{"id":62,"date":"2011-11-14T15:34:28","date_gmt":"2011-11-14T13:34:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-bremen.de\/draufhaber\/?page_id=62"},"modified":"2011-11-14T15:35:15","modified_gmt":"2011-11-14T13:35:15","slug":"tp-1b-berufspadagogik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/draufhaber\/begleitforschung\/teilprojekte\/tp-1b-berufspadagogik\/","title":{"rendered":"TP 1b: Berufsp\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2 id=\"pageName\">Berufliche Bildung im Web 2.0 &#8211; Engagement, Identit\u00e4t und Employability (Prof. Dr. Michael Gessler, ITB)<\/h2>\n<div>\n<p>Teilprojekt 1b verantwortet die didaktische Gestaltung und empirische \u00dcberpr\u00fcfung        hinsichtlich der Entwicklung der beruflichen Identit\u00e4t, des Engagements sowie der        Employability der teilnehmenden Jugendliche und jungen Erwachsenen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3>Zentrale Fragestellungen<\/h3>\n<ol>\n<li> Wird etwas im beruflichen Kontext genauso attraktiv wahrgenommen wie in          anderen Performance Areas z.B. auf YouTube (Extrem-Sportarten, Musizieren          etc.)?<\/li>\n<li>Wird ein berufliches Selbstkonzept bzw. eine Berufsorientierung auch bei berufsfernen         Jugendlichen entwickelt?<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzt die Darbietung beruflicher Fertigkeiten im Videoportal die Entwicklung         beruflichen Engagements und beruflicher Identit\u00e4t?<\/li>\n<li>Inwieweit f\u00f6rdert die Darstellung der eigenen Kompetenzen in einem ePortfolio         die Chancen des Berufseinstiegs und die Integration in den Arbeitsmarkt?<\/li>\n<li>L\u00e4sst sich eine informell angelegte Video-Community-Plattform mit dem formalen         Kontext (Schule, Aus- und Weiterbildung) so koppeln, dass ein didaktischer         Mehrwert entsteht (z.B. Lehrerrolle, Unterrichtseinbindung)?<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<div>\n<h3>Hintergrund<\/h3>\n<p>Die Entwicklung beruflicher Identit\u00e4t und Engagements ist ein zentrales Anliegen der beruflichen Bildung. So ist eine berufliche Kompetenzentwicklung zwingend auf eine berufliche Identit\u00e4tsbildung verwiesen (Blankertz 1983), wobei aufgezeigt werden kann, dass der Prozess der Entwicklung einer beruflichen Identit\u00e4t mit dem Hineinwachsen in eine berufliche Praxisgemeinschaft einher geht (Lempert 2006).<br \/>\nIm Handwerk bestehen g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr die Entwicklung einer identifizierenden       Beziehung zwischen dem Arbeitenden mit dem Arbeitsgegenstand (Sennett       2008). In st\u00e4rker arbeitsteilig-organisierten Arbeitskontexten wird dieser Bezug hingegen       oftmals von Partikularinteressen \u00fcberlagert &#8211; der Arbeitsgegenstand verfl\u00fcchtigt     sich (Sennet 1998).<br \/>\nDie bisherigen Ans\u00e4tze zur Untersuchung von beruflicher Identit\u00e4t  und Engagements       gehen von folgender Annahme aus: Die Entwicklung beruflicher  Identit\u00e4t und Engagements       ist \u201ein Beziehung zu setzen zu den Potentialen, die die  Arbeitsorganisation       f\u00fcr ihre Entwicklung und Bet\u00e4tigung bietet.\u201c (Heinemann &amp;  Rauner 2008: 5). Diese       Begrenzung auf formale Ausbildungsbez\u00fcge wird im Projekt  draufhaber.tv erweitert       um informelle Bez\u00fcge in einer virtuellen Praxisgemeinschaft.  