{"id":594,"date":"2024-10-10T17:45:23","date_gmt":"2024-10-10T15:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=594"},"modified":"2024-10-10T17:45:23","modified_gmt":"2024-10-10T15:45:23","slug":"empirische-vignetten-beobachtungsprotokolle-zu-begehungen-der-horner-spitze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/10\/empirische-vignetten-beobachtungsprotokolle-zu-begehungen-der-horner-spitze\/","title":{"rendered":"Empirische Vignetten: Beobachtungsprotokolle zu Begehungen der Horner Spitze"},"content":{"rendered":"<p>Diese empirischen Vignetten geh\u00f6ren zum <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/10\/ein-zweites-zuhause\/\">Beitrag \u00fcber die Horner Spitze<\/a>.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Empirische Vignette 1: Beobachtungsprotokoll des Stalldienstes<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir treffen uns am Mittwoch, den 12. Juni, um 8:40 Uhr mit Jc. an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle Riensberg und laufen durch die Kleingartenanlage zum Gel\u00e4nde des Vereins \u201eKinder, Wald und Wiese e.V.\u201c. Jc. ist Stalldiensthelferin im Verein und \u00fcbernimmt einmal in der Woche den Morgendienst f\u00fcr die Tiere des Vereins. Sie ist an dem Tag etwas sp\u00e4ter dran als sonst, denn normalerweise beginnt sie den Stalldienst schon um 8:30 Uhr. Der Wetterbericht f\u00fcr den Tag ist durchwachsen, aber noch ist es trocken. Nach dem Eingangstor und einem Fahrradstellplatz muss man zun\u00e4chst eine Schneise aus Schlamm durchqueren, auf der Fernw\u00e4rme-Bauarbeiten stattfinden. Aber auch das aktuelle Vereinsgel\u00e4nde wird von Schlamm dominiert. Abgesehen von den Wiesen- und Weidefl\u00e4chen sind alle Wege, Pferdekoppeln und der Reitplatz nass und schlammig.\u00a0Jc. tr\u00e4gt hohe Reitstiefel und Kleidung, die dreckig und nass werden kann, au\u00dferdem Handschuhe. Wir legen unsere Sachen weg und beginnen mit der Vorbereitung des Pferdefutters. Das Futter wird in einem kleinen Holzhaus gelagert, zu dem jede:r auf dem Gel\u00e4nde Zugang hat. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Anleitungen zur F\u00fctterung der verschiedenen Tiere und eine To-Do-Liste mit allen Aufgaben des Stalldienstes. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die \u00e4ltesten drei Pferde, Jack (28 Jahre), Barbette (28 Jahre) und Charly (\u00fcber 30 Jahre) werden zugef\u00fcttert, weil sie mehr N\u00e4hrstoffe brauchen als die j\u00fcngeren Pferde, welche haupts\u00e4chlich Heu und Gras fressen. Die Bottiche zum Anmischen des Futters liegen noch auf einem kleinen St\u00fcck Wiese zum Trocknen vom Vortag. Wir f\u00fcllen die Bottiche mit Wasser aus Kanistern auf und mischen es mit Heucobs (gepresstem Heu) an. Da das Einweichen der Heucobs einige Zeit braucht, nehmen wir drei Halfter und machen uns auf den Weg zur Koppel, auf der Jack, Barbette und Charly stehen. Wir wollen sie zum F\u00fcttern von der Koppel holen und in der N\u00e4he des Holzhauses anbinden. Die Pferde stehen auf einer Koppel mit mehreren Unterstellm\u00f6glichkeiten; auch dort ist der Boden sehr matschig. Wir legen Barbette und Charly ihre Halfter an und bemerken, dass Jacks Halfter kaputt ist. Jc. beschlie\u00dft, die Pferde an dem Tag auf der Koppel zu f\u00fcttern, das Futter also zur Koppel zu bringen. Wir binden Barbette und Charly f\u00fcr die Zwischenzeit am gro\u00dfen Heunetz auf der Koppel an. Barbette sei lieber allein, erz\u00e4hlt Jc., weswegen wir sie gegen\u00fcber von Charly anbinden. Eine Besonderheit ist hier, dass wir zum Anbinden der Pferde den \u00fcblichen Pferdeknoten binden, jedoch die letzte Schlaufe nicht mehr durchziehen. Jc. erkl\u00e4rt, dass so der Strick nicht nur f\u00fcr den Menschen schnell zu l\u00f6sen ist, sondern sich das Pferd auch im Notfall selbst l\u00f6sen k\u00f6nne. Auf dem R\u00fcckweg von der Koppel gehen wir an den Ziegen vorbei. Die Ziegenkoppel besteht aus einer kleinen Wiese mit einem Haus und einem alten Bauwagen als Unterschlupf, Haus und Bauwagen sind mit Streu ausgelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Pl\u00f6tzlich f\u00e4ngt es an, stark zu regnen. Jc. macht sich Sorgen um die Pferde, weil sie noch angebunden sind und sich nicht unterstellen k\u00f6nnen. Sie sagt, wir k\u00f6nnen noch maximal 5 Minuten warten, dann m\u00fcssen