{"id":13,"date":"2025-05-22T23:23:47","date_gmt":"2025-05-22T21:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/cathrinbaumhet\/?p=13"},"modified":"2025-05-22T23:28:11","modified_gmt":"2025-05-22T21:28:11","slug":"kein-platz-frei-doch-fuer-alle-umgang-mit-heterogenitaet-rv07","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/cathrinbaumhet\/2025\/05\/22\/kein-platz-frei-doch-fuer-alle-umgang-mit-heterogenitaet-rv07\/","title":{"rendered":"Kein Platz frei? Doch \u2013 f\u00fcr alle. (Umgang mit Heterogenit\u00e4t-rv07)"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">1. Welche Konsequenzen hat die Aussonderung von Sch\u00fcler:innen mit F\u00f6rderbedarf?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Ich denke dabei sofort an meine kleine Schwester. Sie hat F\u00f6rderbedarf, da sie im Autismus-Spektrum ist, besucht aber eine ganz normale Gesamtschule, gemeinsam mit allen anderen Kindern. Ich wei\u00df nicht im Detail, wie stark im Unterricht auf ihre Bed\u00fcrfnisse eingegangen wird, aber was sie mir oft erz\u00e4hlt, ist, wie wichtig ihr die Freundschaften in der Klasse sind. Diese Beziehungen geben ihr Motivation, \u00fcberhaupt zur Schule zu gehen, und sie strengt sich auch deshalb besonders an, weil sie sich dort angenommen f\u00fchlt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Wenn ich mir vorstelle, dass sie auf eine F\u00f6rderschule wechseln m\u00fcsste, w\u00fcrde sie genau das verlieren: die allt\u00e4glichen sozialen Kontakte, das gemeinsame Lernen, das Gef\u00fchl, dazuzugeh\u00f6ren. Sie erz\u00e4hlt auch oft, wie sehr sie von ihren Freundinnen unterst\u00fctzt wird und dass sie selbst ihnen zum Beispiel in Mathe helfen kann, weil sie dort ziemlich gut ist. Das zeigt f\u00fcr mich: Unterst\u00fctzung funktioniert nicht nur in eine Richtung. Es ist ein Geben und Nehmen, das in einer inklusiven Klassengemeinschaft ganz nat\u00fcrlich entsteht.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Zudem zeigen Studien, dass Sch\u00fcler*innen an<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>inklusiven Schulen tendenziell bessere Lernfortschritte machen als in separierenden F\u00f6rderschulen. ,,Sch\u00fcler mit F\u00f6rderbedarf lernen tendenziell bes-<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">ser in inklusiven Klassen, als dies in F\u00f6rderschulen der Fall ist (Bertelsmann Stiftung 2008:6).\u201d<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Deshalb bin ich \u00fcberzeugt: Die gegenseitige Unterst\u00fctzung innerhalb der Klasse ist oft viel wertvoller als eine Trennung der Sch\u00fcler:innen nach bestimmten Etiketten oder Diagnosen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">2. Was bedeutet die Diagnose \u201eF\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung &amp; Entwicklung\u201c bzw. \u201eF\u00f6rderschwerpunkt Lernen\u201c und n\u00fctzt die Diagnose \u201eTrisomie 21\u201c einer Lehrkraft mehr?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Aus meiner Sicht sagen solche Diagnosen erstmal nur sehr wenig dar\u00fcber aus, <\/span><span class=\"s1\">wie ein Mensch tats\u00e4chlich lernt<\/span><span class=\"s2\">, was ihn interessiert oder wie er am besten unterst\u00fctzt werden kann. \u201eF\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung &amp; Entwicklung\u201c oder \u201eLernen\u201c sind einfach zu allgemein. Auch die Diagnose \u201eTrisomie 21\u201c (also das Down-Syndrom) sagt im Endeffekt nichts dar\u00fcber aus, wie eine Person sich im Schulalltag konkret verh\u00e4lt, was sie motiviert oder welche Talente sie mitbringt. Menschen sind zu individuell und die Diagnose k\u00f6nnte ggf. mehr Schaden als Gutes anrichten, da sie dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass Lehrer*innen (die nunmal auch nur Menschen sind) diese Sch\u00fcler*innen unterbewusst oder bewusst auf die genannte Diagnose reduzieren. