{"id":575,"date":"2024-10-09T15:28:08","date_gmt":"2024-10-09T13:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=575"},"modified":"2024-11-07T13:06:47","modified_gmt":"2024-11-07T12:06:47","slug":"stadt-imkerei-empirische-vignetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/09\/stadt-imkerei-empirische-vignetten\/","title":{"rendered":"Stadt-Imkerei &#8211; Empirische Vignetten"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Das Interview mit dem Imker<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>von Lena-Marie Schm\u00f6lz und Fenja van der Veen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Folgenden ist ein Ausschnitt aus dem Transkript des Interviews, das wir mit dem Stadtimker gef\u00fchrt haben, abgebildet. Das Interview dauerte insgesamt etwa 45 Minuten und fand im Garten des Imkers statt. Hinter uns standen die Bienenv\u00f6lker und uns gegen\u00fcber sa\u00dfen der Imker und seine Frau, die Kaffee auf dem Tisch bereitgestellt haben. Die Atmosph\u00e4re war sehr entspannt und das Gespr\u00e4ch angeregt und beidseitig interessiert. \u201eI\u201c steht im Folgenden f\u00fcr die Interviewerin und \u201eA\u201c f\u00fcr den Imker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">I: Wann und warum haben Sie mit dem Imkern angefangen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">A: Mein Schwiegervater hatte Bienen und ich war v\u00f6llig fasziniert. Wenn wir da waren, habe ich nur noch vor den Bienen gesessen und weil es einfach entspannt. Also ich habe auch nen etwas stressigen Job und da konnte ich dann immer total abschalten. So und dann hab\u2018 ich gesagt so und irgendwann will ich das vielleicht ja mal machen. Und dann ist meine Frau anbei gegangen und hat mich mit einem Imkerkurs \u00fcberrascht ja und dann hab\u2018 ich da angefangen. [\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">I: Was ist das Besondere am st\u00e4dtischen Imkern im Vergleich zum Imkern auf dem Land?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">A: Man kann ja Bienen irgendwo hinstellen an Raps Feld an ne Obstplantage aufm Land oder sonst wo hin. Und was hab\u2018 ich n\u00e4mlich dann mit drinne? Pestizide, die der Bauer verspritzt hat [\u2026]. Und die Bienen tragen das mit ein. Also tragen die das mit in den Honig und zum anderen ist das so, dass das Bieneninstitut in Celle Untersuchungen gemacht hat, was passiert eigentlich mit den Bienen, die so Glyphosat ausgesetzt sind? Und die haben gemerkt, die sterben nicht sofort da dran, sondern die verlieren die Orientierung [\u2026]. Die finden nicht wieder zur\u00fcck. Und wenn so n Volk, wenn die Arbeiterinnen nicht mehr zur\u00fcckfinden, dann kann\u2019s im schlimmsten Fall auch nichts mehr eintragen und dann geht das Volk ein [\u2026]. Es gibt immer mehr Berichte, dass Stadthonig mittlerweile ges\u00fcnder ist als Landhonig. [\u2026] Es gibt noch nen Aspekt, und zwar wenn man die Bienen aufs Land bringt und an unterschiedliche Stellen stellt dann hat man viel Fahrerei. Man muss regelm\u00e4\u00dfig zum Pflegen der Bienen hin, man muss \u00e4h \u00fcberpr\u00fcfen, ob alles in Ordnung ist, das ist ja auch nicht nachhaltig, wenn man \u00e4h f\u00fcr den Honig dann noch viel f\u00e4hrt. [\u2026]<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">I: Sehen Sie das Imkern als Pflicht oder als Mittel zur Entspannung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">A: Abschalten vom Alltag auf alle F\u00e4lle. Oder sonst freu ich mich im Urlaub, wenn