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Die Gesellschaft des 21. Jahrhundertes sieht sich, wie Generationen vor ihr, den Aufgaben von Immigration gegenüber gestellt. Es ist nicht verwunderlich, dass Migration im schulischen Kontext ein Thema ist. Dieser Beitrag fixiert dabei den Aspekt von (Deutsch als Zweit-)Sprache. Gründe, die für eine Thematisierung von Deutsch als Zweitsprache (im Folgenden akrynomisiert als DaZ) sprechen sind u.a. ein Einfluss der Mehrsprachlichkeit der Kinder auf die Heterogenität der Lerngruppe. Entscheidend für die erste Aufgabenstellung ist das Argument, dass die sprachliche Leistung der Kinder die Lehrer*innen in ihrer Beurteilung der Kinder beeinflussen.

Wird die Versetzung eines Schülers in eine weiterführende Schule diskutiert, so wird diese Beurteilung durch die sprachliche Leistung des Schüler geprägt. Es scheint als habe dieser Schüler die koginitive Kompetenz das Gymnasium zu besuchen. Auf einer Realschule könnte es zur (kognitiven) Unterforderung des Schülers kommen. Dies könnte den Bildungserfolg des Schüler behindern und einen negativen Trend in seinem Bildungsweg auslösen. Auf der anderen Seite wiegt die Tatsache, dass die sprachlichen Fähigkeiten eine Überforderung auf einem Gymnasium wahrscheinlich oder absehbar machen, mit. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass sich Bildungssprache stark von Alltagssprache unterscheidet, und die Kenntnisse der deutschen Sprache des Schülers hinter den sprachlichen Leistungen der Kinder mit Deutsch als Muttersprache zurückbleiben, ist anzunehmen, dass eine Überforderung in dem Verstehen von Aufgabenstellungen und in der/dem Kommunikation/Ausdruck von Gedanken wahrscheinlich. Eine solche Beurteilung ist stets auf individueller Basis und für jedes Kind differenziert zu betrachten. In diesem Fall, wo lediglich die sprachliche Barriere eine Versetzung auf das Gymnasium verhindert, sollte eine individuelle Förderung des Schülers ermöglicht werden, damit er das Gymnasium besuchen kann.

In einem Praktikum vor Beginn des Studiums habe ich an einer gesonderten Unterrichtung  von Kindern mit Migrationserfahrung und DaZ teilgenommen. In einer Lerngruppe von 4-5 Kindern hat die Lehrperson möglichst individuell versucht die Deutschkenntnisse der Kinder zu verbessern. Dazu wurde viel mit ikonischen Bildern gearbeitet. Die Kinder sollten dabei einmal den Gegenstand in ihrer Muttersprache benennen und dann entweder das deutsche Wort sagen, wenn sie es kennen, oder die Lehrperson hat das (neue) Wort genannt. Das zugrundegelegte Konzept des Codeswitchens hat den Kindern geholfen, Sicherheit in dem Umgang mit neuen Wörtern zu gewinnen und mögliche Defizite auszugleichen. Den Kindern, die mitunter diesselbe Muttersprache haben, hat dieses Konzept geholfen. Der geschützte Rahmen hat zudem dafür gesorgt, dass Fehler nicht als peinlich sondern als bereichernd wahrgenommen worden.

Unabhängig von den Inhalten dieser Vorlesung habe ich Sprache immer als Schlüssel zu einer Kultur, zu einem Menschen, wahrgenommen. Das Kinderbuch „An dem Tag, als Saida zu uns kam“ veranschaulicht dieses Gefühl. Daher finde ich es wichtig, vor allem in Bezug auf die Vorlesung, Mehrsprachlichkeit im Unterricht  zu thematisieren und greifbar zu machen. Eine Greifbarkeit könnte durch das Erstellen von Sprachportraits gelingen oder durch die Behandlung einer Geschichte wie „An dem Tag, als Saida zu uns kam“ . Klarzustellen wäre ebenso, dass Mehrsprachigkeit ein Teil von Heterogenität ist. Genauso sollte klar werden, dass es zum Verständnis von Heterogenität gehört auch andere Sprachen, die für die Kinder von Bedeutung sind,  in die Unterrichtsgestaltung zu integrieren. Neben der Kompetenz der Vermittlung von DaZ fehlt mir in diesem kontext vor allem eine Erfahrung mit Kindern mit DaZ. Hier gilt es mich weiterzubilden.

Um registersensiblen Fachunterricht gestalten zu können, ist die Förderung der Selbstverständlichkeit von Mehrsprachigkeit im Kontext des Unterrichts und die Einbeziehung von verschiedenen Sprachen wichtig. Die Lehrperson hat dabei die Aufgabe den Einfluss der Sprachen im Unterricht als bereicherend zu vermitteln und die Komeptenzen der Schüler im Umgang mit Sprache zu stärken. Hierzu zählt sowohl die individuelle Fördeurng von Kindern mit sprachlichen schwachen Leistungen als auch die Förderung der Kinder mit sprachlich starken Leistungen. Hinzu kommt, dass eine Lehrpersons stets unterstützend wirkend helfen sollte und Hilfsmittel für die Kinder bereitstellen sollte.