{"id":490,"date":"2024-10-04T10:38:34","date_gmt":"2024-10-04T08:38:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=490"},"modified":"2024-11-07T13:26:07","modified_gmt":"2024-11-07T12:26:07","slug":"bluehstreifen-am-rembertiring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/04\/bluehstreifen-am-rembertiring\/","title":{"rendered":"Bl\u00fchstreifen am Rembertiring"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 8pt\">Autor:innen: Lennart Beermann, Moritz Diercks und Helena Petrick<\/span><\/em><\/p>\n<p><b>Beschreibung der Praktik\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Die Bl\u00fchstreifen im Rembertikreisel zwischen den Bremer Stadtteilen Bahnhofsvorstadt und\u00a0 Ostertor wurden 2016 angelegt. Dies geschah in Zusammenarbeit zwischen dem\u00a0 Landesverband Bremen, des BUND und dem Umweltbetrieb Bremen. In diesem Beitrag\u00a0 werden die damit verbundene Sorgepraktik, die Bedeutung der Sorge f\u00fcr die beteiligten\u00a0 Akteur*innen und die verkn\u00fcpften politischen Implikationen thematisiert. Die Bl\u00fchstreifen wurden im Rahmen des Projektes \u2018Bremen bl\u00fcht auf\u2019, welches von 2013 bis 2016 lief, angelegt.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_496\" style=\"width: 571px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-496\" class=\"wp-image-496 size-full\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Kartographie1-1.png\" alt=\"\" width=\"561\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Kartographie1-1.png 561w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/Kartographie1-1-300x249.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><p id=\"caption-attachment-496\" class=\"wp-caption-text\">Die orange-schraffierte Fl\u00e4che stellt die Bl\u00fchstreifen-Elemente dar, die X-Punkte die sechs Nistk\u00e4sten. Der Durchmesser des Rembertikreisels betr\u00e4gt ca. 105 Meter.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Das Projekt umfasst zudem diverse weitere Bl\u00fchfl\u00e4chen, wie zum Beispiel jene am Hochschulring. Der BUND hat das Projekt mit der Zielsetzung der \u201c[&#8230;] Schaffung von\u00a0 Nahrungsressourcen f\u00fcr Wildbienen und Schmetterlinge in \u00f6ffentlichen st\u00e4dtischen\u00a0 Gr\u00fcnanlagen und die langfristig erhaltene Pflege der Bl\u00fchfl\u00e4chen durch den Umweltbetrieb\u00a0 Bremen durchgef\u00fchrt\u201d (Salomon 2021: 3). Es wurden die Bl\u00fchfl\u00e4chen auf dem Rembertiring als Untersuchungsgegenstand ausgew\u00e4hlt, weil diese eine besondere Lage in der Stadt aufweisen. Im weiteren Verlauf soll\u00a0 auch der Frage nachgegangen werden, welche Rolle eine solche Fl\u00e4che f\u00fcr Wildbienen und\u00a0 andere Insekten in der Stadt spielt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher, Mitarbeiterin des BUND, hat uns in einem Interview vor Ort den Ablauf des\u00a0 Anlegens von Bl\u00fchstreifen genauer erl\u00e4utert. Zun\u00e4chst muss die Fl\u00e4che f\u00fcr die Aussaat\u00a0 vorbereitet werden, hierbei werden mit Hilfe eines Treckers und einer Fr\u00e4se die Grassoden\u00a0 entfernt. Hierf\u00fcr muss der Boden ca. 30 cm tief gefr\u00e4st werden, um das Saatbett optimal\u00a0 vorzubereiten. Im Anschluss wird das Saatgut ausgebracht und angewalzt, da es sich bei den\u00a0 Pflanzen um Lichtkeimer handelt und diese auf der Erde aufliegen m\u00fcssen. Zudem sollte es\u00a0 sich um regional hergestelltes Saatgut von heimischen Bl\u00fchpflanzen handeln.