{"id":9,"date":"2021-04-28T09:43:32","date_gmt":"2021-04-28T07:43:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/caroline\/?p=9"},"modified":"2021-04-28T09:43:32","modified_gmt":"2021-04-28T07:43:32","slug":"mehrsprachigkeit-als-ausgangspunkt-und-ziel-schulischer-bildung-in-der-primarstufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/caroline\/2021\/04\/28\/mehrsprachigkeit-als-ausgangspunkt-und-ziel-schulischer-bildung-in-der-primarstufe\/","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Primarstufe"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen,<\/p>\n<p>in meinem heutigen Blogeintrag geht es um das Thema Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft spielt Mehrsprachigkeit eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Nahezu jedes Kind verf\u00fcgt in irgendeiner Form \u00fcber Mehrsprachigkeitserfahrungen sei es ein simultaner Erstspracherwerb oder auch sukzessiver Zweitspracherwerb oder der Erwerb von Dialekten. Beim Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht gibt es diverse Fragen zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>So stellt sich f\u00fcr mich die Frage, ob es gerechtfertigt ist einem Sch\u00fcler, der vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist, lediglich aufgrund seiner Deutschkenntnisse keine Empfehlung f\u00fcrs Gymnasium zu geben. Hierbei handelt es sich um einen sp\u00e4ten sukzessiven Zweitspracherwerb, bei dem der Erwerb der Zweitsprache langsamer von statten geht als beim simultanen Erstspracherwerb im fr\u00fchen Kindesalter. Jedoch muss betont werden, dass die individuelle Sprachf\u00e4higkeit keine Auskunft \u00fcber die Kompetenz der Lernenden gibt. Die Sprachf\u00e4higkeit wird stark beeinflusst von der Intensit\u00e4t des Sprachkontakts aber auch vom Zugang zu Praktiken. Aus diesem Grund sollte man nicht von den Deutschkenntnissen ausgehend R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Intelligenz und das Wissen der Kinder ziehen. Bis der Sch\u00fcler bildungssprachliche Kompetenzen erlangt, k\u00f6nnen mehrere Jahre vergehen. Aus diesen Gr\u00fcnden halte ich es f\u00fcr \u00e4u\u00dferst wichtig nicht nur die sprachlichen, sondern insbesondere die fachlichen Kompetenzen, das Interesse und die Lernbereitschaft bei einer \u00dcbergangsentscheidung in den Fokus zu r\u00fccken. Bei einer ad\u00e4quaten F\u00f6rderung k\u00f6nnen Kinder schnell eine Zweitsprache auf einem guten Niveau erlernen, weshalb dem Kind bei einer \u00dcbergangsempfehlung, die nur auf den sprachlichen F\u00e4higkeiten basierend entschieden wurde, Bildungschancen verwehrt bleiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>In meiner eigenen Schulzeit waren die meisten andern Mitsch\u00fcler*innen meiner Klasse muttersprachlich deutsch. Einige Sch\u00fcler*innen wuchsen mehrsprachig auf, andere haben sich in der Freizeit selber eine andere Sprache beigebracht. Alle Sch\u00fcler*innen meiner Schule mussten ab der 7. Klasse eine zweite Fremdsprache erlernen. Diese sprachliche Heterogenit\u00e4t wurde im Unterricht w\u00e4hrend meiner gesamten Schullaufbahn nicht thematisiert, was ich im Nachhinein sehr schade finde, da so kein Austausch \u00fcber die verschieden sprachlichen Hintergr\u00fcnde stattfinden konnte.<\/p>\n<p>In meinem Auslandsjahr nach meinem Abitur habe ich in einem Kinderheim in Israel gearbeitet. Hier ist mir w\u00e4hrend der Hausaufgabenhilfe aufgefallen, dass die Schwierigkeiten die beim Erwerb einer\u00a0 Zweitsprache auftreten stark von dem System der Erstsprache abh\u00e4ngig sind. So fiel es den Kinder in Israel, die als Muttersprache Hebr\u00e4isch gesprochen haben, besonders schwer Englisch zu erlernen. Hierzu mussten sie nicht nur ein komplett neue Schriftzeichen, sondern auch statt einer reinen Konsonantenschrift nun eine Alphabetschrift erlernen. Oft wurden zum Beispiel beim Schreiben auf Englisch einfach alle Vokale weggelassen. Als Lehrkraft ist es wichtig diese verschiedenen Schwierigkeiten die auftreten k\u00f6nnen bei Kindern, die erst ab dem Grundschulalter eine Zweitsprache erlernen, im Hinterkopf zu behalten, um eine professionelle Lernbegleitung zu gew\u00e4hrleisten. Auch ich selbst habe in meiner Zeit in Israel hebr\u00e4isch erlernt und musste mich umgekehrt auch zun\u00e4chst an die sehr fremde hebr\u00e4ische Sprache gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Bei zuk\u00fcnftigen Unterrichtsgestaltungen ist es mir wichtig, Mehrsprachigkeit im Unterricht bewusst zu thematisieren. Dies k\u00f6nnte zum Beispiel mit Hilfe der Anfertigung eines Sprachportr\u00e4t geschehen. So werden die verschiedenen Sprachen, die die Kinder sprechen, wertgesch\u00e4tzt und es kommt zu einem Austausch. Au\u00dferdem hat dies vom Vorteil, dass Lehrkr\u00e4fte einen Eindruck \u00fcber die Sprachkultur der Sch\u00fclerinnen bekommen. F\u00fcr Arbeit in der Schule m\u00fcsste ich mir auf jeden Fall noch mehr Wissen zum Umgang mit Mehrsprachigkeit mir aneignen. So interessiert mich besonders welche didaktischen M\u00f6glichkeiten es zus\u00e4tzlich gibt sprachliche Vielfalt in der Klasse zu thematisieren.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden DAZ Kinder als stark \u00a0f\u00f6rderungsbed\u00fcrftig stigmatisiert, dabei unterscheidet sich jedes Kind sehr stark und braucht unterschiedlich viel F\u00f6rderung. So k\u00f6nnen auch schwache Kinder die Deutsch als Erstsprache sprechen gemeinsam mit einigen der DAZ Kindern gef\u00f6rdert werden. Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, dass die Nutzung der Erstsprachen im Unterricht nicht vollst\u00e4ndig verboten wird, denn eine Verwendung kann fachliche Denk- und Verstehensprozesse f\u00f6rdern.\u00a0 Des Weitern ist generell ein sprachsensibler Fachunterricht wichtig. Das hei\u00dft unter anderem, dass Sprache an und mit Sachinhalten gelernt wird, Arbeitsbl\u00e4tter und Materialen sprachsensibel gestaltet werden, Kompetenzen im Sprechen, Schreiben und Lesen gef\u00f6rdert werden, sowie sprachliche Hilfen angeboten werden. Insgesamt sollte jede Lehrkraft als Ziel haben bildungssprachliche Kompetenzen bei allen Sch\u00fclerinnen zu generieren. Jede Schule sollte in Ihrem Konzept Mehrsprachigkeit als eine Bereicherung wahrnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcrs Lesen!<\/p>\n<p>Caroline<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen, in meinem heutigen Blogeintrag geht es um das Thema Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext. 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