Hat Drogenkonsum im Fernsehen einen Mehrwert?

CN: Psychedelika, Alkohol, Betäubungsmittel

Sonntagabend, 20:15 Uhr.  
Ich sitze auf dem Sofa, meine Katze Moschka schmust sich an mich heran, während mein Freund am PC sitzt und ,,Satisfactory” spielt. 
Ausnahmsweise entscheide ich mich gegen Pay-TV Formate wie Netflix und co., aus der Unlust heraus eine aktive Entscheidung zu treffen. Stattdessen finde ich mich auf Joyn wieder und sehe, dass gerade Live Joko und Klaas Das Duell um die Welt läuft. Mich packt die Nostalgie meines 15-jährigen Ichs, welches nichts lieber tat, als auf Joko und Klaas hinzufiebern. 
Als ich einschalte, schicken Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf deutsche prominente Partizipanten zu Aufgaben rund um die Welt. Hierbei wird in ,,Team Joko” und ,,Team Klaas” aufgeteilt, – wer die meisten Länderpunkte gewinnt, wird Weltmeister. Seit 2012 werden etwa 2-3 Folgen pro Jahr produziert, ein Format, welches sich über mehrere Stunden zieht, sogar weitaus mehr als Filmlänge.
 
Nicht lange, nachdem ich eingeschaltet habe, sehe ich, wie der Streamer Jens Knossalla, bekannt als ,,Knossi, in Jokos Team von Klaas nach Mexiko geschickt wird.  
Es geht in ein kleines Dorf in den BergenHuautla de Jiménez, eine Gegend, die laut der Sendung für Spirituelle Heilung bekannt sein soll, wo er eine Kontaktperson treffen soll. Die Kontaktperson Juan drückt Knossi den Aufgabenzettel mit einem schmitzigen lächeln in die Hand. 
Die Aufgabe?  
Drogen in einem schamanischen Ritual konsumieren 
 
Knossi selbst erzählt davon, dass er maximal Erfahrungen mit Haschisch habe und keinerlei Berührungspunkte zu stärkeren Drogen habe. 
Dramatische Musik spielt im Hintergrund, die Spannung soll steigen, der Bildschirm flackert kurz, um die Dramaturgie zu unterstreichen – dann Knossis Gesichtsausdruck, mit offenem Mund, fassungslos vom Brief aufschauend. 
,,Ich habe mit Drogen nichts zu tun.”, beteuert er weiterhin. Bei seinem Cannabiskonsum hatte er Angstzustände bekommen, hatte mit Paranoia zu kämpfen und sich übergeben.  
Während die dramatische Musik weiter läuft, liest Knossi vor, wie halluzinogene Pilze (,,Magic Mushrooms”) vom Effekt her deutlich milder sein sollen als das, was er zu sich nehmen soll. LSD wiederum soll deutlich stärker sein als Pilze. Doch noch stärker als Pilze, soll Salvia och noch stärker als Pilze, soll Salvia sein. Dieser Vergleich soll den Effekt der Spannung weiter unterstreichen, die Sensationsgeilheit in der Zuschauerschaft wird weiter gefüttert.  
Umgangssprachlich ist Salvia Divinorium als ,,Azteken-Salbei“, ,,Götter-Salbei” oder ,,Wahrsage-Salbei“ bekannt und als Halluzinogen zu kategorisieren. 
Die Droge ist ihm unbekannt, er hat noch nie vorher davon gehört. 
Juan, der ,,Postbote”, soll ihn zu dem Ritual bringen. 
 
Klaas beschwichtigt im Interview: ,,Er ist ja nicht alleine da, es ist ja ein Schamane dabei.”, sagt er, während er am Kichern ist. 
Knossi fragt Juan, wie sich Salvia anfühlen würde. Dieser dreht langsam den Kopf schief, schaut ihm eindringlich in die Augen und verpasst ihm kurzerhand eine Backpfeife. Irgendwie soll augenscheinlich der Eindruck von Angst erzeugt werden, doch nicht ohne zeitgleich belustigend zu agieren. 
 
