{"id":42,"date":"2019-07-18T09:36:31","date_gmt":"2019-07-18T07:36:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhet1ellenrietbrock\/?p=42"},"modified":"2019-07-18T09:36:31","modified_gmt":"2019-07-18T07:36:31","slug":"abschlussreflexion-rv-baum-het","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/baumhet1ellenrietbrock\/2019\/07\/18\/abschlussreflexion-rv-baum-het\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion RV BAUM-HET"},"content":{"rendered":"<p>Zu 1 b.)<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist f\u00fcr mich die zentralste theoretische Erkenntnis aus den verschiedenen Vorlesungen, dass es eigentlich vortrags\u00fcbergreifend immer um das Aufbrechen der eigenen oder anderer, in jedem Fall aber fester Vorstellungen von bestimmten Umst\u00e4nden geht, deren Annahme man einfach kaum mehr in Frage stellt. Sieht man jedoch wieder genauer hin, stellt man fest, dass es sich nur um zumeist soziale (z.B. erweiterter Kulturbegriff, der Kultur theoretisch als Konstrukt, pragmatisch als gemeinsam geteiltes \u201eSystem von symbolischen Bedeutungen\u201c ansieht (vgl. Roth, 2002)) oder kognitive \u00a0Konstruktionen verschiedener Art handelt. So startete die erste Vorlesung \u00fcberraschenderweise sogar damit\u00a0 Heterogenit\u00e4t selbst als soziale Konstruktion zu \u201eentlarven\u201c.Was wir als `heterogen` wahrnehmen, ist immer eine \u201esoziale Konstruktion, die von expliziten (offenen) oder impliziten (verdeckten) Ma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr eine ebenfalls konstruierte Einheitlichkeit bzw. Homogenit\u00e4t (&#8230;) abh\u00e4ngt. `Heterogenit\u00e4t` impliziert die Differenz zu und die Streuung um eine Norm (s.o.) und verweist immer auf den Kontext (z.B. in der Organisation Schule institutionalisierte Wertma\u00dfst\u00e4be) als Vergleichsdimension. ( vgl. Gomolla 2009: 22)<\/p>\n<p>An diese Erkenntnis schliesst sich Luhmanns Systemtheorie der Komplexreduktion wunderbar an, da es Heterogenit\u00e4t\/ Homogenit\u00e4t einer Lerngruppe kurz gefasst als kognitive Konstruktion der Lehrkraft deutet, die ein\u00a0 Bestreben zur Folge hat, eine Lerngruppe zielgerichtet, komplexreduziert und somit vermeintlich st\u00f6rungsfrei zu unterrichten. Dies\u00a0 f\u00fchrt dazu, dass die Gruppe aktiv dem Lehrsystem angepasst wird. Sich immer wieder dar\u00fcber bewusst zu werden, dass es keine \u201enat\u00fcrliche\u201c Homogenit\u00e4t gibt, sondern Schule\u00a0 selektive und homogenisierende Bewertungsma\u00dfst\u00e4be an die SuS anlegt, die so unter Umst\u00e4nden zu unn\u00f6tiger Stigmatisierung und Ausgrenzung f\u00fchren kann, ist Aufgabe angehender Lehrkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Diese normative Dimension, die sich ausgehend\u00a0von den homogenisierenden Ma\u00dfst\u00e4ben in Schule zeigt, wird besonders im Bereich der Leistungsbewertung deutlich. So wird in der Vorlesung zur Leistungsbewertung \u201eLeistungsbeurteilung\u201c u.a. drastisch \u201eals Aufrechterhaltung von Ungleichheiten\u201c (Fend 1980 S. 15) vorgestellt. Nat\u00fcrlich gibt es auch andere Definitionen wie die \u00a0nach Weinert (1996 u.a.) in denen \u201eLeisten als die \u00dcberf\u00fchrung von eigenen Potentialen in Kompetenzen durch Eigent\u00e4tigkeit\u201c verstanden wird. Oder in der \u00a0Definition nach J\u00dcRGENS (2010): die Betrachtung des Zuwachses der Handlungskompetenzen und ein Ausbalancieren\u00a0 von\u00a0Autonomie\u00a0 und Sozialit\u00e4t (Vgl. J\u00fcrgens 2010, S. 455f.)