{"id":11,"date":"2026-04-30T10:46:11","date_gmt":"2026-04-30T08:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ants\/?p=11"},"modified":"2026-04-30T10:46:11","modified_gmt":"2026-04-30T08:46:11","slug":"mehrsprachig-gedacht-einsprachig-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ants\/2026\/04\/30\/mehrsprachig-gedacht-einsprachig-gelernt\/","title":{"rendered":"Mehrsprachig gedacht, einsprachig gelernt"},"content":{"rendered":"<p>Mehrsprachigkeit geh\u00f6rt heute ganz selbstverst\u00e4ndlich zum Schulalltag dazu und ist eigentlich viel mehr als nur \u201eeine zus\u00e4tzliche F\u00e4higkeit&#8220;. In meiner eigenen Schulzeit habe ich aber oft erlebt, dass sich Mehrsprachigkeit fast nur auf den Fremdsprachenunterricht beschr\u00e4nkt hat. Andere Sprachen, die Sch\u00fcler*innen mitbringen, oder unterschiedliche Sprachstile im Alltag wurden kaum wirklich einbezogen. Erst durch die Vorlesung ist mir klar geworden, wie breit man Mehrsprachigkeit eigentlich denken kann \u2013 n\u00e4mlich als individuelles, dynamisches Sprachrepertoire, das sich im Laufe des Lebens entwickelt und beim Lernen helfen kann. Gerade in der gymnasialen Oberstufe merkt man, wie stark Sprache und fachliches Lernen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Wenn ich zur\u00fcckblicke, war Unterricht meistens eher einsprachig gepr\u00e4gt, obwohl viele Sch\u00fcler*innen eigentlich mehrsprachig waren. Diese Potenziale wurden selten genutzt, obwohl Forschung zeigt, dass Mehrsprachigkeit das Lernen unterst\u00fctzen kann (vgl. Gogolin 2010, S. 23\u201325). Spannend fand ich in diesem Zusammenhang die Perspektive, die in der Vorlesung \u00fcber sogenannte Sprachenportr\u00e4ts deutlich wurde: Sch\u00fcler*innen nehmen ihre Sprachen ganz unterschiedlich wahr und verkn\u00fcpfen sie emotional sehr verschieden \u2013 manche zeigen ganz verschiedene Sprachen f\u00fcr verschiedene K\u00f6rperregionen oder Lebensbereiche. Das zeigt, wie wichtig es ist, diese individuellen Erfahrungen im Unterricht ernst zu nehmen. Dazu passt auch, was Daase im Buchbeitrag schreibt: Mehrsprachig aufzuwachsen stellt f\u00fcr Kinder eigentlich kein Problem dar \u2013 das Problem liegt eher darin, wie Schule damit umgeht (vgl. Daase 2023, S. 78).<\/p>\n<p>Auch in meinen bisherigen Praxiserfahrungen habe ich gesehen, dass viele Sch\u00fcler*innen Probleme mit der sogenannten Bildungssprache haben \u2013 egal, welche Erstsprache sie sprechen. Genau da setzt ein sprachsensibler bzw. registerbildender Unterricht an. Wie in der Vorlesung erkl\u00e4rt, m\u00fcssen eigentlich alle Sch\u00fcler*innen diese Registerdifferenzierung erst lernen \u2013 also den Unterschied zwischen Alltagssprache und der formelleren Schulsprache. F\u00fcr Sch\u00fcler*innen, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, ist das oft aufw\u00e4ndiger, weil sie dabei weniger auf Entsprechungen in ihrer Erstsprache zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr meinen eigenen sp\u00e4teren Unterricht nehme ich mir vor, Mehrsprachigkeit aktiver einzubauen. Die Vorlesung hat mir gezeigt, dass das gar nicht so kompliziert sein muss \u2013 schon einfache Vergleiche von Zahlw\u00f6rtern oder Fachbegriffen in verschiedenen Sprachen k\u00f6nnen das Nachdenken \u00fcber Sprache anregen und gleichzeitig das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl st\u00e4rken. Gleichzeitig merke ich, dass mir noch einiges an Wissen fehlt, vor allem wenn es darum geht, sprachliche F\u00e4higkeiten richtig einzusch\u00e4tzen und gezielt zu f\u00f6rdern. Deshalb m\u00f6chte ich mich in dem Bereich weiterbilden und mehr praktische Methoden kennenlernen.<\/p>\n<p>Schule sollte also insgesamt so gestaltet sein, dass Mehrsprachigkeit zum Alltag wird. Wichtig ist dabei, wie in der Vorlesung betont, von einer defizitorientierten Sicht wegzukommen und stattdessen ressourcenorientiert zu denken: Was bringen Sch\u00fcler*innen schon mit, und wie kann ich darauf aufbauen? Daf\u00fcr braucht es passende Rahmenbedingungen wie geschulte Lehrkr\u00e4fte, geeignete Materialien und eine klare Verankerung von Sprachbildung in allen F\u00e4chern.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Daase, A., 2023, \u201eMigrationsbezogene Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache in der Schule\u201c, In \u201eAllgemeinbildende Schulen in der Migrationsgesellschaft\u201c, S. 70\u201385<\/p>\n<p>Gogolin, I., 2010, \u201eDer monolinguale Habitus der multilingualen Schule\u201c, S. 23\u201325<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrsprachigkeit geh\u00f6rt heute ganz selbstverst\u00e4ndlich zum Schulalltag dazu und ist eigentlich viel mehr als nur \u201eeine zus\u00e4tzliche F\u00e4higkeit&#8220;. In meiner eigenen Schulzeit habe ich aber oft erlebt, dass sich Mehrsprachigkeit fast nur auf den Fremdsprachenunterricht beschr\u00e4nkt hat. 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