{"id":21,"date":"2023-06-20T14:36:18","date_gmt":"2023-06-20T12:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhetbipebelisa\/?p=21"},"modified":"2023-06-20T14:36:18","modified_gmt":"2023-06-20T12:36:18","slug":"heterogenitaet-im-schriftspracherwerb-elementare-schriftkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhetbipebelisa\/2023\/06\/20\/heterogenitaet-im-schriftspracherwerb-elementare-schriftkultur\/","title":{"rendered":"Heterogenit\u00e4t im Schriftspracherwerb \u2013 elementare Schriftkultur"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><em><span style=\"font-size: 14pt\">W\u00e4hlen Sie ein \u201eleeres Blatt\u201c oder die \u201eMemory mit Schrift\u201c-Szene von Mia und Anastasia und beschreiben Sie m\u00f6glichst genau an Beispielen aus dem Material, welche Zug\u00e4nge zur Schrift die Kinder bereits gefunden haben (z.B. Was wissen sie \u00fcber Schrift? Wie nutzen sie Schrift?, was bedeutet ihnen Schrift?, worin unterscheiden sich ihre Schrifterfahrungen?) Sie k\u00f6nnen zur Unterst\u00fctzung den Text von Dehn, Mechthild\/H\u00fcttis-Graff, Petra (2000) (Hrsg.): Zeit f\u00fcr die Schrift II. Beobachtung und Diagnose. Berlin, S. 32-54 nutzen.<\/span><\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Methode &#8222;leeres Blatt&#8220; erweist sich als geeignetes Werkzeug um w\u00e4hrend der Schuleingangsphase zu kl\u00e4ren, was ein Kind im Bereich Schriftspracherwerb bereits alles kann. Das leere Blatt in der Pr\u00e4sentation zeigt, dass das Kind bereits wei\u00df, dass bestimmte W\u00f6rter (hier Nomen und Namen) gro\u00df geschrieben werden (vgl. Folie 9, RVL 09). Diese W\u00f6rter werden so geschrieben, wie man sie spricht, was daf\u00fcr spricht, dass dieses Kind bestimmte Laute und W\u00f6rter bereits fixiert hat (vgl. Dehn \/ H\u00fcttis-Graff, 2000, S. 38). Au\u00dferdem kann es das gesamte Alphabet in Gro\u00dfbuchstaben aufschreiben (vgl. Folie 9, RVL 09). Das zweite Kind kann hingegen schon kurze S\u00e4tze schreiben, wie &#8222;Mama malt Timo&#8220; (vgl. Folie 10, RVL 09). Beide Kinder haben (vermutlich) W\u00f6rter verwendet, welche ihnen h\u00e4ufig begegnen und ein Teil ihrer Lebenswelt sind, wie Mama, Papa oder Namen von Freunden, Familienmitgliedern oder Haustieren. Zudem ist den Kindern unterbewusst das phonographische Prinzip gel\u00e4ufig, da sie so schreiben, wie man sie spricht. Diese W\u00f6rter stellen eine niedrige Eingangsschwelle in den Schriftspracherwerb dar, da jedes Kind einen individuellen Zugang zu einer Vielzahl von Bezugsw\u00f6rtern hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 14pt\">2. Erkl\u00e4ren Sie den Begriff \u201eelementare Schriftkultur\u201c , grenzen Sie ihn von dem Begriff der Kulturtechnik ab. F\u00fchren Sie anschlie\u00dfend drei Beispiele konkret aus, in denen Sie Kindern in Kita oder Unterricht bereits Zug\u00e4nge zur elementaren Schriftkultur erm\u00f6glicht haben bzw. erm\u00f6glichen k\u00f6nnten. Sie k\u00f6nnen zur Unterst\u00fctzung den Text aus Sch\u00fcler, Lis (2021) (Hg.): Elementare Schriftkultur in heterogenen Lernkontexten. Zug\u00e4nge zu Schrift und Schriftlichkeit. Seelze: Klett\/Kallmeyer, S. 7-26 nutzen.<\/span><\/em><\/p>\n<p>Die Begrifflichkeit &#8222;elementare Schriftkultur&#8220; umfasst jegliche erste Zug\u00e4nge und Verkn\u00fcpfungen die zur Schrift geschaffen werden. So wird Schrift entweder formell (z.B. zum Schreiben eines Briefes) oder literarisch (z.B. zum Schreiben eine Geschichte) verwendet. So haben Kinder ganz unterschiedliche erste Ber\u00fchrungspunkte mit Geschriebenem, wie beispielsweise mit Schildern \/ Reklamen, Aufschriften, Karten. Auch das Beobachten von anderen wie sie dabei sind zu schreiben kann ein Ansto\u00df f\u00fcr den Erwerb von Schrift sein, ebenso wie beim Konsumieren von Medien, wie Filmen, B\u00fcchern oder H\u00f6rspielen. Zudem sind das eigenst\u00e4ndige Ausprobieren etwas zu Papier zu bringen oder ganz pers\u00f6nliche Bez\u00fcge, wie der eigene