wir uns auch mal das gr\u00f6\u00dfere Eis kaufen k\u00f6nnen. Diese Pergola hier haben zum Beispiel die Bienen gezahlt. [\u2026] Aber es ist auch viel Arbeit also, wenn ich das aufrechne, dann w\u00e4re ich pleite, wenn ich das auf Arbeitszeit aufrechne. Das muss man auch sehen. [\u2026] Es bleibt auch bisschen was \u00fcber, aber das kann man auch verwenden. Es gibt auch wieder Ausgaben also das Futter das sind auch wieder 150 Euro, die da drauf gehen, dann muss mal neue Waben gekauft werden \u2026 ja. Die Ameisens\u00e4ure ist nicht umsonst. [\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">I: Was sehen Sie f\u00fcr Probleme in Bezug auf die st\u00e4dtische Imkerei momentan und was macht Ihnen Sorgen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">A: Ich sehe momentan ein gro\u00dfes Problem im dem Hype, der grade ist. Weil alle oder ganz viele sagen \u201eJoa den Bienen den geht\u2019s ja schlecht und ich will jetzt imkern\u201c und dann gibt\u2019s noch Fernsehberichte, die sagen \u201eJa der imkert hier in der Stadt und hin und her\u201c und \u00e4hm \u2026 das wird zu viel. Also nicht, dass die Tracht wegbleibt, aber es gibt hier Imker, die schon lange imkern und die \u2026 also die, die das nicht nach drei Jahren wieder aufgeben \u2026 und wir m\u00fcssen unseren Honig auch verkaufen. So und dann kommt der \u00d6ko Mensch, der sagt \u201eja ich muss Bienen \u2026 und dann sagt er ja hier Honig drei Euro\u201c und das schadet uns einfach. Weil dann k\u00f6nnen wir n\u00e4mlich bald gleich einpacken. Weil dann hab\u2018 ich \u00e4h \u2026 also dann setz ich Geld dazu und \u00e4h das machen zwar manche, die elektrische Eisenbahnen haben, aber das mach ich nicht. [\u2026] Und ich glaub ein gro\u00dfes Problem ist auch, dass nicht alle Imker organisiert sind. Ah, und nicht alle gut ausgebildet sind und dann Leute \u00e4h sagen wo krieg ich billig noch Bienen her und dar\u00fcber ist hier in Bremen auch schon mal ein Virus eingeschleppt worden. Das ist so. [\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">I: Gibt es auch negative Folgen vom st\u00e4dtischen Imkern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">A: Ja, die gibt es. [\u2026] Also ich war im Krankenhaus [\u2026] und da war das so [\u2026] meine Frau hat drau\u00dfen W\u00e4sche aufgeh\u00e4ngt und da ist sie bei gestochen worden in den Kopf. Und das hat n Schock ausgel\u00f6st. Und das sind nat\u00fcrlich auch ganz klar Nachteile, dass Bienen auch stechen k\u00f6nnen, so das darf man nicht vergessen. Und eben auch Nachteile, was Sie eben gesagt haben, schon Zeit, kann nicht in Urlaub fahren oder brauch ne Vertretung aber es hat \u00e4h \u2026 ja Nachteil auch manchmal hat man keine Lust und muss trotzdem. Kann auch passieren, auch wenn\u2018s Hobby ist. [\u2026]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Teilnehmende Beobachtung des Imkerns<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>von Lena-Marie Schm\u00f6lz und Fenja van der Veen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Interview meinte der Hobbyimker, er m\u00fcsse sich nun um seine Bienen k\u00fcmmern. Er habe zwei Imkerkleidungen, daher k\u00f6nne eine von uns mitmachen. Ich zog die Schutzkleidung \u00fcber und verschloss den Rei\u00dfverschluss am Hals. Der Imker holte einen sogenannten Smoker und z\u00fcndete das Holz an. Er erkl\u00e4rte, wof\u00fcr er diesen braucht, wie hier bereits bei den Werkzeugen unter Smoker beschrieben. Der Imker nahm den Deckel der