person und kulturellem Hintergrund werden diese Erfahrungen unterschiedlich interpretiert. Die einen nehmen dies als Eins-Sein mit der Welt wahr oder schreiben den Erfahrungen gar eine religiöse Dimension zu. Andere hingegen fühlen sich durch die extreme psychische Situation bedroht und erleben mitunter Todesangst. Umgangssprachlich laufen diese Personen Gefahr „abzustürzen“.
Die Grundlage für diesen Effekt bildet vermutlich eine veränderte Informationsverarbeitung im Gehirn. Normalerweise besteht unser Gehirn aus unabhängigen Netzwerken, die verschiedene spezielle Funktionen erfüllen wie Sehen, Fühlen oder Hören. Unter dem Einfluss von LSD funktioniert die getrennte Informationsverarbeitung jedoch nicht mehr. Das Gehirn scheint als Ganzes aktiviert zu werden und arbeitet eher wie eine Einheit.
Anders als bei den meisten psychoaktiven Substanzen ist kaum vorhersehbar, in welche Richtung sich die Wirkung von Halluzinogenen entfaltet. Der Rauschverlauf ist stark von der Person, ihren Erwartungen und der Situation abhängig. Die Erlebnisse können von einer euphorischen Grundstimmung getragen werden. Ebenso kann die Stimmung auch in Panik und Entsetzen umkippen, wenn die Erlebnisse Angst bereiten. Hierfür wurde der Begriff Horror-Trip geprägt.”
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-h/halluzinogene/
HYDE PARK
Der Hyde Park ist ein Club in Osnabrück, welcher seit fast 50 Jahren besteht und schon seit Jahrzehnten ein Hotspot für Konsum. Ab 16 Jahren darf man in den Hyde Park mit einem sog. ,,Mutti-Zettel“, also einer schriftlichen Einverständniserklärung der Eltern, sowie einer erwachsenen Begleitperson.
SCHLOSSGARTEN
Der Schlossgarten in Osnabrück ist ebenfalls ein Hotspot für Konsum. Das Bild im Schlossgarten an der Universität Osnabrück ist geprägt von Streifenwagen, welche mit regulären Kontrollfahrten den sog. ,,Schloga” umkreisen. Personenkontrollen und manchmal sogar Razzias sind hier nicht unüblich. Das Problem wird hier auch von der Stadt anerkannt und durch Kontrolle und Vertreibung angegangen.
HORROR TRIP/BAD TRIP
,,Nach dem Konsum von Halluzinogenen – manchmal auch nach Cannabiskonsum – kann es zu einer sogenannten drogeninduzierten Psychose kommen. Dabei empfinden die Betroffenen meist starke Angst bis Panik und sind stark erregt.
Die Wahrnehmung ist wahnhaft verändert, meist mit paranoider Prägung. Dies kann im Extremfall soweit gehen, dass die Betroffenen Selbstmord begehen bzw. es versuchen.”
QUELLE: https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-h/horror-trip/
EGO-TOD/ICH-AUFLÖSUNG
Der sog. Ego-Tod bezeichnet die wahrgenommene Auflösung der eigenen Persona während einer Meditation oder eines (psychedelischen) Drogentrips. Die Praxis bzw. Die Bezeichnung hat ihren Ursprung im Buddhismus.
QUELLE/NÄHERE INFORMATIONEN: https://www.metajournal.org//articles_pdf/159-181-korrstreubel-meta-techno.pdf
Schreibe einen Kommentar