{"id":15,"date":"2026-05-27T12:14:51","date_gmt":"2026-05-27T10:14:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/blogvonpauleggs\/?p=15"},"modified":"2026-05-27T12:14:51","modified_gmt":"2026-05-27T10:14:51","slug":"rv08-rassismus-und-antisemitismus-in-klassenchats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/blogvonpauleggs\/2026\/05\/27\/rv08-rassismus-und-antisemitismus-in-klassenchats\/","title":{"rendered":"RV08 &#8211; Rassismus und Antisemitismus in Klassenchats"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Junge Menschen werden immer fr\u00fcher mit digitalen Medien konfrontiert, was soziale Interaktionen und damit auch Diskriminierungsprozesse zunehmend in den virtuellen Raum verlagert. Situationen wie im vorliegenden Beispiel beschrieben kenne ich selbst aus meiner eigenen Schulzeit. Die Institution Schule versagt bei der Aufarbeitungsarbeit oft kl\u00e4glich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Die Verwendung von Hakenkreuzen sowie das Posten eines Bildes von Adolf Hitler ist offensichtlich als antisemitisch zu werten. Antisemitismus zeigt sich kulturell oft in Mythen, Ideologien, Folklore und Bildsprachen, die darauf zielen, eine abgrenzende oder feindselige Haltung gegen\u00fcber J\u00fcdinnen und Juden zu reproduzieren (vgl. Fein 1987). Die Frage, was man \u201egegen seinen Onkel\u201c h\u00e4tte, verdeutlicht eine mangelnde Distanzierung und die spielerische Aneignung nationalsozialistischer Narrative. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Indem das Gesicht des Musikers Tupac Shakur mit einem Hakenkreuz \u00fcberlagert und die explizite Aussage \u201eI hate all N*\u201c gepostet wird, greifen die Sch\u00fcler auf rassistische Abwertungen zur\u00fcck. Bei Rassismus reproduziert Vorstellungen und Alltagstheorien, durch die Menschengruppen hierarchisiert und Dominanzverh\u00e4ltnisse legitimiert werden, um bestimmte Gruppen von Ressourcen oder gesellschaftlicher Teilhabe auszuschlie\u00dfen (vgl. Leiprecht 2016). In diesem Fall wird durch die sprachliche und visuelle Markierung Othering vollzogen und \u201edie Anderen\u201c werden zu Fremden gemacht (Profession Politische Bildung: 2022)<\/span><\/p>\n<p><a name=\"p-rc_93f1f31a4c9116a2-24\"><\/a><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Die Institution Schule ist kein neutraler Raum. Sie spiegelt gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse und Ungleichheiten wieder. Rassismus und Antisemitismus zeigen sich sowohl in Leistungsbewertungen wie im Beispiel der unterschiedlichen Benotung von Lehramtsstudenten, als auch in direkten verbalen \u00dcbergriffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">F\u00fcr angehende Lehrkr\u00e4fte ergeben sich aus einer Situation wie der geschilderten Handlungserfordernisse, aber auch Grenzen. Kurzfristig muss die Lehrkraft den Vorfall ernst nehmen und darf ihn keinesfalls als harmlose Jugendsprache relativieren. Die Intervention muss die Bed\u00fcrfnisse und den Schutz der Betroffenen priorisieren, indem das Gespr\u00e4ch mit der meldenden Mutter gesucht und ihre Bitte um Vertraulichkeit bez\u00fcglich der Identit\u00e4t des Sohnes gewahrt wird. Gleichzeitig m\u00fcssen die aktiv beteiligten Sch\u00fcler mit der Bedeutung ihrer Handlungen konfrontiert werden. Langfristig sto\u00dfen Lehrkr\u00e4fte jedoch an institutionelle Grenzen, weshalb die Einbindung des gesamten Kollegiums und Schulleitung erforderlich ist. Die Schule muss pr\u00e4ventive, anlassunabh\u00e4ngige Angebote etablieren, um diskriminierungskritische Bildungsarbeit zu verankern und zus\u00e4tzlich den digitalen Raum nachhaltig als p\u00e4dagogisches Handlungsfeld begreifen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><b>Quellenverzeichnis<\/b><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><b>Fein, Helen (1987):<\/b> Dimensions of Antisemitism. Attitudes, Collective Accusations, and Actions. In: Fein, Helen (Hrsg.): The Persisting Question. Sociological Perspectives and Social Contexts of Modern Antisemitism. Berlin &amp; Boston, S. 67-85.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><b>Informations- und Dokumentationszentrum f\u00fcr Antirassismusarbeit (IDA) e. V. <\/b><b>(2022)<\/b><b>:<\/b> Othering. In: Profession Politische Bildung. Online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/profession-politischebildung.de\/grundlagen\/grundbegriffe\/othering\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/profession-politischebildung.de\/grundlagen\/grundbegriffe\/othering\/<\/a> (Abgerufen am 27.05.2026).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><b>Leiprecht, Rudolf (2016):<\/b> Rassismus. In: Paul Mecheril (Hg.): Handbuch Migrationsp\u00e4dagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 73-89.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Junge Menschen werden immer fr\u00fcher mit digitalen Medien konfrontiert, was soziale Interaktionen und damit auch Diskriminierungsprozesse zunehmend in den virtuellen Raum verlagert. Situationen wie im vorliegenden Beispiel beschrieben kenne ich selbst aus meiner eigenen Schulzeit. Die Institution Schule versagt bei der Aufarbeitungsarbeit oft kl\u00e4glich. 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