{"id":13,"date":"2026-05-13T13:55:09","date_gmt":"2026-05-13T11:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/blogvonpauleggs\/?p=13"},"modified":"2026-05-13T13:55:09","modified_gmt":"2026-05-13T11:55:09","slug":"rv06-zur-notwendigkeit-von-partizipation-und-beziehungsgestaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/blogvonpauleggs\/2026\/05\/13\/rv06-zur-notwendigkeit-von-partizipation-und-beziehungsgestaltung\/","title":{"rendered":"RV06 &#8211; Zur Notwendigkeit von Partizipation und Beziehungsgestaltung"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-family: Google Sans Text, sans-serif\">Wieso ist Schule mehr als nur Wissensvermittlung?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">1. Die Reproduktion sozialer Ungleichheit beginnt gesellschaftlich bereits bei der ungleichen Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland. Eine Familie aus den untersten 10 % ben\u00f6tigt somit im Durchschnitt sechs Generationen, um eine mittlere Einkommensklasse zu erreichen (vgl. OECD 2018, S. 27). Die Institution Schule ist selbst aktiv an der Aufrechterhaltung von Ungleichheit beteiligt, etwa durch schlechtere Benotung bei gleicher Leistung oder durch \u00dcbergangsempfehlungen, die aufgrund der Einsch\u00e4tzung der sozialen Herkunft basieren (vgl. Stubbe et al. 2017). F\u00fcr eine Auseinandersetzung mit Bildung bedeutet das, dass Bildungsfragen immer auch Macht und Gesellschaftsfragen sind. Klar ist: Die Sch\u00fcler\/innen haben keine identischen Grundvoraussetzungen. Wer im System scheitert, stammt oft aus benachteiligenden Verh\u00e4ltnissen, was die vermeintliche Chancengleichheit in Deutschland als einen Mythos entlarvt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">2. Das Passungsproblem meint die fehlende \u00dcbereinstimmung zwischen der Institution Schule und der Lebenswirklichkeit der Sch\u00fclerinnen, insbesondere jener aus sozial benachteiligten Schichten. Das schulische Bildungsparadigma orientiert sich oft an Normen, die nicht der Realit\u00e4t dieser Kinder entsprechen, wodurch deren Erfolg direkt von ihrem individuellen Anpassungsverm\u00f6gen an den institutionellen Lebensstil abh\u00e4ngig gemacht wird (vgl. Ellinger &amp; Kleinhenz 2022, S. 12). Im Schulalltag f\u00fchlen sich viele Sch\u00fcler von ihren Lehrkr\u00e4ften nicht gesehen. Wenn die Chemie zwischen Lehrkraft und Sch\u00fcler nicht stimmt, entsteht Distanz. Sch\u00fcler merken schnell, ob ein Lehrer nur seinen Stoff durchzieht oder echtes Interesse an ihnen hat. Das Gef\u00fchl von mangelndem Interesse f\u00fcr ihre echten Sorgen kann hier entstehen. Die Mauer zwischen Sch\u00fclern und Lehrern wird somit immer schwerer zu \u00fcberwinden. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">3. Um das System Schule inklusiv zu gestalten, ist die Partizipation der Sch\u00fclerinnen essenziel. Aktuell ist das Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis oft noch stark institutionalisiert und durch Hierarchie und Rollenzw\u00e4nge gepr\u00e4gt, bei der Sch\u00fclerinnen lediglich als Funktionstr\u00e4ger wahrgenommen werden. Beziehungsgestaltung gelingt laut den Sch\u00fclerinnenaussagen der Vorlesung vor allem dann, wenn Lehrkr\u00e4fte \u201echillig\u201c sind(vgl. Steffens S.18), also ihre institutionelle Rolle nicht zu ernst nehmen, Humor zeigen und authentisches Interesse an den Sch\u00fcler\/innen signalisieren. Wahre Inklusion erfordert eine Aufl\u00f6sung starrer Rollenmuster hin zu Resonanzbeziehungen, in denen Sch\u00fclerinnen als aktive Mitgestalter ihres Bildungsraums anerkannt und vor allem geh\u00f6rt werden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Quellenverzeichnis:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><b>Ellinger, S. &amp; Kleinhenz, L. (2021):<\/b> <i>Soziale Benachteiligung und Resonanzerleben. Entfremdungsprozesse in der Schule.<\/i> 1. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart.<\/li>\n<li><b>OECD (2018):<\/b> <i>A Broken Social Elevator? How to Promote Social Mobility.<\/i> OECD Publishing, Paris. [Online unter: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1787\/9789264301085-en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1787\/9789264301085-en<\/a>]<\/li>\n<li><b>Stubbe, T. C., Bos, W. &amp; Schurig, M. (2017):<\/b> <i>Der \u00dcbergang von der Primar- in die Sekundarstufe.<\/i> In: A. Hu\u00dfmann et al. (Hrsg.): <i>IGLU 2016. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich<\/i> (S. 235\u2013250). Waxmann, M\u00fcnster.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso ist Schule mehr als nur Wissensvermittlung? 1. Die Reproduktion sozialer Ungleichheit beginnt gesellschaftlich bereits bei der ungleichen Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland. Eine Familie aus den untersten 10 % ben\u00f6tigt somit im Durchschnitt sechs Generationen, um eine mittlere Einkommensklasse zu erreichen (vgl. OECD 2018, S. 27). 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