wir zur Koppel rennen und sie losbinden. Wir bereiten das Futter f\u00fcr die drei &#8222;Rentner&#8220;-Pferde zu Ende vor, jedes bekommt neben Heucobs noch verschiedenes Kraftfutter. W\u00e4hrend der Vorbereitungen sprechen wir mit Jc. dar\u00fcber, ob sie f\u00fcr ihre Arbeit als Stalldiensthelferin entlohnt wird. Sie erz\u00e4hlt, dass sie ehrenamtlich vor Ort ist, jedoch eine Aufwandsentsch\u00e4digung von 10\u20ac pro Stunde bekommt, und f\u00fcgt hinzu, dass die 2\u20ac, die bis zum Mindestlohn fehlen w\u00fcrden, f\u00fcr sie durch die Freude an den Tieren wettgemacht werde. Bevor wir das Pferdefutter zur Koppel bringen, f\u00fcttern wir noch die Katze, die auf dem Vereinsgel\u00e4nde wohnt. Wir strecken ihr unsere H\u00e4nde entgegen, aber sie faucht uns an. Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir noch die Futterschale der Katze sp\u00fclen. Daf\u00fcr nutzen wir das Wasser aus einer Regentonne, die \u00fcber die Regenrinnen des Holzhauses gef\u00fcllt wird. Die Katze bekommt Dosenfutter, bestehend aus Magen und Leber. W\u00e4hrend der F\u00fctterung ist die Katze zutraulicher zu uns. Jc. holt zwei Schubkarren, um die Futterbottiche zu den Pferden zu transportieren, da diese zum Tragen zu schwer sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Person von uns muss die Toilette aufsuchen. Daf\u00fcr muss man den Reitplatz und dann eine der Pferdekoppeln \u00fcberqueren. Also: Sich durch den Zaun b\u00fccken und direkt an den Pferden vorbeigehen, die einem neugierig entgegentrotten. Es handelt sich um eine Komposttoilette, ein laminiertes Schild erkl\u00e4rt, wie diese zu benutzen ist. Jc. erkl\u00e4rt sp\u00e4ter, dass der einzige Wasserzugang auf dem Gel\u00e4nde ein Brunnen ist, aus dem elektrisch das Wasser hochgepumpt wird, Anbindung an das Abwassersystem gibt es keine. Das Brunnenwasser sei zwar getestet und unbedenklich, da es aber gelblich gef\u00e4rbt ist, w\u00fcrde es von einigen Aktiven im Verein mit Skepsis behandelt werden. Das Pferdefutter beispielsweise wird stattdessen mit Wasser aus einem gemeinschaftlichen Wasserhahn des Kleingartenvereins angemischt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fragen Jc., wie es heute so l\u00e4uft. Sie antwortet, dass ihr das wechselhafte Wetter Sorge bereitet, da die Pferde nicht lange angebunden im Regen stehen sollen. Auch macht sie sich Gedanken dar\u00fcber, dass die Pferde heute etwas sp\u00e4ter als sonst ihr Futter bekommen und deshalb wohlm\u00f6glich schon sehr hungrig seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir laden die weichen Plastikeimer, die mit Futtergemisch gef\u00fcllt sind, auf Schubkarren. Die Schubkarren schieben wir \u00fcber Wiese und durch Schlamm hin zur Pferdekoppel. Zwischendurch m\u00fcssen Elektroz\u00e4une ge\u00f6ffnet und wieder geschlossen werden. Jc. merkt an, dass sie durchschnittlich bei jedem Stalldienst einen Elektroschock am Zaun bekomme. Sie erz\u00e4hlt auch, dass dies ihr erster Stalldienst seit 2 Wochen sei. In dieser Zeit habe sich einiges auf dem Gel\u00e4nde ver\u00e4ndert. Manche Ger\u00e4te liegen beispielsweise jetzt woanders, als normalerweise, was ihr nicht kommuniziert worden sei. Sie freue sich aber, wieder bei \u201cihren Pferdis\u201d zu sein, und habe den Stalldienst vermisst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es hat fast aufgeh\u00f6rt zu regnen, die Pferde sind nass, aber es geht ihnen gut. Nachdem Jack, Babette und Charly gef\u00fcttert sind, ist die n\u00e4chste Aufgabe das Einsammeln der Pferde\u00e4pfel auf den Koppeln, das sogenannte Ab\u00e4ppeln. Daf\u00fcr nutzen wir eine Art Kehrschaufel sowie eine spezielle Harke. Hier kommt au\u00dferdem wieder die Schubkarre zum Einsatz, mit der die Pferde\u00e4pfel dann zum Misthaufen transportiert werden. Insgesamt f\u00fcllen wir drei Schubkarren mit Pferdemist. Jc. sagt, das Ab\u00e4ppeln sei die einzige Aufgabe, bei der sie z.B. nebenbei Musik oder Podcast h\u00f6ren k\u00f6nne. Alle anderen Stalldienstaufgaben w\u00fcrden viel Konzentration erfordern. W\u00e4hrend wir \u00fcber die Koppeln laufen, bleiben wir h\u00e4ufig im Matsch stecken, unser nicht ideales Schuhwerk und unsere Jacken werden dreckig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Misthaufen liegt im hinteren Teil des Vereinsgel\u00e4ndes in Richtung der