{"id":75,"date":"2026-03-17T13:35:35","date_gmt":"2026-03-17T12:35:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/culturesofmusic\/?p=75"},"modified":"2026-03-17T13:35:35","modified_gmt":"2026-03-17T12:35:35","slug":"plan-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/culturesofmusic\/2026\/03\/17\/plan-b\/","title":{"rendered":"Plan B"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Urspr\u00fcnglich haben wir ja geplant Interviews in einem Plattenladen zu f\u00fchren, um dort direkt mit musikaffinen Personen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Dieser Zugang wurde uns jedoch verwehrt. Wer konnte damit rechnen? Nun standen wir wieder auf der Stra\u00dfe mit keinem Ergebnis und waren dadurch auf einmal gezwungen unser Vorgehen umzuwerfen und anzupassen. Ich w\u00fcrde sogar soweit gehen und sagen, dass das als unser erster wichtiger Moment der Forschung verstanden werden kann, da uns wohl oder \u00fcber klar wurde, dass solche Feldzug\u00e4nge nicht selbstverst\u00e4ndlich sind sondern eben auch teilweise ausgehandelt werden m\u00fcssen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Weiter also zu Plan B, welcher sich schlagartig entwickelte. Somit entschieden wir uns f\u00fcr spontane Stra\u00dfeninterviews, bei welchen wir unsere Fragen direkt in der \u00d6ffentlichkeit an die Bev\u00f6lkerung Bremens richteten. Innerhalb von circa einer Stunde sprachen wir ungef\u00e4hr 30 Personen an. Der n\u00e4chste D\u00e4mpfer stand unmittelbar bevor. Es stellte sich heraus, dass von dieser Menge an Menschen nur ein sehr kleiner Teil bereit war, mit uns zu sprechen. Letztlich konnten wir sieben verwertbare Gespr\u00e4che f\u00fchren. Wir haben extra probiert Leute anzusprechen, die bereits Kopfh\u00f6rer trugen, um die Schwelle zum Musik-Talk m\u00f6glichst niedrig zu halten. Dies stellte sich aber als gar nicht mal so leicht heraus, da diese Personen von den Kopfh\u00f6rern wie abgeschirmt wirkten. Sp\u00e4ter kamen wir zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Kopfh\u00f6rern um eine Art von \u201esozialer Barriere\u201c handelte, was sie sehr schwer ansprechbar machte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wo ich hier schon von Ergebnissen schreibe, hier sind unsere der Forschung:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Unsere erhobenen Daten weisen verschiedene Muster auf, die hin und wieder auftraten. Als aller erstes wurde uns beiden durch das Betrachten unserer Ergebnisse bewusst, dass die \u201emusikalische Sozialisation\u201c, wie ich es jetzt mal so nenne, h\u00e4ufig aus der Familie heraus entsteht. Die Befragten gaben hin und wieder an, dass sie in ihrer Kindheit h\u00e4ufig die Musik von ihren Eltern oder Geschwistern geh\u00f6rt haben. Das entstand dann auch durch gemeinsame Alltagssituationen oder \u00fcber das Radio. Der eigene Musikgeschmack hat sich dann eher sp\u00e4ter Entwickelt durch neue soziale Einfl\u00fcsse.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das n\u00e4chste Ergebnis, was wir entnommen haben ist die Ver\u00e4nderung der eigenen H\u00f6rgewohnheit im Laufe des Lebens. Wie eben schon erw\u00e4hnt verlief der Musikgeschmack der Befragten in der Kindheit eher fremdbestimmt \u00fcber die Eltern oder eben auch die Geschwister aber die Befragten beschrieben in den Interviews im Laufe des Alters eine voranschreitende Individualisierung von ihrem Musikgeschmack. Hierbei wurden beispielsweise Genres wie Hip-Hop, Indie oder auch alternative Musik genannt, in die sie quasi nicht \u201ehineingeboren\u201c wurden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wir beiden waren uns im Anschluss sehr einig, dass die Frage nach der Musik als \u201eKapitel der Lebensgeschichte\u201c fast am interessantesten war, weil sich hier deutliche Unterschiede gezeigt haben. Manche Personen beschrieben Musik f\u00fcr sich so, als w\u00e4re sie eng mit der eigenen Lebensgeschichte verkn\u00fcpft, also beispielsweise mit Lebensphasen oder Beziehungen oder anderen emotionalen Zust\u00e4nden, wobei andere hingegen die Musik als eher funktional ansahen. Hier beispielsweise als Konzentrationshilfe zum Lernen. Das hat f\u00fcr uns wunderbar unterstrichen, dass die Musik f\u00fcr uns alle nicht die gleiche symbolische Bedeutung hat.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wir haben unter anderem auch gefragt, ob die Musik im Leben auch als Grundlage f\u00fcr Freundschaften gedient hat. Hier gingen die Antworten etwas auseinander. Aus den Antworten konnten wir f\u00fcr uns ziehen, dass die Musik in sozialen Beziehungen meistens eher eine begleitende Funktion \u00fcbernimmt, anstatt f\u00fcr diese zu sorgen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich haben wir ja geplant Interviews in einem Plattenladen zu f\u00fchren, um dort direkt mit musikaffinen Personen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Dieser Zugang wurde uns jedoch verwehrt. Wer konnte damit rechnen? Nun standen wir wieder auf der Stra\u00dfe mit keinem Ergebnis und waren dadurch auf einmal gezwungen unser Vorgehen umzuwerfen und anzupassen. 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