Name, der Name eines Familienmitglieds, Freundes oder Haustiers ebenfalls Zug\u00e4nge zum Schriftspracherwerb (vgl. Sch\u00fcler, 2022, S.152-154). Hierbei wird deutlich, dass jedes Kind eine subjektive Wahrnehmung von Schrift hat und individuelle Bez\u00fcge hierzu herstellt. In Abgrenzung zur elementaren Schriftkultur stehen die Kulturtechniken, welche den Deutschunterricht eher mit formalen Aspekten unterf\u00fcttern (vgl. Sch\u00fcler, 2022, S. 153). Sie umfassen die Fertigkeiten, welche erforderlich sind um Lesen und Schreiben (lernen) zu k\u00f6nnen. Hierbei sind s\u00e4mtliche orthographische Prizipien, sowie das weitere Verkn\u00fcpfen von Wissen zentral. Beide Aspekte sollen im Unterricht, sowie im Elementarbereich sinnvoll miteinander verzahnt sein (vgl. Sch\u00fcler, ebd.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><em>3. Die neuesten Ergebnisse der IGLU Studie zeigen einmal mehr, dass sich die Leistungsheterogenit\u00e4t im Lesen(lernen) weiter versch\u00e4rft. 25% der Kinder erreichen Ende Klasse 4 nur die Kompetenzstufe 1 und 2, k\u00f6nnen also im Grunde nicht lesen; weitere 35% lesen unterdurchschnittlich bis durchschnittlich (Stufe 3). Stellen Sie vor dem Hintergrund des weiten Begriffs von Schriftspracherwerb (Folie 20) und insbesondere des Begriffs der elementaren Schriftkultur \u00dcberlegungen dazu an, wie es zu diesen Ergebnissen kommen konnte und wie sich Leseunterricht ver\u00e4ndern m\u00fcsste, damit viel mehr Kinder zu Leser:innen werden k\u00f6nnen.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Lesen ist eine der wichtigsten F\u00e4higkeiten, die ein Kind in der Schule erwerben sollte. Hinsichtlich der elementaren Schriftkultur k\u00f6nnen f\u00fcr die Kinder bessere Zug\u00e4nge zum Lesen (und zum Schreiben) geschaffen werden, wenn sie eigene Erfahrungen mit Schrift machen und in ihrer Umwelt viele Ber\u00fchrungspunkte damit haben (vgl. Folie 3, RVL 09). Vermutlich wird zu Hause immer seltener vorgelesen, da Handys, das Internet etc. das Buch als Unterhaltungsmedium abl\u00f6sen. Somit haben die Kinder weniger Bez\u00fcge, weshalb ihnen m\u00f6gliche Zug\u00e4nge vorenthalten bleiben. Zudem hat das Homeschooling w\u00e4hrend der Pandemie den Austausch mit Gleichaltrigen oder das Thematisieren von Lesen im Allgemeinen unterbunden. Somit fallen nicht nur erste nat\u00fcrliche Ber\u00fchrungspunkte weg, sondern auch das erste offizielle Behandeln von Schrift. Da Lesen eine zentrale F\u00e4higkeit ist kann man diese auch im Mathematik-, Kunst- oder Sachunterricht einsetzen und nebenbei f\u00f6rdern. Im Deutschunterricht kann das laut Vorlesen gezielt in Zweierteams ge\u00fcbt werden. Zudem kann eine Leseecke eingerichtet werden um Schrift noch pr\u00e4senter zu machen und auch Kindern, die zu Hause vielleicht keine B\u00fccher haben zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><em>Quellen:<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><em>Dehn, Mechthild\/H\u00fcttis-Graff, Petra (2000) (Hrsg.): Zeit f\u00fcr die Schrift II. Beobachtung und Diagnose. Berlin, S. 32-54.<\/em><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt\">Sch\u00fcler, Lis (2021) (Hg.): Elementare Schriftkultur in heterogenen Lernkontexten. Zug\u00e4nge zu Schrift und Schriftlichkeit. Seelze: Klett\/Kallmeyer, S. 7-26. <\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt\">Harr, Anne-Kathrin\/Geist, Barbara (2022) (Hrsg.): Sprachf\u00f6rderung in Kindertagesst\u00e4tten S. 150-155.<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hlen Sie ein \u201eleeres Blatt\u201c oder die \u201eMemory mit Schrift\u201c-Szene von Mia und Anastasia und beschreiben Sie m\u00f6glichst genau an Beispielen aus dem Material, welche Zug\u00e4nge zur Schrift die Kinder bereits gefunden haben (z.B. Was wissen sie \u00fcber Schrift? Wie nutzen sie Schrift?, was bedeutet ihnen Schrift?, worin unterscheiden sich ihre Schrifterfahrungen?) 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