{"id":10,"date":"2023-05-05T14:20:51","date_gmt":"2023-05-05T12:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/benteinbremen\/?p=10"},"modified":"2023-05-05T14:20:51","modified_gmt":"2023-05-05T12:20:51","slug":"die-bildung-von-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/benteinbremen\/2023\/05\/05\/die-bildung-von-morgen\/","title":{"rendered":"Die Bildung von morgen"},"content":{"rendered":"<p>1.\tWas bedeutet der Slogan: \u201eNicht \u00fcber uns ohne uns!\u201c hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? Er\u00f6rtern Sie dies anhand eines Beispiels und beziehen sich dabei auf die UN-BRK.<\/p>\n<p>&#8211;\tDer Slogan war Anfang der 1980er Jahre aus der internationalen politischen Behindertenbewegung entstanden, welche Mitbestimmung statt Bestimmung forderte (Folie 10). Zur selben Zeit pr\u00e4gte das medizinische Modell den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Menschen mit Behinderungen wurden als unf\u00e4hig wahrgenommen, f\u00fcr sich selbst gute Entscheidungen zu treffen, Entm\u00fcndigung folgte. Bis heute sind solche Ans\u00e4tze Gang und Gebe: Mein Onkel, der mit dem Trisomie 21 lebt, wird noch heute mit strengen Regeln im Alltag konfrontiert. Es gibt feste Schlafenszeiten, Ausgang ist auch nur mit einer Begleitperson m\u00f6glich (die darf nat\u00fcrlich keine Behinderung haben). Seine stundenlange Arbeit in einer \u201eBehindertenwerkstatt\u201c wird mit einem kleinen Taschengeld bezahlt, dass nicht ansatzweise den Mindestlohn deckt. Er arbeitet daf\u00fcr mindestens 6 Stunden am Tag. Die Kommunikation l\u00e4uft meistens \u00dcBER ihn, selten sprechen die Mitarbeitenden (und einige andere Menschen in seinem Umfeld) auf Augenh\u00f6he mit ihm. Eine aktive und informierte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an allen sie betreffenden Entscheidungen ist eine grunds\u00e4tzliche Voraussetzung f\u00fcr ihre gleichberechtigte Teilhabe: Dadurch das meinem Onkel an grundlegender Information fehlt, ist es f\u00fcr ihn auch nicht m\u00f6glich aus dem System heraus zu kommen und an Selbstst\u00e4ndigkeit dazu zu gewinnen. Letztendlich ist es schwer zu sagen, wie Selbstst\u00e4ndig und So wird ihm der zentrale Grundsatz der UN-Konvention (Folie 10, Beauftragter der Bundesregierung f. d. Belange von Menschen mit Behinderungen\/2018) \u201eNicht \u00fcber uns ohne uns\u201c verweigert.<\/p>\n<p>2.\tBitte reflektieren Sie die Erfahrungen der beiden G\u00e4ste, Amelie Gerdes und Silas Palkowski, vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen: Welche Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren (u.a. r\u00e4umlich, personell, materiell) sind in der Schule und im \u00dcbergang in den Beruf \/ das Studium bezogen auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung f\u00f6rderlich und welche hinderlich?<\/p>\n<p>&#8211;\tF\u00f6rderlich ist erstmal die Erm\u00f6glichung der Teilnahme und die Entstehung der Modelprojekte. Doch mit der geht einher (wie an der HSK Otterberg auch reflektiert, Folie 12), dass personelle und lehrspezifische Strukturen auch aktiv angepasst werden m\u00fcssen, um eine inklusive Lehre zu erm\u00f6glichen. Das System ist nicht f\u00fcr eine inklusive und demnach allen zug\u00e4ngliche Bildung ausgelegt. Institutionen, die sich f\u00fcr Inklusion einsetzen und diese erm\u00f6glichen, brauchen Unterst\u00fctzung im Wandelprozess. Gerade Silas Palkowski ist zus\u00e4tzlich auf eine r\u00e4umliche Inklusion angewiesen. Menschen, die auf Rollstuhl\/ Gehhilfen oder sonstigen Unterst\u00fctzungsmitteln angewiesen sind, m\u00fcssen zuerst r\u00e4umlich Zutritt haben, um anschlie\u00dfend materielle und soziale Inklusion erfahren zu k\u00f6nnen. Hier ist also auch ein systemischer Wandel verpflichtend, ohne r\u00e4umliche Inklusion ist auch eine inklusive Lehre nicht m\u00f6glich. <\/p>\n<p>3.\tIn der Vorlesung wurde auch die Perspektive der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung angesprochen. Welche Bedeutsamkeit messen Sie der Zusammenarbeit mit Eltern bei und welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus f\u00fcr sich als angehende Lehrkraft ab?<\/p>\n<p>&#8211;\tEine respektvolle und motivierte Zusammenarbeit mit den Eltern von Kindern mit Behinderung ist wertvoll. Diese haben eine ganz andere Perspektive auf die M\u00f6glichkeiten und Schwierigkeiten ihrer Kinder, gestellte Forderungen sind oftmals sehr Kind-fokussiert und weniger Problem-orientiert. Als angehende Lehrkraft ist es mir sehr wichtig, eine inklusive Bildung als Norm zu fordern und Kindern (sowie ihren Eltern) mit Respekt zu begegnen. Dazu geh\u00f6rt es, dass alte System kritisch wahrzunehmen und auch mit mir sp\u00e4ter im Berufsalltag streng zu sein. Nur so kann ich dem bremischen Schulgesetz (Folie 7, BremSchulG\/ 2005) gerecht werden, nur so komme ich meinem pers\u00f6nlichen Ideal von gerechter Bildung und einer gerechten Gesellschaft (Folie 8) n\u00e4her.<\/p>\n<p>Bremisches Schulgesetz (BremSchulG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. Juni 2005 (Brem.GBl. 2005, S. 260, 388, 398), zuletzt Inhaltsverzeichnis ge\u00e4ndert, \u00a7 72a neu gefasst durch Artikel 4 des Gesetzes vom 14. Dezember 2021 (Brem.GBl. S. 913, 917)<\/p>\n<p>Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). Die UN-Behindertenrechtskonvention \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen. URL: https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/DB_Menschenrechtsschutz\/CRPD\/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf, letzter Abruf am: 29.04.2023. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Was bedeutet der Slogan: \u201eNicht \u00fcber uns ohne uns!\u201c hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? Er\u00f6rtern Sie dies anhand eines Beispiels und beziehen sich dabei auf die UN-BRK. &#8211; Der Slogan war Anfang der 1980er Jahre aus der internationalen politischen Behindertenbewegung entstanden, welche Mitbestimmung statt Bestimmung forderte (Folie 10). 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