Stra\u00dfenbahn. Hier verl\u00e4uft auch die Schotterstra\u00dfe der Baustelle, bei der Baumaterialien und Maschinen stehen. Die Baustelle ist w\u00e4hrend der gesamten Zeit im Hintergrund zu h\u00f6ren. Jc. selbst spricht \u00fcberwiegend negativ von der Baustelle. Im Gegensatz zu den Koppeln, auf denen die Pferde stehen, ist dieser hintere Teil des Gel\u00e4ndes nicht schlammig, sondern mit Gras bewachsen. Wir finden Hasenk\u00f6ttel auf der Wiese. Auf die Frage nach der \u201cWildnis\u201d auf der Horner Spitze, gemeint ist damit der Abschnitt in Richtung Bahndamm, der dicht mit B\u00fcschen und B\u00e4umen \u00fcberwuchert ist, meint Jc., dass sie mit diesem Teil des Gel\u00e4ndes nie etwas zu tun habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir sprechen \u00fcber die Wetterbedingungen des Stalldienstes. Jc. sagt, dass sie bei dieser Arbeit komplett den Elementen ausgesetzt sei. Im Winter ist es kalt, dunkel und wegen der hohen Feuchtigkeit des Bodens oft glatt gefroren, und einmal habe es so stark geregnet, dass nach dem Dienst zwei ihrer Jacken durchn\u00e4sst gewesen seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf dem R\u00fcckweg vom Misthaufen zum Hauptteil des Gel\u00e4ndes f\u00e4llt Jc. auf, dass eines der Shetland-Ponys auf Grund seiner geringen Gr\u00f6\u00dfe nicht gut an sein Heu in der Traufe kommt, und schichtet ihm einen extra gro\u00dfen Haufen auf. Auff\u00e4llig ist, dass Jc. besonders mit den Pferden h\u00e4ufig in einem verniedlichenden Ton \u2013 in \u201cBabysprache\u201d &#8211; spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die n\u00e4chste Aufgabe ist, die Wasserkanister aufzuf\u00fcllen. Wir laden f\u00fcnf Kanister auf unsere Schubkarren und schieben diese \u00fcber die schlammige Baustellen-Schneise durch das Tor und entlang eines Weges durch die Kleingartenanlage, bis zum gemeinschaftlichen Wasserhahn. Auf dem Weg dahin, neben dem Eingangstor zur Horner Spitze, befindet sich eine weitere Mistsammelstelle. Jc. erw\u00e4hnt, dass sie hier auch manchmal die aufgesammelten Pferde\u00e4pfel ablegt. Von hier k\u00f6nnen sich die Kleing\u00e4rtner:innen der angrenzenden Gartenanlage den Kot als D\u00fcnger mitnehmen, gegen eine Spende in einen daneben h\u00e4ngenden Briefkasten. Wir f\u00fcllen alle f\u00fcnf Wasserkanister, wodurch sie nur noch schwer auf die Schubkarren zu heben sind. Jc. erz\u00e4hlt, sie nehme die Wege lieber zweimal, als die Schubkarren zu voll zu laden. Sie wolle sich nicht den K\u00f6rper damit ruinieren, denn \u201cdaf\u00fcr sind 10 Euro [pro Stunde] dann doch nicht genug\u201d. Wir unterhalten uns noch einmal \u00fcber die Bezahlung des Stalldienstes. Dieser gilt nicht als Job, sondern als Ehrenamt mit Aufwandsentsch\u00e4digung. Berechnet werden 10 Euro pro Stunde, bzw. 40 Euro pro Stalldienst, wobei Jc. anmerkt, dass sie meist mehr als die planm\u00e4\u00dfigen 4 Stunden ben\u00f6tigt. Die Arbeit sei jedoch zeitlich etwas flexibel, Jc. m\u00fcsse z.B. nicht absolut p\u00fcnktlich sein. Allerdings sei ein Stalldienst auch tagbestimmend und die k\u00f6rperliche Arbeit so anstrengend, dass Jc. f\u00fcr denselben Tag meist keine weiteren gro\u00dfen Aktivit\u00e4ten einplane.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit dem frischen Wasser mischt Jc. eine neue Portion Futter f\u00fcr die drei \u00e4ltesten Pferde an. Diese bekommen h\u00e4ufiger Futter, da sie Gewicht verloren haben. Mit den Schubkarren bringen wir die Futtereimer auf die Pferdekoppel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der letzte gro\u00dfe Arbeitsschritt ist das Ausmisten der Ziegenst\u00e4lle. Eine Harke, die Jc. daf\u00fcr bisher immer verwendet hat, ist nicht auffindbar, stattdessen eine andere, die laut Jc. jedoch nicht so gut funktioniert. Wir kehren S\u00e4gesp\u00e4ne vermischt mit Ziegenkot und Heu aus dem Bauwagen und dem Holzhaus, in denen die Ziegen leben, und laden das Gemisch wieder in Schubkarren. Im Gegensatz zu den vorherigen Fuhren sind die Schubkarren nun leichter, als wir uns wieder auf den Weg zum Misthaufen begeben. Wir merken dennoch, wie sich von den Schubkarrengriffen Schwielen an unseren H\u00e4nden bilden. Das wechselhafte Wetter ist inzwischen dauerhaft auf Sonnenschein umgeschwenkt und die Temperatur gestiegen, sodass wir unsere Jacken ausgezogen haben. Wir gehen ein letztes Mal auf die Pferdekoppel, um die Futtereimer zu holen. Jc.