{"id":566,"date":"2024-10-09T15:08:54","date_gmt":"2024-10-09T13:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=566"},"modified":"2024-10-09T15:31:44","modified_gmt":"2024-10-09T13:31:44","slug":"stadt-imkerei-blogbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/09\/stadt-imkerei-blogbeitrag\/","title":{"rendered":"Stadt-Imkerei &#8211; Blogbeitrag"},"content":{"rendered":"<h2><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Die Stadtimkerei<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\"><em>von Lena-Marie Schm\u00f6lz und Fenja van der Veen<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Beim Erforschen der Stadt wird am h\u00e4ufigsten die Sichtweise der Menschen eingenommen. Auch beim Fokus auf Natur in der Stadt wird sie h\u00e4ufig durch eine menschliche Brille betrachtet. Hierbei k\u00f6nnen sich folgende Fragen gestellt werden: Wie kann man durch Stadtgr\u00fcn und -wasser die Stadt abk\u00fchlen (f\u00fcr die Einwohnenden)? Wie kann Stadtgr\u00fcn zu einer Verringerung der Feinstaubbelastung beitragen? Oder auch wie geht man am besten mit den Stadttauben um, sodass sie nicht so viel Dreck machen? Diese Perspektive, das Menschen die einzigen Lebewesen sind, die z\u00e4hlen (Steele et al. 2019: 413), zu verlassen ist das Ziel der More-than-human-Cities-Debatte. Innerhalb des Diskurses wird der Fokus auf die Agency, also die Handlungsm\u00e4chtigkeit, von nicht-menschlichen Akteuren gelegt, wie etwa Pflanzen, Tiere oder Technologien und auf die Begegnungen der menschlichen und nicht-menschlichen Akteure (Steele 2019: 413). Ein Weg zu einer More-than-human-City ist das Aufbauen von empathischen und \u201dcare-full\u201d (Steele 2019: 411) Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschlichen. Durch die Sorge um das gegenseitige Wohlbefinden, werden die Beziehungen verbessert. Wie Puig de la Bellacasa schrieb: \u201dCare is a human trouble, but this does not make of care a human-only matter\u201d (Puig de la Bellacasa 2017: 2).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Im Rahmen des Seminars Stadt-Naturen wollen wir uns eine konkrete Sorge-Praktik in der Stadt ansehen, bei der Sorgearbeit von einem menschlichen Akteur f\u00fcr einen nicht-menschlichen Akteur erfolgt. Da uns beiden beim Thema Stadt Naturen zun\u00e4chst das Beispiel der Bienen in den Sinn kam, haben wir ein wenig recherchiert und den Bremer Imkertag gefunden, der nur ein paar Wochen sp\u00e4ter stattfinden sollte. Daher ist die Sorge-Praktik, die in dem folgenden Beitrag n\u00e4her erl\u00e4utert werden soll, ist die des Stadtimkerns.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Das Stadtimkern ist seit etwa 2007 immer beliebter geworden (Lorenz, Stark 2015: 116). So gab es von 2006 bis 2012 einen Anstieg von 53% neuen Imker:innen in Berlin laut dem Deutschen Imkerbund (Lorenz, Stark 2015: 118). Auch die Akteur:innen sind diverser geworden, so gab es neben den \u201ctypischen\u201d Imkern, \u00e4ltere M\u00e4nner, auch ein gr\u00f6\u00dferes Interesse f\u00fcrs Imkern von jungen Leuten und Frauen. Von 2010 bis 2012 ist der Anteil der Frauen im Berliner Imkerbund von 20% auf 26% angestiegen (Lorenz, Stark 2015: 118). Entgegen der allgemeinen Vorstellung bietet die Stadt den Bienen als Wohnraum einen Vorteil gegen\u00fcber dem Land (Lorenz, Stark 2015: 119). So sind die Futterressourcen in der Stadt, gegen\u00fcber den Monokulturen auf dem Land, gr\u00f6\u00dfer, diverser und vom Fr\u00fchjahr bis zum Herbst vorhanden. Au\u00dferdem sind die st\u00e4dtischen Bienen nicht den landwirtschaftlichen Pestiziden ausgesetzt (Lorenz, Stark 2015: 119).