{"id":71,"date":"2020-03-19T19:44:46","date_gmt":"2020-03-19T18:44:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/camus4solidarity\/?page_id=71"},"modified":"2020-04-22T13:57:13","modified_gmt":"2020-04-22T11:57:13","slug":"zitate","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/camus4solidarity\/camus-die-pest\/zitate\/","title":{"rendered":"Zitate"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Gesammelte Lieblingszitate<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>F\u00fcr konkrete, tatkr\u00e4ftige Solidarit\u00e4t<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch kann \u00fcbrigens auch nicht behaupten, dass ich ihn kenne. Aber man muss sich gegenseitig helfen.\u201c (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 27)<\/p>\n<p>&#8222;Was ich hasse, sind der Tod und das B\u00f6se, das wissen Sie ja. Und ob Sie wollen oder nicht, wir sind zusammen da, um sie zu erleiden und zu bek\u00e4mpfen.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 248f.)<\/p>\n<p>Nach einem Schweigen richtete sich der Arzt etwas auf und fragte, ob Tarrou eine Vorstellung von dem Weg habe, den man einschlagen m\u00fcsse, um zum Frieden zu kommen. &#8222;Ja, Mitgef\u00fchl.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 289)<\/p>\n<p>Tarrou murmelte, es sei nie vorbei und es werde noch mehr Opfer geben, weil es unvermeidlich sei. &#8222;Vielleicht&#8220;, antwortete der Arzt, &#8222;aber wissen Sie, ich empfinde mehr Solidarit\u00e4t mit den Besiegten als mit den Heiligen. Ich glaube, ich habe keinen Sinn f\u00fcr Heldentum und Heiligkeit. Was mich interessiert, ist, ein Mensch zu sein.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 290)<\/p>\n<p>&#8222;Ich sage nur, dass es auf dieser Erde Plagen und Opfer gibt und dass man sich, so weit wie m\u00f6glich, weigern muss, auf Seiten der Plage zu sein. Das erscheint Ihnen vielleicht etwas simpel, und ich wei\u00df nicht, ob es simpel ist, aber ich wei\u00df, dass es wahr ist. Ich habe so viele Diskussionen geh\u00f6rt, die mir fast den Kopf verdreht h\u00e4tten und die gen\u00fcgend andere K\u00f6pfe verdreht haben, bis sie dem Morden zustimmten, dass ich verstanden habe, dass das ganze Ungl\u00fcck der Menschen entsteht, weil sie keine klare Sprache sprechen. Da habe ich den Entschluss gefasst, klar zu sprechen und zu handeln, um auf den richtigen Weg zu kommen. Folglich sage ich, dass es Plagen und Opfer gibt, und sonst nichts. Wenn ich damit selbst zur Plage werde, stimme ich dem wenigstens nicht zu. Ich versuche ein unschuldiger M\u00f6rder zu sein. Wie Sie sehen, bin ich nicht sehr ehrgeizig. Es sollte nat\u00fcrlich eine dritte Kategorie geben, die der wahren \u00c4rzte, aber von denen findet man nicht viele, und es muss schwer sein. Deshalb habe ich beschlossen, mich bei jeder Gelegenheit auf die Seite der Opfer zu stellen, um den Schaden zu begrenzen. Unter ihnen kann ich wenigstens danach suchen, wie man zur dritten Kategorie kommt, das hei\u00dft zum Frieden.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 288f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Menschliches und Allzumenschliches im Angesicht des \u00dcbels<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend noch geredet wurde, verschlechterte sich das Wetter. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 39)<\/p>\n<p>Wie unsere Mitb\u00fcrger nun merken sollten, hatten sie nie gedacht, dass unsere kleine Stadt ein besonders geeigneter Ort sein k\u00f6nnte, wo die Ratten in der Sonne sterben und die Concierges an seltsamen Krankheiten zugrunde gehen. In dieser Hinsicht befanden sie sich genaugenommen im Irrtum und mussten ihre Vorstellungen revidieren. Wenn damit alles sein Bewenden gehabt h\u00e4tte, w\u00e4ren sie sicher zu ihren Gewohnheiten zur\u00fcckgekehrt. Aber andere unter unseren Mitb\u00fcrgern, die nicht immer Concierges und auch nicht arm waren, mussten denselben Weg gehen, den Monsieur Michel als Erster genommen hatte. Von diesem Moment an begann die Angst und mit ihr das Nachdenken. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 30)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Pest durch die wirkungsvolle Unparteilichkeit, mit der sie schaltete und waltete, die Gleichheit unter unseren Mitb\u00fcrgern h\u00e4tte verst\u00e4rken sollen, versch\u00e4rfte sie durch das nat\u00fcrliche Spiel des Egoismus in den Herzen der Menschen noch das Gef\u00fchl von Ungerechtigkeit. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 269)<\/p>\n<p>&#8222;Herr Doktor&#8220;, sagte Rambert, &#8222;ich gehe nicht weg, ich will bei Ihnen bleiben.&#8220; [&#8230;] Rambert sagte, er habe noch einmal dar\u00fcber nachgedacht\u00a0 und glaube weiterhin, was er geglaubt habe, aber wenn er wegginge, w\u00fcrde er sich sch\u00e4men. Und das w\u00fcrde ihn in seiner Liebe zu der Zur\u00fcckgelassenen st\u00f6ren. Aber Rieux richtete sich auf und sagte mit fester Stimme, das sei Bl\u00f6dsinn, man brauche sich nicht zu sch\u00e4men, wenn man das Gl\u00fcck vorziehe. &#8222;Ja&#8220;, sagte Rambert, &#8222;aber man kann sich sch\u00e4men, wenn man ganz allein gl\u00fccklich ist.&#8220; Tarrou, der bisher geschwiegen hatte, wies, ohne den Kopf zu wenden, darauf hin, dass Rambert nie wieder Zeit f\u00fcr das Gl\u00fcck haben werde, wenn er das Ungl\u00fcck der Menschen teilen wolle. Er m\u00fcsse w\u00e4hlen. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 236)<\/p>\n<p>&#8222;Entschuldigen Sie, Rambert&#8220;, sagte [Rieux] , &#8222;aber ich wei\u00df es nicht. [&#8230;] Nichts auf der Welt ist es wert, sich von dem abzuwenden, was man liebt. Und doch wende auch ich mich ab, ohne dass ich wei\u00df, warum.&#8220; Er lie\u00df sich in sein Polster zur\u00fccksinken. &#8222;Es ist ganz einfach eine Tatsache&#8220;, sagte er m\u00fcde. &#8222;Nehmen wir sie zur Kenntnis und ziehen wir die Konsequenzen daraus.&#8220; &#8222;Welche Konsequenzen?&#8220;, fragte Rambert. &#8222;Ach, man kann nicht gleichzeitig heilen und wissen&#8220;, sagte Rieux. &#8222;Also lassen Sie uns so schnell wie m\u00f6glich heilen. Das ist das Dringendste.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 237)<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr die Verpesteten ist der Schlaf der Menschen heiliger als das Leben. Man darf die biederen Leute nicht am Schlaf hindern. Das w\u00e4re geschmacklos, und Geschmack besteht darin, nicht nachzufragen, das wei\u00df man ja. Aber ich habe seitdem nicht mehr gut geschlafen.&#8220; (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 285)<\/p>\n<p><em><strong>Galgenhumor&#8230;<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u201eDu hast doch Camps gekannt\u201c, sagte der eine. \u201eCamps? Ein Gro\u00dfer mit schwarzem Schnurrbart?\u201c \u201eGenau. Er war im Stellwerk.\u201c \u201eJa, nat\u00fcrlich.\u201c \u201eTja, er ist gestorben.\u201c \u201eAch, und wann?\u201c \u201eNach der Geschichte mit den Ratten.\u201c \u201eSag blo\u00df! Was hatte er denn?\u201c \u201eIch wei\u00df nicht, Fieber. Und au\u00dferdem war er nicht kr\u00e4ftig. Er hatte Geschw\u00fcre unterm Arm. Er hat es nicht \u00fcberstanden.\u201c \u201eDabei sah er doch ganz normal aus.\u201c \u201eNein, er war schwach auf der Brust, und er spielte im Musikverein. Immer in ein Horn blasen, das zerm\u00fcrbt.\u201c \u201eTja\u201c, schloss der Zweite, \u201ewenn man krank ist, soll man nicht in ein Horn blasen.\u201c Nach diesen wenigen Angaben fragte sich Tarrou, warum Camps gegen sein offensichtliches Interesse in den Musikverein eingetreten war und welche tieferen Gr\u00fcnde ihn dazu bewogen hatten, sein Leben f\u00fcr sonnt\u00e4gliche Umz\u00fcge aufs Spiel zu setzen. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 32)<\/p>\n<p><em><strong>Wir haben nie ausgelernt:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt aufstiegen, erinnerte er sich n\u00e4mlich daran, dass diese Freude immer bedroht war. Denn er wusste, was dieser Menge im Freudentaumel unbekannt war und was man in B\u00fcchern lesen kann, dass n\u00e4mlich der Pestbazillus nie stirbt und nie verschwindet, dass er jahrzehntelang in den M\u00f6beln und in der W\u00e4sche schlummern kann, dass er in Zimmern, Kellern, Koffern, Taschent\u00fcchern und Papieren geduldig wartet und dass vielleicht der Tag kommen w\u00fcrde, an dem die Pest zum Ungl\u00fcck und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und zum Sterben in eine gl\u00fcckliche Stadt schicken w\u00fcrde. (1947<sup>1<\/sup>, 2013: 350)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesammelte Lieblingszitate F\u00fcr konkrete, tatkr\u00e4ftige Solidarit\u00e4t \u201eIch kann \u00fcbrigens auch nicht behaupten, dass ich ihn kenne. Aber man muss sich gegenseitig helfen.\u201c (19471, 2013: 27) &#8222;Was ich hasse, sind der Tod und das B\u00f6se, das wissen Sie ja. 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