{"id":615,"date":"2024-10-13T18:19:20","date_gmt":"2024-10-13T16:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=615"},"modified":"2024-11-07T13:01:24","modified_gmt":"2024-11-07T12:01:24","slug":"kleine-helden-im-klimagarten-findorff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/13\/kleine-helden-im-klimagarten-findorff\/","title":{"rendered":"Kleine Helden im Klimagarten Findorff"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Care-Praktiken im Klimagarten Findorff der &#8222;Klimazone Findorff&#8220; im Westen von Bremen.<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Ein Beitrag von Pia Gosmann,\u00a0 Alena Klages und Marius Brehm<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><strong><span class=\"TextRun SCXW38279769 BCX0\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW38279769 BCX0\" data-ccp-charstyle=\"normaltextrun\" data-ccp-charstyle-defn=\"{&quot;ObjectId&quot;:&quot;8d9caa7b-94a4-4e94-b46f-f7c1d10506bf|38&quot;,&quot;ClassId&quot;:1073872969,&quot;Properties&quot;:[201342446,&quot;1&quot;,201342447,&quot;5&quot;,201342448,&quot;1&quot;,201342449,&quot;1&quot;,469777841,&quot;Aptos&quot;,469777842,&quot;&quot;,469777843,&quot;Aptos&quot;,469777844,&quot;Aptos&quot;,201341986,&quot;1&quot;,469769226,&quot;Aptos&quot;,268442635,&quot;22&quot;,469775450,&quot;normaltextrun&quot;,201340122,&quot;1&quot;,134233614,&quot;true&quot;,469778129,&quot;normaltextrun&quot;,335572020,&quot;1&quot;,469778324,&quot;Default Paragraph Font&quot;]}\">Der Klimagarten<\/span><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_612\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-612\" class=\"wp-image-612 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_1-300x262.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_1-300x262.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_1-768x672.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_1-676x591.jpg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_1.jpg 847w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-612\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 12pt\">Abb. 1: Der Klimagarten. Dieses Foto soll einen Eindruck vom Klimagarten vermitteln. Es gibt zahlreiche Pflanzen- sowie Tierarten im Klimagarten und es gibt reichlich g\u00e4rtnerische Arbeit zu tun. Da der Klimagarten au\u00dferdem als Treffpunkt dient, sind auch St\u00fchle und ein Gartentisch (nicht in der Abbildung zu sehen) vorhanden. Werkzeuge, wie der abgebildete Spaten, sind im Garten vorhanden und stehen f\u00fcr die Care-Praktik zur Verf\u00fcgung.\u00a0<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><span class=\"TextRun SCXW38279769 BCX0\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW38279769 BCX0\" data-ccp-charstyle=\"normaltextrun\" data-ccp-charstyle-defn=\"{&quot;ObjectId&quot;:&quot;8d9caa7b-94a4-4e94-b46f-f7c1d10506bf|38&quot;,&quot;ClassId&quot;:1073872969,&quot;Properties&quot;:[201342446,&quot;1&quot;,201342447,&quot;5&quot;,201342448,&quot;1&quot;,201342449,&quot;1&quot;,469777841,&quot;Aptos&quot;,469777842,&quot;&quot;,469777843,&quot;Aptos&quot;,469777844,&quot;Aptos&quot;,201341986,&quot;1&quot;,469769226,&quot;Aptos&quot;,268442635,&quot;22&quot;,469775450,&quot;normaltextrun&quot;,201340122,&quot;1&quot;,134233614,&quot;true&quot;,469778129,&quot;normaltextrun&quot;,335572020,&quot;1&quot;,469778324,&quot;Default Paragraph Font&quot;]}\">Untersucht wurde das Projekt \u201eKlimagarten\u201c des Vereins \u201eKlimazone Bremen-Findorff\u201c. Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht, \u201e[den] Stadtteil lebendiger, lebenswerter und zukunftsf\u00e4higer zu gestalten\u201c (Klimazone Findorff 2024a), indem verschiedene alltagsorientierte Aktivit\u00e4ten in vier Bereichen (Konsum &amp; Ern\u00e4hrung, Mobilit\u00e4t &amp; Verkehr, Wohnen &amp; Energie, Quartiersgestaltung) organisiert und umgesetzt werden. Der Klimaschutz steht hier immer im Mittelpunkt. Der Klimagarten l\u00e4sst sich in den Bereich Quartiersgestaltung sowie Konsum und Ern\u00e4hrung einordnen. Es handelt sich hier um eine Kleingartenparzelle im Norden Findorffs, die \u00fcber ein Vereinsmitglied kosteng\u00fcnstig gepachtet wird. Urspr\u00fcnglich wurde dieser Garten im Mai 2021 unter dem Projekt \u201eStadtteilg\u00e4rtnern mit Kindern\u201d er\u00f6ffnet mit dem Ziel, ihn \u201enach und nach in eine kunterbunte Insektenoase [zu] verwandeln\u201c (Klimazone Findorff 2024b). Er dient seitdem als Treffunkt f\u00fcr verschiedene Altersgruppen zum gemeinsamen G\u00e4rtnern, Ernten und Lernen.\u202f<\/span><\/span><span class=\"EOP SCXW38279769 BCX0\" data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Praktik bel\u00e4uft sich hier besonders auf die Sorge um Insekten in Bremen, die immer weniger Lebensraum haben und durch die Biodiversit\u00e4t im Klimagarten gesch\u00fctzt werden sollen. Es geht zun\u00e4chst viel um die Fl\u00e4che der Parzelle, die noch immer nicht vollst\u00e4ndig aufgeforstet wurde und regelm\u00e4\u00dfig Pflege braucht.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><i>\u201eVorher war hier kein Leben, weil alles zugewachsen war. Jetzt ist hier immer mehr Leben, es wird total bunt.\u201c<\/i> (Ilga Ke\u00dfling, vgl. empirische Vignetten)\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Au\u00dferdem ist mit diesem Ort die Sozialit\u00e4t des gemeinsamen G\u00e4rtnerns und Lernens verbunden, da viele Bewohner:innen Bremens keinen eigenen Garten besitzen und sich so in Form der Aktion \u201eStadtteilg\u00e4rtnern\u201c gemeinsam mit der Natur auseinandersetzen k\u00f6nnen. Des Weiteren gilt der Klimagarten als wichtiger Ort f\u00fcr kleinere Kinder und Schulklassen, die dort die Natur erforschen k\u00f6nnen. Es findet hier soziale Umweltbildung statt, die h\u00e4ufig in Schulen zu kurz kommt, wie Frau Ke\u00dfling, die Leiterin des Klimagartens, im Interview erz\u00e4hlt. Besonders Sprachbarrieren erschweren die Integration einiger Kinder. Das versucht sie dort in der Natur zu \u00fcberwinden, da G\u00e4rtnern auch nonverbal stattfinden kann. Bei den Bildungsprojekten steht sie im engen Kontakt zum NABU.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Nach kurzer Absprache trafen wir uns mit ihr im Klimagarten, sie gab uns eine ausf\u00fchrliche F\u00fchrung und beantwortete dabei alle unsere Fragen in Form eines Interviews (s. empirische Vignetten). Au\u00dferdem konnten wir w\u00e4hrend der F\u00fchrung die F\u00fcrsorgepraktiken f\u00fcr die Natur und die Sozialit\u00e4t der Mitglieder sowie w\u00e4hrend einer Exkursion mit einem Kurs der Universit\u00e4t Bremen zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt die Bildungsarbeit im Klimagarten selbst teilnehmend beobachten. Die Ergebnisse dieser Beobachtung konnten wir im Rahmen einer Bilderdokumentation und zwei Beobachtungsprotokollen festhalten (s. empirische Vignetten). So konnte sich unsere Forschungsgruppe ein umfangreiches Bild von dem Klimagarten und den Praktiken machen.\u202fAlle empirischen Vignetten k\u00f6nnen im Anhang nachgelesen werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Theoretische Ans\u00e4tze<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Care-Praktik im Klimagarten inkludiert die Pflege von Pflanzen, welche in der Literatur zu Care-Praktiken als anstrengend, abe<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_613\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-613\" class=\"size-medium wp-image-613\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_2-249x300.png\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_2-249x300.png 249w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_2.png 625w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><p id=\"caption-attachment-613\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 12pt\">Abb. 2: Plan des Klimagartens. Er wurde von der Garten- und Landschaftsplanerin Ilga Ke\u00dfling entworfen. Der Klimagarten wird von den G\u00e4rtner:innen gem\u00e4\u00df diesem Entwurf gestaltet.