ersten Beute, den Kisten, in denen die Rahmen mit den Bienenwaben liegen, ab und blies mit dem Smoker etwas Rauch auf die Bienen. Dann nahm er den ersten Rahmen heraus und sah ihn sich sorgf\u00e4ltig an. Die Bienen hatten das gesamte Wachsblatt, das in dem Rahmen h\u00e4ngt, um den Bienen Arbeit zu ersparen, mit frischen Waben \u00fcbers\u00e4ht. Sie waren alle noch leer aber seien nun bereit, um Honig in ihnen zu lagern, erkl\u00e4rte der Imker. Dann kontrollierte er nach und nach jeden Rahmen, elf Rahmen pro Beute, drei Beuten pro Volk, drei V\u00f6lker insgesamt. Er kontrolliert beispielsweise, ob das Volk schw\u00e4rmt, also zu viele Bienen in einem Volk leben und sie eine neue K\u00f6nigin bilden, um mit ihr das Volk zu \u00fcbernehmen, erkl\u00e4rte der Imker, w\u00e4hrend er Rauch in die n\u00e4chste Beute blies. Es dauerte etwa 15 Minuten, bis wir ein Volk fertig \u00fcberpr\u00fcft hatten. In diesem Volk hat alles gepasst, die Bienen haben flei\u00dfig Honig in die Waben eingewachst und die K\u00f6nigin viele Eier gelegt, die in unterschiedlichen Stadien in den Waben zu sehen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem der erste Schwarm kontrolliert wurde, war ich an der Reihe. Ich hatte gro\u00dfen Respekt vor den Bienen, dem st\u00e4ndigen Summen und der Masse an Bienen. Zum Schutz vor Stichen rieb ich meine H\u00e4nde mit Essig ein, damit der Geruch der Pheromone durch einen ersten Stich \u00fcberdeckt werden und keine weiteren Bienen angelockt werden. Der Imker erz\u00e4hlte, dass er selber nur sehr selten gestochen wird. Er wurde nur ein einziges Mal viel gestochen, da war er in Eile und ohne Schutzkleidung an die Beuten herangegangen, um sie zu kontrollieren. Mit der Schutzkleidung an, besonders mit dem Gesichtsschutz f\u00fchlte ich mich deutlich sicherer als vorher in der N\u00e4he der Bienen. Ich achtete immer noch stark auf Bienen in meiner N\u00e4he, aber die Angst hielt sich in Grenzen. Nachdem der Imker die Beute ge\u00f6ffnet hat, benutzte er den Smoker. Er kontrollierte Rahmen f\u00fcr Rahmen und zeigte mir alle Besonderheiten, etwa verschiedene Larvenstadien und die verschiedenen Stadien der Honigeinlagerung. Er gab mir sogar einen der Rahmen in die Hand, damit ich f\u00fchlen konnte, wie schwer die werden k\u00f6nnen. Bis zu 2 Kilo Honig k\u00f6nnen pro Rahmen eingelagert werden. An einzelnen Rahmen waren an den unteren R\u00e4ndern besondere Waben gebaut worden, die deutlich gr\u00f6\u00dfer sind als die normalen. In diesen Waben werden die Eier f\u00fcr neue K\u00f6niginnen gelegt. Es waren jedoch noch keine bef\u00fcllten Waben und er entfernte die angelegten Waben mit einem Spachtel. Nach dem er jeden einzelnen Rahmen kontrolliert hatte, setzte er Kasten f\u00fcr Kasten wieder aufeinander. Damit er dabei keine Bienen zerdr\u00fcckt, bespr\u00fchte er die R\u00e4nder mit Wasser, da die Bienen \u201cnicht gerne nasse F\u00fc\u00dfe bekommen\u201d. Es war beeindruckend, wie ruhig die Bienen bei all diesen Prozeduren geblieben sind, auch wenn St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ihr Bau auseinandergenommen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interview mit dem Imker von Lena-Marie Schm\u00f6lz und Fenja van der Veen Im Folgenden ist ein Ausschnitt aus dem Transkript des Interviews, das wir mit dem Stadtimker gef\u00fchrt haben, abgebildet. Das Interview dauerte insgesamt etwa 45 Minuten und fand im Garten des Imkers statt. 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