Vorlesung 12 Inklusive Pädagogik Frau Dr. Korff 20.06.2017

  1. Fokussierung des Vorlesungsthemas:

Benennen Sie zwei ausgewählte für Sie zentrale Aspekte zu Hintergründen und Zielsetzungen Inklusiver Pädagogik aus dem ersten Teil der Vorlesung. Beziehen Sie sich dabei auf die theoretischen Kernaussagen der Vorlesung. Erläutern Sie anschließend inwiefern Sie für diese theoretisch-konzeptionellen Zielsetzungen geeignete und hinderliche Bedingungen in der aktuellen Schulstruktur Bremens sehen, welche im zweiten Teil vorgestellt wurde.

Im Zuge der Inklusion, die maßgeblich durch die Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 geprägt wurde, sind strukturelle und organisatorische Veränderungen im Schulsystem, jedoch auch in der gesamten Gesellschaft vorgesehen. Einem jeden Menschen (SuS) soll die Teilhabe und Teilnahme an allen gesellschaftlichen Prozessen ermöglicht werden. Dieses zieht eine Form des Bruches mit Separationen mit sich, der bedeutet, dass Schulformen (wie die Sonderschulen) aufgebrochen und den Kindern ein Zugang zu allen allgemeinbildenden Bildungsinstanzen geschaffen werden sollte. Eine Umstrukturierung der Unterrichtsformen, wie die Orientierung hin zum offenen Unterricht gestützt auf kommunikativer und konstruktivistischer Didaktik gehört zu den Zielen der Inklusion. Zieldifferenziertes Lernen ist hier ein Aspekt, der unabdinglich mit dem Prozess verbunden ist. Durch eigene Erfahrungen im Fach IP und durch einige Praktika, habe ich unterschiedliche Erfahrungen bezüglich des Gelingens von Inklusiver Beschulung machen dürfen. Dadurch, dass die Schulen in Bremen verpflichtet sind, die Inklusion anzunehmen, mussten in vielen Schulen weitreichende Veränderungen vorgenommen werden. So individuell, wie die Einstellungen der Schulen bezüglich der Inklusion, waren auch die Umsetzungsformen in der Praxis. Durch personelle Knappheit und kaum räumliche Möglichkeiten barrierefrei im Sinne der Inklusion zu arbeiten, wurden einige SuS zum Teil vom Unterricht ausgeschlossen. Eine Sonderpädagogin pro Schule scheint deshalb keine gewinnbringende Methode zu sein, um jeder/m Schüler/in gerecht zu werden. Finanzielle Engpässe und das Bestehen einzelner Schulen für Förderbedarfe schränken die Umsetzung der Inklusion in Bremen zwar ein, jedoch ist ein positiver Trend zu beobachten, der damit beginnt, dass inklusives Denken als Einstellungssache in den Köpfen (der meisten) angekommen ist, was sehr positiv zu beurteilen ist.

2. Anwendung und theoriegeleitete Reflexion bisheriger Praxiserfahrungen:

In der Vorlesung haben Sie ein Beispiel aus eigener Unterrichtserfahrung zu gelungenem Unterricht notiert und diskutiert. Schildern Sie kurz dieses Beispiel für guten Unterricht. Stellen Sie anschließend erste Überlegungen für die Teilhabe und Teilnahme des Schülers Nergin an dieser Unterrichtssituation an. Welche Anpassungen und Erweiterungen können Sie sich vorstellen?