<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">r motivierend und gl\u00fcckbringend beschrieben wird (vgl. Jones 2017: 631f.). In der Literatur wird geschildert, dass einige Stunden Unkrautj\u00e4ten unterschiedlichste Gef\u00fchlswellen, beispielsweise der St\u00e4rke, Entschlossenheit, Unruhe und des Enthusiasmus, mit sich bringt (vgl. ebd.: 653).\u202f\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Im Klimagarten befinden sich verschiedene Spezies auf engem Raum. So arbeiten und treffen sich die Menschen im Garten, Pflanzen wachsen und Insekten sowie andere Tiere besuchen den Garten oder sind dort heimisch. Hier wird die Theorie der Multispezies-Kollaboration deutlich, welche in der Literatur durch Ameli untersucht wird (vgl. Ameli 2022: 605). Durch erfolgreiche Zusammenarbeit der Spezies entsteht eine Symbiose zwischen Menschen, Tieren und Naturen (vgl. ebd.). So k\u00f6nnen die Care-Praktiken im Klimagarten als \u201ccaring obligations that could enact nonexploitive forms of togetherness\u201d (Puig de la Bellacasa 2017: 24) bezeichnet werden. Der Perspektivwechsel, der durch die Forschung zu Multispezies-Kollaborationen erzielt werden soll (vgl. ebd.: 612), kann den Mithelfenden im Klimagarten beispielsweise bei ihrem derzeitigen Projektziel, Insekten Lebensraum zu schaffen, helfen. Wird die Perspektive der Insekten eingenommen, k\u00f6nnen so Ideen zur insektenfreundlichen Gestaltung des Gartens entstehen. Die Perspektivergreifung kann auch bei der Positionierung der Vorhaben im Garten helfen. Beispielsweise wurde das Insektenhotel extra in die N\u00e4he der Sandfl\u00e4che gestellt, um eine Synergie zwischen den beiden Objekten herzustellen, da beide haupts\u00e4chlich von Insekten bewohnt werden.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Ilga Ke\u00dfling erz\u00e4hlt, dass neue Helfer:innen jederzeit gebraucht werden. In der Literatur wird sich gefragt, wie man Menschen zum Engagement f\u00fcr die Pflanzenpflege motivieren kann (vgl. Jones 2017: 635).\u202f\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">\u201c<i>I believe greater attention to the body and its feeling states will help deepen our understanding of the powers propelling people to care<\/i>\u201d (Jones 2017: 635).\u202f\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\" data-contrast=\"auto\">Die Gef\u00fchlswellen der Freude, die bei der Care-Praktik entstehen, sollen zum Mithilfewunsch der Menschen beitragen (vgl. ebd.). Durch das Ausprobieren der Care-Praktik w\u00fcrden demnach, gem\u00e4\u00df der Theorie, Menschen die Motivation und den Wunsch am eigenen K\u00f6rper sp\u00fcren und ihre Kraft, um mitzuhelfen, w\u00fcrde steigen (vgl. ebd.). Dieser theoretische Ansatz k\u00f6nnte helfen, mehr Menschen zur Mithilfe im Klimagarten zu bewegen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Care-Praktiken innerhalb des Klimagartens<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Praktiken im Klimagarten sind vielf\u00e4ltig. Neben dem G\u00e4rtnern und Pflegen des Gartens unter den Mitgliedern besonders zum Schutz der Insekten findet dort vor allem Umweltbildung mit Kindern statt. Diese Aktionen organisiert in erster Linie Ilga Ke\u00dfling, da die Mitgliederzahl im Klimagarten noch gering ist. Wir konnten w\u00e4hrend unserer Besuche beobachten, wie zwischendurch Unkraut gej\u00e4tet, hin und wieder mal ein Gem\u00fcse mit Vorsicht geerntet oder einzelne Fl\u00e4chen aufger\u00e4umt und neu ges\u00e4t bzw. bepflanzt wurden. Ilga Ke\u00dfling war w\u00e4hrend unserer F\u00fchrung beispielsweise immer mal wieder mit ihrer Harke in verschiedenen Beeten besch\u00e4ftigt. Hier fanden also F\u00fcrsorgepraktiken f\u00fcr den Garten mehr im Hintergrund statt, die aber bei den Aktuer:innen immer wieder f\u00fcr Gl\u00fccksmomente sorgten. Lediglich