{"id":14,"date":"2023-05-31T10:33:08","date_gmt":"2023-05-31T08:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhetbipebelisa\/?p=14"},"modified":"2023-05-31T10:33:08","modified_gmt":"2023-05-31T08:33:08","slug":"welche-heterogenitaetsdimensionen-spielen-im-naturwissenschaftlichentechnischen-unterricht-eine-rolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhetbipebelisa\/2023\/05\/31\/welche-heterogenitaetsdimensionen-spielen-im-naturwissenschaftlichentechnischen-unterricht-eine-rolle\/","title":{"rendered":"Welche Heterogenit\u00e4tsdimensionen spielen im naturwissenschaftlichen\/technischen Unterricht eine Rolle?"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 14pt\">1. Im Rahmen eines Projekttages d\u00fcrfen die Sch\u00fcler*innen der 3b w\u00e4hlen, ob sie lieber Naturgegenst\u00e4nde sammeln und damit ein Wald- Mandala gestalten oder aber in B\u00e4umen aufgeh\u00e4ngte Nistk\u00e4sten abh\u00e4ngen und reparieren m\u00f6chten. Sandra interessiert sich mehr f\u00fcr die Nistk\u00e4stenaufgabe, w\u00e4hlt aber wie die meisten anderen M\u00e4dchen der Klasse das Mandala-Vorhaben. Finden Sie m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diese Entscheidung vor dem Hintergrund der \u201egrundlegenden psychologischen Bed\u00fcrfnisse\u201c nach Deci und Ryan (1993).<\/span><\/em><\/p>\n<p>Im Zuge eines Projekttages w\u00e4hlt Sandra trotz ihres Interesses an der Nistk\u00e4stenaufgabe f\u00fcr das Mandala-Vorhaben. F\u00fcr die Erkl\u00e4rung dieses Ph\u00e4nomens wird die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan herangezogen. Hierbei werden Kompetenz, Autonomie und soziale Eingebundenheit als ausschlaggebende psychologische Grundbed\u00fcrfnisse benannt (Deci \/ Ryan, 1993, S. 229 ff.).<\/p>\n<p>Kompetenz als Grundbed\u00fcrfnis beschreibt in diesem Zusammenhang die Handlungsf\u00e4hig eines Kindes Aufgaben eigenst\u00e4ndig zu bew\u00e4ltigen (vgl. Folie 20). Die Autonomie bezieht sich im Unterricht auf die F\u00e4higkeit durch Wahlm\u00f6glichkeiten, Probleml\u00f6seaufgaben oder Projektunterricht im selbstst\u00e4ndig getroffene Entscheidungen zu realisieren. Es dabei zu beachten, dass die Aufgaben den F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler*innen entsprechen um sie nicht zu \u00fcberfordern und somit nicht zu demotivieren (ebd.). Als dritter Bestandteil der benannten Selbstbestimmungstheorie beschreibt die soziale Eingebundenheit das Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung und Akzeptanz der Peers bzw. der Mitsch\u00fcler*innen. Durch die Variation der Sozialformen im Unterricht k\u00f6nnen Aufgaben zusammen bearbeitet werden, wodurch eine Zugeh\u00f6rigkeit entsteht und gest\u00e4rkt werden kann (vgl. Maltzahn, 2014, S. 115,116).<\/p>\n<p class=\"p1\">Sandra scheint besonders vor dem Hintergrund der sozialen Eingebundenheit auf ihr Interesse an der Nistk\u00e4stenaufgabe auf diese zu verzichten. Der Einfluss ihres sozialen Umfeldes \u00fcberwiegt dem Bed\u00fcrfnis nach Autonomie, weshalb sie letztendlich das Mandala-Vorhaben w\u00e4hlt (ebd.).<\/p>\n<p class=\"p1\"><span style=\"font-size: 14pt\"><em>2. Welche didaktischen Entscheidungen konterkarieren in dieser Situation (paradoxer Weise?) f\u00fcr den Gro\u00dfteil der 3b die F\u00f6rderung vielf\u00e4ltiger Interessen?