{"id":514,"date":"2024-10-07T09:24:35","date_gmt":"2024-10-07T07:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=514"},"modified":"2024-11-07T13:17:44","modified_gmt":"2024-11-07T12:17:44","slug":"care-praktiken-in-der-stad-stadttauben-bremen-e-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/07\/care-praktiken-in-der-stad-stadttauben-bremen-e-v\/","title":{"rendered":"Care-Praktiken in der Stadt &#8211; Stadttauben Bremen e.V."},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>F\u00fctterung von Stadttauben durch den Stadttauben Bremen e.V.<\/strong><\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von\u00a0 Magdalena Auferoth und Helene Schilling<\/p>\n<div id=\"attachment_516\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-516\" class=\"size-medium wp-image-516\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.41-1.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-516\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Taubenf\u00fctterung an Unser Lieben Frauen Kirchhof (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">In dicht besiedelten und hektischen urbanen R\u00e4umen, in denen das Leben vieler Menschen von Schnelllebigkeit und Anonymit\u00e4t gepr\u00e4gt ist, spielt Sorgearbeit eine zunehmend wichtige Rolle. Diese oft unsichtbare und unbezahlte Arbeit umfasst alle T\u00e4tigkeiten, die notwendig sind, um das Wohlbefinden anderer zu sichern und zu verbessern \u2013 sei es in der Pflege, der Kinderbetreuung oder in der Unterst\u00fctzung von Nachbar*innen. Traditionell wird Sorgearbeit mit der direkten Pflege von Menschen in Verbindung gebracht. Hierzu z\u00e4hlen die Unterst\u00fctzung von Familienmitgliedern, die Betreuung von kranken oder \u00e4lteren Menschen sowie die Kinderbetreuung. Diese Aufgaben sind unverzichtbar f\u00fcr ein funktionierendes und harmonisches Leben in der Stadt. Sie erm\u00f6glichen es den Menschen, ihren Alltag zu bew\u00e4ltigen und tragen dazu bei, dass Gemeinschaften zusammenhalten. Doch Sorgearbeit endet nicht bei menschlichen Bed\u00fcrfnissen; sie schlie\u00dft auch die Beziehung zu den nicht-menschlichen Bewohner*innen der Stadt wie Tiere und Pflanzen ein (Bellacasa 2017: 2). Ein zunehmend wichtiger Aspekt der Sorgearbeit in st\u00e4dtischen Umfeldern ist auch die \u00f6kologische Verantwortung. Diese Dimension der Sorgearbeit umfasst die Pflege und den Schutz der urbanen Umwelt, einschlie\u00dflich der st\u00e4dtischen Gr\u00fcnfl\u00e4chen und der tierischen Bewohner*innen der Stadt. Diese T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen dazu beitragen, das \u00f6kologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und das st\u00e4dtische Leben umweltfreundlicher und lebenswerter zu gestalten.\u00a0Ein spannendes, untermauerndes Beispiel hierf\u00fcr ist die F\u00fctterung von Stadttauben im \u00f6ffentlichen Raum.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Tauben, aufgrund ihrer Verbreitung, ihres Kots und deren Verteufelung als Krankheits\u00fcbertr\u00e4ger oft als Plage angesehen und in vielen st\u00e4dtischen Kontexten unerw\u00fcnscht, sind zugleich ein Paradebeispiel f\u00fcr Stadtnaturen \u2013 ausgesetzte, ehemals domestizierte Haustiere, die sich an das Leben in der Stadt angepasst haben und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind. Die Praxis der Taubenf\u00fctterung ist dabei ein Akt der Sorgearbeit, der die Fragen nach der Verantwortung und den Auswirkungen menschlichen Handelns im urbanen Raum aufwirft. In diesem Blogbeitrag soll untersucht werden, wie die F\u00fctterung von Tauben als Form der Sorgearbeit verstanden werden kann, welche Kontroversen sie mit sich bringt und welche Bedeutung diese Interaktionen f\u00fcr das Leben in der Stadt haben. Daf\u00fcr wurde ein Mitglied des Stadttauben Bremen e.V. im Juni 2024 bei einer F\u00fctterungstour begleitet.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_517\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-517\" class=\"wp-image-517 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.47.