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Ich glaube das wichtigste ist die tats\u00e4chliche Begegnung mit den Sch\u00fcler*innen. Es ist wichtig selbst herauszufinden was die Kinder brauchen und wie man sieso gut wie m\u00f6glich unterst\u00fctzen und f\u00f6rdern kann. Diese Dinge lassen sich meinst erst in einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch mit den Betroffenen und deren Bezugspersonen herausfinden und nicht aus einem Diagnoseblatt ablesen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Gerade bei meiner Schwester habe ich gemerkt, dass sie in manchen Situationen ganz andere Bed\u00fcrfnisse hat als andere Kinder und in anderen Bereichen wiederum total eigenst\u00e4ndig ist. H\u00e4tte man nur ihre Diagnose vor sich, w\u00fcrde man ein ziemlich einseitiges Bild bekommen. Die Realit\u00e4t ist viel komplexer und eben auch somit viel menschlicher.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">3. Wie l\u00e4sst sich die Zug\u00e4nglichkeit und Anschaulichkeit von Materialien und Medien verbessern und wer kann dabei helfen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Die Verbindung von H\u00f6ren und Sehen hat mir pers\u00f6nlich immer sehr stark geholfen und wurde auch in seiner Effektivit\u00e4t von Studien best\u00e4tigt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Der Bildungspsychologe Richard E. Mayer beschreibt das in seinem Konzept des sogenannten <\/span><span class=\"s3\">Multimedia Learning<\/span><span class=\"s2\">: Menschen lernen nachhaltiger, wenn sie Informationen sowohl <\/span><span class=\"s1\">visuell als auch sprachlich<\/span><span class=\"s2\"> verarbeiten k\u00f6nnen. Entscheidend ist dabei nicht die Technik, sondern, dass das Material <\/span><span class=\"s1\">auf die lernenden Personen zugeschnitten<\/span><span class=\"s2\"> ist und <\/span><span class=\"s1\">zum Denken anregt<\/span><span class=\"s2\"> und nicht blo\u00df zum Auswendiglernen (Mayer 2009: 1 ff.).<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Materialien m\u00fcssen nicht kompliziert sein. Oft reichen f\u00fcr mich zum Beispiel auch schon Symbole oder Farben aus.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">4. Empfehlung eines Videos\/Podcasts\/Textes von path2in oder all-means-all.education:<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Ich empfehle meinen Kommilitoninnen das Video <\/span><span class=\"s1\">Universal Design for Learning | Al means all <\/span><span class=\"s2\">von all-means-all.education. Es bietet einen intensiven Einblick die verschiedenen Arten des Lernens. Es umfasst viele interessante Informationen zum Thema lernen, wie z.B. den Einfluss der Uhrzeit auf die Informationsaufnahme der Lernenden. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s2\">Literaturverzeichnis:<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Mayer, R.E. (2009): <\/span><span class=\"s3\">Multimedia Learning<\/span><span class=\"s2\">. 2nd ed. Cambridge: Cambridge University Press.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s2\">Hollenbach-Biele, N. &amp; Klemm, K. (2020): <\/span><span class=\"s3\">Inklusive Bildung zwischen Licht und Schatten: Eine Bilanz nach zehn Jahren inklusiven Unterrichts<\/span><span class=\"s2\">. G\u00fctersloh: Bertelsmann Stiftung. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/GP_Inklusive_Bildung_zwischen_Licht_und_Schatten.pdf\">https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/GP_Inklusive_Bildung_zwischen_Licht_und_Schatten.pdf<\/a>[Zugriff am 22.05.2025].<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Welche Konsequenzen hat die Aussonderung von Sch\u00fcler:innen mit F\u00f6rderbedarf? Ich denke dabei sofort an meine kleine Schwester. Sie hat F\u00f6rderbedarf, da sie im Autismus-Spektrum ist, besucht aber eine ganz normale Gesamtschule, gemeinsam mit allen anderen Kindern. 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