Im weiteren Verlauf googelt Knossi die Wirkung von Salvia,,Wenn du das nimmst, dann bist du da drin – und du weißt nicht, wie lange die Reise geht. Du kannst nicht abbrechen. Ich kann nicht Stopp sagen, du bist auf diesem Trip von Anfang bis zum Ende, egal wohin es geht.”, äußert er im Interview. 
Weiterhin fügt er hinzu, dass man nicht mehr zwischen Illusion und Realität unterscheiden könne. 

Knossi auf Drogentrip in Mexiko: Realitätsverlust und Wahrnehmungsstörungen | DUDW

 
Als ich so auf dem Sofa sitze und darüber nachdenke, wie etabliert es mittlerweile eigentlich ist, dass in den Medien Menschen zu sehen sind, die über aktiven Drogenkonsum sprechen oder aktiv Drogen konsumieren würden, fallen mir auch andere Beispiele von Joko und Klaas ein. 
Der Konsum von Salvia ist nämlich nicht das erste Mal, dass Drogen in der Sendung konsumiert werden sollen. 
2015 soll Joko nämlich bereits Ayahuasca in Rio de Janeiro konsumiert haben für eine Aufgabe,

High in Ecuador: Joko nimmt AYAHUASCA – Jetzt wirklich! | Duell um die Welt Classics | ProSieben

während er 2017 dagegen halluzinogenen Honig in Nepal genommen habe.

Drogen und andere Substanzen | BEST OF Duell um die Welt | ProSieben

2020 sollte er 12 Biere in 12 Stunden trinken.

Joko auf der Goldenen Meile: 12 Bier in 6 Stunden! | Duell um die Welt Classics | ProSieben

Das Duell um die Welt hätte die beiden 2017 nach Kroatien geschickt und Paintball spielen lassen. Allerdings nicht mit Farbkugeln, sondern mit Pfeilen, die mit Ketamin, also Pferdebetäubungsmittel, versehen waren.

KROATIEN: Das Duell | Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt | ProSieben

Im Jahr 2022 wurde Sophie Passmann aus Klaas’ Team von Joko nach Mexiko geschickt, um halluzinogenes Meskalin aus Kakteen zu konsumieren.

Völlig zugedröhnt! Sophie Passmanns psychedelischer Drogenrausch in Mexiko | Duell um die Welt


Die t-online Zeitung berichtete sogar darüber, dass das Halluzinogen Ayahuasca durch die Sendung eine breitere Bekanntheit erhalten haben solle.

https://berlin.t-online.de/region/berlin/id_100174282/julian-zietlow-und-drogen-er-nimmt-ayahuasca-davon-stuerzte-joko-winterscheidt-ab.html
 
Natürlich ist es fraglich, inwieweit solche Beiträge echt oder inszeniert sind. Aber eine Verherrlichung von Ketamin zum Beispiel, in dem dieses lustig in Szene gesetzt wird durch ein Spiel, ist fragwürdig. Die anderen Beispiele lassen sich genauso hinterfragen, allerdings fand ich es in diesem Fall besonders auffallend. 
 
Dienen solche Beiträge eher der Dokumentation, der Unterhaltung oder führen diese eine Normalisierung von Drogenkonsum mit sich einher, welche vor allem jüngere Zuschauer*innen beeinflussen könnten?  
 
Natürlich lässt sich dies nicht anhand der Empirie belegen, da solche Umfragen oder Studien nicht durchgeführt wurden in diesem oder anderen Kontexten. Allerdings ist es nicht auszuschließen. 
Es gibt zwar Medien, die deutlich mehr auf Aufklärung plädieren und differenziert, sowie transparent versuchen über Drogenkonsum aufzuklären, allerdings ist das bei einer Unterhaltungssendung aus meiner Sicht nicht der Fall.  
Auch wenn dieses Beispiel nicht repräsentativ ist, so hat YouTuber Torben Platzer die Neugier gepackt und er hat daraufhin beschlossen, eben diesen halluzinogenen Honig aus dem Himalaya zu testen.

Ich habe Halluzinogenen Honig wie in Duell um die Welt getestet!


Dabei frage ich mich: Ist eine Person denn nicht bereits eine Person zu viel?

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