\u00a0 Auch der Zeitpunkt der Aussaat ist essentiell. Hierzu stellt Frau Schumacher folgende Punkte heraus: \u201cUnsere Erfahrung zeigt, dass es besser ist, die\u00a0 Fl\u00e4chen im August anzulegen, weil es im Fr\u00fchjahr in den letzten Jahren oft sehr trockene\u00a0 Phasen gab [&#8230;]\u201d\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Im Wachstum muss\u00a0 teilweise auch Sorge f\u00fcr die Pflanzen geleistet werden, wie Frau Schumacher im Interview\u00a0 erl\u00e4utert:\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;padding-left: 40px\"><span style=\"font-weight: 400\">&#8222;Es muss ausreichend feucht sein, um eine Trockenphase zu vermeiden.\u00a0 [&#8230;] Das Entfernen unerw\u00fcnschter Pflanzen ist oft nicht\u00a0 leistbar und erfordert gro\u00dfe Artenkenntnis. Ehrenamtliche Helfer haben hier viel beigetragen,\u00a0 um Pflanzen wie dominanten Klee zu entfernen.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Au\u00dferdem werden die Fl\u00e4chen um die\u00a0 Bl\u00fchstreifen herum regelm\u00e4\u00dfig gem\u00e4ht, weil direkt am Rand eine Verkehrssicherungspflicht\u00a0 besteht. Diese verhindert zum Beispiel das Hineinwachsen von Pflanzen in den Stra\u00dfenraum.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher hat uns ebenfalls den M\u00e4hvorgang und die Notwendigkeit von Nisthilfen erl\u00e4utert und n\u00e4hergebracht. Auch der Bl\u00fchstreifen selber wird ein- bis zweimal im Jahr, im Optimalfall mit einem\u00a0 Balkenm\u00e4her, gem\u00e4ht, um weniger dominanten Pflanzen das Durchdringen zu erm\u00f6glichen.\u00a0 Zudem m\u00fcssen Bl\u00fchstreifen, je nach Saatgut, circa alle drei Jahre erneuert werden, damit die\u00a0 Vielfalt der Pflanzen bewahrt werden kann. Letztlich ist nicht nur die Bereitstellung von\u00a0 Nahrung in Form von Bl\u00fchfl\u00e4chen f\u00fcr den Erhalt von Insekten von N\u00f6ten. Auch geeignete\u00a0 Nistm\u00f6glichkeiten m\u00fcssen vorhanden sein. Andere\u00a0 Insekten, wie zum Beispiel Wildbienen, brauchen Sand oder bewohnen Mauerritzen in der\u00a0 Umgebung des Rembertikreisels, wie uns Frau Schumacher erl\u00e4uterte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Akteur*innen\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Die Bl\u00fchstreifen auf dem Rembertiring werden von verschiedenen Akteur*innengruppen\u00a0 angelegt und gepflegt. Zum einen spielt der BUND Bremen eine\u00a0 entscheidende Rolle. Dieser hat das Projekt angeleitet und beh\u00e4lt immer noch eine beratende\u00a0 Funktion. Unsere Interviewpartnerin Frau Schumacher war von Beginn an an dem Prozess\u00a0 der Entstehung des Bl\u00fchstreifens involviert. Mittlerweile f\u00fchrt der Umweltbetrieb Bremen selbstst\u00e4ndig die Pflege des\u00a0 Bl\u00fchstreifens durch und legt weitere in der Stadt Bremen an, wenn Fl\u00e4chen und\u00a0 Geld vorhanden sind. Teilweise stellt dieser zur Pflege von unterschiedlichen Fl\u00e4chen auch\u00a0 Subunternehmen ein. Die dritte Akteursgruppe sind die Ehrenamtlichen. Innerhalb des BUND\u00a0 hat sich der Arbeitskreis Bienen und Bl\u00fcten gebildet, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die\u00a0 vom Umweltbetrieb angelegten Fl\u00e4chen zu pflegen, da dieser nicht die Kapazit\u00e4ten hat, dies\u00a0 hinreichend zu tun. Die im Bl\u00fchstreifen lebenden Tiere k\u00f6nnten ebenfalls als Akteure