{"id":424,"date":"2024-10-04T10:38:45","date_gmt":"2024-10-04T08:38:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/?p=424"},"modified":"2024-10-04T10:38:45","modified_gmt":"2024-10-04T08:38:45","slug":"bluehstreifen-rembertiring-interviews-mit-dem-bund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/bremerstadtnaturen\/2024\/10\/04\/bluehstreifen-rembertiring-interviews-mit-dem-bund\/","title":{"rendered":"Bl\u00fchstreifen Rembertiring &#8211; Interviews mit dem BUND"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 8pt\">Autor:innen:\u00a0 Lennart Beermann, Moritz Diercks und Helena Petrick<\/span><\/em><\/p>\n<p><b>Interviews mit Heike Schumacher (BUND) dem Arbeitskreis Bienen und Bl\u00fcten (BUND)<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher hat sich als geeignete Interviewpartnerin herausgestellt, um Informationen \u00fcber die Sorgepraktik zu erhalten. Sie hat beim BUND Bremen gearbeitet und ist Mitinitiatorin f\u00fcr das Projekt &#8218;Bremen bl\u00fcht auf&#8216;. Das Interview fand am 23.05.2024 auf dem Rembertikreisel statt und wurde leitfadengest\u00fctzt durchgef\u00fchrt. Das Ziel des Interviews war es Informationen \u00fcber die beteiligten Akteur*innen, Konflikte und die Durchf\u00fchrung der Sorgepraktik sowie Implikationen dessen f\u00fcr die Beteiligten selber herauszufinden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">In dem Interview mit Frau Schumacher stellte sich heraus, dass teilweise Freiwillige an der Umsetzung der Sorgepraktik im Bereich der Pflege t\u00e4tig sind. Zudem war es das konkrete Ziel mehr \u00fcber die Bedeutung der Sorge f\u00fcr die Beteiligten zu erfahren. Nach einer kurzen Recherche fand daher ein schriftliches Interview mit dem Arbeitskreis (AK) Bienen und Bl\u00fcten, welcher im Kontext des Projektes &#8218;Bremen bl\u00fcht auf&#8216; 2015 entstanden ist,<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> statt.<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> Am 27.06.2024 wurden unsere schriftlich gestellten Interviewfragen beantwortet. Im folgenden Abschnitt werden die zentralen Aussagen aus beiden Interviews, aufgeteilt in die Bereiche Praktik, Akteur*innen, politische Implikationen und Bedeutung von Care\/Sorge f\u00fcr die Akteur*innen, wiedergegeben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Die Praktik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eBeim Anlegen einer Bl\u00fchfl\u00e4che muss man bestimmte Bereiche tief fr\u00e4sen und <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">autochthone, also regional hergestellte, Bl\u00fchpflanzen verwenden. Es sollten heimische <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Wildpflanzen sein. Unsere Erfahrung zeigt, dass es besser ist, die Fl\u00e4chen im August <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">anzulegen, weil es im Fr\u00fchjahr in den letzten Jahren oft sehr trockene Phasen gab [&#8230;].\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eWelche Ger\u00e4te oder Maschinen braucht man zur Pflege der Fl\u00e4chen?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eEin Balkenm\u00e4her w\u00e4re ideal, weil er am insektenfreundlichsten ist und besser <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">mit h\u00f6herem Gras klarkommt.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eWaren Sie aktiv dabei, Bl\u00fchfl\u00e4chen anzulegen?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eNein, das wurde gefr\u00e4st. Ich habe dem Treckerfahrer gesagt, wo er langfahren <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">soll.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eUnd dann wird es einges\u00e4ht und das sind dann die beiden Schritte?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eDanach wird einges\u00e4t und gewalzt. Man fr\u00e4st 30 cm tief, entfernt Grassoden <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">und bereitet das Saatbett vor, um optimale Bedingungen zu schaffen. Das Saatgut wird <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">ausgebracht und angewalzt, weil es Lichtkeimer sind und oben aufliegen m\u00fcssen. <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Manchmal gibt es Probleme mit Kr\u00e4hen, die das Saatgut fressen, aber es hat trotzdem <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">funktioniert.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">AK Bienen und Bl\u00fcten: \u201eAm Rembertikreisel haben wir Nisthilfen f\u00fcr Wildbienen aufgestellt und die <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">vom Umweltbetrieb ges\u00e4ten Futterpflanzen f\u00fcr Wildbienen gepflegt. Es musste Beikraut <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">entfernt werden und die vielen Pappelsch\u00f6\u00dflinge mussten st\u00e4ndig bek\u00e4mpft werden, damit <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">die Bl\u00fchstreifen nicht \u00fcberwuchert wurden. Wir haben an einigen Stellen nachges\u00e4t und <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">auch z. B. Narzissen bzw. unterschiedliche Stauden gepflanzt.\u201c<\/span><b><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Akteur*innen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201e[&#8230;] [Man sieht,] dass die Zusammenarbeit mit dem Umweltbetrieb \u00fcber die <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Jahre sehr gut geworden ist. Die Mitarbeiter haben Freude an der Arbeit [\u2026].\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eDie Pflege ist ein gro\u00dfes Problem, weil der Umweltbetrieb Bremen viele <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Arbeiten an Fremdfirmen vergeben muss, da das billiger ist. Diese Firmen werden nach <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Ausschreibungen ausgew\u00e4hlt, und die billigsten m\u00fcssen genommen werden. [\u2026] Leider <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">kennen sich diese Fremdfirmen oft nicht mit Bl\u00fchfl\u00e4chen aus und sind manchmal nicht in <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">der Lage, sie \u00fcberhaupt zu erkennen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eEhrenamtliche Helfer haben hier viel <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">beigetragen, um Pflanzen wie<\/span> <span style=\"font-weight: 400\">dominanten Klee zu entfernen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Politische Implikationen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201e[&#8230;] und jetzt gibt es sogar eine neue Biodiversit\u00e4tsstrategie. Was eigentlich <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">schon vor Jahren h\u00e4tte passieren <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">sollen, n\u00e4mlich dass sich die Beh\u00f6rden <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">zusammensetzen, passiert nun endlich.