\u2018s letzte Arbeitsschritte bestehen daraus, die Futtereimer zu s\u00e4ubern und schon neues Futter f\u00fcr den Stalldienst am Nachmittag vorzubereiten. An dieser Stelle verabschieden wir uns.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-596\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028-676x380.jpg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG-20240613-WA0028.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Die Futtereimer. Eigene Aufnahme.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Empirische Vignette 2: Go-Along Interview und Beobachtungsprotokoll der Jugendgruppe<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir sind verabredet, an einem Treffen der Jugendgruppe teilzunehmen. Als wir das Vereinsgel\u00e4nde betreten, begr\u00fc\u00dft uns Jt., welche verschiedene Kinder- und auch die Jugendgruppe leitet. Wir besuchen kurz die Kindergruppe, die vor der Jugendgruppe stattfindet und ebenfalls von Jt. betreut wird. Die Kindergruppe sitzt aufgrund des Regens in einem alten Bauwagen und malt Bilder. An diesem Tag sind drei M\u00e4dchen und ein Junge zwischen 6 und 10 Jahren vor Ort. Jt. erkl\u00e4rt uns, dass die Kinder in der Kindergruppe regelm\u00e4\u00dfig reiten w\u00fcrden, aber auch andere Dinge unternehmen, wie zum Beispiel Pferde-Putzwettbewerbe oder das Bemalen von Beschilderungen auf dem Gel\u00e4nde. Die Eltern der Kinder w\u00fcrden einen Beitrag f\u00fcr die Kindergruppe zahlen, da der Schwerpunkt hier auf dem Umgang mit den Pferden liege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jt. sagt, dass aufgrund des starken Regens noch nicht klar sei, was die Jugendgruppe heute \u00fcberhaupt machen wird. Prinzipiell finden alle Treffen aber unabh\u00e4ngig vom Wetter statt, das sei auch Teil des naturnahen Ansatzes des Vereins. Bevor wir uns aber der Jugendgruppe anschlie\u00dfen, kommt B. auf dem Gel\u00e4nde an. Er war unsere Kontaktperson aus dem Vereinsvorstand und bietet an, uns eine F\u00fchrung \u00fcber das Gel\u00e4nde zu geben und unsere Fragen zu beantworten. Spontan entscheiden wir uns, dies als Go-Along-Interview aufzufassen, wobei wir wegen des Wetters auf eine Audioaufnahme verzichten, sondern die Begehung mit Fotos und Notizen dokumentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir starten in der N\u00e4he des Eingangs zum Grundst\u00fcck. Im Gegensatz zu unserer Teilnahme am Stalldienst knapp eine Woche zuvor ist diese Stelle nun in einem sehr anderen Zustand. War hier vorher eine schlammige Schneise, an der noch letzte Schritte der Fernw\u00e4rmebauarbeiten stattfanden, so ist diese jetzt mit Kies ausgestreut und somit halbwegs befestigt. Auf der Fl\u00e4che daneben, wo ebenfalls Bauarbeiten stattfanden, w\u00e4chst zwar noch kein Gras, daf\u00fcr stehen dort leere Hochbeete. Diese sind unter anderem ein Projekt der Jugendgruppen, aber B. m\u00f6chte sie auch f\u00fcr andere Gruppen, auch au\u00dferhalb des Vereins, zug\u00e4nglich machen. Daf\u00fcr nennt er zwei Gr\u00fcnde: Erstens sei das Gel\u00e4nde der Horner Spitze zu gro\u00df f\u00fcr den Verein allein, sehr viel Platz bleibe ungenutzt. Zweitens habe er die Hoffnung, dass durch zus\u00e4tzliche Akteur:innen auf dem Gel\u00e4nde die H\u00fcrde f\u00fcr eine Bebauung gr\u00f6\u00dfer wird. Die Pr\u00fcfung der Horner Spitze als Gewerbefl\u00e4che ist ein wiederkehrendes Thema w\u00e4hrend unseres Besuchs, die dadurch entstehende Ungewissheit im Verein f\u00fcr uns deutlich wahrnehmbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir gehen am Ziegengehege vorbei. Fr\u00fcher hat der Verein Ziegen gehalten, die als eine Art Leihgabe aus dem B\u00fcrgerpark abgegeben wurden. Die Person, die im B\u00fcrgerpark f\u00fcr Spezialpflege und Gesundheit der Tiere verantwortlich ist (z.B. f\u00fcr die Pflege der Klauen), habe sich auch um diese Ziegen gek\u00fcmmert. B. erz\u00e4hlt, dass die Ziegen im Verein ca. 20 Jahre alt geworden seien, was viel \u00e4lter w\u00e4re als Ziegen \u201ein Gefangenschaft\u201c normalerweise werden. Nach dem Tod dieser Ziegen kaufte der Verein zwei neue Ziegen auf Kleinanzeigen von einer Familie ab, welche sich nicht ad\u00e4quat um sie k\u00fcmmern konnte. Eine dritte Ziege kam wieder aus dem B\u00fcrgerpark dazu, da diese