des Netzwerks angesehen werden, weil diese mit dem Bl\u00fchstreifen interagieren, diesen pflegen und somit auch zum Erscheinungsbild beitragen. \u00dcber den Fu\u00dfweg in H\u00f6he der Stra\u00dfe Fedelh\u00f6ren haben Anwohner*innen und Passant*innen die M\u00f6glichkeit, mit den Bl\u00fchstreifen neben dem Kreisel zu interagieren. Zum Beispiel konnte beobachtet werden, dass Anwohner*innen ihre Hunde auf dem Rembertiring ausf\u00fchren und dadurch den Bl\u00fchstreifen teilweise zerst\u00f6ren, weil diese nicht auf die angelegten Pflanzen achten. Gleichzeitig kann dieser Bereich auch zur Erholung oder Information \u00fcber Insekten und deren Lebensraum dienen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_497\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-497\" class=\"wp-image-497 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9693-1-676x507.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-497\" class=\"wp-caption-text\">Biene Rembertiring (Eigene Aufnahme vom 28.06.2024)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Bedeutung und Wirkung der Praktik\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Sowohl Frau Schumacher als auch der Arbeitskreis Bienen und Bl\u00fcten haben uns keine\u00a0 Interessenkonflikte mitgeteilt. Im Gegenteil: Mittlerweile besteht eine gute Zusammenarbeit\u00a0 mit dem Umweltbetrieb Bremen, welcher nun auch \u00fcber gemeinsame Projekte mit dem BUND\u00a0 und der hier beschriebenen Praktik hinaus Bl\u00fchfl\u00e4chen angelegt hat. Auch im Austausch mit st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden wird per se kein Konflikt attestiert. Trotzdem birgt das Anlegen von Bl\u00fchfl\u00e4chen einige Schwierigkeiten. Die Praktik unterliegt h\u00e4ufig dem Geldmangel und der zus\u00e4tzlichen Verwaltungsarbeit. Weiter kam es in der Vergangenheit h\u00e4ufiger zu Problemen mit Subunternehmen des Umweltbetrieb Bremens, welche aus Ermangelung eines Katasters teilweise Bl\u00fchstreifen nicht als solche erkannt und daher\u00a0 abgem\u00e4ht haben. Auch die Zusammenarbeit mit dem Amt f\u00fcr Stra\u00dfen und Verkehr hat Frau\u00a0 Schumacher thematisiert. Von jenem Amt beauftragte Tiefbaufirmen tragen h\u00e4ufig teuren\u00a0 Mutterboden zum Abschluss von Bauarbeiten auf. Hier k\u00f6nnten Kosten gespart werden, da\u00a0 die zuvor verwendeten sandigen B\u00f6den f\u00fcr die Aussaat von Bl\u00fchstreifen und das Nisten von\u00a0 Insekten vorteilhaft sein k\u00f6nnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Die Stadt konnte durch die Bepflanzung des Rembertirings eine Zunahme der Artenvielfalt\u00a0 bez\u00fcglich Wildbienen verzeichnen. Der Bl\u00fchstreifen weist eine hohe Diversit\u00e4t und Dichte an Pollenpflanzen auf, die f\u00fcr Wildbienen wichtig sind, und kann somit eine hohe Anzahl insbesondere an solit\u00e4ren Wildbienenarten versorgen. Daher k\u00f6nnen auch diese kleinr\u00e4umigen Fl\u00e4chen einen gro\u00dfen Beitrag f\u00fcr die Erhaltung der Artenvielfalt leisten (Salomon 2021: 14-16).