Ringvorlesung 07 – Genderpädagogik in Schulen

1.

In der siebten Ringvorlesung bei Dr. Christoph Fantini wurde das Thema „Heterogentitätskategorie Geschlecht/Gender in Schule- im Spannungsfeld von Inszenierung und Zuschreibung“ behandelt. Zu Beginn der Vorlesung wurden wir gebeten, an einer Umfrage auf menti.com teilzunehmen. Diese Umfrage sollte ermitteln in wieweit Frauen und Männer sich durch ihre Profilbilder auf der Universitäts Plattform StudIp selbst darstellen. Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen und Männer sich beide selbst inszenieren, jedoch auf unterschiedlichen Art und Weise. Während Frauen sich oft modisch und gestyled zeigten, legten die Männer mehr Wert darauf, ihre Seite witzig und humorvoll zu gestalten. Auch auf anderen Plattformen konnte ich diese Ergebnisse beobachten (Facebook, Twitter, Instagram, usw.).

Nicht nur bei Erwachsenen kann man diese Selbst Inszenierung des Geschlechts beobachten, sondern auch bei Kindern und SuS. „Frauen sind anders als Männer und müssen sich deshalb anders verhalten“. Genderspezifisches Denken wird Kindern schon sehr früh beigebracht. Zu dieser Problematik sahen wir uns eine Studie mit Grundschülern an. Sie schienen alle ein festes Bild der Geschlechterrollen zu haben. Dr. Christoph Fantini las mehre Aussagen der Grundschüler vor. Besonders fiel einem die Behauptung auf, dass Frauen eher klug und Männer stark sind. Diese Denkweise erscheint mir als ein großes Problem, denn so werden Motivation, Gedanken und Bildungsweg der SuS stark beeinflusst.

2.

Im Laufe meiner eigenen Schulzeit habe ich Gendervorurteile und dessen Auswirkungen auf die Lernmotivation miterlebt. In den naturwissenschaftlichen Fächern hatte ich von der Mittelstufe bis zu meinem Abschluss fast nur Männliche Lehrkräfte. Besonders war unser damaliger Physik Lehrer davon überzeugt, dass nur Jungen wahres Interesse und Talent in diesem Fach hätten. Die Schülerinnen wurden kaum beachtet oder in den Unterricht mit einbezogen, sie bekamen gute Noten bei wenig Mitarbeit. Mir schien es so, dass er schon zufrieden war, wenn Schülerinnen zu seinem Unterricht kamen. Die Schüler dagegen mussten sich sehr anstrengen, wurden gefordert und auf ihre Schwächen wurde eingegangen. Das Ganze wirkte sich ziemlich stark auf die Arbeitsatmosphäre der Klasse aus, die Schülerinnen fühlten sich ausgeschlossen und verloren schnell das Interesse an dem Fach. Besonders heute ist mir bewusst, dass unser damaliger Lehrer durch Gendersensiblen Unterricht auch die Schülerinnen dazu gebracht hätte, Spaß am Physik Unterricht zu finden.

3.

Während meines Praktikums an der Schule würde ich gerne beobachten, inwieweit das Genderspezifische Denken bei SuS ausgeprägt ist. Woher kommt diese Art des Denkens und gibt es einen Unterschied und Einfluss durch die verschiedenen familiären Hintergründe der SuS?

2 Gedanken zu „Ringvorlesung 07 – Genderpädagogik in Schulen“

  1. Hallo Ceylan-Deniz,
    ich bedanke mich bei dir, für das Verfassen dieses Beitrages, da ich ihn mit großem Interesse gelesen habe.
    Wie auch du erkenne ich die Tatsache, dass Kindern bereits sehr früh genderspezifisches Denken beigebracht wird, als ein Problem an. Dies führt nämlich dazu, dass Kinder demotiviert sind und bereits in ihrem jungen Alter den Glauben haben, dass sie nicht in der Lage sind gewisse Dinge zu tun, da ihr Geschlecht bestimmt ob sie von Geburt an die Fähigkeit besitzen diese durchzuführen. Eine Demonstration dessen wäre zum Beispiel, dass ein Junge sich für einen Ausbildungsberuf entscheidet, ohne ein Studium überhaupt in Erwägung zu ziehen, weil ihm von klein auf eingedröhnt wurde, dass Männer nicht schlau genug sind, ein Studium abzuschließen und dass sie daher eher einen Berufsweg eingehen sollten, der auf ihrer körperlichen Stärke aufbaut. So eine Art des Denkens führt dazu, dass Menschen nicht ihr volles Potenzial erreichen können, da die falsche Behauptung, dass Frauen eher klug und Männer stark sind, sie davon abhält. Deshalb ist es sehr wichtig, das Verbreiten solcher Vorurteile zu verhindern.
    Deine Reflexion bisheriger Praxiserfahrungen aus deiner eigenen Schulzeit überrascht mich nicht, da ich während meiner Schulkarriere ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Nur ist es in meinem Fall so gewesen, dass so ein Verhalten besonders im Sportunterricht auffällig war. Ich hatte eine männliche Lehrkraft im Sportunterricht, welcher den Schülerinnen drastisch bessere Noten für eine Leistung gegeben hat, die eher mittelmäßig war, während die Schüler welche eindeutig leistungsstarker waren, schlechtere Noten bekommen haben, weil der Lehrer deutlich höhere Erwartungen an diese hatte. Dieses Verhalten wurde von vielen Schülern als unfair empfunden und sorgte für viel Unruhe im Sportunterricht.
    Deine Beobachtungsaufgabe gefällt mir sehr, da es mich ebenfalls interessieren würde zu beobachten, inwieweit das genderspezifische Denken bei SuS ausgeprägt ist und ob es von familiären Hintergründen beeinflusst wird.

  2. Liebe Ceylan,
    du hast die Vorlesung sehr passend zusammengefasst. Interessant finde ich, dass du in den sozialen Netzwerken die Erfahrung gemacht hast, dass Männer eher lustige/ humorvolle Bilder und im Gegensatz dazu Frauen eher modische/ gestylte Bilder reinstellen. Denn ich persönlich war der Meinung, dass das auch bei der Befragung nur Vorurteile waren. Es könnte genauso gut auch andersrum ausfallen, was auch ganz natürlich wäre. Wobei ich der Meinung bin, dass viele dem Folgen, was denen Vorgespielt wird. Dass die Denkweise die du genannt hast die SuS in unterschiedlicher Art und Weise beeinflusst stimmt voll und ganz.
    Weil du Erfahrung in deiner Schulzeit zum „Genderbegriff“ machen musstest finde ich echt schade. Ich finde den Ansatz deines Physik Lehrers nicht in Ordnung und hoffe , dass sich das in der Zukunft verändert. Dein Beobachtungsvorschlag ist zwar durchführbar, aber interessant wäre auch zu sehen, ob der Lehrer nach Wege sucht, wodurch alle SuS zum Unterricht motiviert werden.

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