sich dort nicht mit den anderen Ziegen verstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend wir weiter \u00fcber das Gel\u00e4nde laufen, fragen wir B. nach seiner Rolle und seinen Aufgaben im Verein. B. stellt klar, dass jegliches Engagement im Verein auf Ehrenamt basiert, auch seine Arbeit. Seiner Lohnarbeit geht B. zweiw\u00f6chentlich in einer anderen Stadt nach, somit ist er jede zweite Woche haupts\u00e4chlich mit der Vereinsarbeit besch\u00e4ftigt. B. nimmt die Arbeit, die im Verein anf\u00e4llt, als anstrengender und chaotischer als seine Lohnarbeit wahr und sieht die Lohnarbeit deshalb sogar als eine Art Entspannung an. Auf die Frage, was genau seine Aufgaben im Verein sind, antwortet er: \u201eEigentlich mache ich alles\u201c. Als Vorstand k\u00fcmmere er sich um Verwaltungs- und Koordinationsaufgaben, Finanzen und die Betreuung der Mitglieder. Er habe au\u00dferdem die Digitalisierung der Abl\u00e4ufe und der B\u00fcrokratie des Vereins angesto\u00dfen und f\u00fchrt die Kommunikation mit der Baustelle. Zus\u00e4tzlich sei er viel auf dem Gel\u00e4nde unterwegs, \u00fcbernimmt viele Arbeiten und Reparaturen. Er sei auch f\u00fcr den Social Media Auftritt des Vereins verantwortlich, ein Gebiet, zu dem er vorher keine Verbindung gehabt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">B. erz\u00e4hlt, dass er durch seine Tochter zum Verein gekommen sei. Diese habe eine Reitm\u00f6glichkeit gesucht, aber der Umgang mit den Pferden in einer klassischen Reitschule, die sie zun\u00e4chst besuchte, schreckte sie ab. Daraufhin wurden sie auf den Verein \u201eKinder, Wald und Wiese\u201c aufmerksam. B. habe vorher keinen wirklichen Kontakt zu Pferden gehabt, er sei eigentlich kein \u201ePferdemensch\u201c. Doch er begann, sich im Vorstand des Vereins zu engagieren, seit nunmehr f\u00fcnf Jahren. B. erz\u00e4hlt, dass der Verein seit der Corona-Pandemie viele Aktive verloren habe, auch im Vorstand. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach den Vereinsangeboten gestiegen, da die Angebote haupts\u00e4chlich im Freien und somit weniger eingeschr\u00e4nkt stattfinden konnten. Auch kooperiere der Verein viel mit Bildungseinrichtungen, z.B. mit einer, inzwischen allerdings geschlossenen, Schule f\u00fcr Sonderp\u00e4dagogik. Wir fragen, wie der Verein sich finanziert. B. antwortet, dass der Verein durch die Stadt Bremen gef\u00f6rdert wird, au\u00dferdem durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden. F\u00fcr Personen, die die Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Reitstunden finanziell nicht aufbringen k\u00f6nnen, g\u00e4be es Subventionierungen und au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, stattdessen mehr auf dem Gel\u00e4nde mitzuhelfen. Sowieso werde erwartet, dass die Eltern der teilnehmenden Kinder auf dem Gel\u00e4nde mithelfen. Derzeit g\u00e4be es jedoch weniger Personen, die Interesse h\u00e4tten, sich viel zu engagieren. Das l\u00e4ge aber auch daran, dass viele der neuen Mitglieder sich noch nicht so gut auskennen w\u00fcrden. Insgesamt w\u00e4ren jedoch vor allem an Wochenenden bis zu zehn Personen aktiv. Diese w\u00fcrden vor allem daran arbeiten, das Gel\u00e4nde aufzuwerten, Dinge zu bauen und Reparaturen durchzuf\u00fchren. Dabei sei keine Perfektion gefordert, es werde viel improvisiert und ausprobiert, das Prinzip sei \u201etrial and error\u201c. Dass auch mal etwas kaputt gehe, sei normal. B. berichtet, dass er f\u00fcr viele Arbeiten auf dem Gel\u00e4nde einen Trecker nutzen m\u00fcsse, wie zum Beispiel beim Pfl\u00fcgen oder zum Transport von Futter und Mist. Dabei sei er aktuell der Einzige, der diesen fahren k\u00f6nne, weswegen er zurzeit Jt. das Treckerfahren beibringe. Wenn sie einen Teil der Treckerarbeiten \u00fcbernehmen k\u00f6nne, w\u00e4re das f\u00fcr ihn eine gro\u00dfe Entlastung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend wir sprechen, laufen wir \u00fcber die Pferdekoppeln und die Weide auf dem hinteren Teil des Gel\u00e4ndes. Dahinter liegt der wild bewachsene Teil des Gel\u00e4ndes, der uns schon bei unserem letzten Besuch aufgefallen ist. Wir sprechen B. darauf an. Er erkl\u00e4rt, dass bei den Wiederaufbauten der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg der Bauschutt der zerst\u00f6rten H\u00e4user auf der Horner Spitze abgeladen