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-517\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Schaufel f\u00fcr Futter (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Der Verein Stadttauben Bremen e.V. setzt sich f\u00fcr einen zivilisierten und artgerechten Umgang mit Tauben in der Stadt ein. Ihr Ziel ist es, den Tieren ein artgerechtes, leid freies und an ihre Bed\u00fcrfnisse angepasstes Leben zu erm\u00f6glichen. Das langfristige Ziel ist es, die Population der Tiere auf tierschutzgerechte Art und Weise zu reduzieren. Um die Sorgepraktik des Taubenf\u00fctterns besser nachvollziehen zu k\u00f6nnen, haben wir ein Mitglied des Vereins Stadttauben Bremen e.V. auf ihrer F\u00fctterungstour begleitet. Die F\u00fctterung in Bremen durch den Verein erfolgt an festen Orten in der Bremer Innenstadt. Unser Rundgang startete am Bremer Hauptbahnhof und endete nach acht Stationen in den Wallanlagen. Beim F\u00fcttern wird Wert auf artgerechtes Futter gelegt, es wird ein extra f\u00fcr Tauben zusammengestelltes Futter verf\u00fcttert. Dieses besteht unter anderem aus Mais, Sonnenblumenkernen, Weizen und anderen K\u00f6rnern. Um sicherzustellen, dass die Tauben ausreichend artgerechtes Futter erhalten, findet die F\u00fctterung t\u00e4glich an den gleichen Orten statt. Das Futter wird dort mit einem Bollerwagen hingebracht, mit einer gro\u00dfen Schaufel aus den S\u00e4cken gesch\u00f6pft und mit einer schnellen, schwungvollen Bewegung auf den Boden geworfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Organisation dieser F\u00fctterung erfolgt durch verschiedene Mitglieder des Vereins, die nach einem festgelegten Plan eingeteilt werden. Unsere Ansprechpartnerin geht ungef\u00e4hr einmal im Monat auf F\u00fctterungstour, andere Mitglieder gehen teilweise mehrmals die Woche. Die Witterungsverh\u00e4ltnisse sind dabei irrelevant.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">\u201cWir gehen bei jedem Wetter raus zum F\u00fcttern. Wir Menschen haben ja auch bei jedem Wetter Hunger und Durst.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Hauptakteur*innen dieser Sorgepraktik sind die Mitglieder des Vereins, die aus verschiedenen sozialen Hintergr\u00fcnden stammen. Einige sind schon seit 2015 dabei, andere, wie zum Beispiel unsere Ansprechpartnerin, sind sp\u00e4ter dazu gekommen. Laut ihr sind die meisten Mitglieder Empf\u00e4nger*innen von Rente oder Grundleistungen. Sie selbst wollte \u201cauch mal was machen\u201d, dabei ist sie auf Tauben als spezifisches Subjekt der Pflege eher zuf\u00e4llig damals durch einen Facebook-Beitrag aufmerksam geworden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Wichtige Werkzeuge und Hilfsmittel umfassen Futter, Schaufeln, Bollerwagen sowie Kescher und Transportboxen. Ohne das Futter k\u00f6nnte die Sorgepratik nicht stattfinden. Es ist das wichtigste Werkzeug der Akteur*innen. Da es dem Verein darum geht, den Tieren ein m\u00f6glichst artgerechtes Leben zu erm\u00f6glichen, wird ein spezielles Taubenfutter verwendet. Dieses besteht aus verschiedenen Getreide- und K\u00f6rnersorten und wird extra f\u00fcr Tauben zusammengesetzt. In der Stadt f\u00e4llt es den Tieren schwer, f\u00fcr sie gesundes und geeignetes Futter zu finden, dies f\u00fchrt dazu, dass sie h\u00e4ufig f\u00fcr sie ungeeignete Nahrung zu sich nehmen, wie z.B. Lebensmittelreste von Menschen und M\u00fcll.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_518\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-518\" class=\"size-medium wp-image-518\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.48.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-518\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Bollerwagen (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Schaufel, Abbildung 2, stellt ein weiteres wichtiges Werkzeug dar. Sie ist n\u00f6tig, um das Futter aus den S\u00e4cken zu holen, zu dosieren und zu verteilen. An jeder F\u00fctterungsstelle werden mehrere Schaufeln Futter ausgestreut. Ein weiteres wichtiges Werkzeug in der Sorgepraktik der Taubenf\u00fctterung ist der Bollerwagen, Abbildung 3. Dieses einfache, aber effektive Transportmittel erm\u00f6glicht es den Akteur*innen, die 75 kg Futter zu den verschiedenen Futterstellen zu bringen. Der Bollerwagen ist robust und leicht zu man\u00f6vrieren, was ihn ideal f\u00fcr den Einsatz in der Stadt macht. Er wird verwendet, um das Futter vom Lagerort zu den Futterstellen zu transportieren und erleichtert so die t\u00e4gliche Arbeit erheblich. Kescher und\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Transportbox waren bei der von uns begleiteten Tour nicht mit dabei, aber wurden von dem Mitglied des Vereins als wichtiges Werkzeug identifiziert. Sie werden ben\u00f6tigt, um ein verletztes oder krankes Tier einzufangen und sicherzustellen. Das Vorgehen, wenn verletzte Tiere gesichtet werden, wird vom Vereinsmitglied wie folgt beschrieben:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">\u201cVerletzte Tauben sichern wir meistens. Oft k\u00fcmmern wir uns zuhause selbst um die verletzten Tauben. Die anderen vom Verein erkl\u00e4ren einem, wie das geht. Wenn die Taube wieder gesund ist, setzen wir sie an einem bestimmten Ort in den Wallanlagen aus, das ist sp\u00e4ter auch unsere letzte Station f\u00fcr heute. Da ist es ruhig genug.