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Mehrsprachigkeit als Ausgang und Ziel schulischer Bildung in der Gymnasialen Oberstufe (rv11)

In diesem Beitrag werde ich mich auf die Fragen und Aufgaben des Vortrags von Prof. Dr. Andrea Daase beziehen.

Die erste Aufgabe lautet:

An Ihrem Gymnasium gibt es eine – wie üblich sehr heterogen besetzte – Vorklasse, in welcher sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. Für einige wird nun der Übergang diskutiert. Ein Großteil der Lehrkräfte plädiert – mit Verweis auf die noch nicht vollständig ausreichenden (bildungssprachlichen) Deutschkenntnisse – sie an eine Oberschule zu überweisen, obwohl die Schüler*innen hinsichtlich ihrer Lernfähigkeit und ihrer Vorbildung eigentlich die Voraussetzungen für das Gymnasium mitbringen und gerne an der Schule bleiben würden. Nehmen Sie auf Basis der Vorlesung Stellung dazu.

Wenn man eine neue Sprache kennenlernt, geht es in erster Linie um diese beiden Ebenen: Einmal die allgemeinsprachlichen Kompetenzen und die bildungssprachlichen Kompetenzen. Die bildungssprachlichen werden dabei etwas später erworben als die allgemeinsprachlichen, es ist ein Prozess, welcher einige Jahre benötigt. Am Gymnasium werden besonders die bildungssprachlichen Kompetenzen von großer Bedeutung sein und diese sind erlernbar. An dieser Stelle würde ich gerne Stellung zu Hymes‘ Zitat nehmen:

„No one knows all of a language. That counts for our so ‐called mother tongues and, of course, also for the other `languages´ we acquire in our lifetime. Native speaker are not perfect speakers. Hymes emphatically warns us against the `fallacy to equate the resources of a language with the resources of (all) users´ „(Hymes 1996: 231) (Blommaert 2010: 103). Das heißt, nicht einmal die Muttersprachler beherrschen die deutsche Sprache komplett. Dies wäre ein Argument gegen die Entscheidung der Lehrkräfte, welche den SchülerInnen eher die Oberschule empfehlen.

Doch ein Argument für ihre Entscheidung wäre, dass in jeder Schule ein bestimmter formeller Register von den SuS erwartet wird und in der Regel können die SuS, welche Deutsch als Erstsprache haben, diese Anforderungen eher erfüllen als SuS, welche Deutsch als Zweitsprache haben. Letztere müssen also mehr lernen, um dies auszugleichen.

Dennoch bin ich der Ansicht, dass die Entscheidung der Lehrkräfte hätte anders ausfallen sollen. Zwar benötigen die SuS mit Deutsch als Zweitsprache auf jeden Fall mehr Zeit und Mühe als die Muttersprachler, doch wenn sie, wie in der Aufgabenstellung angegeben, allgemein die Vorraussetzungen für das Gymnasium erfüllen (hinsichtlich ihrer Vorbildung), sollte dies machbar für sie sein. In Fächern wie Mathematik zum Beispiel spielen die deutschen bildungssprachlichen Kompetenzen nicht die Hauptrolle, es geht in erster Linie um das analytische Denken. So sollte man diesen SchülerInnen eine Chance geben, damit sie ihr Potenzial im besten Fall entfalten können.

Die zweite Aufgabe lautet: Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit – in der hier verstandenen breiten Sicht – in Schule und Unterricht (selbst als Schüler*in und/oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung.

Ich selber bin zweitsprachig aufgewachsen, da die Sprache, welche bei mir zuhause größtenteils geredet wird, Türkisch ist. Somit musste ich schon immer von einer Sprache auf die andere quasi „umschalten“. Es ist manchmal im Unterricht, besonders in mündlichen Diskussionen, vorgekommen, dass ich einen Begriff verwenden wollte, er mir aber nur auf Türkisch einfiel und ich somit den gesamten Satz quasi einmal rekonstruieren musste. Von negativen Erfahrungen kann ich jedoch nicht sprechen, in meiner Schule hatte ich einige LehrerInnen, welche sehr unterstützend waren, mit ihrer Hilfe konnte ich mich sprachlich sehr entwickeln. Meine deutschen bildungssprachlichen Kompetenzen habe ich erst ab der neunten oder zehnten Klasse erworben, da wir angefangen haben, uns mit „schwierigeren“ Texten auseinanderzusetzen. Zwar musste ich einige Worte mehr nachschlagen als meine MitschülerInnen, doch dies verbinde ich wirklich nicht mit negativen Erfahrungen, ganz im Gegenteil, es hat mir sehr viel geholfen.

Die dritte Aufgabe lautet: Was möchten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zukünftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche Fähigkeiten fehlen Ihnen dafür noch?

In alltägliche und mündlichen Situationen wird nur die allgemeinsprachliche Kompetenz benötigt, man muss nicht allzu viele Worte kennen, zum Beispiel, wenn man sich mit einer/einem MitschülerIn unterhält, zumal sich viele in dem typischen „Imbissdeutsch“ unterhalten. Doch, wenn es um schriftliche Abgaben geht, muss man unbedingt über die bildungssprachliche Kompetenz verfügen und diese sollte gefördert werden. Man verwendet hierbei eher Fachbegriffe und komplexere grammatische Strukturen; es ist äußerst wichtig, den geeigneten Begriff beziehungsweise Ausdruck finden zu können. Ich würde somit öfter mal komplexere Texte einführen und diese mit der Klasse besprechen sowie längere schriftliche Hausaufgaben aufgeben; je mehr man liest und schreibt, umso besser.

4. Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit ihrer Schüler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten können?

Die Geduld und Toleranz der Lehrkraft spielt die größte Rolle. Das Lernen einer Sprache benötigt eben Zeit, es handelt sich eher um ein Prozess.

 

 

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