worden sei. \u201cSichere\u201d Bestandteile aus Stein, Glas oder Metall wurden auf dem Teil des Gel\u00e4ndes abgeladen, auf dem heute der Verein agiert. Ab und zu w\u00fcrden sie bei Arbeiten auf dem Gel\u00e4nde auf Bauschutt sto\u00dfen. Auf dem verwilderten Teil des Gel\u00e4ndes hingegen wurden \u201cunsichere\u201d Materialien abgelagert. B. f\u00fchrt nicht weiter aus, was diese konkret beinhalten. Der Zustand des Bodens f\u00fchre jedoch dazu, dass eine, beispielsweise bauliche, Nutzung dieses Abschnittes mit erheblichen Kosten zur Beseitigung eventueller toxischer Stoffe verbunden sein w\u00fcrde. Daher k\u00f6nnten Pflanzen hier unber\u00fchrt und uneingeschr\u00e4nkt wachsen. Laut B. w\u00fcrden auch Tiere dort leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir befinden uns auf dem Teil des Gel\u00e4ndes in Richtung der Stra\u00dfenbahnschienen der Linie 6. Hier steht das Gras sehr hoch, dazwischen versteckt liegt ein kleiner Teich. Der Teich ist eine Ausgleichsma\u00dfnahme der Bauarbeiten, erz\u00e4hlt B., da durch diese ein T\u00fcmpel am Eingang des Gel\u00e4ndes entfernt werden musste. Der Ausgleichs-Teich habe fast 2 Jahre lang keine Tiere angezogen, doch jetzt, kurz vor Ende der Bauarbeiten, sei Leben eingekehrt. Es f\u00e4nden sich dort u.a. Fr\u00f6sche und Lurche. Nach dem Baustellenplan ist die alte Wasserstelle wiederhergestellt worden und der Ausgleichs-Teich soll eigentlich wieder entfernt werden. B. \u00e4u\u00dfert sein Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber: Es habe so lange gedauert, bis der neue Teich belebt wurde, und er sch\u00e4tzt, dass es \u00e4hnlich lange dauern wird, bis dies auch f\u00fcr den wiederhergestellten Teich der Fall sein wird. B. bezweifele, dass die Tiere aus dem neuen Teich dessen Entfernung \u00fcberleben w\u00fcrden. Au\u00dferdem st\u00f6re der neue Teich an der jetzigen Stelle nicht. B. hoffe jedoch, dass die Entfernung des neuen Teichs von der zust\u00e4ndigen Stelle vergessen wird. Der Teich ist aufgrund des hohen Grases kaum zu sehen. F\u00fcr den \u201eTag der offenen Wiese\u201c, einem Familienfest auf der Horner Spitze, habe daher die Gefahr bestanden, dass Kinder versehentlich in den Teich fallen k\u00f6nnten. Doch da gerade Vogelbrutzeit ist, d\u00fcrfe B. eigentlich das Gras nicht m\u00e4hen. Er h\u00e4tte sich mit diesen Bedenken an die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde gewendet, welche ihm die Erlaubnis erteilten, im Bereich vor dem Teich etwas zu m\u00e4hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fragen B. nach der Baustelle allgemein. Die Baustelle sei fast fertig, jedoch verz\u00f6gere sich der endg\u00fcltige Abschluss immer weiter nach hinten und B. wisse nie genau, wie der aktuelle Stand ist. Insgesamt dauerten die Bauarbeiten schon zwei Jahre, mit f\u00fcnf Jahren Vorlaufzeit. Die lange Bauzeit und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie beispielsweise die Einschr\u00e4nkungen auf dem Gel\u00e4nde oder der L\u00e4rm seien nat\u00fcrlich st\u00f6rend. Allerdings betont B., dass die Baustelle auch positive Effekte f\u00fcr den Verein habe. So sei auch schon in fr\u00fchen Morgenstunden fast immer jemand vor Ort und die Bauarbeitenden w\u00fcrden auch aufmerksam das Gel\u00e4nde beobachten. Das helfe z.B. gegen Einbruch und Vandalismus, womit der Verein in der Vergangenheit Probleme gehabt habe. B. berichtet, den Bauarbeitenden sei einmal fr\u00fch morgens aufgefallen, dass es einem Pferd nicht gut gehen w\u00fcrde. Sie kontaktierten den Verein, der so viel fr\u00fcher handeln und dem Pferd helfen konnte. Ein weiterer positiver Effekt sei die Schotterstra\u00dfe, die f\u00fcr die Baustellenfahrzeuge \u00fcber das Gel\u00e4nde angelegt wurde. Davor habe es keine befestigte Zufahrt zum Gel\u00e4nde gegeben. Das war ein Problem f\u00fcr den Brandschutz, und als es tats\u00e4chlich einmal einen Brand auf dem Gel\u00e4nde gab, konnte die Feuerwehr nicht vorr\u00fccken, da der L\u00f6schwagen den feuchten Boden nicht \u00fcberwinden konnte. Doch selbst h\u00e4tte der Verein f\u00fcr eine solche Stra\u00dfe nicht finanziell aufkommen k\u00f6nnen. Nun aber g\u00e4be es die Abmachung, dass die Stra\u00dfe nach Ende der Baustelle nicht zur\u00fcckgebaut wird und so dem Verein erhalten bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als