<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_563\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-563\" class=\"wp-image-563 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1408-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-563\" class=\"wp-caption-text\">Beuten im Garten des Stadtimkers (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Eine weitere Ebene, die neben der Sorgearbeit betrachtet werden soll, ist die Wahrnehmung (\u201cSenses\u201d). Ein Vorschlag von Edwards besteht darin, dass ein bewussteres Sensing gegen\u00fcber nicht-menschlichen Akteuren zu einer st\u00e4rkeren Beziehung zwischen allen Akteuren einer More-than-human-City f\u00fchrt (Edwards 2018: 54). Gerade beim Imkern spielt die Wahrnehmung auf allen Ebenen eine gro\u00dfe Rolle. Einerseits muss er die Umgebung wahrnehmen: Was bl\u00fcht zurzeit? Gibt es gen\u00fcgend Nahrungsquellen? (Edwards 2018: 57). Andererseits kann durch H\u00f6ren und Riechen die Stimmung und die Gesundheit des Bienenschwarms bestimmt werden (Edwards 2018: 58).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Um das Stadtimkern n\u00e4her zu verstehen und einen eigenen Einblick in die Sorgepraktik zu erhalten, wollten wir einen lokalen Stadtimker und seine Bienenv\u00f6lker besuchen. Dabei war es uns wichtig eine kleine Imkerei zu befragen, damit sichergestellt ist, dass eine F\u00fcrsorge f\u00fcr die Stadtnaturen im Vordergrund steht und nicht der Profit durch den Honigverkauf. Auf der Suche nach einer:m private:n Stadtimker:in in Bremen, besuchten wir den Bremer Imkertag, der im Juni stattfand. Der Imkertag wird vom Bremer Imkerverein von 1875 e.V. organisiert und findet auf dem Lehrbienenstand auf dem Gel\u00e4nde des L\u00fcr-Kropp-Hofs in Oberneuland, Bremen Ost, statt. Neben einigen angebotenen F\u00fchrungen zu Bienen und Hornissen wurde dort auch Honig von einer kleinen Stadtimkerei verkauft. Wir kamen mit dem Imker, der an dem Stand seinen Honig verkaufte, ins Gespr\u00e4ch und baten um ein Interview und ob es m\u00f6glich w\u00e4re, den Vorgang des Imkerns zu beobachten. Der Imker willigte ein und wir vereinbarten einen Termin in der darauffolgenden Woche.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Nach einem etwa <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/09\/stadt-imkerei-empirische-vignetten\/\">45-min\u00fctigen Interview<\/a>, konnten wir die <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/09\/stadt-imkerei-empirische-vignetten\/\">Praktik des Imkerns beobachten<\/a> und damit auch selbst einmal alle Eindr\u00fccke, die bei der Praktik des Imkerns entstehen, wahrnehmen. Die Beuten, so nennen sich die K\u00e4sten, in denen die Bienenv\u00f6lker leben und arbeiten, stehen bei dem Stadtimker im Garten. Der Imker reibt sich die H\u00e4nde mit Essig ein und hebt dann den Deckel der obersten Beute ab. Er trennt mithilfe einer Stockmei\u00dfel vorsichtig einen Rahmen heraus und sieht ihn sich genau an. Sind alle Bienen gesund? Haben sie Waben an den Rahmen angebaut? Wollen die Bienen schw\u00e4rmen, also bildet sich eine neue K\u00f6nigin heraus? So sieht er sich etwa alle neun Tage mehr als das halbe Jahr die Bienen an und kontrolliert sie. Er erz\u00e4hlte, dass im restlichen Jahr noch weitere Aufgaben hinzukommen, wie das Ernten des Honigs durch das Schleudern der Rahmen oder das anschlie\u00dfende F\u00fcttern der Bienen vor der Winterpause.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_561\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-561\" class=\"wp-image-561 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_1418-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-561\" class=\"wp-caption-text\">Rahmen mit zur H\u00e4lfte gef\u00fcllten Honigwaben (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Auch unter den privaten Stadtimker:innen, die nicht ausreichend V\u00f6lker f\u00fcr ein Gewerbe besitzen, gibt es unterschiedliche Akteur:innen, die die Praktik betreiben. Zum einen gibt es die \u201ealteingesessenen Imker\u201c wie uns der Stadtimker erz\u00e4hlte, die sehr traditionell und seit vielen Jahren imkern. Diese Akteure finden sich neben anderen in den Imkervereinen wieder. Ihnen liegt, wie auch dem interviewten Imker, das Wohl der Bienen am Herzen und vor allem das Interesse an den sehr vielf\u00e4ltigen Tieren. Der Imker und seine Frau berichteten, dass es, obwohl es am Anfang stressig war, \u201e<i>es [\u2026] vor allem auch unheimlich <\/i><i>spannend [war]. Da haben wir nen Tisch vor den Bienen stehen gehabt und abends Kaffee <\/i><i>getrunken, wenn wir nach Hause gekommen sind. Es hatte auch von Anfang an neben dem <\/i><i>Stress auch ganz tolle Seiten<\/i>.