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Die eigenst\u00e4ndige Wahl von Aufgaben spricht zwar f\u00fcr die grundlegenden psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse nach Deci \/Ryan, jedoch sind die zur Auswahl stehenden Aufgaben erfahrungsgem\u00e4\u00df sehr stereotypisiert an bestimmte Geschlechterrollen angelegt (vgl. Deci \/ Ryan, 1993, S. 229). W\u00e4hrend Mandalas einen k\u00fcnstlerischen und \u00e4sthetischen Charakter aufweisen, sind Nistk\u00e4sten mit handwerklichem Arbeiten verbunden. Am Beispiel von Sandra ist zu erkennen, dass die freie Auswahl an solchen Aufgaben h\u00e4ufig eine Geschlechterzuordnung suggeriert. Entscheidungen der Sch\u00fcler*innen sind somit stark an das soziale Umfeld gekoppelt und nicht am eigenen Interesse.<\/p>\n<p class=\"p1\">F\u00fcr die F\u00f6rderung von vielf\u00e4ltigen Interessen w\u00e4re eine von Stereotypen unabh\u00e4ngige Aufgabenstellung passender. Somit bleibt die Orientierung am Umfeld aus und die Kinder entscheiden nach eigenem Interesse.<\/p>\n<p class=\"p1\"><span style=\"font-size: 14pt\"><em>3. Eine Kollegin berichtet im Lehrer*innenzimmer, dass sie im Werkunterricht bei Partnerarbeiten meist Junge\/M\u00e4dchen kombiniert, um Kompetenzunterschiede auszugleichen. Kommentieren Sie diesen Ansatz mit Blick auf verschiedene denkbare Auspr\u00e4gungen technikbezogener Selbstkonzepte der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Dieser Ansatz ist stark an stereotypische Geschlechterrollen gekoppelt. Es wird von der Lehrkraft davon ausgegangen, dass das Geschlecht allein Unterschiede in den Kompetenzen charakterisiert. Die Lehrkraft suggeriert den Lernenden mit diesem Ansatz, dass M\u00e4dchen beispielsweise in den Naturwissenschaften oder in der Technik einen Nachteil gegen\u00fcber den Jungen haben, was somit dazu f\u00fchrt, dass Geschlechterrollen in der Gesellschaft weiterhin stark pr\u00e4sent sind. Gerade im Sachunterricht besteht jedoch die Chance sich von diesen Geschlechterrollen zu l\u00f6sen, da jedes Kind auf ein individuelles Repertoire an lebensweltlichen Erfahrungen zur\u00fcckgreifen kann und diese im Unterricht einbringen kann (vgl. Jerusalem, 1997, S.3-5). Zudem sind eigenst\u00e4ndige Gruppenbildungen besser geeignet, da Kinder basierend auf ihrem Interesse, ihren Kompetenzen und den Beziehungen zu ihren Mitsch\u00fcler*innen Gruppen bilden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\"><em><span style=\"font-size: 10pt\">Literatur:<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"p1\"><em><span style=\"font-size: 10pt\">Deci, Edward L. \/ Ryan, Richard M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung f\u00fcr die P\u00e4dagogik. In: Zeitschrift P\u00e4dagogik 39. Bletz\u00a0Juventa, 223-238<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"p1\"><em><span style=\"font-size: 10pt\">Jerusalem, Matthias (1997): Die Entwicklung von Selbstkonzepten und ihre Bedeutung f\u00fcr Motivationsprozesse im Lern- und Leistungsbereich. Antrittsvorlesung, 23. Mai 1993. Berlin: Humboldt-Universit\u00e4t, Philosophische Fakult\u00e4t 4. In: https:\/\/edoc.hu-berlin.de\/bitstream\/handle\/18452\/2230\/Jerusalem.pdf?sequence=1; Zugriff 31.05.2023<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt\">Maltzahn, Katharina von (2014): M\u00e4dchen und Naturwissenschaften. Zur Entwicklung von Interessen nach der Grundschule. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, 115-118.<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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