Heterogenität in der Schule (GO)

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Abschlussreflexion

Filed under: Allgemein — Anna-Lena at 9:41 pm on Mittwoch, August 14, 2019  Tagged

Die für mich zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die ich aus den Vorlesungen mitgenommen habe, sind die der Chancengleichheit und der Heterogenität im Fachlernen. Die Chancengleichheit wurde bereits in der ersten Ringvorlesung von Fr. Prof. Dr. Yasemin KarakaşoÄlu behandelt. Hierzu wurden um uns dieses Prinzip näherzubringen, Darstellungen von verschiedenen Situationen gezeigt welche den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit darstellen. Wenn jeder SuS die gleiche Förderung bekommt, kommt es dennoch nicht dazu, dass alle SuS am Ende auf dem gleichen Bildungsstand sind. Dies liegt in der (Leistungs-)Heterogenität einer Lerngruppe begründet, da jeder SuS andere Startbedingungen mit sich bringt (Brockhaus Enzyklopädie nach Wenning 1999, S.199). Erweitern lässt sich diese Annahme unter anderem durch die in der dritten Ringvorlesung genannte theoretische Erkenntnis von Dr. Christoph Kulgemeyer. Er bezieht sich hierbei auf eine Theorie von Wellenreuther(2002), welcher das Lernverhalten von SuS anhand von Heterogenität erklärt.  Hierbei handelt es sich beispielsweise um unterschiedliche Kenntnisstände innerhalb der Lerngruppe, was dazu führt, dass nicht alle SuS auf dem gleichen Stand sind und deswegen Lerninhalte wiederholt werden müssen. Außerdem variiert die Lerngeschwindigkeit unter den SuS, was ebenfalls zu komplikationen beim Lernstoff durchgehen führen kann, da so SuS für manche Lerninhalte länger brauchen um diese zu verstehen als wieder rum andere SuS. Zusätzlich variiert innerhalb einer Lerngruppe auch die Motivation bzw. die Lernlust für eine bestimmte Thematik, was die arbeitsweise von den SuS beeinflusst. Die Theorie zeigt somit, dass wenn man nicht auf diese Unterschiede eingeht, sich diese automatisch vergrößern. Dieser Vorgang wird auch als Matthäus Effekt bezeichnet. Um einer erweiterten Heterogenität entgegenzuwirken, muss man also auf die einzelnen bedürfnisse der SuS eingehen. 

In meinen Fächern Englisch und Geschichte möchte ich besondere auf die Aussprache beim Fremdsprachenlernen und auf religiöse Diversität Rücksicht nehmen. In der elften Vorlesung ging Frau Mareike Tödter auf das Fremdsprachenlernen in der Schule ein. Sie erklärte, dass es das ideal sei sich anzuhören wie ein native speaker. Also „Möglichst akzent- und fehlerfrei sprechen” zu können. Außerdem wird es als nicht so ansprechend angesehen, wenn man beim Sprechen der Fremdsprache den Deutschen Akzent raushört. Dieser Aspekt liegt mir besonders am Herzen, da ich selber damit sehr beschäftigt war. Ich habe mich immer sehr unwohl beim Englisch sprechen gefühlt da ich wusste, dass man meinen Deutschen Akzent raushören wird. Deswegen habe ich dann häufig lieber nichts gesagt. Diesen Aspekt nannte Frau Tödter ebenfalls und bezeichnete diesen als „Fehlerfreies Schweigen”. Als ein/-e Lehrer/-in für eine Fremdsprache, sollte man immer versuchen den SuS das Gefühl zu geben, dass es okay ist einen Fehler zu machen, da man nur so dazu lernen kann. Man gibt so den SuS die Chance ihr sprachliches Niveau zu verbessern und sich so dann auch weniger unwohl zu fühlen, was den Unterricht dann auch für alle anderen SuS deutlich angenehmer macht. In Hinsicht auf mein zweites Studienfach Geschichte möchte ich insbesondere Rücksicht nehmen auf die religiösen Hintergründe von den SuS. Als in der neunten Ringvorlesung der Umgang mit religiöser Diversität am Beispiel Judentum behandelt wurde, war ich Anfangs verwirrt und fragte mich, was das mit Geschichte zu tun hat. Nachdem Frau Dr. Sabine Horn und Frau Katharina Kracht den Zusammenhang erklärt hatten, war ich äußerst überrascht. Ich hatte nie an einen Zusammenhang zwischen Religion und Geschichte gedacht. Doch wenn man daran denkt, dass viele geschichtliche Ereignisse auf religiösen Hintergründen beruhen, erscheint es mir sinnvoll, auch im Geschichtsunterricht auf die unterschiedlichen Religionen Rücksicht zu nehmen. Angenommen man hat wie in der Ringvorlesung eine/-n Jude/Jüdin als SuS und versucht gerade die Thematik des Holocausts zu erläutern. Dies könnte zu Problematiken bei der Übermittlung dieses Lerninhaltes führen, da sich der/die Jude/Jüdin eventuell angegriffen fühlen kann. Zusätzlich muss man auch immer damit rechnen, dass dieser/diese Jude/Jüdin vielleicht bereits Diskriminierungserfahrungen gemacht hat bezüglich seiner/ihrer Religion. Man muss sensibel und rücksichtsvoll in solchen Fällen sein, da dies bei allen Religionen zutreffen könnte. Als Lehrer/-in muss man deswegen bei solchen Unterrichtsinhalten sich vorher Gedanken, worauf man und wie intensiv man auf eine Thematik eingeht.

