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Wenn man dem Fußballer Leon Goretzka Glauben schenkt, dann ist Integration kein Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Migrationsbedingte Heterogenität in Schulen und damit einhergehende Integration von Kindern mit Migrationserfahrung erfuhr ich in einem Praktikum vor Beginn meines Studiums. In einer Schule in einem sozioökonomisch schwachen Stadtteil Bremens erhielten Kinder mit wenig bis nicht vorhandenen Kenntnissen der deutschen Sprache Förderunterricht. In Kleingruppen, 3-5 Teilnehmer, arbeitete eine Lehrkraft einmal täglich mit den Kindern und der Zielsetzung, die Deutschkenntnisse der Kinder zu verbessern (durch u.a. (Vor-)Lesen). Dabei war auch die Heterogenität der Gruppe kennzeichnend: es gab Kinder, die schon Deutsch sprechen konnten, andere sprachen kaum Deutsch. Ebenso herrschte Kulturpluralismus in der Lerngemeinschaft. Auffällig war, dass die Kinder, wenn sie von ihren Klassen abgeholt worden sind, wie selbstverständlich in den Förderunterricht gegangen sind. Es war ein Bestandteil des schulischen Alltags und wurde von allen Kindern der Schule als solcher aufgefasst – als eine Selbstverständlichkeit. Die Förderung der Kinder lässt sich in das Konzept der „Ausländerpädagogik“ einordnen. Unter  den Charakteristika der Sprachförderung, der gesonderten Schulung in exklusiven Kursen und der Zielsetzung des Erlernens der deutschen Sprach (also Homogenität) grenzt sich das Konzept klar zur Interkulturellen und Antirassistischen Pädagogik ab.  Auf der anderen Seite wurde innerhalb des Kurses eine große Bedeutung auf die verschiedenen Kulturen gelegt, aus denen die Kinder stammen. Ebenso war der Kurs ein geschlossener Rahmen, in dem die Kinder Erfahrungen miteinander teilen konnten. Somit wurde in der Lerngemeinschaft ein Beitrag zur Kulturvermittlung geleistet. Dies ließe sich der Interkulturellen Pädagogik zu ordnen.
Aus dem beschriebenen Konzept lässt sich eine Schnittstelle zwischen zwei verschiedenen Konzepten erkennen. Daraus resultierte die Frage, wie welches Konzept im schulischen Alltag eingesetzt wird. Unter den Gesichtspunkten der Überschneidung und Abgrenzung ließe sich beobachten, wie verschiedene pädagogische Konzepte simultan Einfluss auf ein schulisches Konzept haben. Es wäre daher interessant zu beobachten, welche Aspekte eines Konzeptes übernommen werden und wie dieser mit einem anderen Konzept interagiert, bzw. verbunden wird.
Dürfte ich eine Utopie selbst kreieren, dann wäre es die Selbstverständlichkeit zu vermitteln, dass gleich zu sein bedeutet, dass anders sein normal ist. Diese Erfahrung, die ich in der Schule (wenn auch in abgeschwächter Form gemacht habe), würde ich gerne in jede Schule tragen. Grundsätzlich finde den geschützten Rahmen, in dem die Kinder gefördert worden sind, wichtig, da hier auch traumatische Erlebnisse angesprochen werden könnten. Dennoch ist die Integration der Kinder in den Schulalltag wichtig. Wenn dies in einem exklusiven Unterricht gelingt, dann ist das eine Erfahrung, die mit anderen Schulen geteilt werden sollte.  Weitere Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Schule konnte ich anhand des dargestellten Projektes nicht fixieren.

 

Literatur: vgl. Vorlesung von C. Fantini