wir wieder an den Pferdekoppeln vorbeikommen, sprechen wir mit B. \u00fcber den aktuellen Bestand der Pferde. B. erkl\u00e4rt uns, was uns schon beim Begleiten des Stalldienstes klar wurde: Viele der Pferde des Vereins seien sehr alt und k\u00f6nnen nicht mehr geritten werden, wie auch Charly, Barbette und Jack. Andere Pferde seien zu klein f\u00fcr jugendliche Reiter:innen und werden nur von j\u00fcngeren Kindern geritten. B. erz\u00e4hlt, dass sie vor kurzem zwei neue Pferde, Wusa und Estera, gekauft h\u00e4tten. Beide k\u00e4men von einem kleinen Bauernhof eines ihm bekannten Bauern, sind keine Tiere aus dem Reitschulbetrieb. Estera ist ein junges Pferd, welches auch von Jugendlichen geritten werden kann. B. begr\u00fcndet den Zukauf damit, dass der Besitz von reitbaren Pferden immer ein Magnet f\u00fcr neue Vereinsmitglieder sei. Um die Pferde k\u00fcmmerten sich vor allem Reit- bzw. Pflegebeteiligungen, wobei die Bed\u00fcrfnisse der Tiere an erster Stelle st\u00fcnden, so B.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir gehen zum n\u00f6rdlichen Teil des Gel\u00e4ndes, wo die Baustelle bereits zum Gro\u00dfteil r\u00fcckgebaut wurde. Hier wurde der fr\u00fchere T\u00fcmpel wiederhergestellt und ist nun sogar gr\u00f6\u00dfer als zuvor. Ein Teil der Fl\u00e4che um den Teich wurde wieder mit Mutterboden zugesch\u00fcttet, ein anderer Teil jedoch mit einem Gemisch aus Erde und Schutt. B. zeigt sich dar\u00fcber unzufrieden und betont, dass durch die Bauarbeitenden auf der gesamten Fl\u00e4che wieder Mutterboden gelegt werden m\u00fcsse. Er erz\u00e4hlt, dass an der Stelle fr\u00fcher eine wild bewachsene Wiese mit einem Fu\u00dfballplatz und einem Labyrinth gewesen sei. Die Fl\u00e4che soll zuk\u00fcnftig wieder bepflanzt werden. Dies h\u00e4tte urspr\u00fcnglich bereits Anfang des Jahres durch die Verantwortlichen der Baustelle geschehen m\u00fcssen, doch durch die Verz\u00f6gerungen sei die Saatzeit bereits verstrichen und die Aufgabe der Bepflanzung w\u00fcrde zuk\u00fcnftig beim Verein liegen. Au\u00dferdem soll der Ort als Standort f\u00fcr die Hochbeete dienen. B. wirbt daf\u00fcr, dass auch wir und andere Studierende ein Hochbeet bewirtschaften k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Zeit, in der wir das Go-Along-Interview f\u00fchren, hat die Jugendgruppe bereits angefangen. B. verabschiedet sich von uns, er h\u00e4tte noch viel zu tun auf dem Gel\u00e4nde am Abend. Wir gehen zu dem alten Bauwagen, in dem Jt. auch mit ihrer Jugendgruppe aufgrund des starken Regens Unterschlupf gesucht hat. Der Bauwagen ist mit einem Tisch mit Bank und St\u00fchlen, einer kleinen K\u00fcchenzeile und mehreren Regalen ausgestattet. Beim Betreten begr\u00fc\u00dft uns Jt.\u2018s Hund, den sie mitgebracht hat.\u00a0An dem Abend nehmen vier M\u00e4dchen an der Jugendgruppe teil, wobei zwei Jugendliche 12 Jahre alt sind, die \u00e4lteste schon 17. Sie erz\u00e4hlen, dass sie meist zu acht oder neunt sind, und bisher nur M\u00e4dchen an der Jugendgruppe teilgenommen haben \u2013 anders als in der Kindergruppe. Jt. erkl\u00e4rt uns zu Beginn, dass die Jugendgruppe ein kostenloses Angebot f\u00fcr alle Personen zwischen 12 und 17 Jahre sei, da sie einen Status eines offenen Jugendtreffs haben soll. Sie selbst leite Gruppe bereits seit vielen Jahren. Im Gegensatz zu den Reit- und Kindergruppen stehe das Reiten auf den Pferden des Vereins eher im Hintergrund. Grund daf\u00fcr sei auch das h\u00f6here Alter der Pferde, wie auch B. schon zuvor erz\u00e4hlte. Die Jugendlichen sollen frei entscheiden k\u00f6nnen, wie sie ihre Treffen gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An diesem Dienstag basteln die Jugendlichen Armb\u00e4nder und Ringe aus Perlen, unter der Anleitung von Jt. Dazu h\u00f6ren sie Taylor Swift Songs, singen mit und unterhalten sich freudig. Das Gespr\u00e4chsthema: die Pferde des Vereins. Die M\u00e4dchen sind uns gegen\u00fcber sehr offen und beantworten unsere Fragen gerne. Auch das Verh\u00e4ltnis zur Leiterin Jt. scheint sehr vertraut und harmonisch. Eines der M\u00e4dchen kommt seit zwei Jahren regelm\u00e4\u00dfig zur Wiese, die anderen schon deutlich l\u00e4nger. Sie reden \u00fcber die Pferde, als w\u00fcrden sie von jedem einzelnen die Pers\u00f6nlichkeit kennen. Dabei erz\u00e4hlen sie auch von alten Pferden, die