{"id":20,"date":"2019-04-28T21:15:46","date_gmt":"2019-04-28T19:15:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ayshan\/?p=20"},"modified":"2019-04-28T21:15:46","modified_gmt":"2019-04-28T19:15:46","slug":"empirische-forschung-zu-heterogenitaet-im-naturwissenschaftlichen-unterricht-felder-und-massnahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ayshan\/2019\/04\/28\/empirische-forschung-zu-heterogenitaet-im-naturwissenschaftlichen-unterricht-felder-und-massnahmen\/","title":{"rendered":"Empirische Forschung zu Heterogenit\u00e4t im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>23. April 2019<\/p>\n<ol>\n<li>In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium \u00fcber Ma\u00dfnahmen zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen sie zwei empirisch \u00fcberpr\u00fcfte Fakten zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t, die der Diskussion dienen k\u00f6nnten!<\/li>\n<li>Erl\u00e4utern Sie, welches Unterrichts-Muster Sie in Ihrer bisherigen Erfahrung selbst als das wirkungsvollste erlebt haben! Diskutieren sie Ihre Beobachtung vor dem Hintergrund der Vorlesung!<\/li>\n<li>Entwickeln sie eine kurze Aufgabe mit drei gestuften Lernhilfen, die Sie in Ihrem Fach morgen im Unterricht einsetzen k\u00f6nnten! Erl\u00e4utern Sie die gestuften Lernhilfen und beschreiben Sie, wie Sie im Unterricht erkennen k\u00f6nnen, ob diese erfolgreich gew\u00e4hlt sind.<\/li>\n<li>Eine Kollegin sagt: \u201eGesamtschulen sind ja immer mal wieder der letzte Trend, ob wir sie nun Oberschulen nennen oder Sekundarschulen, die Idee ist doch dieselbe. Alle werden gemeinsam unterrichtet, was f\u00fcr eine Ideologie. Dabei zeigt doch die empirische Forschung klar, dass das Gymnasium nur von den besten SuS besucht werden sollte. Die Schlechten f\u00fchlen sich hier doch viel zu schnell \u00fcberfordert und das frustriert sie so sehr, dass sie vollkommen abschalten\u201c. Was antworten sie der Kollegin?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Antwort:<\/p>\n<p>1. Um die Leistung der Sch\u00fcler durch Heterogenit\u00e4t zu steigern, gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Das w\u00e4ren die \u00e4u\u00dfere Differenzierung und die innere Differenzierung. Dazu zeigen empirische Forschungen folgende Ergebnisse: Bei der \u00e4u\u00dferen Differenzierung handelt es sich um Zusatzangebote oder unterschiedliche Niveaukurse, jedoch haben diese Angebote wenig Auswirkung auf die Leistungsteigung. Jedoch profitieren bei diesen Angeboten die Leistungsstarken SuS. Bei der inneren Differenzierung handelt es sich um Lerngruppen zwischen starken und schwache SuS, bei der es unterschiedliche Aufgabenschwierigkeiten gibt oder Aufgaben mit gestuften Lernhilfen , hier bei profitieren die Leistungsschwachen. Eine Binnendifferenzierung, also das Anwenden vielf\u00e4ltiger Methoden um mit den Unterschieden der Lernenden umzugehen, ohne die Gruppe dauerhaft aufzuteielen, f\u00fchrt hingegen dazu, dass alle SuS mehr lernen. Also ist es empirisch bewiesen, dass Differenzierung von leistungsstarke und leistungsschwache Sch\u00fcler nur den Leistungsstarken hilft.<\/p>\n<p>2. Ich habe nicht in Deutschland zur Schule gegangen, sondern in meine Heimat. In meiner Schulzeit habe ich nicht von dem Umgang mit Heterogenit\u00e4t mitbekommen. In dem Mathematikunterricht war das Unterrichtsmuster immer gleich und ich w\u00fcrde es nicht als wirkungsvoll bezeichnen. Es wurden Aufgaben verteilt und entweder man konnte sie sofort l\u00f6sen oder man musste warten bis die L\u00f6sung sp\u00e4ter von den leistungsstarken Sch\u00fclern an die Tafel geschrieben wurde. Meistens besteht die Schwierigkeit f\u00fcr leistungsschwache SuS darin einen L\u00f6sungsansatz zu finden. Die SuS mit Schwierigkeiten haben dann nur auf ihr Blatt geschaut, irgendwas auf ihr Heft geschrieben und haben gehofft, dass die Lehrkraft nicht mitbekommt, dass man die Aufgabe nicht versteht. W\u00fcrden leistungsschwache SuS Lernhilfen zum L\u00f6sen der Aufgaben erhalten, z.B. Tippkarten oder Tipps unter der Aufgabenstellung, g\u00e4be es f\u00fcr diese die gleiche M\u00f6glichkeit zum Ergebnis zu gelangen wie f\u00fcr die leistungsstarken SuS.