{"id":20,"date":"2023-07-26T22:40:00","date_gmt":"2023-07-26T20:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/benteinbremen\/?p=20"},"modified":"2023-07-26T22:40:00","modified_gmt":"2023-07-26T20:40:00","slug":"abschlussrezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/benteinbremen\/2023\/07\/26\/abschlussrezension\/","title":{"rendered":"Abschlussrezension"},"content":{"rendered":"<p>Abschlussreflexion <\/p>\n<p>Mich beeindruckte besonders die Thematik der systematischen Diskreminierung von Menschen mit Behinderung. Von dem medizinischen Modell (Oliver, Mike (1996): Understanding Disability. From Theory to Practice. Palgrave Macmillan: Houndmills\/ Basingstoke) und dessen langj\u00e4hrigen Wirkungszeit in der Gesellschaft zu lernen, hat mir auch dabei geholfen das heutige Schulsystem bez\u00fcglich der Teilhabem\u00f6glichkeiten in Frage zu stellen. Der Fall Nehad Mihailovic, der f\u00fcr ein Systemscheitern auf der schulischen und die der Bundesebene steht, hat mich darin best\u00e4rkt, dass das Schulumfeld entscheidend ist, wenn es um die Einforderung der Rechte der Kinder geht. Es ist auch wichtig, den historischen Kampf f\u00fcr Mitbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu ber\u00fccksichtigen. Als Lehrkraft sollte ich reflektieren, wie ich dazu beitragen kann, dass das Bremer Schulgesetz, das nicht zuletzt aufgrund der UN-Behindertenrechtskonvention entstanden ist, umgesetzt wird (Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). Die UN-Behindertenrechtskonvention \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen.).<br \/>\nBez\u00fcglich meines Faches Geschichte w\u00e4re ein Aufarbeiten des historischen Kampfes m\u00f6glich, auch die Thematisierung der UN- Konvention.<br \/>\nF\u00fcr folgende Dinge w\u00fcrde ich mich gerne im Schulalltag einsetzen: Zum einen k\u00f6nnte ich als Lehrkraft den Kontakt zu den Eltern pflegen, um die individuellen Bed\u00fcrfnisse des Kindes zu besprechen. Grunds\u00e4tzlich sollte dies aber immer der Fall sein, um eine weniger hierarchischen und einen dadurch empathischeren Umgang mit den Sch\u00fcler*innen zu gestalten. Zum anderen sollte der Fokus die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Kinder und nicht die fachdidaktischen Inhalte sein. Um physische Barrieren zu \u00fcberwinden, sollte ich mich f\u00fcr kreative Zwischenl\u00f6sungen einsetzen. Die k\u00f6nnten zum Beispiel Raumwechsel oder Unterricht in einem Container sein, bis eine Modernisierung der R\u00e4umlichkeiten m\u00f6glich ist. Die Art der Kommunikation macht hier viel aus: Es sollte als Verst\u00e4ndlichkeit (mit klarem Verweis auf das Recht auf Teilhabe) vermittelt werden, nicht als \u201ezus\u00e4tzliche Last\u201c f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte.  Es ist auch wichtig, die Fachdidaktik generell kritisch zu hinterfragen. M\u00fcssen Sch\u00fcler*innen sich meinem Unterricht anzupassen? Kann ich besser auf die Sch\u00fcler*innen eingehen und den Fachinhalt anders gestalten? Geisteswissenschaftliche F\u00e4cher sollten auch praktisch vermittelt werden, damit alle Sch\u00fcler*innen (mit jeweils individuellen Lerntypen) im Unterricht sich angesprochen f\u00fchlen k\u00f6nnen. Hier kann ich also dem \u201emedizinischen Modell\u201c trotzen: Das System sollte sich der Sch\u00fclerschaft anpassen, nicht andersherum. <\/p>\n<p>2) Innerhalb meiner Schulzeit erlebte ich viele Versuche, den Anspr\u00fcchen auf Toleranz