<\/p>\n<p>In jedem Fall wurde einem in\u00a0 der Vorlesung der Einfluss der Lehrkraft auf den schulischen Erfolg nochmals sehr bewusst. \u00a0(20-25% nach nationalen (z.B.Helmke 2007) und internationalen Studien (Hattie 2009, Zierer 2014)). Wobei auch gezeigt wurde, dass nur ein gemeinsames T\u00e4tigwerden aller an Schule Beteiligten (Personen) schulischen Erfolg erm\u00f6glicht. Auch eine Leistungsw\u00fcrdigung unabh\u00e4ngig von Leistungsbewertung sollte f\u00fcr mich unbedingt zu den p\u00e4dagogischen Aufgaben von Lehrkr\u00e4ften geh\u00f6ren. Eine der \u00a0wichtigsten \u00a0Aufgaben der Lehrkraft besteht aber vor allem darin \u201eDidaktisch-methodisch differenzierte Lerngelegenheiten anzubieten.\u201c (vgl. Paradies\/Linser 2010). Das erfordert wohl automatisch eine \u00d6ffnung des Unterrichts und z.B. den Einsatz von individualisierten und kooperativgestalteten Arbeits-\/Wochenpl\u00e4nen, Lerntageb\u00fcchern, Schreib- und Rechenkonferenzen, Pr\u00e4sentationen, Portfolios (vgl. Barnitzky\/Speck-Hamdan, 2004; Br\u00fcgelmann, 2004 uvm.). Ein elementarer Baustein von Leistungsr\u00fcckmeldung ist u.a. das effektive Feedback. Es dient als wichtigstes Mittel der Leistungsr\u00fcckmeldung. Der Einfluss der Lehrkraft besteht dahingehend, dass der individuelle Lernforschritt des Kindes im Zentrum der Leistungsbewertung stehen sollte. Die Vorlesung hat es f\u00fcr mich sehr anschaulich gemacht, sich dieser vielf\u00e4ltigen Aufgaben bewusst zu werden und die Zusammenh\u00e4nge der verschiedenen Perspektiven verdeutlicht. Die Leistungsbewertung wird f\u00fcr mich pers\u00f6nlich wohl eines der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen darstellen.<\/p>\n<p>Zu 1.a)<\/p>\n<p>Konkret bedeutet dies in der Praxis beispielsweise f\u00fcr das Fach Deutsch auch, wie es in der fachdidaktischen Vorlesung \u00fcber \u201eErlesene Geschlechter\u201c kommuniziert wurde, dass man als angehende Lehrkraft \u201e\u00fcbergeneralisierende Allgemeinpl\u00e4tze kritisch und mit Bezugnahme auf Studienergebnisse hinterfragen sollte, um keine Klischees zu reproduzieren\u201c. Es besteht also\u00a0 immer die Gefahr, voreilige Annahmen als Grundlage f\u00fcr das eigene Handeln zu nehmen. So gilt es verallgemeinernde Aussagen wie z.B. \u201eM\u00e4dchen lesen lieber als Jungen\u201c \u00a0kritisch zu hinterfragen. So zeigt sich bei genauer Betrachtung: \u201eLeseleistungen von M\u00e4dchen und Jungen (unterscheiden sich) statistisch bedeutsam nach Textsorten (&#8230;) Zusammenfassend l\u00e4sst sich (&#8230;)schlussfolgern, dass der Vorteil der M\u00e4dchen im Lesen insbesondere auf ihre deutlich h\u00f6heren Leistungen bei literarischen Textsorten zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, wohingegen sich beim informierenden Lesen kaum Unterschiede zwischen Jungen und M\u00e4dchen zeigen\u201c ( IGLU 2016) Konkret kann ich als Lehrkraft also z.B. Einfluss nehmen durch die Auswahl der B\u00fccher, die ich im Unterricht anbiete. Dabei gilt es immer wieder Klischees aufzubrechen und vor allem die SuS mit einzubeziehen und, im Sinne einer Dramatisierung und Entdramatisierung von Geschlecht, ein Bewusstsein f\u00fcr dieses Thema auch bei den SuS selbst\u00a0 zu schaffen. Dabei kann und sollte die M\u00f6glichkeit literarischer Texte zur Identit\u00e4tsfindung genutzt werden. Durch das Angebot an Bildern und Texten (eines symbolischen Vorrats an z.B. Genderentw\u00fcrfen) sollte somit Heranwachsenden Diverstit\u00e4t zur freiheitlichen\u00a0 Menschbildung im Literaturunterricht angeboten werden (vgl. S.28 f.). Denn zur Aufgabe angehender Lehrkr\u00e4fte geh\u00f6rt eben unbedingt auch die Pers\u00f6nlichkeitsbildung und die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts der SuS.