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">F\u00fcr die Mitglieder des Vereins ist die Sorgearbeit eine tief verwurzelte Motivation. Die verschiedenen Formen von Sorgearbeit umfassen die t\u00e4gliche F\u00fctterung, das Einfangen und Versorgen verletzter Tiere sowie die Organisation und Koordination der F\u00fctterung. Diese Arbeit wird oft aus pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung und Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Tiere geleistet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Akteur*innen beschreiben ihre Sorgearbeit als eine notwendige Ma\u00dfnahme, um das Leid der Tauben zu lindern und ihre Lebensqualit\u00e4t zu verbessern. Diese Arbeit wird von ihnen selbst als erf\u00fcllend und bedeutungsvoll angesehen, da sie direkt das Leben der Tiere verbessert. Wie wir beobachten konnten, wurde die Arbeit auch verbal verteidigt, wenn Passant*innen negativ auf das F\u00fcttern reagierten. Dies passierte \u00f6fter w\u00e4hrend unserer F\u00fctterungstour. Bei der von uns begleiteten F\u00fctterung kam dies, nach Aussage von unserer Ansprechpartnerin, besonders h\u00e4ufig vor. Das k\u00f6nnte daran liegen, dass die Tauben zurzeit sehr viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. So gibt es in Bremen aktuell eine Debatte \u00fcber die Einf\u00fchrung eines F\u00fctterungsverbots f\u00fcr Tauben in der Innenstadt. Dieses soll jedoch nur f\u00fcr Privatpersonen gelten und nicht f\u00fcr Vereine, wie den Stadttauben e.V. Im August will die B\u00fcrgerschaft erneut \u00fcber das F\u00fctterungsverbot entscheiden (buten un binnen 2024a). Auch bekam die Stadt Limburg bez\u00fcglich eines B\u00fcrgerentscheids, der \u00fcber die T\u00f6tung von Tauben entscheiden sollte, sehr viel Aufmerksamkeit (hessenschau 2024).<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_519\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-519\" class=\"size-medium wp-image-519\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40-676x901.jpeg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/WhatsApp-Image-2024-07-01-at-14.16.40.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-519\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Ausgelegtes Futter auf dem Domshof (eigene Aufnahme)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Ein Thema, das h\u00e4ufig mit Stadttauben assoziiert wird und f\u00fcr einen schlechten Ruf sorgt, sind Krankheiten und der Mythos, dass die Tiere Krankheits\u00fcbertr\u00e4ger sind. Damit will der Verein aufr\u00e4umen. Unsere Ansprechperson bezieht dazu Stellung:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">\u201cDas mit den Krankheiten, die von Tauben \u00fcbertragen werden, ist totaler Quatsch. Ich leb noch!\u00a0 Und wenn eine Katze dich bei\u00dft, musst du sofort ein Antibiotikum nehmen. Und dann wird gesagt, dass Tauben ansteckend sein sollen. Ich selbst hatte auch jahrelang Diskussionen mit meinen Eltern, weil ich die Tauben mit nach Hause genommen hab. Nachdem eine Freundin die angerufen hat und sie zur Schnecke gemacht hat, haben sie bei mir angerufen und sich entschuldigt. Seitdem akzeptieren sie das.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Ihr zufolge \u00fcbertragen Tauben in keinem relevanten Ausma\u00df Krankheiten. Doch auch wenn dem so sein sollte, k\u00f6nnte die Sorgepraktik der Ausbreitung von potenziellen Krankheiten entgegenwirken, da gut gef\u00fctterte und unverletzte Tauben ein st\u00e4rkeres Immunsystem haben und weniger krank werden. Diese Aussage wird durch die theoretische Perspektive des One-Health-Ansatzes erg\u00e4nzt. Er betrachte die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als miteinander verkn\u00fcpft und wird von den Vereinten Nationen definiert als \u201cdie gemeinsame Anstrengung verschiedener Disziplinen, die auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zusammenarbeiten, um eine optimale Gesundheit f\u00fcr Menschen, Tiere und unsere Umwelt zu erreichen\u201c (Vereinte Nationen nach Papadopoulos\/Wilmer 2011: 2). Dies