<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Trotz der Wichtigkeit <\/span><span style=\"font-weight: 400\">dieses Standortes f\u00fcr Insekten stehen schon l\u00e4nger Pl\u00e4ne fest, den Rembertiring zu bebauen. Jedoch gibt es noch keinen genauen Zeitplan f\u00fcr die Umsetzung. Laut Frau Schumacher hatte der BUND an den Umgestaltungspl\u00e4nen f\u00fcr den Rembertiring kein Mitspracherecht. Der Rembertiring wurde im Zuge der nicht realisierten Mozarttrasse in den 1960er Jahren gebaut. Dadurch ist seine geplante Funktion hinf\u00e4llig geworden. Die neuen Pl\u00e4ne sehen ein Wohngebiet vor, das auf dem jetzigen Rembertikreisel entstehen soll. Frau Schumacher hofft, dass eventuelle Vorg\u00e4rten den genommenen Lebensraum auffangen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><b>Bedeutung f\u00fcr die Akteur*innen\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Anhand unserer Interviewpartner*innen l\u00e4sst sich heraush\u00f6ren, dass der Kontakt zur Natur\u00a0 als sehr wertvoll erlebt wird (AK Bienen und Bl\u00fcten). Die drohende Ausrottung vieler\u00a0 Wildbienenarten hat die Interviewpartnerin veranlasst dem AK Bienen und Bl\u00fcten beizutreten\u00a0 und somit anhand ihrer ehrenamtlichen Arbeit gegen das Artensterben vorzugehen. Ein Teil der\u00a0 Sorgearbeit ist das Entfernen von Beikraut und dominanten Pflanzen wie Klee oder\u00a0 Pappelsch\u00f6\u00dflingen, damit der Bl\u00fchstreifen nicht \u00fcberwuchert. Zudem wurde an einigen Stellen\u00a0 nachges\u00e4t und weitere Pflanzen gepflanzt. Die Aufstellung von\u00a0 Nisthilfen f\u00fcr Wildbienen und die Pflege der vom Umweltbetrieb ges\u00e4ten Futterpflanzen, ist\u00a0 ebenfalls eine Sorgepraktik des AK Bienen und Bl\u00fcten. Eine weitere\u00a0 Sorgepraktik sind die intern organisierten Schulungen und Exkursionen, die die\u00a0 Interviewpartnerin noch mehr motivierten, ihre Arbeit und das Wissen auszuweiten. Auch den\u00a0 Befund eines Biologen, der auf dem Rembertikreisel 29 Wildbienenarten ausmachen konnte,\u00a0 war ein besonderer Motivationsschub f\u00fcr die Interviewpartnerin:\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;padding-left: 40px\"><span style=\"font-weight: 400\">\u201c[&#8230;] Diese Nachricht war f\u00fcr mich ein besonderer Motivationsschub, weil ja die Wildbienen in\u00a0 l\u00e4ndlichen Gebieten gro\u00dffl\u00e4chig aussterben und die Stadt paradoxerweise auch durch unsere\u00a0 Arbeit mittlerweile der bessere Lebensraum ist.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Auch, wenn die Arbeit auf dem Rembertiring nicht die angenehmste ist, ist sie trotzdem f\u00fcr die Interviewpartner*innen\u00a0 erf\u00fcllend, weil sie um die Wirksamkeit ihrer Arbeit wissen. \u201cDurch den Verkehrsl\u00e4rm auf dem\u00a0 Kreisel ist die T\u00e4tigkeit dort nicht immer ein ungetr\u00fcbtes Naturerlebnis, aber das Wissen um\u00a0 die Wirksamkeit der Arbeit ist sehr befriedigend.\u201d (AK Bienen u. Bl\u00fcten).\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Theoretische Einbettung\u00a0<\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_498\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-498\" class=\"wp-image-498 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/files\/DSCN9701-1-676x507.