<\/p>\n<p>3. Ich bin morgen in einem Mathematikunterricht der 6. Klasse eingesetzt und m\u00f6chte das Thema Termumformungen behandeln. Im Anfang meiner Stunde w\u00fcrde ich zuerst einmal erkl\u00e4ren, was Terme sind und wie man mit ihnen rechnen kann. Im Anschluss an meine Theorie verteile ich an jeden Sch\u00fcler\/jede Sch\u00fclerin jeweils zwei Bl\u00e4tter. Auf einem Blatt stehen auf der Vorderseite 10 Aufgaben zur Termumformung, auf der R\u00fcckseite ein kurzer Feedbackbogen, wo man ankreuzen kann welche Tipp (1,2,3 oder keine) ben\u00f6tigt wurde und darunter ein paar Zeilen, wo die SuS erl\u00e4utern k\u00f6nnen, worin genau ihre Schwierigkeiten bestanden. Auf dem anderen Zettel stehen die Tipps in drei Unterteilungen, damit die Sch\u00fcler mit den Aufgaben klar kommen.<\/p>\n<p>Aufgabenblatt<\/p>\n<p>Vereinfache folgende Terme soweit wie m\u00f6glich.<br \/>\n1) 8a + 9b- 3c + 11d + 2a +4c (als Beispiel)<br \/>\n2) 4c+ 8b- 4a- 5b+ 1c+ 7a<br \/>\n3)&#8230;<\/p>\n<p>Lernhilfe Blatt<br \/>\nAufgabe 1 (Beispiel)<br \/>\nTipp 1) Markieren Sie alles mit den Gleich Buchstaben.<br \/>\n8a + 9b \u20133c+ 11d + 2a +4c<br \/>\nTipp 2) Stellen Sie statt den Buchstaben Objekte vor und fassen Sie diese zusammen.<br \/>\na=\u00c4pfel, b=Bananen, c=Zitronen ,d=Erdbeeren<br \/>\n8 \u00c4pfel + 9 Bananen\u2013 3 Zitronen+ 11 Erdbeeren+ 2 \u00c4pfel + 4 Zitronen<br \/>\nTipp 3) Sortieren Sie alles mit gleichen Buchstaben .<br \/>\n8a + 2a +9b\u20133c+4c+11d<\/p>\n<p>Aufgabe 2 (analog zu Aufgabe 1)<br \/>\nTipp 1) 4c +8b \u20134a \u20135b+1c +7a<br \/>\n\u2026<\/p>\n<p>Mit diesen gestuften Lernhilfen sollte jede\/jeder SuS in der Lage sein die Aufgaben zu l\u00f6sen. Da jeder ein Lernhilfen Blatt bekommt, muss es keinem unangenehm sein danach zu fragen. Die SuS k\u00f6nnen den Zettel erst beiseitelegen und wenn sie Hilfe ben\u00f6tigen das Blatt heranziehen. Am Ende der Stunde kreuzt jeder\/jede die h\u00f6chste Hilfestufe an, die er\/sie ben\u00f6tigt hat und kann ggf. ein kurzes Feedback schreiben. So kann ich nach der Stunde die anonymen Feedbackb\u00f6gen einsammeln und auswerten.<\/p>\n<p>4. Es gibt keine schlechten Sch\u00fcler. Es gibt nur Sch\u00fcler, die mehr Hilfe ben\u00f6tigen aufgrund von ihren individuellen Anfangsbedingungen und es gibt Sch\u00fcler die weniger Hilfe ben\u00f6tigen. Es ist empirisch bewiesen, dass heterogene Gruppen von leistungsstarken und -schwachen Sch\u00fclern die Leistungsschwachen f\u00f6rdert und sie in der Gruppe mehr lernen und motivierter sind, als wenn sie in eingeteilt und separiert werden in eine leistungsschwache Gruppe. Die Motivation der Leistungsschw\u00e4cheren w\u00fcrde in solchen heterogenen Gruppen steigen. Sie w\u00fcrden sich besonders anstrengen und durch die Leistungsst\u00e4rkeren SuS w\u00fcrden sie den Stoff besser lernen. Es muss also nicht unbedingt frustrierend sein, wenn Leistungsschw\u00e4chere mit Leistungsst\u00e4rkeren arbeiten. Au\u00dferdem st\u00e4rkt das Lernen in heterogenen Gruppen die sozialen Kompetenzen aller SuS mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23. April 2019 In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium \u00fcber Ma\u00dfnahmen zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen sie zwei empirisch \u00fcberpr\u00fcfte Fakten zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t, die der Diskussion dienen k\u00f6nnten! 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