zu entsprechen, die aber oftmals scheiterten. Insbesondere bei der Thematik geschlechtlicher und sexueller Vielfalt kann ich auf mein eigenes Outing verweisen, welches viele Schwierigkeiten mit sich brachte. Auf mein Outing folgte eine Zeit, die ich r\u00fcckblickend als klassisches Mobbing bezeichnen w\u00fcrde. Somit versuchte ich so gut es ging die Klassengemeinschaft zu meiden, weigerte mich teilweise ganz die Schule zu besuchen. Anstatt das die zust\u00e4ndige Lehrkraft das Problem erkannte und sich p\u00e4dagogisch f\u00fcr Aufkl\u00e4rung in der Klassengemeinschaft einsetzte, wurde ich als betroffene Person dazu aufgefordert, mich der Mehrheit und auch dem System anzupassen. Diese Erfahrung der Ausgrenzung hat mich sensibilisiert und ich hoffe, als Lehrkraft \u00e4hnliche Prozesse bemerken zu k\u00f6nnen und mich f\u00fcr eine bessere Umgangsart einsetzen zu k\u00f6nnen. Als positives Beispiel aus meiner Schulzeit ist eine andere Lehrkraft zu nennen: Diese setzte sich f\u00fcr mich ein, ermunterte mich auch zum Schulbesuch. Sie signalisierte mir klar, dass ich mich nicht \u00e4ndern m\u00fcsse: Diese Erfahrung der sensiblen und reflektierten Umgangsform einer Lehrkraft pr\u00e4gt mich bis heute. Sp\u00e4ter setzte diese Lehrkraft sich auch f\u00fcr einen Sch\u00fcler ein, der aufgrund seiner Deutschkenntnisse nicht in die Oberstufe versetzt werden sollte. Auch hier hat sie viel bewirken k\u00f6nnen. F\u00fcr mich zeigen beide Beispiele den immensen Einfluss von Lehrkr\u00e4ften auf Sch\u00fcler*innen. <\/p>\n<p>3) Die theoretische Ebene erarbeitet zu haben empfand ich als richtig und wichtig. Anschlie\u00dfend w\u00fcrde mir jetzt der Einblick in die reelle Situation bremischer Schulen gefallen. Gibt es inklusive Geb\u00e4udegestaltung? Gibt es Gruppen oder bremische Vereine, die mich als Lehrkraft unterst\u00fctzen und beraten k\u00f6nnten? Welche Schwierigkeiten werden mich erwarten? Weiter w\u00fcrde ich es auch begr\u00fc\u00dfen, M\u00f6glichkeiten der Beschwerde im Falle der Diskreminierung zu kennen. Ich m\u00f6chte f\u00fcr eine, dem Umhet-Seminar entsprechende, Schule arbeiten und das System mitver\u00e4ndern: Doch um dies zu tun, ist es auch wichtig, m\u00f6gliche Hilfsangebote zu kennen. Eine weitere Fragestellung die ich gerne vertiefen w\u00fcrde, w\u00e4re die der Arbeit gegen jeglichen Antisemitismus im Schulleben. Ins besonders als sp\u00e4tere Geschichtslehrerin ist dies ein Fokus, den ich setzen m\u00f6chte. Eine Thematik die ich pers\u00f6nlich vermisst habe, ist die der Islamphobie. Viele begeisterte studierende Frauen m\u00fcssen sich einem ablehnenden, diskriminierenden und islamfeindlichen System stellen, das ihnen teilweise auch die Arbeit als Lehrerin verweigert, sollten sie einen Hijab tragen. Eine genauere Auseinandersetzung mit der rechtlichen Problematik und dem islamfeindlichen Diskurs in Deutschland h\u00e4tte mich sehr begeistert, gerade auch bez\u00fcglich des Umgangs mit Sch\u00fcler*innen. Ferner h\u00e4tte mir eine Sensibilisierung f\u00fcr die st\u00e4ndig vorfallenden Rassismen bez\u00fcglich muslimisch gelesener Jugendlichen begeistert. <\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis<br \/>\n&#8211; Oliver, Mike (1996): Understanding Disability. From Theory to Practice. Palgrave Macmillan: Houndmills\/ Basingstoke.<br \/>\n&#8211; Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). 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