{"id":137,"date":"2023-03-15T13:28:55","date_gmt":"2023-03-15T12:28:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/?p=137"},"modified":"2023-03-15T13:49:41","modified_gmt":"2023-03-15T12:49:41","slug":"whats-the-name-of-the-game-does-ist-mean-anything-to-you","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/2023\/03\/15\/whats-the-name-of-the-game-does-ist-mean-anything-to-you\/","title":{"rendered":"\u201eWhat`s the name of the game? Does ist mean anything to you\u2026?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Welt ist im stetigen Wandel und so hat auch die Digitalisierung den Datingkosmos stark beeinflusst. Mit Apps wie Tinder haben wir die M\u00f6glichkeit, potenzielle Partner:innen auf der ganzen Welt zu finden. W\u00e4hrend sich das Datingverhalten fr\u00fcher auf das lokale Umfeld beschr\u00e4nkte und man in den pers\u00f6nlichen Kontakt treten musste, um Romantik oder K\u00f6rperlichkeit zu erfahren, haben wir heutzutage scheinbar unbegrenzte M\u00f6glichkeiten im Swipeprozess, wen wir sehen, lieben und mit wem wir schlafen wollen.<\/p>\n<p>Der Katalog an potenziellen Partnern scheint unbegrenzt. Auch der Gedanke, dass wenn man irgendwann nicht mehr weiterbl\u00e4ttert, wir jemanden oder etwas Besseres verpassen k\u00f6nnten, ist pr\u00e4sent. Mehrere unserer Interviewpartner haben das Gef\u00fchl Teil einer \u201eMassenabfertigung\u201c zu sein.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alexia.m4a?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alexia.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alexia.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Ale. (Name anonymisiert) kann sich mit dieser Form von Dating nicht identifizieren. Sie findet die Unterhaltungen und das Verhalten in diesen Situationen k\u00fcnstlich. Auch Ala.(Name anonymisiert) sieht das \u00e4hnlich. Sie hat das Gef\u00fchl, dass es gerade bei Onlinedates darum geht, sich so gut wie m\u00f6glich darzustellen, sodass man um die eigenen (und auch fremden) Komplexe herumwandert, was eine ehrliche Verbindung und ein Gespr\u00e4ch auf Augenh\u00f6he unm\u00f6glich macht. Gef\u00fchrte Unterhaltungen werden als k\u00fcnstlich beschrieben.<\/p>\n<p>Doch gibt es einen Unterschied zwischen Onlinedating und der Realit\u00e4t? K\u00f6nnen wir eine Person noch im realen Leben auf der Stra\u00dfe kennenlernen?<\/p>\n<p>Als wir Ad. (Name anonymisiert) diese Fragen stellten, wurde erst einmal nachgefragt, ob es nicht eine Pr\u00e4misse w\u00e4re, potenzielle Dates online kennenzulernen, um sich danach pers\u00f6nlich zu treffen. Diese Aussage hat uns ehrlich gesagt etwas schockiert. Es gibt also schon Menschen, die ein Kennenlernen in der Realit\u00e4t durch einen Blick oder ein L\u00e4cheln ausschlie\u00dfen und auch diese potenziellen Zeichen im Zweifel gar nicht mehr wahrnehmen. Der Fokus ist stark auf den digitalen Bereich gelenkt. Als wir genauer erl\u00e4uterten erkl\u00e4rt uns Ad. (Name anonymisiert), dass es ja gar nicht mehr vorkommt, dass man auf der Stra\u00dfe angesprochen wird. Selbst wenn einer den Mut hat, dann wird der- oder diejenige wahrscheinlich mit einem abf\u00e4lligen Blick bestraft und geht mit einer negativen Erfahrung aus der Sache heraus. Ad. (Name anonymisiert) findet das sehr schade.<\/p>\n<p>Online Dating scheint also pr\u00e4senter zu sein denn je. In den Interviews fiel ebenfalls auf, dass K\u00f6rperlichkeit eine sehr gro\u00dfe Rolle spielt. Die Suche nach neuen Leuten und Spa\u00df ohne Zwang ist bei M\u00e4nnern, als auch bei Frauen im Fokus. K\u00f6rperlichkeit r\u00fcckt meist schon fr\u00fch in den Fokus der Onlineunterhaltungen. Dabei k\u00f6nnen die Nachrichten sehr direkt und anst\u00f6\u00dfig sein.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Damian.m4a?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Damian.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Damian.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Gerade in der Datingszene von Homosexuellen, scheint das ein Problem zu sein. Hier wurde \u00a0mehrmals auf die die App \u201eGrindr\u201c verwiesen. Ad. (Name anonymisiert) Und Os. (Name anonymisiert) erz\u00e4hlen uns, dass dort wirklich reine K\u00f6rperlichkeit im Fokus stehen soll. Man bekomme anst\u00f6\u00dfige Nachrichten und Bilder, nach denen man nicht gefragt hat, obwohl man jene Dinge vorher klar im eigenen Profil kommuniziert hat.<\/p>\n<p>\u201eEs ist ganz schlimm.\u201c \u2013 Os.<\/p>\n<p>Das hat uns neugierig gemacht. Da wir uns f\u00fcr die Interviews auf die Datingapp Tinder beschr\u00e4nkten, f\u00fchrten wir aus Neugier ein provisorisches Selbstexperiment durch. Wir meldeten uns bei Grindr an. Allerdings hatten wir keine Beschreibung zu uns, kein Bild und nutzen unseren Gruppennamen Paco als Namen. Innerhalb weniger Stunden erhielten wir Nachrichten, Fragen nach schnellen Treffen und auch Bilder, nach denen wir nicht gefragt haben. Dieses Verhalten auf Grindr ist problematisch. Selbstverst\u00e4ndlich ist das nicht nur ein Ph\u00e4nomen der homosexuellen Szene. Mit \u00e4hnlichen Nachrichten k\u00e4mpfen Frauen tagt\u00e4glich, teilweise ohne sich auf Datingapps zu bewegen.