bei gr\u00f6\u00dferen Aufr\u00e4um-Aktionen wird der Garten gezielt von allen Helfenden von Gestr\u00fcpp und M\u00fcll befreit. Dies passiert aufgrund der begrenzten Mitgliederzahl nicht so h\u00e4ufig, ist aber sehr wichtig f\u00fcr die Instandhaltung und Entwicklung des Gartens, wie Frau Ke\u00dfling sagt. Hier zeigen sich die Erkenntnisse aus der Literatur, dass Care-Arbeit zwar anstrengend, aber motivierend und gl\u00fcckbringend wirken kann (vgl. Jones 2017: 631f.). Au\u00dferdem wurden Insektenhotels aufgestellt und Totholzhecken an den R\u00e4ndern des Grundst\u00fccks errichtet, um einen wertvollen Lebensraum f\u00fcr Tiere und Pflanzen zu schaffen (s. Abb. 3). Hier zeigen sich Auswirkungen des Perspektivwechsels von Mensch zu Insekt aus der Literatur (vgl. vgl. Ameli 2022: 612).\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Immer regelm\u00e4\u00dfiger kommen zudem Schulklassen in den Klimagarten, deren Umweltbildung Frau Ke\u00dfling ebenfalls betreut. Sie selbst ist selbstst\u00e4ndig als Landschaftsarchitektin und hat keine p\u00e4dagogische Ausbildung, daher w\u00fcnscht sie sich etwas mehr Unterst\u00fctzung durch geschulte Kr\u00e4fte. Dennoch machen ihr die Aktionen mit Kindern Spa\u00df und diese k\u00f6nnten mehr werden. Auch hier wird die Frage gestellt, wie man Menschen zur freiwilligen Care-Arbeit motivieren kann (vgl. Jones 2017: 635). Frau Ke\u00dfling versucht dies zu l\u00f6sen, indem sie durch verschiedene Aktionen Aufmerksamkeit f\u00fcr das Projekt zu erregen und somit Menschen durch den Kontakt mit dem Klimagarten zum Mithelfen anzuregen versucht, wie auch von Jones vorgeschlagen (vgl. ebd.). Ein \u00e4hnliches Vorgehen l\u00e4sst sich auch in der Umweltbildung konkret mit Kindern beobachten. Auch hier kann man von der Absicht ausgehen, Kinder zu zuk\u00fcnftigen Care-Praktiken zu motivieren, indem man sie ausprobieren l\u00e4sst. Im Durschnitt kommen vier Schulklassen pro Jahr, zudem werden hin und wieder Eltern-Kind-Nachmittage im Klimagarten veranstaltet. Besonders durch die Bewegung Teachers for Future wird das Interesse an Bildungstagen im Klimagarten immer gr\u00f6\u00dfer. Ilga Ke\u00dfling erz\u00e4hlte uns von ihren Pl\u00e4nen, den Garten mit kinderfreundlichen Informationsschildern auszustatten, damit sie auch ohne ihre direkte Anwesenheit Achtsamkeit f\u00fcr die Umwelt erlernen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem hat sie Lernfenster (Plexiglasfenster) in einige Hochbeete eingebaut, damit der Wachstumsprozess im Erdboden von au\u00dfen beobachtet werden kann. Es lassen sich hier also auch nachhaltige Care-Praktiken beobachten, die zwar zun\u00e4chst eher nebens\u00e4chlich auf die Pflege des Klimagartens abzielen, aber daf\u00fcr auf die Bildung m\u00f6glichst aller Generationen und den zuk\u00fcnftigen Schutz der Umwelt setzen. Denn laut Frau Ke\u00dfling verfolgen alle hier beteiligten Akteursgruppen das Ziel, durch den Klimagarten der Umwelt n\u00e4her zu kommen und etwas zu lernen. Gro\u00dfe Unterschiede lassen sich innerhalb der Akteursgruppen aufgrund der geringen Anzahl nicht direkt ausmachen. Nat\u00fcrlich besteht ein gro\u00dfer Altersunterschied zwischen den aktiven Mitgliedern und den Schulklassen, der sich auch in den Interessen widerspiegelt. W\u00e4hrend die Mitglieder des Stadtteilg\u00e4rtnerns sich mehr in ihrer Freizeit im Klimagarten aufhalten und sich besonders \u00fcber die Zeit in der Natur und das geerntete Gem\u00fcse freuen, kommen die Kinder prim\u00e4r, um etwas \u00fcber den Insektenschutz und die Natur zu lernen.\u202fGenauere Bilder zu den Care-Praktiken k\u00f6nnen in unserer Bilderdokumentation angeschaut werden (s. empirische Vignetten).