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  1. Genderstereotypische Zuschreibungen, die gesellschaftlich geprägt sind, beeinflussen die Subjektbildung bereits in frühen Kinderjahren. Stereotypische Erwartungen wie die Präferenz von Jungen zur Wahl der Farbe blau werden auf das Kind übertragen. Solche Zuschreibungen sind historisch relevant und heute noch aktuell. Dies betrifft auch die Lehrkraft und den Schüler: einem männlichen Schüler oder einer männlichen Lehrkraft werden andere Fähigkeiten oder Kompetenzen zugeschrieben als weiblichen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass „männlich“ und „weiblich“ konstruierte, dynamische Begriffe sind, die einen gewissen Stereotyp wiederspiegeln. Ein Effekt, der eine Genderrolle prägen kann, ist u.a. die Abwesenheit der männlichen Lehrkräfte an Grundschulen. Daraus können Kinder die Norm ableiten, dass Männer nicht in die Grundschule „gehören“/nicht dort arbeiten wollen. Dies kann eine prägende Erfahrung sein. Männern werden daher andere Kompetenzen zugeschrieben als Frauen. Aber auch Zuschreibungen wie „die Jungs, die stören“ oder „Mädchen können kein Mathe“ inszinieren Gender und die jeweiligen Zuschreibungen im Kontext Schule.
  2. In meinem Praktikum hat die Lehrkraft oft gendertypische Stereotypen in der Anrede der Kidner benutzt. Wenn ein Mädchen mit einer pinken Schleife in den Klassenraum kam, hat die Lehrkraft gesagt: „Das ist aber eine schöne Schleife! Und ann auch noch in pink. Das passt wunderbar zu dir.“ Andererseits hat die Lehrkraft „die starken Jungs“ um Mithilfe beim verrücken der Tische gebeten. Ich denke nicht, dass die Zuordnung zu genderstereotypischen Bildern bewusst geschehen ist. Dieses Bild haben auch die Eltern vermittelt (soziokultureller Hintergrund). Bei der Einschulung hat ausnahmslos alle Mädchen eine rosa Einschulungstüte gehabt und die Jungs hatten Motive wie Dinosaurier oder Fußball auf ihren Einschulungstüten. Die Lehrkräfte sowie die Eltern prägen dasselbe genderstereotypische Bild von den Kindern und wie sie sich genderspezifisch zu verhlaten haben und was sie tragen sollen oder welche farben zu ihnen passen oder ähnliches. Die aufgezeigten stereotypischen Zuschreibungen zeigen ein spzifisches Genderplay in der Grundschule auf.
  3. Unter der Berücksichtigung des Heterogenitätsfeldes Sprache wäre es interessant zu beobachten, wie sich das Anrufungsverhalten von Lehrkäften an Schüler*innen genderspezifisch unterscheidet. Dabei wäre der Fokus auf genderdeutende Aspekte der Ansprache zu legen, die suggerieren, welchem Geschlecht die Lehrkraft das Kind zuordnet. Signifikant wären Anrufungen wie „Junge/Mädchen!“, „Junges Fräulein,…“, „Sportsfreund“ oder „Meine Liebe“. Die Beobachtungsfrage lässt sich auf die Theorie von Judith Butler zurückführen, in welche ich mich einlesen müsste.