bedeutet, dass jede Ver\u00e4nderung in einem dieser Bereiche Auswirkungen auf die anderen hat (Papadopoulos\/Wilmer 2011: 2\u20133). In unserem Fallbeispiel zeigt sich diese Theorie in der Praxis des Taubenf\u00fctterns und -pflegens. Indem der Verein darauf achtet, dass die Tauben gesund bleiben und bei Verletzungen und Krankheiten der Tiere diese von den anderen separiert, tr\u00e4gt er nicht nur zu deren Wohlbefinden bei, sondern unterst\u00fctzt auch die allgemeine Gesundheit und Hygiene der st\u00e4dtischen Umgebung. Dies mindert das Risiko von zoonotischen Krankheiten, die auf Menschen \u00fcbertragbar sind. Durch die Pflege und Rehabilitation verletzter Tauben, die oft in Pflegestellen oder Tierheimen betreut werden, zeigt der Verein, wie eng die Gesundheit von Tieren und Menschen miteinander verbunden ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Multispezies-Ethnographie wird genutzt, um die Verbundenheit beziehungsweise Untrennbarkeit von Menschen und anderen Lebewesen anzuerkennen (Ameli 2022: 608). Sie erweitert \u201cdie soziologische Ethnographie um den Perspektivwechsel hin zu den Akteuren der mehr-als-menschlichen-Welt\u201d (Ameli 2022: 608) und stellt den kollaborativen Perspektivwechsel in den Mittelpunkt. Im Fall der F\u00fctterung der Tauben durch den Stadttauben Bremen e.V. zeigt sich, wie der Verein die Tiere in ihre Arbeit einbezieht und dass die Tauben nicht nur als passiver Empf\u00e4nger menschlicher F\u00fcrsorge gesehen werden, sondern sich eine Bindung zwischen den Mitgliedern des Vereins und den Tieren aufgebaut hat. Diese beschreibt unsere Ansprechperson wie folgt \u201cDie Tauben sind zutraulich. Sie k\u00f6nnen sich Gesichter merken. Am Ansgariplatz zum Beispiel wissen die schon Bescheid und fliegen uns direkt zugeflogen.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Arbeit des Stadttauben Bremen e.V. stellt eine Sorgepraktik f\u00fcr Naturen innerhalb der Stadt dar und sorgt f\u00fcr eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Tauben vor Ort. Allerdings hilft ihre Arbeit nicht dabei die Population der Tiere auf artgerechte Art und Weise zu reduzieren. Laut dem Verein ist der einzige Weg die Taubenbest\u00e4nde innerhalb von St\u00e4dten nachhaltig zu reduzieren der Aufbau und die Pflege von betreuten Taubenh\u00e4usern. In denen werden die Gelege der Tiere durch k\u00fcnstliche Eier ausgetauscht, sodass es zu keinem Ausbr\u00fcten der K\u00fcken kommt. In Bremen wurde im Juni 2024 ein betreutes Taubenhaus in der Stadt er\u00f6ffnet, das genau dieses Ziel verfolgt (buten un binnen 2024b).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Literaturverzeichnis<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Ameli, Katharina\/Poferl, Angelika (Hrsg.) Schr\u00f6er, Norbert (Hrsg.) (2022): Multispezies-Ethnographie. Wiesbaden. Springer VS<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">buten un binnen (Hrsg.) (2024a): Bremen verschiebt Taubenf\u00fctter-Verbot f\u00fcr die Innenstadt. Text abrufbar unter https:\/\/www.butenunbinnen.de\/nachrichten\/taubenfuettern-verbot-bremen-102.html (Zugriff am 24.7.2024).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">buten un binnen (Hrsg.) (2024b): Neues Taubenhaus in Bremen er\u00f6ffnet. Abrufbar unter https:\/\/www.butenunbinnen.de\/videos\/taubenhaus-tauben-bremen-100.html (Zugriff am 15.7.2024)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Hessenschau (Hrsg.) (2024): B\u00fcrgerentscheid. B\u00fcrger in Limburg stimmen f\u00fcr Tauben-Toten. Text abrufbar unter https:\/\/www.hessenschau.de\/politik\/buergerentscheid-mehrheit-der-buerger-in-limburg-stimmt-fuer-tauben-toeten&#8211;v3,buergerentscheid-limburg-tauben-toetung-100.html (Zugriff am 29.7.2024)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Papadopoulus, Andrew\/Wilmer, Sarah\/National Collaborating Centre for Environmental Health (Hrsg.) (2011): One Health: A primer.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\">Puig de la Bellacase, Maria (2017): Matters of Care. Minneapolis: University of Minnesota Press.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fctterung von Stadttauben durch den Stadttauben Bremen e.V. von\u00a0 Magdalena Auferoth und Helene Schilling In dicht besiedelten und hektischen urbanen R\u00e4umen, in denen das Leben vieler Menschen von Schnelllebigkeit und Anonymit\u00e4t gepr\u00e4gt ist, spielt Sorgearbeit eine zunehmend wichtige Rolle. 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