RV14 // Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu und Dennis Barasi // Rassismus oder Rassismen? Eine Diskussion und ihre Relevanz für (angehende) Lehrkräfte

1. Diskutieren Sie, a.) welche Möglichkeiten Sie sehen, durch ihr Handeln als Lehrer*in den auf
Folie 17 dargestellten Formen des institutionellen Rassismus zu begegnen b.) Wo und warum sind Ihren Einflussmöglichkeiten in der Schule Grenzen gesetzt?

a.) Als Lehrerin sehe ich es als meine Pflicht an, mich mit dem allgegenwärtigen Thema Rassismus auseinander zu setzen. Die erste dargestellte Form des institutionellen Rassismus „Schlechtere Leistungsbewertung“ (Bonefeld & Dickhäuser 2018) (vgl. Folie 17) betrifft mich als Lehrerin persönlich, denn es ist meine Aufgabe darauf zu achten die Schüler*innen objektiv rein nach ihrer Leistung zu beurteilen. Ich möchte behaupten, dass kein Mensch frei von Vorurteilen ist (vgl. Folie 18). Deswegen ist es als Lehrkraft von essentieller Wichtigkeit sich immer wieder selbst zu reflektieren. Je nach Möglichkeiten könnte man bei Unsicherheiten eine Zweitmeinung einholen.

Der zweiten Form des institutionellen Rassismus „Benachteiligung bei Zugängen zu höheren weiterführenden Schulen“ (Gomolla & Radtke 2009) und Hochschulen (Wojciechowicz 2018) (vgl. Folie 17) kann ich als Lehrkraft nur begegnen, indem ich als Lehrerin für Chancengleichheit einstehe und somit bildungspolitische Zeichen setze.

Als dritte Form wurde (Re-)Produktion von Rassismus in Schulbüchern (Bönkost 2020)“ (vgl. Folie 17) thematisiert. Hier kann ich als Lehrkraft, je nach finanzieller Lage der Schule, Schulbücher in meinem Unterricht einbinden, in welchen dies nicht der Fall ist, oder sollte diese Möglichkeit nicht bestehen, die Schüler*innen bewusst darauf aufmerksam machen und sie dahingehend sensibilisieren sich umfassend mit dem Thema Rassismus in Schulbüchern zu beschäftigen und sich darüber Gedanken zu machen.

Die vierte Form „Sprachgebote/-verbote – Linguizismus (Dirim & Khakpour 2018)“ (vgl. Folie 17) sollte nicht nur unter den Schüler*innen, sondern auch unter den Lehrkräften unbedingt thematisiert werden. Hier gilt es richtig hinzuhören, die Schüler*innen darauf aufmerksam zu machen und ihnen nicht nur zu verbieten, sondern zu erklären, warum sie z.B. gewisse Wörter nicht benutzen dürfen/sollen.

b) Mir als Lehrerin werden gewisse Grenzen in meinen Einflussmöglichkeiten in der Schule gesetzt dahingehend, dass nicht alle diese Formen des institutionellen Rassismus auch wirklich an der Schule selbst statt.

2. Lesen Sie das folgende Beispiel „Daniela Schneider“ aufmerksam durch. Was könnten Sie Daniela Schneider mit Bezug auf das Konzept equality/equity (Folie 14) argumentativ entgegnen, um sie von der Maßnahme zu überzeugen, muslimischen Schüler*innen an dem hohen islamischen Feiertag frei zu geben?

Hinter dem Konzept equality (vgl. Folie 14) steckt, dass alle Schüler*innen gleich zu behandeln und zu unterstützen sind. Dies setzt jedoch voraus, dass alle Schüler*innen die gleiche Ausgangssituation haben. Bei dem Konzept equity (vgl. Folie 14) geht es darum jedem/jeder so viel Unterstützung zu bieten, dass am Ende alle das gleiche Ziel erreichen, ohne Benachteiligung der anderen Schüler*innen. Für mich wäre es wichtig Daniela Schneider genau darauf aufmerksam zu machen. Warum findet sie es ungerecht, wenn die Schüler*innen ihrer Religion nachgehen. Welchen Nachteil haben die Schüler*innen die an diesem Tag zur Schule gehen? Wenn die Lehrkraft darauf vorbereitet ist nicht mit der vollen Anzahl von Schüler*innen an diesem Tag rechnen zu können, wird der Unterricht dahingehend angepasst.

Feiern die Christen nicht Weihnachten und Ostern? An diesen christlichen Feiertagen haben alle frei, jedoch liegt dies daran, dass es ein aufgrund der christlichen Prägung des Landes, gesetzlich festgelegter Feiertag ist, sollen Schüler*innen, welche nicht dem Christentum angehören in der Auslebung ihres Glaubens und ihrer Kultur eingeschränkt werden? 

Jedoch denke ich, es wäre denkbar alle Schüler*innen an diesem Tag vom Unterricht zu befreien, um auch den nicht muslimischen Schüler*innen die Möglichkeit zu geben die muslimischen Bräuche und Traditionen näher kennen zu lernen um interreligiöse Brücken zu schlagen.

3. Bitte begründen Sie mit Bezug auf rassismustheoretische Ansätze, inwiefern der Interviewausschnitt Hinweise auf antimuslimischem Rassismus enthält .

Frau Schneider spricht im Interview immer wieder von „die“, oder „die anderen“. Sie teilt die Schüler*innen in zwei Gruppen diejenigen welche ihren „Extrafeiertag“ bekommen und die „deutschen Schüler“. Hier könnte der rassismustheoretische Ansatz des „othering“ greifen (vgl. Folie 23, Said 1978; Spivak 1985). 

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