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-498\" class=\"wp-caption-text\">Schmetterling Rembertiring (Eigene Aufnahme vom 28.06.2024)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Puig de la Bellacasa betont in ihrem Werk \u201cMatters of Care: Speculative Ethics in More-than Human Worlds\u201d (Puig de la Bellacasa 2017) die Bedeutung von Sorge als ethische Praxis, die\u00a0 sich auf mehr als nur menschliche Akteur*innen erstreckt. Sie argumentiert, dass Sorge eine\u00a0 Beziehung zwischen verschiedenen Akteur*innen, sowohl menschlichen als auch nicht menschlichen beinhaltet und dass diese Beziehungen oft vernachl\u00e4ssigt werden. Die\u00a0 Bl\u00fchstreifen im Rembertikreisel k\u00f6nnen als Beispiel f\u00fcr eine solche Sorgepraxis gesehen\u00a0 werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li><span style=\"font-weight: 400\"> Mehr-als-menschliche Beziehungen: Die Anlage und Pflege der Bl\u00fchstreifen sind eine\u00a0 direkte Interaktion zwischen Menschen (z. B. BUND, Umweltbetrieb Bremen,\u00a0 Ehrenamtliche) und nicht-menschlichen Akteuren (Wildbienen, Schmetterlinge,\u00a0 Pflanzen). Diese Interaktionen zeigen, wie menschliche Akteur*innen aktiv Sorge f\u00fcr\u00a0 nicht-menschliche Lebensformen tragen und wie diese Lebensformen wiederum die\u00a0 Stadt\u00f6kologie beeinflussen.\u00a0<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400\"> Ethik der Sorge: Die Entscheidungen, die bei der Anlage und Pflege der Bl\u00fchstreifen\u00a0 getroffen werden (z. B. Wahl des Saatguts, Zeitpunkt der Aussaat, Gie\u00dfpraktiken),\u00a0 basieren auf einer ethischen Verpflichtung gegen\u00fcber den Bed\u00fcrfnissen der Insekten\u00a0 und Pflanzen. Diese Praktiken reflektieren eine Form der ethischen Sorge, die \u00fcber\u00a0 rein menschliche Interessen hinausgeht.\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Steele, Wiesel und Maller untersuchen in ihrem Werk \u201cMore-than-Human Cities: Where the\u00a0 Wild Things Are\u201d (Steele et al. 2019) die Interaktionen zwischen menschlichen und nicht menschlichen Akteuren in st\u00e4dtischen Umgebungen und wie diese Beziehungen St\u00e4dte\u00a0 formen k\u00f6nnen. Ebenso diskutiert Davis in \u201cThe caring city. Ethics of Urban Design\u201d (Davis 2022) die ethischen\u00a0 Aspekte der Stadtplanung und wie St\u00e4dte gestaltet werden k\u00f6nnen, um F\u00fcrsorge und\u00a0 Gerechtigkeit zu f\u00f6rdern:<\/span><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li><span style=\"font-weight: 400\"> St\u00e4dtische Biodiversit\u00e4t: Die Bl\u00fchstreifen im Rembertikreisel tragen zur st\u00e4dtischen\u00a0 Biodiversit\u00e4t bei, indem sie Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Wildbienen und andere Insekten\u00a0 schaffen. Dies zeigt, wie St\u00e4dte als mehr-als-menschliche R\u00e4ume gestaltet werden\u00a0 k\u00f6nnen, die sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Bed\u00fcrfnisse\u00a0 ber\u00fccksichtigen.\u00a0<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400\"> Ko-Konstruktion des st\u00e4dtischen Raums: Die Zusammenarbeit zwischen\u00a0 verschiedenen Akteuren (z. B. BUND, Umweltbetrieb Bremen, Ehrenamtliche) zeigt,\u00a0 wie der st\u00e4dtische Raum durch kooperative Sorgepraktiken gestaltet wird. Diese Ko- Konstruktion f\u00fchrt zu einer inklusiveren und \u00f6kologischeren Stadtgestaltung.\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Insgesamt zeigt sich, dass die Anlage und Pflege der Bl\u00fchstreifen im Rembertikreisel als\u00a0 Beispiel f\u00fcr eine mehr-als-menschliche Sorgepraxis betrachtet werden k\u00f6nnen und eine wichtige Rolle f\u00fcr Wildbienen und andere Insekten in der Stadt spielt, in dem diese als Lebensraum und Nahrungsquelle genutzt werden. Diese Praktik\u00a0 zeigt, wie ethische Sorge, kooperative Stadtgestaltung und die F\u00f6rderung der st\u00e4dtischen\u00a0 Biodiversit\u00e4t