<\/p>\n<p>\u201eIch habe mich als Frau sehr h\u00e4ufig als Mittel zum Zweck gef\u00fchlt. Es sollte nicht Sinn des Lebens und des Datings sein, das Ego zu pushen und Bed\u00fcrfnisse zu stillen.\u201c &#8211; Ala.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rt auch, dass sie Onlinedating nicht verteufelt und dass es sogar ganz cool ist, wenn man Dinge klar kommuniziert. Allerdings ist das h\u00e4ufig nicht der Fall. Ala. (Name anonymisiert) beschreibt es als \u201eHit or Miss\u201c. Eine gute Selbstdarstellung ist hierbei der Schl\u00fcssel. Sie hat das Gef\u00fchl, dass viele M\u00e4nner nach dem gleichen Schema daten. Sie haben die gleichen Fragen, die gleichen Formulierungen und sie hat das Gef\u00fchl mit Robotern zu reden.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-3\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alara.m4a?_=3\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alara.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Alara.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Doch sind Datingapps im Zweifel nicht auch darauf ausgelegt, schnell und unkompliziert neue Leute zu treffen, die das Gleiche suchen?<\/p>\n<p>Ri. (Name anonymisiert) macht von Anfang an klar, dass es f\u00fcr sie Unterschiede zwischen Dates und Sextreffen gibt. Sie findet es schwierig zu sagen, dass heutzutage alle nur noch \u201ev\u00f6geln\u201c und keine feste Partnerschaft wollen. Ri. (Name anonymisiert) sieht es als Vorteil, dass die Gesellschaft sich in diesen Themen zu \u00f6ffnen beginnt, da sich die Menschen ausprobieren und f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen, was sie gut finden. Dennoch betont sie auch, dass der Umgang miteinander eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-4\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat.m4a?_=4\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat.m4a<\/a><\/audio>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-5\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat-2.m4a?_=5\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat-2.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Rieke-Zitat-2.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Wir haben mit unseren Interviewpartnern versucht, auch Dating zu beleuchten, welches sich nicht \u00fcber Apps oder digitale Plattformen abwickelt. Dabei wurde klar, dass das Kennenlernen von einer Person unabh\u00e4ngig von Onlinedating in einem besseren Licht steht. Gerade wenn die Person aus dem pers\u00f6nlichen Umfeld kommt, l\u00e4sst man es langsamer angehen. Die Beziehung zueinander entwickelt sich nat\u00fcrlicher als bei einem Onlinedate und es wird auch respektvoller miteinander umgegangen. Das kann daran liegen, dass zum einen der Person von Anfang an pers\u00f6nlich gegen\u00fcbergestanden und keine Version von sich inszeniert wird und zum anderen da wahrscheinlich ein gewisses soziales Risiko damit einhergeht, wenn ein potenzieller Partner aus dem nahen Umfeld kommt. Nicht nur die Beziehung zueinander ist pr\u00e4sent sondern auch die Beziehung zu Freunden, die den Partner ebenfalls schon kennen. Gerade wenn das soziale Umfeld geteilt wird. Au\u00dferdem soll das Vertrauen in den Gegen\u00fcber leichter fallen und das Kennenlernen ist spannender, weil sich zuvor kein Bild durch eine digitale Selbstdarstellung gemacht werden konnte.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137-6\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Clara.m4a?_=6\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Clara.m4a\">https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/beziehungsmodelle\/files\/Zitat-Clara.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Wie ABBA schon sagte: \u201eWhat`s the name of the game? Does it mean anything to you\u2026?\u201c<\/p>\n<p>Liebe ist kompliziert. Dating ist kompliziert. Einige finden die Liebe, andere nicht. Online Dating hat vor und Nachteile und pr\u00e4gt unser menschliches Miteinander. Wie andere Teile der Gesellschaft ist die Welt von potenziellen Partnern schnelllebig. Doch kann es nicht vielleicht auch ein Vorteil sein, diese Freiheit zu haben? K\u00f6nnen wir dieses Privileg vielleicht nutzen, um den Gedanken der Selbstverwirklichung zu nutzen und auch Sex, Sexualit\u00e4t und unterschiedliche Lebensweisen in der Gesellschaft zu normalisieren? Ein gesundes und respektvolles Miteinander ist daf\u00fcr der Schl\u00fcssel und es ist wichtig, dass man dem Strom auch entkommen kann, wenn man sich nicht in eine Rolle zwingen lassen m\u00f6chte. Am Ende sind wir n\u00e4mlich alle irgendwo Teil des Spiels.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Welt ist im stetigen Wandel und so hat auch die Digitalisierung den Datingkosmos stark beeinflusst. Mit Apps wie Tinder haben wir die M\u00f6glichkeit, potenzielle Partner:innen auf der ganzen Welt zu finden. 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