Der Unterricht, den ich aus eigener Erfahrung als besonders gelungen ansehe, ist der an der Grundschule, an der ich mein POE ableisten durfte. Als Inklusive Schule hat sich die Grundschule auf jede/n SchülerIn individuell eingestellt. Bezüglich innerer Differenzierung wurde seitens der Lehrkräfte viel Zeit investiert, was die SchülerInnen jedoch nicht zu spüren bekamen. Aussonderung und Ablehnung von SuS mit einem Förderbedarf konnte ich nicht erkennen, was nicht zuletzt durch die positive Einstellung des Klassenlehrers bezüglich der Inklusion auszumachen war. Als explizites Unterrichtsbeispiel lässt sich hier der Projektunterricht (fächerübergreifend) im Fach Sachunterricht nennen. Das übergeordnete Thema der Lerneinheit wurde festgelegt, jedoch durften die Kinder individuell recherchieren, inwiefern sie an das Thema herantreten und welche Aspekte sie beleuchten wollten. Die Methodik für die Herangehensweise wurde von der Lehrkraft insofern frei gestellt, als dass sich die SuS verschiedene Zugänge verschaffen konnten (PC, Hörbücher, Bücher, eigene Erfahrungen). Die anschließende Projektpräsentation verlief auch sehr offen. Jede/r Schüler/in durfte in der Gruppe frei wählen, wie sie ihre Arbeitsergebnisse vorstellen und welche Arbeitsteilung sie im Vorfeld vornehmen wollten. Insbesondere auf SuS mit einem Förderbedarf und SuS mit Migrationshintergrund wurde eingegangen (sei es in der sprachlichen Entwicklung oder geistigen Entwicklung). Bereits die Aufgabenstellungen (Zettel) waren so gestaltet, dass Aufgabentypen durch Symbole gekennzeichnet und jederzeit Fragekarten bereit lagen, die den SuS die Möglichkeit boten die Lehrkraft zu befragen. Da ich im Unterrichtsgeschehen zudem mit einem Autisten arbeiten durfte, habe ich sehr viele praktische Tipps und Methoden mitnehmen dürfen, wie Aufgabenstellungen individuell (in diesem Fall nach dem TEACCH- Ansatz, durch die Unterstützung mit Piktogrammen zur Orientierung) an die Schüler/innen herangetragen werden konnten. –> Auf Nergin bezogen würde ich an der von mir vorgestellten Unterrichtseinheit nur kaum etwas verändern. Durch die offene Form der Projektarbeit kann Nergin an dem Projekt teilnehmen, ohne sich der für ihn unangenehmen Situation „präsentieren zu müssen“ stellen zu müssen . Da auch die Methodik der Präsentation offen gehalten wurde (Power- Point, Basteln, Bilder etc.) wäre es für Nergin somit einfacher sich trotzdem einzubringen und auch seine Ergebnisse zu präsentieren, ohne dass er sich innerhalb der Klasse unwohl fühlen müsste. Um seine Interessen anzusprechen, könnte man als Form der Präsentation auch ein Lied anbieten, desse Texte sich Nergin durch das akustische Wahrnehmen merken kann.

Sinn machen würde zudem eventuell innerhalb der Projektgruppe ein Arbeiten mit Aufgabenkarten einzuführen. Somit wäre in jeder der Gruppen ein Kind dafür zuständig den Arbeitsauftrag deutlich und klar in eigenen Worten wiederzugeben. So würde man der negativen Erfahrung Nergins vorbeugen, der einzige zu sein, dem die Aufgabe ein weiteres Mal aufgrund fehlender sprachlicher Umsetzungsmöglichkeiten zu erklären. Durch Piktogramme und Symbole sollte jedoch der Arbeitsaufrag allgemein ansprechend und klar gestaltet werden.

3.Anwendung und theoriegeleitete Reflexion zukünftiger Praxiserfahrungen

Formulieren Sie drei Aspekte, die Sie in ihrem nächsten Praktikum lernen, in Erfahrung bringen oder ausprobieren könnten, um in Zukunft die Einbindung eines Schülers wie Nergin in Ihren Unterricht noch besser zu bewältigen.

Insgesamt im Studium fehlt mir noch die praktische Umsetzung von theoriegeleiteten Aspekten, die wir im Studium bereits gelernt haben (Insbesondere bei den von uns gewählten Förderschwerpunkten). Durch die Arbeit mit einem Autisten ist mir klar geworden, dass es DIE Lösung nicht zu geben scheint. Individuelle Zugänge scheinen so individuell wie die Kinder zu sein, die wir später unterrichten werden. Trotzdem würden mir in Bezug auf Unterrichtsplanung, Unterrichtsstruktur und individuelle Förderung noch konkrete Möglichkeiten fehlen, die im Unterrichtsgeschehen einsetzbar wären. Der TEACCH- Ansatz, den ich im POE durch unsere Dozentin aus dem LIS kennenlernen durfte, ist mir im Studium vorher nicht begegnet. Solche praktische Umsetzungsmöglichkeiten empfinde ich für Lehrkräfte als wichtiges Instrument, die auch in allgemeinen Lehramtsstudiengängen viel mehr eingebunden werden sollten.

Ein Gedanke zu „Vorlesung 12 Inklusive Pädagogik Frau Dr. Korff 20.06.2017“

  1. Hallo Anneke,
    erst einmal, dein Text gefällt mir wirklich gut. Du hast zu Beginn die Inhalte aus der Vorlesung gut wiedergegeben und in den Kontext der Aufgabe gesetzt.
    Auch an Schulen in meiner Heimat treten die von dir beschriebenen Problem auf. Ich persönlich finde es schade, dass so einigen SuS aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweise an das Thema Inklusion, die Möglichkeiten sich vollkommen integrieren zu können genommen wird.
    Deine Erläuterungen in Aufgabe zwei finde ich sehr interessant. Die von dir zu Beginn beschriebene Situation stellt ein gutes Beispiel für einen gelungenen Unterricht dar.
    Deine Ideen zum Beispiel Nergin empfinde ich als guten Zugang zur Problematik. Besonders die Möglichkeit ein Kind nochmals die Aufgabenstellung in eigenen Worten wiedergeben zu lassen, sehe ich ebenfalls als sehr sinnvoll an.

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