\u201c Neben der Sorgearbeit stand also auch die Faszination an den Bienen und das Wahrnehmen ihres Lebens im Mittelpunkt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">In der Folge des Trends des Stadtimkerns und den neuen Akteur:innen sieht der Imker ein gro\u00dfes Problem. Einerseits haben diese Personen teilweise keinen Grundkurs besucht und verstehen daher die Arbeitslast nicht, die auf einen zukommt auch als Imker:in mit wenig Bienenv\u00f6lkern. Das f\u00fchrt dazu, dass nicht ordentlich gearbeitet wird, Bienen beispielsweise mit Varroa-Milben infiziert sind und nicht behandelt werden und die Milben auf anderen Bienen \u00fcbertragen. Andererseits verlangen diese Akteur:innen f\u00fcr ihren Honig auch nur ein Bruchteil von dem, was \u201ealteingesessene\u201c Imker:innen verlangen m\u00fcssen, da sie sonst die hohen Kosten nicht begleichen k\u00f6nnen. Deshalb kann es dazu kommen, dass etablierte Imker:innen ihren Honig schlechter verkaufen k\u00f6nnen. \u201e<i>Es gibt hier Imker, die schon lange imkern und die \u2026<\/i><i>also die, die das nicht nach drei Jahren wieder aufgeben \u2026 und wir m\u00fcssen unseren Honig <\/i><i>auch verkaufen. So und dann kommt der \u00d6ko Mensch, der sagt \u201eja ich muss Bienen \u2026 und <\/i><i>dann sagt er ja hier Honig drei Euro\u201c und das schadet uns einfach<\/i>.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Politische Implikationen hat diese Sorgepraktik eher weniger. Au\u00dfer dem angesprochenen Problem, dass durch \u201e<i>Fernsehberichte, die sagen, <\/i><i>ja der imkert hier in der Stadt und hin und her<\/i>\u201c immer mehr vor allem junge Leute auf das Imkern aufmerksam werden, das wie eben beschrieben f\u00fcr etablierte Imker:innen problematisch werden kann. Ferner gibt es Unterschiede zwischen dem Stadtimkern und dem Imkern auf dem Land. Auf die Frage, warum er seine Beuten im Garten stehen hat und sie nicht an den Rand eines Feldes stellt, antwortet der Imker, dass ein Aspekt Bequemlichkeit ist. Wenn er etwa alle neun Tage nach den Bienen sehen muss, dann geht er lieber in den eigenen Garten als aus der Stadt rauszufahren. Daran kn\u00fcpft ein weiteres Argument, der Umweltschutz. Denn \u201e,<i>wenn man die <\/i><i>Bienen aufs Land bringt und an unterschiedliche Stellen stellt dann hat man viel Fahrerei. Man <\/i><i>muss regelm\u00e4\u00dfig zum Pflegen der Bienen hin, man muss \u00e4h \u00fcberpr\u00fcfen, ob alles in Ordnung <\/i><i>ist, das ist ja auch nicht nachhaltig, wenn man \u00e4h f\u00fcr den Honig dann noch viel f\u00e4hrt<\/i>\u201c.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_560\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-560\" class=\"wp-image-560 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/IMG_3856-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-560\" class=\"wp-caption-text\">Rahmen mit Honigwaben und Brut (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">F\u00fcr den Stadtimker bedeutet das Imkern \u201e<i>abschalten vom Alltag auf alle F\u00e4lle. Oder sonst freu <\/i><i>ich mich im Urlaub, wenn wir uns auch mal das gr\u00f6\u00dfere Eis kaufen k\u00f6nnen. Diese Pergola hier <\/i><i>haben zum Beispiel die Bienen gezahlt&#8220;. <\/i>An dieser Stelle des Interviews deutet der Imker nach oben. Wir sa\u00dfen unter eben jener Pergola in seinem Garten, die er sich durch den Ertrag des Honigverkaufs geleistet hat. Es ist auf der anderen Seite allerdings auch sehr viel Arbeit und der Imker und seine Frau betonen, dass w\u00fcrde man den Ertrag vom Verkauf des Honigs, des Mets und der Bienenwachst\u00fccher auf die Arbeitsstunden hochrechnen, w\u00fcrde man deutlich unter dem Mindestlohn bleiben. Ein finanzielles Motiv findet sich bei privaten Imker:innen demnach wohl kaum. Ab 24 V\u00f6lkern muss ein Gewerbe angemeldet und Steuern gezahlt werden und der Imker sch\u00e4tzt, dass sich erst bei etwa 50 V\u00f6lkern der Ertrag finanziell lohnen w\u00fcrde. Bei den oben angesprochenen Akteur:innen-Gruppen steht haupts\u00e4chlich die Faszination an dem Tier selbst im Vordergrund. Au\u00dferdem auch die Sorgearbeit bei dem K\u00fcmmern um die Bienen. Es gibt allerdings auch Nachteile am Imkern. So erz\u00e4hlt uns der Imker, dass seine Frau einen schweren Schock bei einem Stich am Kopf von einer Biene erlitten hat. \u201e<i>Dass Bienen auch stechen k\u00f6nnen, so das darf man nicht vergessen<\/i>\u201c, sagt er. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Bei unserem Besuch des Stadtimkers konnten wir einen sehr genauen Einblick in die Sorgearbeit des Imkerns erhalten und selbst mit all unseren Sinnen diese Arbeit beobachten. Es war interessant wie stark die Sinne beim Imkern genutzt werden. So besteht ein gro\u00dfer Teil aus dem genauen Beobachten der einzelnen Rahmen: das Untersuchen der Bienen auf Krankheiten, das Stadium der ausgebauten Waben mit neuer Brut und Honig und die Suche nach der K\u00f6nigin. Neben dem Sehen geh\u00f6ren auch das H\u00f6ren und das F\u00fchlen dazu. \u00dcber das H\u00f6ren kann man den Gem\u00fctszustand des Schwarms wahrnehmen: Sind sie aufgeregt und laut oder h\u00f6rt man nur ein leises Summen. Das F\u00fchlen spielt unter anderem im Bezug auf die Stiche eine Rolle. So werden Ma\u00dfnahmen getroffen, dass man nicht gestochen wird, mit denen gleichzeitig eine Sorge um die Bienen einhergeht, da diese Sterben nach einem Stich. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Smoker, dessen Rolle im <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/09\/stadt-imkerei-werkzeuge\/\">Werkzeug-Text<\/a> erl\u00e4utert wird. Auch wenn es selten zu einem Stich kommt mit der richtigen Vorsicht, so besteht trotzdem eine nicht zu untersch\u00e4tzende Gefahr, wie etwa durch einen Stich am Kopf. Deswegen l\u00e4uft die Imkerarbeit stets ruhig und mit einem Respekt vor den Bienen ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Zum Abschluss dieses Beitrags wollen wir uns nochmal sehr bedanken f\u00fcr die Zeit, die sich der Stadtimker genommen hat, um uns das Imkern zu zeigen und zu erkl\u00e4ren. Wir haben sehr viel gelernt und mitgenommen von dem Gespr\u00e4ch.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 8pt\">Literaturverzeichnis<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Edwards, F. (2021): Humming along Heightening the senses between urban honeybees and humans. In <i>Food, Senses and the City<\/i>. Routledge. 54\u201366.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Lorenz, S., &amp; Stark, K. (2015): Saving the honeybees in Berlin? A case study of the urban beekeeping boom. <i>Environmental Sociology<\/i>, <i>1<\/i>(2), 116\u2013126.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Puig de la Bellacasa, M. (2017): The Disruptive Thought of Care. In <i>Matters of Care: speculative ethics in more than human worlds<\/i>. University of Minnesota Press. 1-26.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Steele, W., Wiesel, I., &amp; Maller, C. (2019):\u00a0 More-than-human cities: Where the wild things are. <i>Geoforum<\/i>, <i>106<\/i>, 411\u2013415.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadtimkerei von Lena-Marie Schm\u00f6lz und Fenja van der Veen Beim Erforschen der Stadt wird am h\u00e4ufigsten die Sichtweise der Menschen eingenommen. Auch beim Fokus auf Natur in der Stadt wird sie h\u00e4ufig durch eine menschliche Brille betrachtet. Hierbei k\u00f6nnen sich folgende Fragen gestellt werden: Wie kann man durch Stadtgr\u00fcn und -wasser die Stadt abk\u00fchlen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15893,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-care-praktiken","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15893"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=566"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":581,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566\/revisions\/581"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}