\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_614\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-614\" class=\"size-medium wp-image-614\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_3-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_3-236x300.jpg 236w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Klimagarten-Findorff_3.jpg 590w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><p id=\"caption-attachment-614\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 12pt\">Abb. 3: Das Insektenhotel im Klimagarten. Das Insektenhotel bietet einladenden Lebensraum f\u00fcr die kleinen Besucher des Klimagartens. Damit soll der Klimagarten insektenfreundlich gestaltet werden.<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Bedeutung f\u00fcr Stadt und Natur im politischen Kontext<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Der Klimagarten tr\u00e4gt zur Gestaltung von Stadt-Naturen bei. Er liegt mitten in Bremen und f\u00fchrt Projekte zur F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t und des Insektenlebens durch. So bietet er mit dem aktuellen Projekt \u201cKleine Helden \u2013 Insekten im Klimagarten\u201d eine \u201cgr\u00fcne Oase\u201d f\u00fcr Insekten, welchen in der Stadt oft wenig Gr\u00fcn geboten wird. Au\u00dferdem f\u00fchrt das Projekt des Stadtteilg\u00e4rtnerns und die Umweltbildung dazu, dass Kinder und Jugendliche die Natur besser verstehen und im besten Fall das Interesse von ihnen an Natur geweckt wird. Das kann die Chance erh\u00f6hen, dass sich die Akteure auch abseits des Klimagartens f\u00fcr eine bessere Umwelt engagieren.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Von der Senatorin f\u00fcr Umwelt, Klima und Wissenschaft (zum Bewilligungszeitpunkt: Senatorin f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Mobilit\u00e4t, Stadtentwicklung und Wohnungsbau) der Freien Hansestadt Bremen werden die \u00dcbersch\u00fcsse aus BINGO! Die Umweltlotterie zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Senatorin f\u00f6rderte bereits das Vorg\u00e4ngerprojekt \u201cStadtteilg\u00e4rtnern mit Kindern\u201d. Dies zeigt, dass durch die Stadt Bremen ein politisches Interesse an der Sorgepraktik f\u00fcr Klima, Insektenvielfalt sowie Biodiversit\u00e4t besteht. F\u00fcr das Projekt \u201cKleine Helden \u2013 Insekten im Klimagarten\u201d wurde eine F\u00f6rdersumme von 20.498 Euro bereitgestellt (vgl. Umwelt Bildung Bremen 2022).\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Frau Ke\u00dfling informierte uns \u00fcber die Projektbeantragung. Klimagarten ist von der F\u00f6rderung des Senats abh\u00e4ngig, die F\u00f6rderprojekte laufen jeweils zwei Jahre und nach Ablauf des Projektzeitraums enden sie automatisch. Darum ist die Care-Praktik mit viel B\u00fcrokratie verbunden. Umfassende Antr\u00e4ge, Zwischenberichte, Endberichte und Umwidmungsantr\u00e4ge mit Begr\u00fcndungen sind erforderlich, damit ein Projekt ohne Abzug von F\u00f6rdergeldern stattfinden kann. Dies erschwert die Projektdurchf\u00fchrung und nimmt viel Zeit in Anspruch, die alternativ zur Care-Praktik im Garten genutzt werden k\u00f6nnte. Ilga Ke\u00dfling gab als ungef\u00e4hre Sch\u00e4tzung an, dass 60 % der Arbeitszeit konkret im Garten und 40 % mit anderen Aktivit\u00e4ten verbracht wird.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Frau Ke\u00dfling thematisierte die Differenz zwischen Theorie und Praxis und zeigte sich unzufrieden \u00fcber die komplizierten F\u00f6rderzug\u00e4nge. Sie nimmt wahr, dass die Politik gro\u00dfen Wert auf Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel mithilfe der Begr\u00fcnung der Stadt und der Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderung legt. In der Praxis bemerkt sie jedoch wenig R\u00fcckhalt aus der Politik, da das Projektbudget gering sei und nur auf zwei Jahre begrenzt ist.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Bedeutung f\u00fcr die Akteur:innen<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Im Kern beteiligen sich momentan f\u00fcnf bis sechs Leute regelm\u00e4\u00dfig an der Aktion Stadtteilg\u00e4rtnern im Klimagarten, mit der Tendenz zu mehr. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der P\u00e4chterin des Gartens zu, die auch Mitglied bei der Klimazone ist. Sie engagiert sich zudem beim BUND Bremen. Sie war w\u00e4hrend unserer beiden Besuche ebenfalls anwesend und betonte mehrfach, wie sehr ihr das Projekt Klimagarten am Herzen liegt und es f\u00fcr sie deshalb selbstverst\u00e4ndlich war, das Grundst\u00fcck zu pachten. Da die Anzahl der Helfer:innen laut Frau Ke\u00dfling noch zu wenig ist, befindet sich der Verein immer wieder semi-aktiv auf der Suche nach neuen Mitgliedern und Aktionen.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">F\u00fcr Ilga Ke\u00dfling bedeuten der Klimagarten und die dort ausgef\u00fchrten Praktiken sehr viel. Sie sieht den Klimagarten wie ihr Kind an, um das sie sich liebevoll k\u00fcmmert. Mit ihrer Harke geht sie freudig durch den Garten und findet immer etwas zu tun. Sie sieht in jeder Pflanze und jedem Lebewesen eine Bedeutung. Sie erf\u00fcllen die kleinen Dinge im Klimagarten, wie die nat\u00fcrlich zugewanderte Bienenkultur, die sie uns mit Stolz zeigte (s. Abb. 3). Ebenso findet sie es spannend, wie Kinder den Garten und die Natur erleben und entdecken.\u202f\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><i>\u201eF\u00fcr Kinder kann selbst ein Regenwurm ein spannendes Ereignis sein. Das bringt auch in mir die kindliche Naivit\u00e4t und den Sinn f\u00fcr allt\u00e4gliche Kleinigkeiten wieder hervor. Das ist toll.\u201c<\/i> (Ilga Ke\u00dfling, vgl. empirische Vignetten)\u202f\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\"><b>Literaturverzeichnis<\/b>\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Ameli, K. (2022). Multispezies-Ethnographie. In: A. Poferl &amp; N. Schr\u00f6er (Hrsg.) Handbuch Soziologische Ethnographie. Springer VS, Wiesbaden. https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-26405-5_39\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Jones, R. (2019). Really shit work? Bodily becoming and the capacity to care for the urban forest. Social &amp; Cultural Geography, 20:5, 630-648\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Klimazone Findorff (2024a). \u00dcber uns. Online unter: https:\/\/klimazone-findorff.de\/ueber-uns\/\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Klimazone Findorff (2024b). Es summt und brummt im Klimagarten. Online unter: https:\/\/klimazone-findorff.de\/projekte\/insekten-im-klimagarten\/\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Puig de la Bellacasa, M. (2017). Matters of care: Speculative ethics in more than human worlds. Minneapolis: University of Minnesota Press. [daraus: Introduction: The Disruptive Thought of Care. S. 1-24.]\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Umwelt Bildung Bremen (2022): Gef\u00f6rderte Projekte. Online unter: https:\/\/www.umweltbildung-bremen.de\/foerderung-bingo-projektfoerderung-gefoerderte-projekte.html\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Care-Praktiken im Klimagarten Findorff der &#8222;Klimazone Findorff&#8220; im Westen von Bremen. Ein Beitrag von Pia Gosmann,\u00a0 Alena Klages und Marius Brehm Der Klimagarten Untersucht wurde das Projekt \u201eKlimagarten\u201c des Vereins \u201eKlimazone Bremen-Findorff\u201c. Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht, \u201e[den] Stadtteil lebendiger, lebenswerter und zukunftsf\u00e4higer zu gestalten\u201c (Klimazone Findorff 2024a), indem verschiedene alltagsorientierte Aktivit\u00e4ten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15896,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-615","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-care-praktiken","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15896"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=615"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":707,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/615\/revisions\/707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}