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn es keinen Bezug zu meinem eigenen Fach gibt, hat mir inhaltlich trotzdem besonders gut die Vorstellung des Projekts von Frau Dr. B\u00f6ning zur F\u00f6rderung des sprachsensiblen Matheunterricht gefallen, weil dort sehr praxisnah konkrete Anregungen f\u00fcr den Umgang mit Heterogenit\u00e4t\u00a0 in Schule\/Kita gegeben wurden. Besonders beeindruckend fand ich dabei die gelungene Einbindung der Eltern in dem Projekt, in Form von Eltern- Nachmittagen zum Dialogischen Vorlesen, zur Projektvorstellung oder zum Spielen. Da die Familie nachweislich zum einen \u201ezentraler Einflussfaktor auf die Sprachentwicklung\u201c (vgl. Tizard &amp; Hughes 1964 et.al. 1993; Nickel 2007) ist, zum anderen ein enger Zusammenhang zwischen der Qualit\u00e4t famili\u00e4rer Anregungsbedingungen\u00a0 und numerischer F\u00e4higkeiten besteht. (vgl. z.B. Anders et al. 2012, Schuchardt et al. 2014) ist eine Einbindung in Schule doch besonders wertvoll. In dem\u00a0 Enter-Projekt wurde dies scheinbar mit Leichtigkeit und zudem spielerisch motiviert umgesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu \u00a02.:<\/p>\n<p>Sicherlich ist die Komplexreduktion ein gro\u00dfer Einflussfaktor, der auf das Bestreben nach Homogenit\u00e4t aus Sicht der Schule\/ der Lehrkraft wirkt. Die normative Dimension von Schule wird sicherlich stark dadurch gepr\u00e4gt, dass eine Heterogenit\u00e4t der Lerngruppe nur begrenzt erw\u00fcnscht ist. Eine \u201ezu gro\u00dfe\u201c Heterogenit\u00e4t aus schulischer Sicht, f\u00fchrt automatisch zu einer Art Selektion, ob durch F\u00f6rderunterricht im Rahmen einer Lerngruppe oder in anderen Formen. Dies l\u00e4sst sich im aktuellen Unterricht an den Schulen ( Praktikum ) nach wie vor beobachten. Darum werden SuS nach wie vor in Differenzierungsr\u00e4umen oder in Sprachlernklassen unterrichtet. Dass eigentlich der individuelle Lernforschritt des Kindes im Zentrum der Leistungsbewertung steht, ist f\u00fcr mich ein anzustrebendes Ziel.<\/p>\n<p>Noch trauriger finde ich aber die Tatsache, dass es in Schule vielfach immer noch, trotz besseren Wissens aller an Schule Beteiligten \/Forschung in normierenden Leistungsvergleichen gedacht wird. Wie sehr sogar Potenziale beschnitten und im Keim erstickt werden, weil sie der normativen Dimension von Schule nicht entsprechen. Das hat vor allem Auswirkungen auf das Selbstkonzept von Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu 3.<\/p>\n<p>Im weiteren Studium w\u00fcrde ich unbedingt mehr erfahren wollen \u00fcber den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht und w\u00fcrde gerne \u00a0verschiedene M\u00f6glichkeiten eines\u00a0 sprachsensiblen Unterrichts \u00a0kennenlernen. In der Vorlesung zur Mehrsprachigkeit haben wir schon einige Anregungen bekommen, wie z.B. die Mehrsprachigkeit der SuS eher in den Unterricht einzubinden, als sie als Hindernis wahrzunehmen. Gleichzeitig ein anderes Bewusstsein f\u00fcr Mehrsprachigkeit zu entwickeln. Auch dabei geht es wieder um das Aufbrechen der eigenen Vorstellungen. Ganz konkret w\u00fcrde ich aber z.B. gerne mehr \u00fcber den \u201erichtigen\u201c Einsatz von \u201escaffolding\u201c wissen.<\/p>\n<p>Desweiteren w\u00fcrde mich das Thema alternativer Leistungswahrnehmung, -bewertung und -r\u00fcckmeldung interessieren. Es gibt internationale Schulen, die mithilfe digitaler Medien sehr viel individueller und kompetenzorientierter arbeiten und so beispielsweise halbj\u00e4hrlich individuelle Lehrpl\u00e4ne f\u00fcr jedes Kind gemeinsam mit den Eltern erstellen (Steve Jobs Schule (Niederlande) oder \u201eSchool of One\u201c (NY)).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu 1 b.) Grunds\u00e4tzlich ist f\u00fcr mich die zentralste theoretische Erkenntnis aus den verschiedenen Vorlesungen, dass es eigentlich vortrags\u00fcbergreifend immer um das Aufbrechen der eigenen oder anderer, in jedem Fall aber fester Vorstellungen von bestimmten Umst\u00e4nden geht, deren Annahme man einfach kaum mehr in Frage stellt. 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