Kunst ist Kunst

Ich stimme Herrn Ehmer nicht zu, dass an der Kunst für das Leben nichts zu lernen sei.

Der Begriff Kunst impliziert Kultur. Wenn die Kultur eines Volkes länger besteht, hat sie eine Geschichte. Die Menschheit hat sich über Jahrhunderten weiterentwickelt. Es wurde immer Neues erfunden, was dem Menschen zwangsläufig irgendeinen Nutzen verschafft hat. Die Schaffensprozesse der Menschheit müssen aber nicht nur einen Nutzen haben. Die Schaffensprodukte können auch ohne Ziel gefertigt worden sein. Der Schaffensprozess und das Produkt suggerieren Kultur.

Die Künstler werden von der Kultur in ihrem Schaffensprozess beeinflusst und kreieren Produkte ihrer Kultur. Kunst ist also ein Ausdrucksmittel. Durch seine Kunst kann ein Künstler kommunizieren. Die Adressaten seiner Kunst können versuchen seine Kunst zu verstehen, oder sie nehmen sie einfach ohne persönliche Deutung wahr.

Man kann also davon ausgehen, dass man durch künstlerische Schaffensprozesse für das Leben lernen kann. Kunst wurde über Jahrhunderte weiterentwickelt und ist ein Ausdrucksmittel für Kultur.

Kunst ist schwer zu beurteilen, weil sie keine Grenzen kennt. Das ist auch in der Schule ein Problem. Ab wann ist etwas Kunst und ab wann keine? Wenn ein Schüler einen benutzten Kaugummi auf ein Papier klebt und es als Ready-Made zur Beurteilung beim Lehrer abgibt ist es schon eine berechtigte Frage, wie dieser Schaffensprozess in Noten zu beurteilen ist. Anhand welcher Kriterien sollte man beurteilen? Kreativ war der Schüler ja, aber sein Produkt war nicht arbeitsintensiv wie beispielsweise eine Holzskulptur, die ein anderer Schüler gefertigt hat. Ist Kreativität also beurteilbar? Der Kunstunterricht sollte zum Beurteilen einen Rahmen haben, eine Eingrenzung, die allerdings die Kreativität einschränkt. Der Rahmen kann ein bestimmtes Thema sein, anhand dessen sich die Schüler orientieren sollen. Doch da keine Klasse heterogen ist, bleibt es auch mit einem vorgegebenen Thema schwierig, ein Kunstwerk plausibel zu benoten. Manchen Schülern liegt Malerei beispielsweise, was andere Schüler in die Verzweiflung treibt, weil sie kein Talent haben. Eine (schriftliche) Erklärung zu dem Thema kann Aufschluss darüber geben, inwiefern der Schüler sich Gedanken zu dem Kunstwerk gemacht hat und was es mit dem Thema zu tun hat. Anhand seiner Argumentation und unter der Berücksichtigung des vorgegebenen Themas hätte man zwei Kriterien, die eine Beurteilung ermöglichen würden.