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eWelche Rolle spielt eine Bl\u00fchwiese im Stadtbild, f\u00fcr das Mikroklima und die <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Tierwelt?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eWir haben hier eine Untersuchung zu Wildbienen gemacht und nach dem <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">dritten Jahr 25 Arten gefunden, darunter auch seltene. Wildbienen k\u00f6nnen nur ein paar <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">hundert Meter fliegen und brauchen Nisthilfen in der N\u00e4he. [\u2026] Die Bl\u00fchfl\u00e4chen erh\u00f6hen <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">die Vielfalt des Nahrungsangebots erheblich. Im Wallerpark gab es eine sch\u00f6ne Bl\u00fchfl\u00e4che, <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">die auch Flederm\u00e4usen zugutekam, da diese von den Insekten profitieren.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eWie soll mit dieser Fl\u00e4che in Zukunft verfahren werden?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eSie wird ja bebaut. [&#8230;] Bis dahin wird die Fl\u00e4che einfach weiter genutzt, weil <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">sie so pr\u00e4sent ist und viele Autos vorbeifahren.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201eGibt es gro\u00dfe Probleme f\u00fcr die Tierwelt, wenn die Fl\u00e4che nicht mehr da ist, <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">besonders wegen der vielen Versiegelung rundherum?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Frau Schumacher: \u201eIch denke schon. Man kann nur hoffen. Ich kenne die Pl\u00e4ne nicht, vielleicht <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">gibt es Vorg\u00e4rten, die etwas auffangen k\u00f6nnen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Bedeutung von Care\/Sorge f\u00fcr die Akteur*innen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Interviewer*innen: \u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Welche Bedeutung hat f\u00fcr Sie Ihre ehrenamtliche Arbeit (auf dem <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Rembertikreisel) bzw. aus welcher \u00dcberzeugung machen Sie das?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">AK Bienen und Bl\u00fcten: \u201eIch hatte schon l\u00e4nger Erfahrung mit Gartenarbeit auf einer Parzelle, habe <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">den Kontakt zur Natur als sehr wertvoll f\u00fcr mich pers\u00f6nlich erlebt und h\u00f6rte von der <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">drohenden Ausrottung vieler Wildbienenarten. [&#8230;] Die ehrenamtliche Arbeit sollte dem <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Erhalt der Wildbienen in der Stadt dienen, die ja besonderen Schutz brauchen, damit nicht <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">noch mehr Arten aussterben. [&#8230;] Durch Schulungen und Exkursionen konnte ich mein <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Wissen erweitern, was zu noch gr\u00f6\u00dferer Motivation beitrug, die Arbeit auszuweiten. Es <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">ergaben sich Kontakte zu anderen Aktiven und dadurch wieder neue Projekte wie z. B. die <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Anlage von Nisthilfen und Bl\u00fchfl\u00e4chen in meinem eigenen Kleingartenverein Kornblume.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Inerviewer*innen: \u201eWie w\u00fcrden Sie Ihre Arbeit in Bezug auf Sorge f\u00fcr Natur beschreiben und <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">einordnen?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">AK Bienen und Bl\u00fcten: \u201eEin Biologe hat den Wildbienenbestand auf dem Rembertikreisel <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">untersucht und 29 Wildbienenarten gefunden. Diese Nachricht war f\u00fcr mich ein besonderer <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Motivationsschub, weil ja die Wildbienen in l\u00e4ndlichen Gebieten gro\u00dffl\u00e4chig aussterben und <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">die Stadt paradoxerweise auch durch unsere Arbeit mittlerweile der bessere Lebensraum <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">ist.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">Inerviewer*innen: \u201eWie w\u00fcrden Sie Ihre Beziehung zur Natur beschreiben, mit der Sie vor Ort in <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Ber\u00fchrung kommen? Inwiefern hat sich Ihre Beziehung zur Natur im Allgemeinen durch <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Ihre Arbeit ver\u00e4ndert?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: 400\">AK Bienen und Bl\u00fcten: \u201eIch habe durch meine Arbeit im Kleingarten den Kontakt zur Natur <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">bekommen und mich auch immer mehr f\u00fcr Naturschutzthemen interessiert. Durch die Arbeit <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">als Ehrenamtliche habe ich mein Wissen enorm erweitert und die Dringlichkeit von <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Ma\u00dfnahmen zur Erhaltung der Wildbienen ist mir eindr\u00fccklich klar geworden. [\u2026] [Das] <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">Wissen um die Wirksamkeit der Arbeit ist sehr befriedigend.\u201c<\/span><\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor:innen:\u00a0 Lennart Beermann, Moritz Diercks und Helena Petrick Interviews mit Heike Schumacher (BUND) dem Arbeitskreis Bienen und Bl\u00fcten (BUND) Frau Schumacher hat sich als geeignete Interviewpartnerin herausgestellt, um Informationen \u00fcber die Sorgepraktik zu erhalten. Sie hat beim BUND Bremen gearbeitet und ist Mitinitiatorin f\u00fcr das Projekt &#8218;Bremen bl\u00fcht auf&#8216;. 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