bereits verstorben sind. Sie erinnern sich mit Freude zur\u00fcck. Wir fragen, ob sie auch selbst im Verein auf der Wiese reiten. Die M\u00e4dchen bringen unterschiedliche Pferdeerfahrungen mit: Sie nehmen an den Reitergruppen teil oder haben dies in der Vergangenheit getan, eine von ihnen hat auch eine Pflegebeteiligung f\u00fcr eines der Pferde auf der Wiese. Die Reitgruppen h\u00e4tten immer eine lange Warteliste, weswegen sie die Jugendgruppe als Ausgleich nutzen w\u00fcrden. Zwei der M\u00e4dchen reiten noch in einem anderen Reitstall. Eine begr\u00fcndet das damit, dass sie noch \u201erichtig reiten lernen\u201c m\u00f6chte \u2013 womit sie vermutlich leistungsorientierten Reitunterricht meint. Wir fragen die Jugendlichen, ob sie Unterschiede zwischen den anderen Reitst\u00e4llen und dem Verein \u201eKinder, Wald und Wiese e.V.\u201c wahrnehmen, worauf sie uns direkt entgegnen, dass sie finden, dass es die Tiere auf der Wiese besser h\u00e4tten, und dass sie den Umgang mit den Tieren im Verein sehr sch\u00e4tzen. Wir bemerken im Gespr\u00e4ch, dass die Bindung zu den Pferden auf der Wiese sehr gro\u00df ist. In unserem Gespr\u00e4ch f\u00e4llt die Aussage eines M\u00e4dchens, dass die Wiese ihr \u201ezweites Zuhause\u201c sei. Eine andere sagt: \u201eWenn ich nicht zur Wiese komme, bin ich auf Entzug\u201c. Dass der Verein und die Aktivit\u00e4ten vor Ort den Jugendlichen viel bedeutet, merken wir auch daran, dass sie das Thema rund um die m\u00f6gliche Bebauung der Fl\u00e4che sehr bewegt. Als wir sie fragen, ob sie \u00fcber den politischen Konflikt der Horner Spitze Bescheid wissen, entgegnet eines der M\u00e4dchen: \u201edas versuche ich zu verdr\u00e4ngen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jt. erz\u00e4hlt uns, dass die Jugendlichen in der Vergangenheit Paletten-Sofas gebaut h\u00e4tten und bei der Vorbereitung des \u201eTag der offenen Wiese\u201c mithalfen. Vor kurzem h\u00e4tten sie die gro\u00dfen und kleinen Hochbeete gebaut und teils bepflanzt, die B. uns bei unserem Rundgang schon gezeigt hat. Die Jugendlichen erz\u00e4hlen, dass sie bei schlechtem Wetter auch schon zusammen Filme geschaut h\u00e4tten oder mit dem angepflanzten Gem\u00fcse kochten. Freudig diskutieren sie, was sie nach den Hochbeeten als n\u00e4chstes machen wollen und haben viele Ideen: sie wollen zum Beispiel die Bauwagen anmalen und bitten Jt., bald gemeinsam auf der Wiese zu zelten. Die Zeit vergeht wie im Flug und die M\u00e4dchen wirken traurig, dass die Gruppenzeit schon wieder vorbei ist. Wir bedanken uns und haben vor allem eine Aussage im Kopf behalten: F\u00fcr die Jugendlichen ist der Verein \u201eKinder, Wald und Wiese e.V.\u201c ihr \u201eSafe Space\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_595\" style=\"width: 469px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-595\" class=\"wp-image-595\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"459\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122-676x507.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_0122.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><p id=\"caption-attachment-595\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt\">Der wiederhergestellte &#8222;alte&#8220; T\u00fcmpel. Eigene Aufnahme.<\/span><\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese empirischen Vignetten geh\u00f6ren zum Beitrag \u00fcber die Horner Spitze. Empirische Vignette 1: Beobachtungsprotokoll des Stalldienstes Wir treffen uns am Mittwoch, den 12. Juni, um 8:40 Uhr mit Jc. an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle Riensberg und laufen durch die Kleingartenanlage zum Gel\u00e4nde des Vereins \u201eKinder, Wald und Wiese e.V.\u201c. Jc. ist Stalldiensthelferin im Verein und \u00fcbernimmt einmal [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15877,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-594","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-empirische-vignetten","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15877"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=594"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/594\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":598,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/594\/revisions\/598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}