Peruanische Kaffeebohnen und die Fänge der Online Lehre

Gekrümmt sitze ich am Schreibtisch. Mein Laptop steht vor mir. Seit zwei Stunden starre ich auf die vielen müden Gesichter und einen versucht heiteren Dozenten. Das grüne Lämpchen der Kamera an, meine Stimme auf stumm gestellt. 

Mein Blick schweift ab, schon wieder. Ich starre die leere Kaffeetasse vor mir an und frage mich, wie wohl das Wetter in Peru ist. Peru, das Geburtsland meiner Arabica Kaffeebohnen. 

Das Wetter in meiner Heimatstadt ist grau. Ob es in Bremen wohl ähnlich aussieht? Ich habe mich zu Anfang des Semesters entschlossen erstmal nicht in die Stadt der Bremer Stadtmusikanten zu ziehen. Die Corona Welle bauscht sich weiter auf, die Restaurants bleiben dunkel und das Unileben spielt sich online ab, geprägt von den blau weißen Farben des „Zoomsymbol’s“. Ich stecke fest, gefangen in den Fängen des Onlineunterrichts, keine Chance auf ungezwungenes Beisammensein. 

Ich erinnere mich an die letzte Woche, die sogenannte „O-Woche“. Das war ein seltsamer Start. Seltsam und doch voller Möglichkeiten. Ich fing an, das für mich abstrakte System der Universität zu entwirren und knüpfte peinlich berührt,  durch meinen Bildschirm hindurch, erste Kontakte. Die Woche darauf begann offiziell das erste Semester. Es wurde ernst. Aufgaben wurden verteilt, Dateien verschickt und Vorlesungen „besucht“. Und da befinde ich mich nun, in einem Wirrwarr aus für mich vollkommen Fremden. Wie ich mich fühle? Überfordert, verwirrt, skeptisch. Und doch ist da noch etwas. Das Gefühl von Neugier und Vorfreude.

In meinen Ohren macht sich wieder die Stimme meines Dozenten breit, ich spüre meinen schmerzenden Rücken und nehme den sich verflüchtigenden Geruch meiner leeren Kaffeetasse war.

Und ich weiß, egal wie viel Neues auch auf mich zukommen mag, meine „Tasse“ bleibt halbvoll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.