ineinandergreifen, um eine nachhaltige und inklusive Stadt zu schaffen. Durch\u00a0 die Sicht von Puig de la Bellacasa, Steele et al. und Davis k\u00f6nnen wir die Bl\u00fchstreifen als eine\u00a0 konkrete Umsetzung von theoretischen Konzepten verstehen, die betonen, dass St\u00e4dte nicht\u00a0 nur f\u00fcr Menschen, sondern auch f\u00fcr andere Lebewesen gestaltet werden m\u00fcssen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 8pt\">Litaraturverzeichnis<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\"><span style=\"font-weight: 400\">D<\/span><span style=\"font-weight: 400\">AVIS<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, J. (2022): The caring city. Ethics of Urban Design. Bristol: Bristol University Press, S.\u00a0 1-10.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\"><span style=\"font-weight: 400\">P<\/span><span style=\"font-weight: 400\">UIG DE LA <\/span><span style=\"font-weight: 400\">B<\/span><span style=\"font-weight: 400\">ELLACASA<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, M. (2017): Matters of care. Speculative ethics in more than human\u00a0 worlds. Minneapolis: University of Minnesota Press, S. 1-24.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\"><span style=\"font-weight: 400\">S<\/span><span style=\"font-weight: 400\">ALOMON<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, J. P. (2021): \u00dcbersichtserfassung der Wildbienen in ausgew\u00e4hlten Bl\u00fchstreifen\u00a0 des BUND-Projektes \u201eBremen bl\u00fcht auf\u201c.\u00a0 <\/span><\/span><span style=\"font-weight: 400;font-size: 8pt\">https:\/\/www.bund-bremen.net\/fileadmin\/bremen\/Publikationen\/2021_BUND-Projekt_Bremen blueht-auf_Wildbienen-Erfassung_Bluehstreifen_korr_04.11.2021.pdf (letzer Aufruf\u00a0 22.07.2024)\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\"><span style=\"font-weight: 400\">S<\/span><span style=\"font-weight: 400\">TEELE<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, W., W<\/span><span style=\"font-weight: 400\">IESEL<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, I., &amp; M<\/span><span style=\"font-weight: 400\">ALLER<\/span><span style=\"font-weight: 400\">, C. (2019). More-than-human cities: Where the wild things\u00a0 are. Geoforum, 106, 411-415.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor:innen: Lennart Beermann, Moritz Diercks und Helena Petrick Beschreibung der Praktik\u00a0 Die Bl\u00fchstreifen im Rembertikreisel zwischen den Bremer Stadtteilen Bahnhofsvorstadt und\u00a0 Ostertor wurden 2016 angelegt. Dies geschah in Zusammenarbeit zwischen dem\u00a0 Landesverband Bremen, des BUND und dem Umweltbetrieb Bremen. In diesem Beitrag\u00a0 werden die damit verbundene Sorgepraktik, die Bedeutung der Sorge f\u00fcr die beteiligten\u00a0 Akteur*innen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15886,"featured_media":495,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[44,34,43,42],"class_list":["post-490","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-care-praktiken","tag-bienen","tag-care-praktiken","tag-rembertikreisel","tag-rembertiring","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15886"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=490"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":724,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490\/revisions\/724"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}