 

Eine Frage, die ich mir als angehende Lehrkraft Stelle ist, ob es  im Bereich des möglich ist SuS sowohl inhaltlich, als auch menschlich für einen Lerninhalt zu motivieren und zu begeistern? Kann man einen SuS für ein Thema begeistern, ohne dafür ständig Filme zeigen zu müssen, oder die SuS Gruppenarbeit machen zu lassen? Und falls ja wie macht man das? Als angehende Lehrerin möchte ich natürlich versuchen so vielen SuS wie möglich meine Lerninhalte interessant und verständlich zu vermitteln. Ich möchte, dass die SuS etwas aus meinem Unterricht mitnehmen und eventuell auch etwas für ihre Zukunft mitnehmen. Doch kann man dies auch bei jemandem schaffen der sich für mein Fach normalerweise nicht interessiert?

Des Weiteren stellt sich mir die Frage, wie ich meinen SuS die gleichen Chancen bieten kann? Ist es überhaupt möglich allen dieselben Chancen zu geben? Als Lehrer muss man den kompletten Unterricht im Voraus planen. Hierbei dann noch auf die Leistungsheterogenität der SuS einzugehen fällt daher vom Zeitaufwand betrachtet sehr schwer. Ist es dann überhaupt möglich auf alle SuS so einzugehen, dass die gesamte Lerngruppe am Ende auf demselben Informationsstand sind? Mein Interesse liegt darin  herauszufinden wie ich meinen Unterricht so gestalten kann, dass ich auf die Leistungsheterogenität der SuS so eingehen kann, dass jeder etwas dazu lernt und sich keiner vernachlässigt oder ausgegrenzt fühlt.

 

Wie bereits eben erwähnt, stellt es eine große Schwierigkeit dar, jedem SuS mit seiner Unterrichtsplanung gerecht zu werden. Die Leistungsheterogenität einer Lerngruppe stellt hierbei eine große Herausforderung dar, da durch sie die SuS nicht auf dem gleichen Bildungsstand sind. Sie brauchen individuelle Förderung um mit den Lerninhalten standzuhalten, was allerdings schwer umsetzbar ist, wenn ein Lehrer sich um eine komplette Klasse kümmert, wo alle Individuen verschiedene Bedürfnisse haben. Es stellt sich also die Frage, wie man mit der Heterogenität umgehen kann, da man auch beachten muss, dass es durch eine Leistungstrennung der SuS untereinander zu Ausgrenzung kommen kann.

Daher würde ich sagen, dass das Prinzip der Chancengleichheit die größte Herausforderung darstellt. Ich erhoffe mir in dem Orientierungspraktikum Antworten auf meine Fragen zu finden. Hier kann man gut mit anderen Lehrkräften ins Gespräch kommen und sie genau zu diesen Problematiken befragen und erfragen wie diese damit umgehen. Des Weiteren hat man hier, aber auch die Möglichkeit beim Beobachten selber mitzubekommen wie es im Ernstfall wirklich aussieht und wie eine Lehrkraft hier handeln würde.

 



1 Kommentar »

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   Yasemin Walda

28. September 2019 @ 8:15

Liebe Anna-Lena,
Ihr Abschlussblog hat mit der Theoriebezogenheit, exemplarischen Ausführungen zu erziehungswissenschaftlichen wie fachdidaktischen Aspekten, die Sie besonders interessiert haben, Übertragung auf die eigenen Fächer und nachdenklichen Fragen zur Umsetzbarkeit einer umfassenden Sensibilität und Professionalität des Lehrers/der Lehrerin im Umgang mit Heterogenität der SchülerInnen alle geforderten Elemente der Aufgabenstellung sehr gut erfüllt.

BEstanden.
Yasemin Karakasoglu

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