Angenommen wird,       dass die Entwicklung beruflicher Identit\u00e4t und Engagement  einerseits in Beziehung       zu setzen ist zu den Potentialen, die eine Community f\u00fcr ihre  Entwicklung bietet und       dass andererseits in der Handlung selbst ein weiteres zentrales  Entwicklungselement       f\u00fcr die Identit\u00e4tsbildung liegt. Es besteht berechtigte Hoffnung  f\u00fcr die Annahme, dass virtuelle Gemeinschaften einen g\u00fcnstigen Rahmen  f\u00fcr die Entwicklung beruflicher     Identit\u00e4t bieten (siehe Teilprojekt Wolf).<br \/>\nCarlo J\u00e4ger unterscheidet Arbeitsmoral und Berufsethik als zwei zentrale normative       Felder im Arbeitsprozess. Arbeitsmoral sei demnach \u201eeine Verfassung des Gewissens,       die verlangt, dass die Arbeit \u2013 gleichviel ob m\u00fchselig oder im Kern unverstanden   \u2013 auftragsgem\u00e4\u00df, gehorsam, speditiv, pr\u00e4zis, p\u00fcnktlich etc. ausgef\u00fchrt wird\u201c (J\u00e4ger,       Bieri und D\u00fcrrenberger 1987: 75). In Abgrenzung hierzu besteht ein weiteres       normatives Feld, \u201ewelches am Berufsleben nicht so sehr den Charakter einer entbehrungsvollen       Pflicht als vielmehr die Qualit\u00e4ten von Kooperation und Kommunikation       betont. Wir bezeichnen dieses normative Feld als Berufsethik\u201c (J\u00e4ger 1989: 567).       W\u00e4hrend Arbeitsmoral die Form der Arbeit meint, bezieht sich Berufsethik auf den       Inhalt bzw. die Gegenst\u00e4nde der Arbeit. Draufhaber.tv konzentriert sich auf die Arbeitsinhalte       an sich, w\u00e4hrend bedeutsame und teilweise formale Aspekte der Arbeit       (z.B. Arbeitssicherheit) in Draufhaber.tv. ausschlie\u00dflich inhaltlich eingebettet werden.       Es ist anzunehmen, dass durch diese medial erzwungene Aufmerksamkeitsverschiebung       die Herausbildung einer berufsethischen Haltung gef\u00f6rdert werden kann, insofern       die Plattform neben der Darbietung von Inhalten, Prozesse der Kooperation und       Kommunikation unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert. Durch den wechselseitigen Bezug von z.B.   &#8222;Draufhabern&#8220; und &#8222;Durchblickern&#8220; sind solche f\u00fcr die Entwicklung von Berufsethik       wichtigen Bez\u00fcge angelegt. Welche weiteren Angebote erforderlich sind, gilt es im     Projekt zu kl\u00e4ren.<br \/>\nExperten orientieren ihr Handeln am spezifischen Fall und beziehen diesen auf fr\u00fchere       F\u00e4lle. Sie haben eine Theorie \u00fcber Wirkzusammenh\u00e4nge entwickelt und deren       Regel-, als auch Ausnahmecharakter identifiziert. Experten arbeiten fall- und theoriegeleitet.       Dreyfus und Dreyfus (1987) haben ein Modell der Entwicklung vom Novizen       zum Experten entwickelt, das den F\u00e4higkeitszuwachs des Experten veranschaulicht.       Dieser Prozess der Entwicklung vom Novizen zum Experten soll auf Basis vergleichender       Analyse der Performanz- und Re-Mix-Videos sowie der beschreibenden und     reflexiven Kommentierungen untersucht werden.<br \/>\nDer Diskurs &#8222;Employability&#8220; basiert auf vier konzeptionellen  Verschiebungen. Die       gesellschaftlichen Kontextbedingungen umfassen eine Neubestimmung  des &#8222;Konzepts       des Individuums&#8220;. In diesem Prozess der Individualisierung wird  Verantwortung       nicht mehr den Institutionen, sondern den F\u00e4higkeiten der Person  selbst zugerechnet.       Die zweite Verschiebung bezieht sich auf den sozial-\u00f6konomischen  Kontext. Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit       wird als Ergebnis von Wettbewerbsf\u00e4higkeit und  Wettbewerbsf\u00e4higkeit       als Voraussetzung f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit betrachtet. Die  dritte Verschiebung       betrifft den (bildungs-) politischen Kontext.  Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit bildet       eine Nahtstelle f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung verschiedener Politikbereiche  wie Sozialpolitik,       Arbeitsmarkt-, Besch\u00e4ftigungs-, Wirtschafts- und Bildungspolitik.  Die vierte Verschiebung       betrifft den berufsp\u00e4dagogischen Diskurs. Employability wird in  der berufsp\u00e4dagogischen       Diskussion als Angriff auf das Berufskonzept verstanden, das es zu  verteidigen       gelte (vgl. Kraus 2007). Nicht beachtet wird hierbei, dass die  hohen Zuw\u00e4chse       in den sog. &#8222;\u00dcbergangsbereichen&#8220; bzw. die &#8222;Ausbildungslosigkeit&#8220;  als deutlicher       Ausdruck der Krise des Berufsbildungssystems darstellen. Insofern  diese Analyse       zutreffend ist, stellen sich die in draufhaber.tv. vorgesehenen  Tools wie z.B. ePortfolios       als Ma\u00dfgabe einer zunehmenden Individualisierung oder  Auszeichnungen (z.B.       vom &#8222;Gr\u00fcnschnabel&#8220; bis zum &#8222;Vollchecker&#8220;) als Ausdruck einer  zunehmenden Wettbewerbsorientierung       dar. Inwiefern die Teilnahme am Videoportal drauhaber.tv hilfreich  ist, um die F\u00f6rderung von Employability zu unterst\u00fctzen, wird in einem  Vergleich     der fortlaufenden Teilnehmerr\u00fcckmeldungen ermittelt.<\/p>\n<ul>\n<li>Blankertz, H. (1983): Sekundarstufen II \u2013 Didaktik und Identit\u00e4tsbildung im Jugendalter.          In: Benner, D.; Heid, H.; Thiersch, H. (Hrsg.): Beitr\u00e4ge zum 8. Kongress der          Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Erziehungswissenschaft. ZfP\u00e4d, Beiheft 18: 139<\/li>\n<li> Dreyfus, H.L. \/ Dreyfus, S.E. (1987): K\u00fcnstliche Intelligenz. Von den Grenzen der          Denkmaschine und dem Wert der Intuition. Reinbek beim Hamburg.<\/li>\n<li>Heinemann, L. &amp; Rauner, F. (2008): Identit\u00e4t und Engagement: Konstruktion eines          Instruments zur Beschreibung der Entwicklung beruflichen Engagements und beruflicher          Identit\u00e4t. A+B Forschungsberichte Nr. 1\/2008. Bremen, Heidelberg, Karlsruhe.<\/li>\n<li>J\u00e4ger, C., Bieri, L. &amp; D\u00fcrrenberger, G. (1987): Berufsethik und Humanisierung der          Arbeit. Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Soziologie 13 (1): 47-62. Z\u00fcrich.<\/li>\n<li>J\u00e4ger, C. (1989): Die kulturelle Einbettung des Europ\u00e4ischen Marktes. In: Haller,          M.\/Hoffmann-Novottny, H.-J.\/Zapf, W. (Hrsg.): Kultur und Gesellschaft. Frankfurt\/         Main. 556-574.<\/li>\n<li>Kraus, K. (2007): Vom Beruf zur Employability? Zur Theorie einer P\u00e4dagogik des          Erwerbs. Wiesbaden.<\/li>\n<li>Lempert, W. (2006): Berufliche Sozialisation. Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung in der betrieblichen         Ausbildung und Arbeit. Baltmannsweiler.<\/li>\n<li>Sennett, R. (1998): Der flexible Mensch: die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin.<\/li>\n<li>Sennett, R. (2008): Das Handwerk. Berlin.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufliche Bildung im Web 2.0 &#8211; Engagement, Identit\u00e4t und Employability (Prof. Dr. Michael Gessler, ITB) Teilprojekt 1b verantwortet die didaktische Gestaltung und empirische \u00dcberpr\u00fcfung hinsichtlich der Entwicklung der beruflichen Identit\u00e4t, des Engagements sowie der Employability der teilnehmenden Jugendliche und jungen Erwachsenen. 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